Der Mythos von Rapallo

Entstehung und Folgewirkung eines außenpolitischen Traumas am Beispiel der britischen Deutschlandpolitik 1989/90


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
31 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Vertrag von Rapallo im Spiegel seiner Zeit
2.1. Die Weltwirtschaftskonferenz von Genua 1922
2.1.1. Vertragsschluss abseits der Konferenz – Der Pakt der Parias
2.1.2. Die Reaktion der Alliierten
2.2. Der deutsche Weg nach Rapallo als Forschungskontroverse
2.3. Rapallo: Der Geburtsort eines langlebigen Mythos (Zwischenfazit)

3. Angst vor einem neuen Rapallo? – Die britische Regierung und die Frage der deutschen Wiedervereinigung
3.1. Downing Street No. 10 unter Margaret Thatcher
3.1.1. Das Chequers-Seminar: Ressentiments gegenüber Deutschland
3.1.2. Die Nicholas Ridley-Affäre: Furcht vor einem ökonomischen Rapallo
3.2. Das Foreign Office und seine Beurteilung der Deutschlandfrage
3.3. Thatcher vs. Hurd: Die deutsche Einheit und das gespaltene Kabinett

4. Rapallo Quo Vadis? – Ein Mythos und seine Folgewirkung (Schlussbetrachtung)

Quellen- und Literaturverzeichnis

„The nightmare is of a Germany which is a shifting cargo in the centre of Europe.“

centre of Europe.“[1]

1. Einleitung

Mit dem deutsch-russischen Vertragsabschluss in Rapallo am 16. April 1922 war der Grundstein für ein lang anhaltendes außenpolitisches Trauma gelegt, welches die europäischen Staaten und streckenweise auch die USA nach und nach erfassen sollte. Die westlichen Regierungen sahen einer Zusammenarbeit von Deutschland als der potenziell stärksten kontinentaleuropäischen Macht und dem sowjetischen Revolutionsstaat beunruhigt entgegen. Das Abkommen erbrachte aus ihrer Sicht den Nachweis für die Wankelmütigkeit deutscher Außenpolitik, sowie deren steter Neigung, zwischen West und Ost zu lavieren. Der Mythos von Rapallo war geboren und erhielt in den Folgejahren immer neue Nahrung.[2] Ob dieses diffuse Angstgefühl bereits bei Vertragsschluss gerechtfertigt war, erscheint aus heutiger Sicht jedoch eher fraglich. Denn auch wenn kritische Betrachter im Rapallo-Vertrag revisionistische Tendenzen angelegt sehen, wird die deutsch-russische Übereinkunft in der Rezeption überwiegend als ein erster Schritt der beiden Staaten zur souveränen Rückkehr auf das klassische Feld der Außenpolitik gewürdigt. Gleichwohl überdauerte der Rapallo-Komplex mehrere Generationen und bleibt bis in die heutige Zeit ein wirkungs-mächtiges Schlagwort, um Bedenken gegen eine allzu enge Kooperation zwischen Deutschland und Russland zu äußern.

In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwieweit der Rapallo-Mythos einen Einfluss auf die britische Deutschlandpolitik 1989/90 gewinnen konnte und die Entscheidungsträger in Downing Street No. 10 sowie im Außenministerium in ihrer Haltung zur Wiedervereinigung beeinflusste. Dazu gilt es jedoch zunächst, die Entstehungsgeschichte des Rapallo-Vertrages zu beleuchten, um den Wurzeln dieses außenpolitischen Traumas nachzuspüren. Denn wie konnte Rapallo „über die historische Dimension hinaus zu einer politischen Bekenntnisfrage“[3] avancieren, die auch Jahrzehnte nach der Vertragsunterzeichnung immer wieder neu gestellt wurde? Waren die getroffenen Vereinbarungen zwischen Russland und Deutschland wirklich so bedeutsam, dass ein Rückgriff auf die Rapallo-Politik noch heute als europäisches Schreckensszenario gelten kann? Oder kam es erst in der historischen Rückschau zu jener Legendenbildung, die Rapallo als den Sündenfall deutscher Außenpolitik erscheinen lässt? Ließ sich die britische Politik tatsächlich von einem Rapallo-Komplex leiten, als die Frage nach der deutschen Wiedervereinigung in den Jahren 1989/90 konkret wurde? Gab es unterschiedliche Positionen innerhalb des Regierungslagers oder sahen sowohl Premierministerin Margaret Thatcher als auch ihr Außenminister Douglas Hurd die Gespenster von Rapallo? Ist mit Beendigung des Kalten Krieges dieses alte Trauma überwunden und der Rapallo-Mythos nun endgültig seiner Strahlkraft beraubt?

