Zur medialen Selektion politischer Diskurse

Eine Analyse am Beispiel des Diskurses über finanzpolitische Reformen


Diplomarbeit, 2009
146 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Produktive Ausschließung – die Herleitung der Fragestellung
2.1 Warum Foucault?
2.2 Die methodischen Grundschritte
2.3 Diskurse und Subjekte
2.4 Diskursive und dispositive Einschränkungen

III. Die heutigen Strukturen – die Analyse der Elemente der Fragestellung
3.1 Zur Komplementarität der Perspektiven Foucaults und Luhmanns
3.2 Die Grundprinzipien der Demokratie
3.3 Faktoren gesellschaftlichen Wandels
3.4 Die Medien in der Demokratie - Öffentlichkeit
3.5 Akteure und Prozesse der Politischen Kommunikation
3.6 Aktuelle Entwicklungen

IV. Bestimmung der Norm
4.1 Überblick über die Funktionen des Mediensystems
4.2 Deliberale Öffentlichkeitstheorie
4.3 Ein Modell zur Messung demokratischer Medienperformanz

V. Verzerrung
5.1 Nachrichtenwerttheorie
5.2 Der Framing-Ansatz

VI. Empirische Analyse
6.1 Die Kapitalismusdebatte
6.2 Erläuterung der gewählten Methodik
6.2.1 Auswahl der Mediengattung und der Publikationsorgane
6.2.2. Auswahl der Zeiträume: die Schlüsselereignisse
6.2.3 Generierung und Darstellung des Datenkorpus: Auswahl der Artikel
6.2.4 Anlage der Framing-Analyse
6.2.5 Details zur Vorgehensweise der Analyse auf Frame-Elemente
6.3 Präsentation und Diskussion der Ergebnisse
6.4 Erkenntnisse zu Framing-Prozessen in der Kapitalismusdebatte

VII. Fazit

VIII.. Literatur

IX. Abbildungsverzeichnis
10.1 Ergebnistabelle der Datenbankauswertung
10.2 Zwei Beispielkodierungen zur ‚Heuschreckendebatte‘
10.3 Zwei Beispielkodierungen zur Finanzmarktkrise:

Wenn das Zeitalter der Information von uns den Einsatz aller Fähigkeiten gleichzeitig verlangt, entdecken wir, dass wir am stärksten das Gefühl empfinden, frei zu sein, wenn wir am intensivsten ‚dabei‘, also mit einbezogen sind, ähnlich wie es Künstler zu allen Zeiten waren.

Herbert Marshall McLuhan: Die magischen Kanäle - Understanding Media

Denn dein Verkaufen darf nicht eine Tätigkeit sein, die ohne Einschränkung deiner Macht und deinem Willen anheimgegeben ist ohne alle Gesetze und Maßstäbe, als wärst du ein Gott … weil dein Verkaufen eine Tätigkeit ist, die dich in Beziehung zu deinem Nächsten setzt, muss sie durch dieses Gesetz und durch das Gewissen geordnet sein.

Martin Luther (1519)

I. Einleitung

In den Politik-, Sozial- und Kommunikationswissenschaften entstanden in den letzten 50 Jahren immer differenziertere Theorien, um die gegenseitige Beeinflussung von Massenmedien und Politik zu analysieren. Mit der Anzahl der Theorien stieg auch die Anzahl ihrer empirischen Überprüfungen. Die Frage, wer die Orientierungslinien für das Zusammenleben in der Gesellschaft bestimmt, wird heute in einem theoretisch wie methodisch sehr heterogenem Forschungsfeld erarbeitet.

Dabei ergehen sich viele Studien in neutralen Deskriptionen, ohne die fortan beschriebenen Zustände zu bewerten.[1] Doch ohne eine Bewertung bleibt empirische wie theoretische Arbeit unfruchtbar: Eine reine Beschreibung von Sachverhalten kann nicht als Handlungsempfehlung genutzt werden und verkommt zum sprichwörtlichen Datenfriedhof. Wissenschaft legitimiert sich jedoch über Problemlösungen, also die Bereitstellung von Handlungsempfehlungen. So müssen neben dem Ausdruck von Prozessen auch die Auswirkungen von Prozessen analysiert oder zumindest begründet prognostiziert werden, um Handlungsempfehlungen abgeben zu können.

