Problematik eines Generalverdachts gegenüber männlichen Mitarbeitern in Kindereinrichtungen


Essay, 2010

6 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Es ist kurz vor Drei. Die ersten Kinder wurden bereits von ihren Eltern aus der Kita abgeholt. Anne, die Kollegin, die die Frühschicht hatte, bespricht noch ein paar Abläufe bezüglich des morgigen Herbstfestes mit ihrem neuen Kollegen Tom und macht sich auf den Weg in den Feierabend.

Am nächsten Tag unterhält sich die Kitaleiterin mit Anne, während Tom lachend und tobend mit den Kindern durch einige Haufen von Laubblättern springt. Kurz bevor Anne an diesem Tag nach Hause geht, kommt Berin in die Gruppe. Tom ist irritiert. Berin und Anne lächeln verunsichert und versuchen die Situation herunter zu spielen: “Ach weißt du, so ein Paar Eltern fanden das komisch, dass du gestern Nachmittag allein mit den Kindern warst... Berins Gruppe ist nachmittags 'eh zum Kita-Sport, so sitzt sie nicht daneben und du musst nicht alles alleine machen.”

In Berlin sind sage und schreibe 4,5% der pädagogischen Fachkräfte in Kindertagesstätten männlichen Geschlechtes. Damit liegt Berlin sogar noch über dem bundesweiten Durchschnitt von 2,4%. “Erzieher” ist immer noch ein typisch weiblicher Beruf, jedoch werden zunehmend Bestrebungen entwickelt, dieses eingefahrene Berufsbild zu verändern. Trotz zunehmender beruflicher Orientierung von männlichen Fachkräften im Sozialwesen, ist die Anzahl männlicher Mitarbeiter im Bereich der frühkindlichen Bildung und Erziehung immer noch sehr gering. Dies hat vielfältige Gründe. Insgesamt wird die hohe Bedeutung der frühkindlichen Entwicklungsprozesse oftmals unterschätzt, sowie die Professionalität dieses Berufes belächelt.

Trotzdem gibt es glücklicherweise Männer, die es anstreben, den Beruf des Erziehers zu erlernen und auszuüben. Zumeist werden grundsätzlich auch gerne männliche Fachkräfte in Kitas eingestellt, eben weil es so selten männliche Erzieher gibt und Männer in Kitas insgesamt gerne gesehen sind.

Doch was ist eine der größten Barrieren, die Männer, trotz hoher Bedeutung für die Erziehungsarbeit in Kindereinrichtungen, überwinden müssen?

Die Auseinandersetzung und Konfrontation mit der Verdächtigung auf sexuellen Missbrauch von Kindern. Dies passiert womöglich niedrigschwellig, vielleicht sogar beiläufig, indem Eltern den männlichen Erziehern untersagen, ihr Kind zu wickeln oder eine Gruppe allein zu beaufsichtigen. Doch allein diese Forderung ist eine boshafte Unterstellung und Degradierung der Professionalität männlicher Erzieher.

Wie geht man mit diesem Generalverdacht des Mannes als Täter um?

“Männliche Erzieher werden gedanklich immer wieder mit dem Thema „Missbrauch“ in Verbindung gebracht. Diese „gedankliche Nähe“ wirkt (...) sich auch auf die pädagogische Praxis der männlichen Erzieher und Auszubildenden aus. Um sich vor Verdachtsmomenten zu schützen, halten sich männliche Erzieher und Auszubildende immer wieder demonstrativ in der Arbeit insbesondere mit Mädchen zurück.” (Cremers, Krabel, Calmbach: 2010) Und dies ist nicht ganz unbegründet, denn 40% der Eltern, sowie 43% der Kitaleitungen haben schon mal an die Gefahr des Missbrauchs durch einen männlichen Erzieher gedacht.

Die Schwierigkeit der Thematik liegt darin, dass versucht wird, zwei Faktoren, die gegeneinander arbeiten, zu vereinbaren. Dies ist einerseits der vorherrschende Fachkräftemangel, insbesondere im Hinblick auf männliche Erzieher und andererseits die Auseinandersetzung mit dem vorurteilsbehafteten Bild gegenüber Männern (Erziehern) als Vergewaltigern.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat die Bedeutung männlicher Erzieher in Kitas auch erkannt und fördert ab dem nächsten Jahr mit dem Programm “MEHR Männer in Kitas” zehn best-practice Modellstandorte mit insgesamt 12,5 Millionen Euro.

“Männliche Erzieher gelten (...) als eine Bereicherung für die Kinder, weil davon ausgegangen wird, dass sie die Vielfalt an Angeboten erhöhen und die Kitas mit Interessen und Sichtweisen bereichern können, die bislang nur wenig berücksichtigt werden. Mehrheitlich wird die Meinung vertreten, dass Kinder durch geschlechterheterogene Kita‐Teams lernen, wie Männer und Frauen ihre Beziehungen positiv gestalten können. Die verschiedenen Erhebungsgruppen sehen durch geschlechterheterogene Kita‐Teams zudem eine bessere Unterstützung der Kinder bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben gewährleistet.” (Cremers, Krabel, Calmbach: 2010)

Aufgrund dieser deutlichen Positionierung, man (in dem Falle der Bund, sowie Wohlfahrtsorganisationen und Kita-Träger) wolle mehr männliche Fachkräfte, ist die Auseinandersetzung mit diesem Generalverdacht besonders wichtig, denn um eine Erziehertätigkeit attraktiver für Männer zu gestalten, müssen sich sowohl Eltern, als auch Erzieherinnen und Kitaleitungen konstruktiv mit der Thematik befassen. Denn in diesem Zusammenhang hat die Beschäftigung von männlichen Erziehern sowohl eine Auswirkung auf die Eltern, als auch auf die Erzieher selbst, wenn sie sich aufgrund von Ängsten und Verdächtigungen in eine Ecke gedrängt fühlen. Die Situation der Eltern steht der Situation der männlichen Erzieher frontal gegenüber.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Problematik eines Generalverdachts gegenüber männlichen Mitarbeitern in Kindereinrichtungen
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
6
Katalognummer
V159325
ISBN (eBook)
9783640761364
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Problematik, Generalverdachts, Mitarbeitern, Kindereinrichtungen
Arbeit zitieren
Dana Süß (Autor), 2010, Problematik eines Generalverdachts gegenüber männlichen Mitarbeitern in Kindereinrichtungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159325

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