Um ein sicheres Fundament für die weitere Analyse zu schaffen, wird in einem ersten Schritt zunächst ein Blick auf die historischen Rahmenbedingungen geworfen, unter welchen der deutsch-russische Vertragsabschluss zustande kam. Dabei sind insbesondere die Aufsätze von Theodor Schieder, Hermann Graml und Eva Ingeborg Fleischhauer zu beachten.[4] Zum Ende dieses Analyse-abschnitts wird die Forschungskontroverse um die wahre Intention des Vertrages nachgezeichnet und die Mythenbildung von Rapallo sowie ihre Auswirkung auf die europäische Nachkriegspolitik bilanziert. Dieses Zwischenfazit bildet den Übergang zum zweiten Teil der Arbeit, in dem die britische Deutschlandpolitik am Vorabend der Wiedervereinigung in den Fokus der Betrachtung rückt. Um aufdecken und bewerten zu können, ob der Rapallo-Komplex das Verhalten der maß-geblichen Akteure tatsächlich beeinflusste, werden die Memoiren von Thatcher sowie ausgewählte Dokumente des Außenministeriums einer quellenkritischen Analyse unterzogen. Darüber hinaus liefert die Monographie von Klaus-Rainer Jackisch wichtige Hinweise für die Beurteilung des britischen Umgangs mit dem Trauma Rapallo im Rahmen des Wiedervereinigungsprozesses.[5]

Ziel dieser Arbeit ist es, den Mythos von Rapallo in seiner Entstehung und Folgewirkung zu ergründen. Dabei muss zunächst tief in die Historie eingetaucht werden, um die erfolgte Legenden-bildung adäquat nachvollziehen zu können. Am Beispiel der britischen Deutschlandpolitik 1989/90 wird daraufhin zu zeigen sein, wie hartnäckig sich dieses außenpolitische Trauma im kollektiven Gedächtnis Europas halten konnte. Abschließend soll dann der Frage nachgegangen werden, inwieweit der Rapallo-Mythos auch heute noch von gewisser Relevanz ist oder ob dieses Gespenst der Zwischenkriegszeit seinen Schrecken im 21. Jahrhundert mittlerweile verloren hat.

2. Der Vertrag von Rapallo im Spiegel seiner Zeit

Ohne einen Blick auf die schwierige historische Gesamtlage, in der sich das Deutsche Reich bei Vertragsabschluss befunden hat, sind die Vorgänge in Rapallo kaum zu verstehen. So lassen sich in der Rückschau auf die Lage nach dem 1. Weltkrieg erste Erklärungsansätze dafür finden, was die deutsche Führung dazu bewogen haben könnte, einen Vertrag mit der Sowjetunion zu schließen – wohl wissentlich, dass ein solches Vorgehen die Westmächte brüskieren würde. Seit der Unter-zeichnung des Versailler Vertrags am 28. Juni 1919 befand sich das Deutsche Reich unter einem Regime, das den Handlungsspielraum seiner Exekutivgewalt stark einschränkte. In der deutschen Öffentlichkeit wurde der Friedensvertrag als ein ‚Diktat’ bzw. ‚Schmachfrieden’ empfunden, da dieser unmissverständlich zwischen Siegern und Besiegten unterschied und dem Deutschen Reich zudem die alleinige Kriegsschuld auferlegte.[6] Neben Gebietsverlusten und militärischen Be-schränkungen stellte sich alsbald die Frage nach der Höhe der zu leistenden Reparationszahlungen als das drängendste Problem der deutschen Politik heraus.[7] Seit dem Londoner Ultimatum vom Mai 1921 belief sich der Gesamtbetrag der alliierten Forderungen auf 132 Milliarden Goldmark, deren Fälligkeit sich über einen Zeitraum von 66 Jahren erstreckte. Zusätzlich wurde die Abgabe von 26% des Werts aller deutschen Exportgüter eingefordert, so dass sich die jährlichen Zahlungsraten des Deutschen Reiches auf etwa 3 Milliarden Goldmark summierten. Das neu gebildete Kabinett unter Reichskanzler Joseph Wirth war gewillt, diesen Forderungen nachzukommen und nahm daher – ungeachtet heftiger Proteste im Inland – das Londoner Ultimatum am 11. Mai 1921 an. Damit begann die Phase der so genannten Erfüllungspolitik, in der die alliierten Ansprüche jedenfalls vordergründig akzeptiert wurden: Das deutsche Kalkül bestand darin, durch äußerste An-strengungen zur Begleichung der Reparationsforderungen den Nachweis zu erbringen, dass diese in ihrer Gesamtheit, aber auch in der jährlichen Ratenhöhe viel zu hoch angesetzt und vom Deutschen Reich schlichtweg nicht zu leisten seien. Durch dieses Vorgehen sollte letztlich die objektive Unerfüllbarkeit der alliierten Forderungen demonstriert werden, um so die Siegermächte zur Kooperation mit dem Deutschen Reich und damit einer konsensualen Revision des Versailler Vertrages zu bewegen.[8] Im Folgenden konnte zwar die erste Rate pünktlich beglichen werden, doch bereits der zweite Zahlungstermin stellte das Kabinett Wirth vor solch immense Probleme, dass dieses die Alliierten um einen Aufschub bitten musste.[9] Das Deutsche Reich befand sich in den Jahren 1921/22 also unter erheblichem finanziellen Druck und suchte händeringend nach Auswegen aus dieser einschnürenden Situation, die sich mehr und mehr zu einer Gefährdung der deutschen Wirtschaftskraft entwickelte.

