In wieweit passt die Strata-Theorie von Ascoli aus der historisch vergleichenden Sprachwissenschaft und ihre Komponenten zu der spanischen Sprachgeschichte? Im Folgenden wird die Strata-Theorie erklärt und ihre Komponenten werden anhand der spanischen Sprachhistorie veranschaulicht. Anschließend wird der Zusammenhang der sprachlichen Entwicklung der Laute mit Beispielen belegt und analysiert. Im letzten Teil folgt eine kritische Betrachtung des Strata-Theoriemodells.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und theoretische Grundlagen der Strata-Theorie
1.1. Begriffsdefinitionen: Superstrat, Substrat und Adstrat
2. Die spanische Sprachgeschichte
2.1. Romanisierung und Entwicklung des Vulgärlateins
2.2. Historische Einflüsse: Goten und arabische Eroberer
2.3. Institutionalisierung und Ausbreitung des Spanischen
3. Phonetische Entwicklung vom Vulgärlatein zum Spanischen
4. Kritische Betrachtung der Strata-Theorie und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der Strata-Theorie des italienischen Linguisten Graziadio Isaia Ascoli auf die historische Entwicklung der spanischen Sprache. Dabei wird analysiert, inwieweit die Konzepte Superstrat, Substrat und Adstrat die sprachliche Evolution vom Vulgärlatein bis zur modernen Normierung erklären können und welchen kritischen Einwänden sich das Modell gegenüber sieht.
- Grundlagen der historisch-vergleichenden Strata-Theorie
- Die Rolle der Romanisierung und des Vulgärlateins
- Einflussfaktoren durch Westgoten und arabische Eroberungen
- Phonetische Lautwandelprozesse und deren Analyse
- Kritik an der Starre und Einseitigkeit des Strata-Modells
Auszug aus dem Buch
Die spanische Sprache als Teil der indoeuropäischen Sprachfamilie
Die spanische Sprache ist Teil der indoeuropäischen Sprachfamilie und gehört zu der italienischen Sprachgruppe, wie alle übrigen romanischen Sprachen auch. Die vorrömischen Völker auf der Iberischen Halbinsel sprachen unterschiedliche Sprachen. Spanisch ist eine Tochtersprache des Lateinischen, die sich nach der Eroberung durch die Römer ab 218 v. Chr. und der sprachlichen Romanisierung in einem Zeitraum über 200 Jahre bis 19 v. Chr. auf der Iberischen Halbinsel entwickelt hat (vgl. Kabatek/Pusch 2011: 248f). Grundlage war allerdings nicht das klassische Latein, sondern das „Vulgärlatein“, das die römischen Soldaten und Händler sprachen (vgl. Kabatek/Pusch 2011: 242). Man geht davon aus, dass es zwei Romanisierungsströme, von der Baetica und von der Terraconensis, auf der Iberischen Halbinsel gab und infolgedessen eine große Vielfalt an Dialekten und Sprachvarietäten in Spanien entstand.
Ab dem 3. Jhd. v. Chr. entstand eine Literatursprache mit Sprachnormen bezüglich Syntax, Morphologie und Phonetik. 414 n. Chr. drangen die Goten in Spanien ein und beherrschten Spanien 300 Jahre lang. Es wurde jedoch weiterhin Latein gesprochen. Nur wenige germanische Wörter prägten die spanische Sprache. 711 n. Chr. besetzten arabische Eroberer Spanien, und ihre Kultur und Sprache hinterließen in den 700 Jahren Spuren (Kabatek/Pusch 2011: 251). Im 12. und 13. Jahrhundert durchlebte Spanien die Bewegung der Wiedereroberung, Reconquista genannt, die 1492 mit der Entdeckung Amerikas endete.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und theoretische Grundlagen der Strata-Theorie: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und erläutert die von Ascoli geprägten Begriffe Superstrat, Substrat und Adstrat zur Erklärung von Sprachkontakt.
2. Die spanische Sprachgeschichte: Hier wird der historische Werdegang des Spanischen von der Romanisierung durch das Vulgärlatein bis hin zur Etablierung als offizielle Amtssprache nach der Reconquista nachgezeichnet.
3. Phonetische Entwicklung vom Vulgärlatein zum Spanischen: Dieser Abschnitt analysiert spezifische Lautwandelprozesse, wie die Monophtongierung und Konsonantenreduktion, anhand von Beispielen aus der Appendix Probi.
4. Kritische Betrachtung der Strata-Theorie und Fazit: Das abschließende Kapitel setzt sich mit der modernen wissenschaftlichen Kritik an Ascolis Modell auseinander und resümiert die Komplexität sprachlicher Entwicklungsprozesse.
Schlüsselwörter
Spanisch, Sprachgeschichte, Strata-Theorie, Vulgärlatein, Superstrat, Substrat, Adstrat, Romanisierung, Reconquista, Phonetik, Sprachwandel, Graziadio Isaia Ascoli, Kastilisch, Sprachkontakt, Linguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Spanischen durch die Linse der Strata-Theorie von Graziadio Isaia Ascoli.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die sprachgeschichtlichen Einflüsse vorrömischer Völker, die Romanisierung, germanische und arabische Einflüsse sowie phonetische Wandlungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, inwieweit Ascolis Modell geeignet ist, die komplexe Entwicklung der spanischen Sprache zu erklären und wo die Grenzen dieses theoretischen Modells liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine historisch-vergleichende Methode, kombiniert mit der Analyse von Sprachbeispielen und einer kritischen Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlicher Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Strata-Komponenten, die historische Genese des Spanischen sowie eine detaillierte phonetische Untersuchung von Sprachwandelerscheinungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Spanische Sprachgeschichte, Strata-Theorie, Vulgärlatein und Sprachwandel definieren.
Welche Rolle spielt das Vulgärlatein in dieser Arbeit?
Das Vulgärlatein wird als die entscheidende Grundlage identifiziert, aus der sich nach der Romanisierung der Iberischen Halbinsel das Spanische als Tochtersprache entwickelte.
Warum wird die Strata-Theorie kritisiert?
Experten wie Thomas Krefeld kritisieren, dass das Modell Sprachen zu starr betrachtet und die tatsächlichen Fusionsprozesse sowie den Sprachkontakt zu einseitig darstellt.
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- Anonym (Author), 2019, Strata-Theorie und die spanische Sprachgeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1593149