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"Die Marquise von O..." – Heinrich von Kleist aktualisiert und bearbeitet für die Bühne

Titel: "Die Marquise von O..." – Heinrich von Kleist aktualisiert und bearbeitet für die Bühne

Masterarbeit , 2019 , 84 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Anika Maßmann (Autor:in)

Theaterwissenschaft, Tanz
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ein Text, der trotz über 200 Jahren, die seit seiner Entstehung vergangen sind, im Kontext von #metoo und antifeministischer Flashbacks heute aktueller denn je erscheint, ist "Die Marquise von O..." von Heinrich von Kleist. Die Novelle erzählt die Geschichte einer jungen Witwe, die schwanger wird, ohne – ihres Wissens nach – mit einem Mann intim gewesen zu sein. In vielerlei Hinsicht lassen sich frappante Parallelen zur Gegenwart ziehen und der Stoff ist bestens geeignet, um die Sexismusdebatte auf künstlerische Art und Weise auf einer Bühne aufzugreifen.
Da es sich bei Kleists Text aber um eine Novelle handelt und kein Drama, muss diese erst für die Bühne bearbeitet werden – ein Vorgang der in der aktuellen Theaterszene Gang und Gäbe ist. Mit dieser Arbeit wird daher eine Bühnenfassung der "Marquise von O..." vorgelegt, welche so an einem Theater gespielt werden könnte. Zuvor werden jedoch auch die verschiedenen Forschungsrichtungen und Lesarten des Kleist-Text vorgestellt und erläutert, sodass sie Einzug in die spätere Adaption finden können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DIE MARQUISE VON O...: FORSCHUNG UND LESARTEN

2.1 EXISTENTIALISMUS

2.2 GESELLSCHAFTSKRITIK

2.2.1 TRADITIONELLE GESCHLECHTERROLLEN ODER GENDER TROUBLES?

2.2.2 JURISTISCHER GRENZFALL

2.2.3 BÜRGERLICHES SELBSTVERSTÄNDNIS UND SCHAM ALS MOTOR DER HANDLUNG

2.3 PSYCHOANALYSE

2.4 (FEHLGESCHLAGENE) KOMMUNIKATION UND (NICHT-)WISSEN

3. (METHODISCHE) VORBEMERKUNGEN ZU BÜHNENBEARBEITUNGEN

3.1 BEGRIFFSBESTIMMUNG

3.2 FORMALE MERKMALE VON BÜHNENBEARBEITUNGEN

3.2.1 GATTUNGSWECHSEL

3.2.2 INTERTEXTUELLES POTENTIAL

3.2.3 ERZÄHLINSTANZEN

3.3 „ROMANBOOM“: GRÜNDE UND MÖGLICHKEITEN

4. BÜHNENBEARBEITUNGEN KLEISTS DIE MARQUISE VON O...

4.1 FERDINAND BRUCKNER

4.2 ARMIN PETRAS

4.3 TANJA WEIDNER

4.4 WEITERE BÜHNENBEARBEITUNGEN

5. VORHABEN

5.1 VORGEHEN AUF FORMALER EBENE

5.2 VORGEHEN AUF INHALTLICHER EBENE

6. EIGENE BEARBEITUNG DIE MARQUISE VON O...

7. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, eine neue Bühnenfassung von Heinrich von Kleists Novelle „Die Marquise von O...“ zu entwickeln, die den Stoff für eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit den Themen Sexismus, Machtmissbrauch und patriarchalen Strukturen nutzt. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie die Novelle durch die Integration dokumentarischer Zitate und eine spezifische formale Bearbeitung heute künstlerisch aktualisiert werden kann, ohne den historischen Kern des Textes zu negieren.

  • Analyse wissenschaftlicher Forschungsansätze zu Kleists Werk
  • Methodische Grundlagen und formale Aspekte von Romandramatisierungen
  • Kritische Untersuchung bestehender Bühnenbearbeitungen (Bruckner, Petras, Weidner)
  • Konzepterstellung für eine eigene Bearbeitung unter Einbeziehung zeitgenössischer gesellschaftspolitischer Diskurse

Auszug aus dem Buch

1. AKT

KOMMANDANT

Als der Krieg plötzlich die Gegend um M... mit den Truppen fast aller Mächte und auch mit russischen erfüllte, war die Zitadelle bald von deren Truppen schon berennt, und aufgefordert, sich zu ergeben. Ich muss mich nunmehr verhalten, als ob meine Familie nicht vorhanden wäre.

MARQUISE

Die Marquise kam, mit ihren beiden Kindern, auf den Vorplatz des Schlosses, wo die Schüsse schon, im heftigsten Kampf, durch die Nacht blitzten, und sie, besinnungslos, wohin sie sich wenden solle, wieder in das brennende Gebäude zurückjagten. Hier, unglücklicher Weise, begegnete ihr, da sie eben durch die Hintertür entschlüpfen wollte, ein Trupp feindlicher Scharfschützen, der, bei ihrem Anblick, plötzlich still ward, die Gewehre über die Schultern hing, und sie, unter abscheulichen Gebärden, mit sich fortführte. Vergebens rief sie um Hülfe.