2.1 Die Weltwirtschaftskonferenz von Genua 1922

Vom 10. April bis zum 19. Mai 1922 fand in Genua eine Konferenz zur Stabilisierung der durch den 1. Weltkrieg zerrütteten internationalen Finanz- und Wirtschaftssysteme statt. Neben den europäischen Siegermächten Frankreich und Großbritannien nahmen insgesamt 29 Staaten – darunter erstmals auch die Kriegsverlierer Deutschland und Russland – an diesen Gesprächen teil.[10] Die gegenläufigen Erwartungen der beteiligten Akteure erschwerten einen erfolgreichen Abschluss der Konferenz jedoch von Anfang an. Auch der Rapallo-Vertrag, welcher parallel zu den laufenden Verhandlungen in Genua und ohne das Wissen der Alliierten geschlossen wurde, ist vor dem Hintergrund der Uneinigkeit der vier europäischen Großmächte zu beurteilen. So waren Frankreich und Großbritannien insbesondere bezüglich ihrer Deutschlandpolitik gespalten. Während sich der britische Premierminister David Lloyd George – seines Zeichens Hauptinitiator der Konferenz – die Integration des bolschewistischen Russlands in die westeuropäischen Wirtschaftsstrukturen erhoffte und zu diesem Zweck die deutsche Seite verstärkt einbinden wollte, nahm sein französischer Amtskollege Raymond Poincaré eine strikte Abwehrhaltung gegenüber jedweder Aufwertung des Deutschen Reiches ein und verweigerte eine konstruktive Zusammen-arbeit mit dem ‚Erbfeind’. Die britischen Überlegungen, Deutschland als eine Art neutralen Makler für die Verhandlungen zwischen den Westmächten und der Sowjetunion zu gewinnen, waren damit hinfällig.[11] Russland dagegen fürchtete das Zustandekommen einer antisowjetischen Einheitsfront der kapitalistischen Staaten und stand daher – obgleich es aufgrund seiner schlechten Wirtschafts-lage eigentlich auf Hilfe aus Westeuropa angewiesen war – den britischen Plänen zum Aufbau eines internationalen Finanzkonsortiums kritisch gegenüber. Mit Hilfe dieses Gremiums sollten Kredite für die russische Wirtschaft bereitgestellt werden; die Konsortiumsidee wurde von sowjetischer Seite jedoch als ein Kampfinstrument gegen die eigene Gesellschaftsordnung aufgefasst und daher entschieden abgelehnt.[12] In Deutschland wiederum wähnte man sich wie so oft zwischen allen Stühlen. Zwar setzte die deutsche Führung auf ein wirtschaftspolitisches Zusammenwirken mit den westeuropäischen Staaten und war daher nur allzu gerne bereit, die von Lloyd George ins Gespräch gebrachte Vermittlerrolle zwischen Russland und den Westmächten zu übernehmen, doch durch das französische Veto zerschlugen sich alle Hoffnungen nach internationaler Aufwertung. Damit zeigte sich, dass die Westmächte letztlich nicht gewillt waren Deutschland als gleichberechtigten Partner zu akzeptieren – zudem signalisierten sie auch in der Reparationsfrage keinerlei Entgegenkommen.