Die vorliegende Arbeit will Anregungen zur Verbesserung des Zusammenwirkens von Massenmedien und politischen Entscheidungsprozessen geben – der Fokus liegt also auf der Makroebene gesellschaftlicher Prozesse.

Auch wenn der Begriff der Verbesserung hier zunächst allgemein gehalten ist, führt er zum Problem der Norm und damit in das Spannungsverhältnis von analytischer Medientheorie und normativer Gesellschaftstheorie. Woran können Verbesserungen oder Verschlechterungen festgemacht sowie ihre Intensivität gemessen werden?

Bevor die anzulegenden Maßstäbe begründet werden, ist das Problem zu erläutern:

Viele der erwähnten Forschungsanstrengungen haben die mit der konstruktivistischen Erkenntnistheorie in Einklang stehende These bestätigt, nach der die Massenmedien die Welt nicht spiegelten wie sie sei. Vielmehr stellten sie ein eigenes Bild her, dessen Beschaffenheit von den Regeln und Routinen der Medienbranche bestimmt sei.[2] Die Massenmedien müssen also als politischer Akteur begriffen werden, da ihre Produkte von den Menschen zumindest prinzipiell als Angebote für Handlungsorientierungen genutzt werden.[3]

Dabei soll nicht von der naiven marxistisch-gramscistischen Annahme ausgegangen werden, nach der die Besitzer der Druckerpressen durch eine industrielle Ideologieproduktion ein ihnen genehmes Bild der Welt verbreiten könnten, um damit ihre materielle Herrschaft zu sichern. Vielmehr sollen die Prozesse der medialen Produktion selbst untersucht werden. Hier interessiert besonders der für die Massenmedien essentielle Operationsmodus der Selektion. Dabei liegt das primäre Erkenntnisinteresse dieser Arbeit nicht im Warum oder im Wer der Selektion, nicht zentral im Wie der Selektion, sondern in den Konsequenzen der Selektion. Welche Charakteristika weißt die von den Massenmedien gezeichnete Realität auf?

Es wird also besonders darauf zu achten sein, wie die Massenmedien die Chancen derer beeinflussen, die dieses Bild mitbestimmen wollen, indem sie sich an öffentlichen Diskussionen beteiligen. Das Wie ist dabei insofern zu untersuchen, als die Stärke der Selektion die forschungsleitende These bestimmt:

Es ist davon auszugehen, dass die momentane Ausgestaltung der Strukturen, die heute geltenden Regeln sowie die aktuell herrschenden Handlungsroutinen in den Massenmedien in Gesellschaften westlichen Typs zu einem zweidimensionalen Problem führen.

Zum einen führt die zunehmende Ähnlichkeit der in den Massenmedien thematisierten Gegebenheiten, ihrer Darstellungsweise sowie insbesondere ihrer Kommentierung auf der Mikroebene zur geistigen Verarmung sowie chronischer Unzufriedenheit und damit Verringerung der Lebensqualität der Rezipienten. Diese Problemdimension kann hier nicht diskutiert werden – se ist jedoch in diversen medientheoretischen Schriften wie beispielsweise aus der Frankfurter Schule aufgegriffen worden.[4],[5]

Somit wird die zweite Dimension des vermuteten Problems untersucht: Es wird davon ausgegangen, dass die Massenmedien das Erkennen problematischer Umwelteinflüsse auf die Gesamtgesellschaft nicht hinreichend unterstützen und einer optimalen Reaktion auf solche Probleme entgegenwirken.

Das Problem wird nicht darin gesehen, dass gesellschaftlicher Wandel nicht in eine bestimmte, vom Autor bevorzugte Richtung stattfindet, sondern dass ein solcher nicht diskutiert wird und nicht einmal diskutiert werden kann. Die Möglichkeit der Stellung einer bestimmten Forderung hängt von einem Grundkonsens ab, der in der jeweiligen historisch-spezifischen Situation nicht hinterfragt werden kann. Dies soll am Beispiel der Kapitalismusdebatte gezeigt werden, in deren Verlauf der Grundkonsens des liberalistischen Kapitalismus erst von realpolitischen Ereignissen erschüttert werden konnte.