GRAF F

Man schleppte sie in den hinteren Schlosshof, wo sie eben, unter den schändlichsten Misshandlungen, zu Boden sinken wollte, als, von dem Zetergeschrei der Dame herbeigerufen, ein russischer Offizier erschien, und die Hunde, die nach solchem Raub lüstern waren, mit wütenden Hieben zerstreute.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit, gesellschaftliche Diskurse wie Sexismus und Machtmissbrauch im Theater zu thematisieren, und begründet die Auswahl von Kleists Novelle als besonders aktuellen Stoff.

2. DIE MARQUISE VON O...: FORSCHUNG UND LESARTEN: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über existentialistische, gesellschaftskritische und psychoanalytische Ansätze sowie über die Forschung zu Kommunikation und Nicht-Wissen in der Novelle.

3. (METHODISCHE) VORBEMERKUNGEN ZU BÜHNENBEARBEITUNGEN: Hier werden Begriffe definiert und formale Merkmale wie Gattungswechsel und Erzählinstanzen erläutert, ergänzt durch eine Analyse des aktuellen „Romanbooms“ auf deutschen Bühnen.

4. BÜHNENBEARBEITUNGEN KLEISTS DIE MARQUISE VON O...: Es erfolgt eine Analyse der Bearbeitungen von Ferdinand Bruckner, Armin Petras und Tanja Weidner sowie weiterer Inszenierungen, um die Notwendigkeit einer eigenen Neufassung abzuleiten.

5. VORHABEN: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen für die eigene Dramatisierung, wobei der Fokus auf der formalen Gestaltung und der inhaltlichen Auseinandersetzung mit aktuellen Machtverhältnissen liegt.

6. EIGENE BEARBEITUNG DIE MARQUISE VON O...: Dieser Teil präsentiert den vollständigen, für die Bühne adaptierten Dramentext.

7. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse der theoretischen Analyse zusammen und reflektiert über die Möglichkeiten, die Novelle als Instrument zur Sensibilisierung für patriarchale Strukturen einzusetzen.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Die Marquise von O..., Bühnenbearbeitung, Romandramatisierung, Sexismus, Machtmissbrauch, Patriarchat, Gender, Existentialismus, Psychoanalyse, Kommunikation, Theater, Gegenwartsdramatik, Dramaturgie, Literaturadaption.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert Heinrich von Kleists „Die Marquise von O...“ hinsichtlich ihrer Aktualität und erarbeitet eine Bühnenfassung, die sich kritisch mit Sexismus und patriarchalen Machtstrukturen auseinandersetzt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentral sind die Themen weibliche Selbstbestimmung, Schuld und Unschuld, der Umgang mit Macht sowie die Rolle der Familie in bürgerlichen Moralvorstellungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, eine zeitgemäße Bühnenfassung des Kleist-Stoffes vorzulegen, die gesellschaftliche Missstände durch die Integration realer Zitate und eine spezifische formale Struktur aufdeckt.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?

Es werden literaturwissenschaftliche Forschungsansätze sowie theaterwissenschaftliche Methoden zur Analyse von Dramatisierungen (Adaptionstheorie) kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Forschungslage, eine Analyse existierender Bühnenfassungen sowie die konkrete Konzeption und Ausarbeitung der eigenen dramatischen Bearbeitung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Literaturadaption, Sexismus, Macht, Gender, Dramatisierung und die spezifische Analyse von Kleists Erzählstrukturen charakterisieren.

Wie unterscheidet sich diese Arbeit von bestehenden Bearbeitungen?

Im Gegensatz zu anderen Fassungen integriert diese Arbeit explizit reale dokumentarische Zitate aus aktuellen Sexismus-Debatten, um die zeitlose Relevanz der patriarchalen Strukturen in Kleists Novelle hervorzuheben.

Welche Rolle spielt der „Gedankenstrich“ in der Analyse?

Der Gedankenstrich wird als zentrales narratologisches und inhaltliches Element identifiziert, das den Ort der Vergewaltigung markiert und damit den Ausgangspunkt aller nachfolgenden Kommunikationsstörungen darstellt.

Ende der Leseprobe aus 84 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Die Marquise von O..." – Heinrich von Kleist aktualisiert und bearbeitet für die Bühne
Hochschule
Université du Luxembourg
Note
1,0
Autor
Anika Maßmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
84
Katalognummer
V1592758
ISBN (PDF)
9783389142936
ISBN (Buch)
9783389142943
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theaterwissenschaft Kleist Heinrich von Kleist Die Marquise von O Romanadaption Bühnenbearbeitung Dramatisierung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anika Maßmann (Autor:in), 2019, "Die Marquise von O..." – Heinrich von Kleist aktualisiert und bearbeitet für die Bühne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1592758
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Leseprobe aus  84  Seiten
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