Durch das so genannte Londoner Memorandum vom März 1922 – das erst kurz nach Konferenzbeginn bekannt gemacht wurde – traten außerdem alte Einkreisungssorgen wieder zum Vorschein.[13] Das Memorandum war von den Siegermächten ausgearbeitet worden und sollte als Grundlage für einen Vertrag mit der Sowjetunion dienen; es enthielt jedoch einige aus deutscher Sicht inakzeptable Punkte: So wurde darin der Vorbehalt des Art. 116 des Versailler Vertrages und damit ein russischer Reparationsanspruch gegenüber Deutschland bekräftigt.[14] Die Aufnahme der Sowjetunion in das Schuldnersystem von Versailles hätte für das Deutsche Reich eine zusätzliche finanzielle Belastung von enormem Ausmaß bedeutet und schürte die Angst vor einem erneuten multilateralen Abkommen über die deutschen Köpfe hinweg. Des Weiteren wurde im Londoner Memorandum der 1. März 1917 als Stichtag für die umstrittene Sozialisierungsfrage festgelegt. Demgemäß sollte nur das nach diesem Zeitpunkt verstaatlichte ausländische Eigentum einer Entschädigungsleistung vonseiten Russlands bedürfen, alle vor diesem Stichtag liegenden An-sprüche hingegen als erloschen anerkannt werden. Auch diese Regelung wirkte sich einseitig negativ gegenüber Deutschland aus, da deutsches Eigentum zum Großteil bereits seit Kriegsbeginn 1914 unter zaristischer Herrschaft enteignet worden war. Die Alliierten wiederum behielten sich mit diesem Stichtag ein Recht auf Entschädigungen vor, da die Sozialisierung ihrer Vermögenswerte erst im Zuge der Februarrevolution stattgefunden hatte.[15] Mit der Bekanntgabe des Londoner Memorandums stand demnach die Gefahr eines ‚zweiten Versailles’ im Raum. Zwar hatte die Sowjetunion das System der Pariser Vorortverträge bis dato stets abgelehnt, aber würde sie tatsächlich auf „Dauer der Verlockung, mit dem Instrument des Artikel 116 das leidige Problem der russischen Schulden aus der zaristischen Ära wenigstens teilweise auf Deutschland abzu-schieben“[16], widerstehen können? Aus dieser Furcht heraus sah sich die deutsche Seite einem gewissen Zeitdruck ausgesetzt und versuchte daher alles, um einer Einigung zwischen den Westmächten und der Sowjetunion zuvorzukommen.[17] So traten etwaige Bedenken gegen einen Separatvertrag mit Russland weitestgehend in den Hintergrund.

2.1.1 Vertragsschluss abseits der Konferenz – Der Pakt der Parias

Die Verständigung zwischen Deutschland und Russland wurde jedoch nicht erst in Rapallo angebahnt, vielmehr gingen ihr lange Verhandlungen auf diplomatischer Ebene voraus.[18] Obgleich die sowjetische Seite auf einen Vertragsabschluss noch vor Beginn der Genueser Konferenz drängte, fand sich die deutsche Diplomatie dazu nicht bereit. Erst die im vorherigen Kapitel beschriebene Gemengelage ließ eine gesonderte Einigung mit Russland unausweichlich erscheinen. Dabei konnte auf einen im Vorfeld ausgearbeiteten Vertragsentwurf zurückgegriffenen werden, der letztlich in fast allen Punkten mit dem endgültigen Vertrag von Rapallo übereinstimmte. Dieser umfasste insgesamt sechs Artikel und enthielt – entgegen der bis heute weit verbreiteten Annahme – kein geheimes militärisches Zusatzprotokoll.[19]

[...]


[1] So äußerte sich Lord Bonham-Carter am 17. Januar 1990 in einer Debatte im House of Lords. Zit. nach Birke: Groß-britannien und die deutsche Einheit, S. 633.

[2] Die Wirkung des Rapallo-Vertrags in Frankreich stellt Renata Bournazel in ihrer Monographie zum Thema dar, siehe dazu Bournazel: Ein französisches Trauma, S. 185-209. Die amerikanische Sichtweise liefert Frohn: Rapallo-Mythos, S. 135-153, eine Bewertung aus britischer Perspektive nimmt Salzmann: Rapallo and after, S. 7-32 vor.

[3] Linke: Rapallo und kein Ende?, S. 94.

[4] Siehe dazu Schieder: Entstehungsgeschichte des Rapallo-Vertrags, S. 545-609, Graml: Rapallo-Politik, S. 366-391 und Fleischhauer: Rathenau in Rapallo, S. 365-415.

[5] Siehe dazu Thatcher: Downing Street No. 10, S. 1063-1127, die Aktensammlung des Foreign Office Documents on British Policy Overseas, Series III, Volume VIII - German Unification 1989-1990 und Jackisch: Eisern gegen die Einheit, S. 47-256.

[6] Vgl. Versailler Vertrag, Art. 231.

[7] Die Reparationsforderungen der Alliierten wurden in ihrer Höhe mehrmals neu festgelegt. Siehe dazu Meyer: Reparationspolitik, S. 327-342.

