Die Geschichte der Rhetorik

Aufstieg und Fall einer Wissenschaft


Seminararbeit, 2008

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

0. ABSTRACT

1. EINLEITUNG

2. RHETORIK – EINE EINFÜHRENDE DEFINITION

3. DIE GESCHICHTE DER RHETORIK
3.1 Die griechische Rhetorik
3.2 Die Rhetorik im Römischen Reich
3.3 Das Mittelalter: Rhetorik und Christentum
3.4 Renaissance, Humanismus, Reformation und Barock (14. – 17. Jahrhundert)
3.5 Rhetorik im Dienst der Aufklärung – das 18. Jahrhundert
3.6 Das 19. Jahrhundert
3.7 Nullpunkt der Rhetorik – das 20. Jahrhundert

4. RESUMEN - TENDENZEN DER GEGENWART

5. LITERATURVERZEICHNIS

0. ABSTRACT

The available assignment is engaged in the great topic of the history of rhetoric. Starting in the ancient world and passing the centuries of the Middle Ages and modern times it arrived in the present but full of losses. Below the process of the destruction of the rhetorical science is shown as well as its present tendencies.

1. EINLEITUNG

„Souveränes Auftreten und Gesprächsführung durch exklusive Seminare“ oder „Richtig Vortragen, gute Sprachwahl, sicheres Argumentieren“ oder „Der Schlüssel zum Erfolg“ - das könnten Werbeslogans sein, die uns im Internet durch große leuchtende und blinkende Buchstaben vor die Nase gesetzt werden. Reklame, die zum Kauf eines Buches, einer CD-Rom oder eines Hörbuches anregen soll oder die uns für die Einschreibung als Kursmitglied wirbt. Alle versprechen das gleiche: Lerne Rhetorik – und du wirst Erfolg haben!

Was genau aber steckt dahinter? Ist es wahr, dass rhetorische Fertigkeiten tatsächlich so auschlaggebend für den Erfolg im Beruf sind? Und falls ja, kann man sie denn ohne so weiteres erlernen? Die Autoren und Veranstalter der oben beschriebenen Lehrbücher und Seminare gehen genau davon aus. Allerdings war man dieser Annahme nicht schon immer. Rhetorik war hingegen lange Zeit eine eigenständige Wissenschaft und ganz sicher nicht in einem Wochenendseminar zu erlernen.

Die vorliegende Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, in den Werdegang der Rhetorik durch die Jahrhunderte, oder besser Jahrtausende, einzuführen. Dabei werden stets wichtigste Tendenzen der Zeit an Hand der bedeutendsten Schriften hingewiesen. Als Schwerpunkt dienen dabei stets ihr Aufstieg und Fall und deren auslösende Elemente.

Anlass zum Thema war für die Autorin die Existenz einer Wissenschaft, der so wenig Beachtung geschenkt wird, sodass kaum jemand sich ihres Bestehens bewusst ist, obwohl sie doch als Forschungsgrundlage für viele, wesentlich bekanntere Wissensbereiche dient. Die Erkenntnis dieser Tatsache löste eine Faszination und mit dieser das nötige Interesse aus, um die vorliegende Arbeit zu verfassen.

2. RHETORIK – EINE EINFÜHRENDE DEFINITION

Alle Welt spricht von Rhetorik, von Rhetorikseminaren, von rhetorischen Fertigkeiten. Häufig sind die jeweiligen Sprecher sich aber nur unzureichend darüber bewusst, was tatsächlich alles hinter diesem Begriff steckt. Umgangssprachlich assoziiert man mit Rhetorik heutzutage eine gewisse kommunikative Fähigkeit sich vor einer Gruppe von Zuhörern angemessen präsentieren zu können, sie gilt als ein Bestandteil der sogenannten soft skills. Nahezu jede lehrende Institution bietet inzwischen Kurse an, welche versprechen eben diese Fähigkeit zu vermitteln und für jeden einzelnen anwendbar zu machen. Rhetorik meint jedoch noch weitaus mehr, als nur gut reden zu können.

