Carsten Gansel beschreibt in seinem Aufsatz „Jugendliteratur und jugendkultureller Wandel“ die Literatur, sowie weiterführend explizit die Jugendliteratur mit den folgenden Worten:
„Literatur ist Aneignung und Kommunikation, sie ist Ausdruck von Erfahrung und Bewußtseinsständen konkret-historischer Subjekte und gleichzeitig Aktion in Hinblick auf einen potentiellen Leser.
Für die Jugendliteratur ist der Bezug auf die aktuellen Wirklichkeitserfahrungen, die Bedürfnisse wie Problemlagen Heranwachsender von besonderer Bedeutung.“
Dieses Zitat sagt bereits viel über die von jugendlichen Lesern rezipierte Literatur, deren Inhalte und Wirkung/Bedeutung sowohl im privaten, als auch im schulischen Kontext aus. Jugendliteratur thematisiert die Probleme des Erwachsenwerdens und setzt sie in einen für den jungen Leser zeitbezogenen und lebensnahen Kontext. Folglich vermag sie den adoleszenten Rezipienten bei seiner Identitätssuche zu unterstützen, indem sie ihm auf fiktiver Ebene ein Medium zur Selbstreflexion, sowie zur Auseinandersetzung mit seiner Umgebung anbietet .
Im Rahmen der zu verfassenden Arbeit stellt sich hierbei die Frage, inwiefern der Adoleszenzroman als eine spezifische „Subgattung“ der Kinder- und Jugendliteratur dieser Deskription gerecht wird und welche Chancen und Risiken sich dabei vor allem für die Deutschdidaktik der Sekundarstufe ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff Adoleszenz in der Entwicklungspsychologie
3. Definition Adoleszenzroman
3.1 Gattungsmerkmale des Adoleszenzromans
3.2 Abgrenzung des Adoleszenzromans zu benachbarten Gattungen der Kinder- und Jugendliteratur
4. Vom klassischen zum (post)modernen Adoleszenzroman
4.1 Historische Entwicklung des Adoleszenzromans in Deutschland
4.2 Zum Verhältnis von klassischem und (post)modernem Adoleszenzroman
5. Didaktische Aspekte und Probleme postmoderner Adoleszenzromane (Fazit)
6. Literaturangaben
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Adoleszenzroman als spezifische Subgattung der Kinder- und Jugendliteratur und analysiert dessen Bedeutung sowie didaktische Relevanz im schulischen Kontext unter Berücksichtigung des Wandels von klassischen hin zu postmodernen Erzählformen.
- Entwicklungspsychologische Grundlagen der Adoleszenz
- Definition und Gattungsmerkmale des Adoleszenzromans
- Abgrenzung zu verwandten Gattungen (Bildungs-, Erziehungs- und Entwicklungsroman)
- Historische Entwicklung und der Wandel zur Postmoderne
- Didaktische Potenziale und Problematiken postmoderner Adoleszenzliteratur
Auszug aus dem Buch
3.1 Gattungsmerkmale des Adoleszenzromans
Wie bereits in der Einleitung erwähnt wurde, so lässt sich der Adoleszenzroman nach Heinrich Kaulen als „spezifische Erscheinungsform oder Subgattung des modernen Jugendromans“ definieren, der sich mit dem Thema des Erwachsenwerdens beschäftigt. Hierbei gilt es allerdings zu beachten, dass nicht jede Form der Literatur, welche sich mit der Jugendphase und deren Problemen beschäftigt, auch gleichzeitig dem Gattungsmuster der Adoleszenzliteratur zugeordnet werden kann. Dieses definiert sich durch diverse Merkmale und nur solche Texte, welche alle Merkmale in sich vereinigen, dürfen laut Heinrich Kaulen als Adoleszenzromane bezeichnet werden.
Im Mittelpunkt adoleszenter Literatur stehen in der Regel mehrere männliche (in postmodernen Romanen kann der Protagonist auch weiblich sein) Jugendliche, wobei die Konzentration auf deren Jugendphase liegt (11-20 Jahre. Allerdings ist im postmodernen Adoleszenzroman die Alterspanne nicht selten wesentlich weiter gefasst [vgl. Nick Hornby: High Fidelity; Benjamin v. Stuckrad-Barre: Soloalbum; Christian Kracht: Faserland].). Die Erzählspanne erstreckt sich hierbei über den Prozess der Identitätssuche und wählt wenige, genau definierte Problembereiche adoleszenter Entwicklungsaufgaben aus. Zu diesen Problemfeldern zählen die Ablösung von der Herkunftsfamilie, die Entwicklung eines eigenen Wertesystems, die ersten sexuellen Erfahrungen mit heterosexuellen oder gleichgeschlechtlichen Partnern, der Aufbau eigenständiger Sozialkontakte in der Peergroup und die Übernahme einer neuen sozialen Rolle.