[8] Außenminister Rathenau bemerkte dazu, dass „die Erfüllungspolitik kein Selbstzweck sei und kein restloses ‚Ja’“ gegenüber den alliierten Reparationsforderungen bedeute. Ministerratssitzung vom 24. März 1922, S. 637.

[9] Vgl. Büttner: Weimar, S. 156ff.

[10] Damit waren bis auf die USA alle gewichtigen weltpolitischen Akteure auf der Konferenz vertreten. Die Vereinigten Staaten sagten ihre Teilnahme ab, da sie nach dem 1. Weltkrieg zu ihrer traditionellen Politik des Isolationismus zurückgekehrt waren und ihr Wirken auf die westliche Hemisphäre zu beschränken versuchten.

[11] Vgl. Zwehl: Deutschlandpolitik Englands, S. 21-25.

[12] Vgl. Grottian: Genua und Rapallo 1922, S. 308f.

[13] Dazu bemerkte beispielsweise Hans von Raumer, der als Sachverständiger der deutschen Delegation in Genua an-gehörte und an der Ausarbeitung des Rapallo-Vertrages mitgewirkt hatte: „Es wäre für uns der politische Todesstoß gewesen, hätte man die Russen in den Kreis der Entente eingezogen, sie zu Interessenten am Friedensvertrag gemacht, und uns auf diese Weise völlig eingekreist. Die Parallele mit dem Rückversicherungsvertrag liegt nahe.“ Zit. nach Helbig: Träger der Rapallo-Politik, S. 98.

[14] In besagtem Artikel des Versailler Vertrages behalten die Ententemächte Russland „ausdrücklich das Recht vor, von Deutschland alle Entschädigungen und Wiedergutmachungen zu verlangen, die auf den Grundsätzen des gegenwärtigen Vertrages beruhen.“ Versailler Vertrag, Art. 116.

[15] Vgl. Erdmann: Deutschland, Rapallo und der Westen, S. 118ff.

[16] Schieder: Entstehungsgeschichte des Rapallo-Vertrags, S. 558.

[17] In den ersten Konferenztagen fanden inoffizielle Beratungen zwischen der sowjetischen Delegation und den west-lichen Mächten zu den Inhalten des Londoner Memorandums statt. Die deutsche Seite war von diesen Gesprächen ausgeschlossen. Theodor Schieder sieht in der Isolierung der deutschen Delegationsmitglieder den ‚psychologischen Nährboden’ für die weitere Entwicklung. Vgl. ebd., S. 579.

[18] Vgl. Fink: Genoa Conference, S. 126-133.

[19] Dass die bereits zuvor initiierte geheime rüstungswirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit zwischen Reichs-wehr und Roter Armee von diesem Vertragsschluss gleichwohl profitierte, steht außer Frage. Vgl. Helbig: Träger der Rapallo-Politik, S. 85f.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Der Mythos von Rapallo
Untertitel
Entstehung und Folgewirkung eines außenpolitischen Traumas am Beispiel der britischen Deutschlandpolitik 1989/90
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar: Deutsch-britische Beziehungen 1870-1945
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
31
Katalognummer
V159308
ISBN (eBook)
9783640754250
ISBN (Buch)
9783640754625
Dateigröße
1199 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit beleuchtet den Mythos von Rapallo in seiner Entstehung und Folgewirkung. Dabei wird zunächst auf die Entstehungsgeschichte des Rapallo-Vertrags eingegangen, um die erfolgte Legendenbildung adäquat nachvollziehen zu können. Am Beispiel der britischen Deutschlandpolitik 1989/90 wird anschließend aufgezeigt, wie hartnäckig sich dieses außenpolitische Trauma im kollektiven Gedächtnis Europas halten konnte. Inwieweit der Rapallo-Mythos auch heute noch von Relevanz ist oder ob dieser seinen Schrecken mittlerweile verloren hat, wird abschließend dargelegt.
Schlagworte
Mythos, Rapallo, Trauma, Gespenst, Geist, Wiedervereinigung, Deutsche Frage, deutsche Einheit, Margaret Thatcher, Foreign Office, Vertrag, Versailler Vertrag, Llyod George, Chequers-Seminar, Deutschlandfrage, Großbritannien, britische Deutschlandpolitik, Komplex, Reflex, Rapallo-Mythos, Mythos von Rapallo, Thatcher, Douglas Hurd, Russland, Sowjetunion, Reparationszahlungen
Arbeit zitieren
Florian Rühmann (Autor), 2010, Der Mythos von Rapallo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159308

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Mythos von Rapallo


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden