Doris - "Das kunstseidene Mädchen": Eine Analyse


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Doris - Das kunstseidene Madchen

1. Einleitung

2. Welche typisch modernen / neusachlichen Elemente weist der Roman auf?

3. Doris

4. Die Bedeutung von „Mann" und „Frau" fur Doris
4.1 Die „Neue Frau"
4.2 Das Verhaltnis zwischen Doris und den verschiedenen Mannern

5. Die Verbannung des „kunstseidenen Madchens"

6. Fazit

7. Bibliographie

Doris - Das kunstseidene Madchen

1. Einleitung

Der Tagebuchroman „Das kunstseidene Madchen" von Irmgard Keun1 wird speziell in die Bewegung der „Neuen Sachlichkeit" eingeordnet. Diese Literaturrichtung kam im beginnenden 20. Jahrhundert in Deutschland auf und herrschte in den 1920er und 1930er Jahren vor, in der Zeit der Weimarer Republik nach dem Ersten Weltkrieg.

Gegenstand meiner Hausarbeit ist das kunstseidene Madchen Doris, die Protagonistin des gleichnamigen Werkes. Der Lebensweg dieses sehr jungen Madchens und deren Charakter machen es zu einer solch interessanten Figur, welche mich seit der ersten Zeile neugierig machte, die Person und deren Lebensumstande hintergrundiger zu betrachten. 1932, als „Das kunstseidene Madchen" veroffentlicht wird, steht die Machtubernahme durch Hitler bald bevor. Beschrieben wird im Roman „die innere Zeitgeschichte" in der „Endphase der Weimarer Republik", die durch die nationalsozialistische Herrschaft abgelost wird2.

Zunachst gebe ich einen kleinen Einblick in die als typisch geltenden Merkmale des Stils der Neuen Sachlichkeit, die Irmgard Keun in „Das kustseidene Madchen" verwendet. Im Folgenden werde ich versuchen, die Person Doris anhand ihrer Tagebuchaufzeichnung zu charakterisieren und ihr Leben in der Zeit, die das Tagebuch umfasst, nachzuzeichnen. Dabei will ich ihre Lebenseinstellung zum Ausdruck bringen und damit verknupft ihr Denken uber die Rollenverteilung von Mannern und Frauen anfuhren, gerade in Anbetracht der politischen und sozialen Umstande in der untergehenden Weimarer Republik. Warum das Werk Irmgard Keuns von den Nationalsozialisten verboten wurde, mochte ich abschlieGend aufzeigen.

2. Welche typisch modernen / neusachlichen Elemente weist der Roman auf?

Der Beginn der modernen Literatur wird gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingeordnet. Die Entwicklung des Stils der Neuen Sachlichkeit ist zeitlich verbunden mit der Grundung der Weimarer Republik. Durch den Anbruch einer neuen Zeit, die wirtschaftliche und soziale Veranderungen nach sich zieht, erreicht die Kultur einen hohen Stellenwert.

Berlin als Inbegriff der schnellen, lauten, unpersonlichen GroGstadt wird haufig als Schauplatz von Autoren der Moderne gewahlt3. Kennzeichnend fur deren Romane sind neue Techniken des Schreibens. Beim Einsatz der Montagetechnik werden viele Eindrucke beschrieben; Menschen ebenso wie StraGen, Platze, Lokale, aktuelle Schlager. Das stadtische Treiben in gerade diesem Moment wird bildlich prasentiert - am offensichtlichsten geschieht das in der Szene mit dem blinden Herrn Brenner, dem Doris die Stadt „zeigt"4. Ein groGes, aus vielen Einzelbildern zusammengesetztes Bild entsteht. Keun bezieht eine weitere neuartige Schreibtechnik in ihren Roman mit ein, den Bewusstseinsstrom oder stream of consciousness. Dabei versucht der Autor, die Wahrnehmungen, Gefuhle und Gedanken einer Figur ungeordnet wiederzugeben. Diese Art des Schreibens ist meistens erkennbar an Gedankensprungen und eingeschrankter oder fehlender Interpunktion. Ein Beispiel aus Keuns Roman: „ [...] immer an Ecken Zigarrengeschafte - und Kinos - der Kongress tanzt - Lilian Harvey, die ist blond - Brotladen [...].‘5

Irmgard Keun veroffentlicht ihr „kunstseidenes Madchen" in Form eines Tagebuchs, was an sich nicht neu ist. Dass die Umwelt und das Geschehen filmisch dargestellt werden allerdings schon. Doris schreibt sogar explizit, sie wolle „schreiben wie Film"6, was wie eine direkte Aussage der Autorin Keun an den Rezipienten scheint, dass ihr Roman etwas Neues, etwas Besonderes beinhaltet. Das Medium „Film“ war zudem sehr popular zum Zeitpunkt der Veroffentlichung des Romans7.

3. Doris

Die achtzehnjahrige Doris aus dem SchoGe einer „mittleren Stadt“ in Deutschland8, Tochter eines arbeitslosen Vaters und einer Garderobenmitarbeiterin - vorlaut, kindlich, entschlossen, kunstseiden. GroGe Traume hat sie, will „ein Glanz werden"9. Sie besteht auf einer Ahnlichkeit zu Colleen Moore10, einem schauspielerischen Idol der 1920er Jahre. Uberhaupt empfindet Doris ihr Leben als Film, sieht es in Bildern.11 Mit ihrem schwarzen dauergewellten Haar und ihrem „niedlichen Gesicht12 fallt sie vor allem alteren Mannern auf, was sie sich gern zu nutzen macht.. Selbst ihrem Chef im Buro macht die Schreibkraft schone Augen - naturlich mit der Aussicht auf einen baldigen Feierabend13. Wirklich geliebt hat sie nur Hubert, ihren ersten Freund, ein Mann Ende Zwanzig, der sie fur ein „anstandiges“, gebildetes Madchen verlassen hat - aus Grunden der Vernunft14.

Sie strebt ein Leben an, das ihre Eltern ihr nicht vorleben, sie schamt sich gar fur den Dialekt der Mutter und des Vaters, sie schamt sich auch fur ihre alte gelbe Ledertasche, sie schamt sich sogar, das Wort „Schenkel“ niederzuschreiben, da es „unanstandig klinge". Modebewusst ist Doris. Die Garderobe sei wichtig fur ein Madchen, „das weit will und Ehrgeiz hat15. Ihre starke Betonung von AuGerlichkeiten scheint eine Art Rebellion gegen ihr Elternhaus, gegen ihre soziale Herkunft. Wie man sich im Leben uber Wasser halt, das weiG sie. Und sie weiG es nicht. Selbststandig Geld verdienen ist kein Leichtes fur Doris, nachdem ihr Chef ihr auf Grund der sexuellen Abweisung gekundigt hat16. Ungebildet und ohne Ausbildung, sieht sie wohlhabende Manner als einzige Chance, sozial und finanziell aufzusteigen. Allerdings schreibt sie das genaue Gegenteil, namlich: „...denn nur allein auf Manner angewiesen sein, geht leicht schief.17. Sie durchschaut ihre Manner, trifft sich haufig zum Vergnugen mit ihnen, wobei sie sich ihnen geistig uberlegen fuhlt18. Dabei vertritt sie den Standpunkt, dass sich ein Madchen einem Mann nur aus zwei Grunden hingebe; „um Geld oder aus Liebe".19

[...]


1 Geboren am 6. Februar 1905 in Berlin, gestorben am 5. Mai 1982 in Koln

2 Vgl. Steinbach, S. 144

3 vgl. z.B. Doblin, „Berlin Alexanderplatz"

4 vgl. DkM, S. 59ff.

5 vgl. DkM, S. 76, Z, 5f.

6 vgl. DkM, S. 4, Z. 6f.

7 vgl. Arend / Martin, S. 243, Z. 6f.

8 vgl. Das kunstseidene Madchen (im Folgenden DkM), S.3, Z. 1

9 vgl. DkM, S. 26, Z. 27

10 vgl. DkM, S. 4, Z. 7

11 vgl. DkM, S. 4, Z. 6f.

12 vgl. DkM, S. 88, Z. 10

13 vgl. DkM, S. 13, Z. 26ff.

14 vgl. DkM, S. 10, Z. 15ff.

15 vgl. DkM, S. 5, Z. 25ff.

16 vgl. DkM, S. 15, Z.5f.

17 vgl. DkM, S. 14, Z. 26f.

18 vgl. DkM, S. 8f.

19 vgl. DkM, S. 38, Z. 1f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Doris - "Das kunstseidene Mädchen": Eine Analyse
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V159303
ISBN (eBook)
9783640716937
ISBN (Buch)
9783640716999
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Doris, Mädchen, Eine, Analyse, Thema Das kunstseidene Mädchen
Arbeit zitieren
Annika Berressem (Autor:in), 2009, Doris - "Das kunstseidene Mädchen": Eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159303

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