Der Begriff umfasst zunächst sowohl einen theoretischen, als auch einen praktischen Teil. Rhetorik ist zum einen eine eigenständige Wissenschaft, nach Knape eine „mit einzelmenschlicher Kommunikation befasste Handlungswissenschaft“ (2000:9), die sich intensiv mit der Analyse von Reden beschäftigt. Auf Basis dieser Untersuchungen wird versucht wissenschaftliche Regeln zu erstellen, mit Hilfe derer eine Rede konstruiert und besonders wirkungsvoll gestaltet werden kann (vgl. Göttert 2005).

Die praktische Rhetorik versucht eben diese umzusetzen, um die intendierten Ziele des Redners zu erreichen. Das dies auf möglichst elegante Art und Weise geschehen soll, zeigt die ursprünglich griechische Bedeutung des Wortes Rhetorik: Redekunst. Eine Rede impliziert aber auch die Absicht zur Persuasion. Die Bedeutung für den eigenen Erfolg andere von der eigenen Idee zu überzeugen zu können, erklärt die Vielfalt des Angebots für entsprechende Seminare.

Zuletzt kann Rhetorik auch ein Sammelwerk von Ratschlägen bedeuten. Im Verlauf dieser Arbeit soll aber mit diesem Begriff Rhetorik als Wissenschaft gemeint sein und sich dabei sowohl auf den praktischen als auch auf den mündlichen Teil beziehen. Um tatsächlich alle Facetten des Begriffs dem Leser näher zu bringen, soll im Folgenden die geschichtliche Entwicklung dessen betrachtet werden, ganz im Sinne Uedings: „Wer wissen will, was Rhetorik eigentlich ist, kommt auch heute noch um die klassische, in der Antike begründete Rhetorik nicht herum“ (2000a:2).

3. DIE GESCHICHTE DER RHETORIK

3.1 Die Griechische Rhetorik

Entsprechend der ursprünglichen Sprache des Wortes Rhetorik, liegt auch der Ursprung dieser in Griechenland, in der Antike. Der offizielle Beginn wird von der Rhetorikhistoriographie ins Jahr 427 v. Chr. datiert, als der Sizilianer Gorgias von Leontenoi (um 480-380 v. Chr.) mit seinen fesselnden Reden in Griechenland Aufsehen erregte (vgl. Knape 2000:27). Zugleich ist aber auch bekannt, dass die Rhetorik zu diesem Zeitpunkt keine absolute Neuerung mehr war. Mit dem Fall der Tyrannenherrschaft 467 v. Chr. in Syrakus wurden vor Gericht zahlreiche durch Enteignungen entstandene Besitzfragen entschieden. Dabei kam es ganz besonders auf die Rede des Angeklagten an, was den Bedarf an Logographen (Redeschreibern) sowie den Bedarf an rhetorischer Schulung förderte. Ähnliche Entwicklungen traten nahezu zeitgleich in Athen auf (vgl. Nicolosi 2008). Auch die politische Rede erhielt in der Demokratie ihren Raum. Das erste Handbuch, von dem man weiß, stammt vom Sizilianer Korax und seinem Schüler Teisias. So gesehen liegt der Beginn der Geschichte der Rhetorik hier (vgl. Ueding 2000a:16).

In der folgenden Zeit sind es vor allem Sophisten, die durch Unterricht in rhetorischen Fertigkeiten das langsam aufkeimende Interesse der Allgemeinheit für die Rhetorik verstärken (vgl. Spang 1987:17). „Nimmt man alles zusammen, so haben die Sophisten die Rhetorik, die sie in Form von Beispiel- und Regelsammlungen vorfanden, zu einer umfassenden Lebensphilosophie entfaltet.“ (Ueding 2000a:21)

Der Rhetorikunterricht der Sophisten sah in der Redekunst das Ziel der Bildung, ihr voraus ging das Studium der Wissenschaften und Künste (vgl. Ueding 2000 18f.). Das Grundverständnis der sophistischen Rhetorik beruhte auf zwei Ideen: Zum einen sah man die Funktion der Rhetorik in der „Beratung und Vermittlung widerstreitender Meinungen“ (Ueding 2000a:25). Widersprüchlicher Weise wurde ihr zweites wesentliches Anliegen aber auf den Leitsatz von Protagoras von Abdera zurückgeführt: „Die schwächere Sache zur stärkeren machen“ (Nüßlein 1998:323).