Den Höhepunkt der Adoleszenzromane markiert generell eine hereinbrechende Identitätskrise, an welche sich die Sinnsuche des Protagonisten anschließt. Den Sozialisationsinstanzen Elternhaus und Schule wird bei der sogenannten „ich entfremdenden Entwicklung“ der Adoleszenzfigur eine große Rolle zuteil. Charakteristisch für den Adoleszenzroman ist darüber hinaus, dass der Prozess der Identitätsfindung keine positive und endgültige Lösung findet, sondern der Ausgang als Scheitern oder in Form eines offenen Endes gestaltet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Jugendliteratur für die Identitätsfindung und skizziert die methodische Vorgehensweise der Arbeit zur Untersuchung des Adoleszenzromans.
2. Der Begriff Adoleszenz in der Entwicklungspsychologie: Dieses Kapitel definiert die Adoleszenz als Lebensphase und beschreibt die zentralen Entwicklungsaufgaben sowie die psychischen Herausforderungen der Heranwachsenden.
3. Definition Adoleszenzroman: Hier wird der Adoleszenzroman theoretisch bestimmt und durch spezifische Gattungsmerkmale sowie eine Abgrenzung zu benachbarten Literaturformen eingegrenzt.
4. Vom klassischen zum (post)modernen Adoleszenzroman: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung nach und analysiert den Übergang von existentiellen Krisen im klassischen Roman hin zur Postmoderne.
5. Didaktische Aspekte und Probleme postmoderner Adoleszenzromane (Fazit): Abschließend wird das didaktische Potenzial diskutiert und kritisch hinterfragt, wie postmoderne Texte zur Reflexion der Lebenswelt im Deutschunterricht beitragen können.
6. Literaturangaben: Dieses Kapitel listet die verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Fachliteraturen auf.
Schlüsselwörter
Adoleszenz, Adoleszenzroman, Jugendliteratur, Identitätsfindung, Entwicklungspsychologie, Postmoderne, Gattungsmerkmale, Deutschdidaktik, Subgattung, Identitätskrise, Lebenswelt, Sozialisation, Literaturanalyse, Heranwachsende, Identitätssuche
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Adoleszenzroman als literarischer Gattung, die sich mit dem Prozess des Erwachsenwerdens und den damit verbundenen Herausforderungen beschäftigt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die entwicklungspsychologischen Grundlagen, die Definition der Gattung, der historische Wandel vom klassischen zum postmodernen Roman sowie deren didaktischer Einsatz.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den Adoleszenzroman zu definieren, ihn von anderen Gattungen abzugrenzen und zu untersuchen, welche Chancen und Risiken er für den Deutschunterricht der Sekundarstufe bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche und fachdidaktische Analyse, die auf theoretischen Modellen der Entwicklungspsychologie und der Literaturwissenschaft basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine psychologische Begriffsbestimmung, eine Gattungsdefinition, eine historische Untersuchung der Entwicklung und eine kritische Auseinandersetzung mit didaktischen Fragestellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Begriffe wie Adoleszenz, Identitätsfindung, Postmoderne, Gattungsmerkmale, Sozialisation und Deutschdidaktik sind zentral für das Verständnis der Arbeit.
Wie unterscheidet sich der postmoderne vom klassischen Adoleszenzroman?
Während der klassische Adoleszenzroman oft mit existenziellen Krisen und dem Scheitern des Individuums an autoritären Institutionen wie der Schule endet, ist der postmoderne Typus durch eine Enddramatisierung und die Suche nach unmittelbarem Erleben geprägt.
Warum wird die „Schon- und Bewahrungspädagogik“ kritisiert?
Die Autorin argumentiert mit Heinrich Kaulen, dass diese Pädagogik die Medienkompetenz der Schüler unterschätzt und verhindert, das Potenzial zeitgenössischer Literatur für die eigene Identitätsentwicklung produktiv zu nutzen.
- Citar trabajo
- Franziska Schumm (Autor), 2008, Der Adoleszenzroman, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159197