„Denn wie lässt sich dieses allgemeine rhetorische Bildungsziel mit dem konkreten Erfolgsversprechen des Rhetors vereinbaren, die Mittel lehren zu können, die, richtig angewandt, Zustimmung erzwingen? So daß es zu jener Beratung gar nicht mehr kommen kann und diejenige Meinung zwangsläufig den Sieg erringt, die mit allen erdenklichen Mitteln rhetorischer Kunst vorgetragen wurde?“ (Ueding 2000a:27f.)

Bei diesem Widerspruch setzten die großen Philosophen Platon und sein Schüler Aristoteles an und präsentierten ihre Sichtweise auf die Rhetorik. Mit ihren Stellungnahmen legten sie die Basis für folgende Theorien zur Rhetorik. Von Aristoteles liegt eine insgesamt dreiteilige Schrift vor, die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt, stets Bezug auf Platons Äußerungen nehmend. Platons Standpunkt kann aus einigen seiner Dialoge (Gorgias, Phaidros) rekapituliert werden. Er kritisiert in diesen die sophistische Rhetorik in äußerst starkem Maße, für ihn ist sie nur Überredung der Masse, eine „Schmeichelei, die von wahrer Erkenntnis wegführe“ (Ueding/Steinbrink 1994:19). Er sieht sich aber, als Philosoph, der Wahrheit und Moral verpflichtet. Dennoch lehnt er Rhetorik nicht vollständig ab, lediglich die sophistische Umgangsweise mit dieser. Lösung für das Problem ist ihm zufolge die Dialektik. Die logische Argumentation sei das Hauptkriterium, das einen guten Redner auszeichne (vgl. Spang 1987:18).

Ferner vertritt Platon die Auffassung, dass Rhetorik innerhalb der Wissenschaften keine zum Beispiel mit der Philosophie vergleichbare Rolle spielen kann. Aristoteles hingegen spricht ihr einen beachtlichen Grad an Relevanz zu, wobei er sich vor allem auf das tatsächliche Leben bezieht. Die Urteils – und Entscheidungsfindung sowohl im politischen als auch im juristischen Leben der Stadt Athen wurde zu dieser Zeit in zunehmendem Maße äußerst stark von Rednern beeinflusst. Aufgabe der Rhetoren war für ihn ganz eindeutig die klärende Darstellung nicht eindeutiger Gegebenheiten mit Hilfe plausibler Argumente (vgl. Knape 2000:29).

Ein weiterer Punkt in Platons Ausführungen ist, dass Rhetorik weder als Wissenschaft noch als Fachdisziplin gelten könne, da ein spezifischer Untersuchungsgegenstand und (moralische) Prinzipien fehlten (vgl. Nüßlein 1998:324). Stattdessen sei sie nur Zeugnis sprachlicher Gewandtheit und Routine. Auch in diesem Punkt widerspricht ihm sein Schüler. Für Aristoteles ist die Rhetorik eine eigenständige Fachdisziplin (techné), Gegendisziplin ist die Dialektik. Die in Platons Augen fehlende zu untersuchende Materie ist die Auseinandersetzung mit problematischen Sachverhalten, vor allem Fragen aus dem sozialen und gesellschaftlichen Leben. Den Grundgedanken dieser Disziplin fasst er wie folgt zusammen:

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte der Rhetorik
Untertitel
Aufstieg und Fall einer Wissenschaft
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)  (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Die Textsorte "Öffentliche Rede"
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V159233
ISBN (eBook)
9783640721184
ISBN (Buch)
9783640721665
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rhetorik
Arbeit zitieren
Salome Zimmermann (Autor), 2008, Die Geschichte der Rhetorik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159233

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