Mit vielen Kommentatoren der Qualitätszeitungen ist zu behaupten, dass die Finanzkrise eine realpolitisches Ereignis ist, dessen Auswirkungen den Grundkonsens Liberalismus und Deregulierung modifizieren wird, der spätestens seit Ende des Systemkonflikts 1989/90 die Wirtschaftspolitik der Welt dominierte und somit auf Grund des Primats der Wirtschaftspolitik die Lebenssituation von Millionen von Menschen in vielfältiger Weise beeinflusste. Somit kann die Analyse dieser Debatten herausarbeiten, inwiefern gesellschaftliche Probleme rechtzeitig erkannt und tragfähige Lösungsvorschläge angeboten worden sind.

Der Begriff tragfähig führt zum Problem der Norm zurück. Die Kriterien für eine Bewertung der Verfasstheit des Mediensystems müssen auf Grund der unendlichen Menge an potentiellen sachlichen Inhalten abstrakt sein.

Die zu Beginn erwähnte Heterogenität des Forschungsfeldes legt als Suchmethode nach diesen abstrakten Kriterien eine systematische Textexegese nahe. Eine solche kann hier aus forschungsökonomischen Gründen nicht geleistet werden. Vielmehr werden Theorien und Methoden ausgewählt, um einen Operationsmodus und weiter eine Dimension ihrer Auswirkungen in den Blick zu bekommen: die Selektion und ihre Auswirkung auf die Entwicklung der Gesamtgesellschaft.

Um das Fundament besser zu verstehen, auf dem solch abstrakte Kriterien aufgebaut sein müssen, wird zunächst ein Überblick über Michel Foucaults Diskurstheorie als grundlegende Gesellschaftstheorie gegeben. Diese zeigt sowohl die Bedeutung von Arbeitsroutinen bzw. Praktiken im Allgemeinen auf sowie auch grundlegende Charakteristika der Selektion.

Nachdem Foucaults Erkenntnisse tendenziell universell gelten, müssen im dritten Kapitel die heutigen Umstände untersucht werden: Wie werden Probleme im demokratischen System gelöst und wie steuert dieses System seine Entwicklung? Welche Rolle spielen die Massenmedien dabei theoretisch? Zur Analyse dieser komplexen Untersuchungsgegenstände soll das Werkzeug der Systemtheorie eingesetzt werden. Allerdings verlangt diese Einführung einer zweiten Großtheorie ein vorheriges Abgleichen mit der Diskurstheorie – mit diesem partiellen Vergleich wird also theoretisch noch weitgehend unerschlossenes Gelände betreten werden.

Im vierten Kapitel werden zunächst aus den bis dahin gewonnenen Erkenntnissen allgemeine Funktionszuschreibungen an die Massenmedien abgeleitet, um diese dann mit der deliberalen Öffentlichkeitstheorie theoretisch zu fassen. Anschließend werden diese theoretischen Anforderungen mit Hilfe des medialen Demokratieperformanzmodells nach Voltmer empirisch operationalisiert.

Im fünften Kapitel dann gilt es, anhand eines Überblicks über die bisherige Selektions- und Verzerrungsforschung den Blick dafür zu schärfen, wo im Prozess der massenmedialen politischen Kommunikation die in der Fragestellung vermuteten Probleme auftreten könnten und so den Realitätsausschnitt der empirischen Untersuchung zu bestimmen. An dieser Stelle wird mit dem Framing-Ansatz auch die Untersuchungsmethode eingeführt, welche zumindest potentiell den Anspruch erhebt, die vorhandene Selektions- und Verzerrungsforschung zu integrieren.

Im sechsten Kapitel schließlich wird die vorgestellte Fragestellung in einer selbst entwickelten quantitativen Inhaltsanalyse auf Frame-Elemente an den Kapitalismusdebatte untersucht.

Im abschließenden Fazit sollen Gedanken skizziert werden, wie die analysierten Schwächen behoben werden können sowie Forschungslücken identifiziert werden.

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und somit dem Wegfall eines Vergleichsmodells ist die Frage nach der Qualität demokratischer Herrschaft ebenfalls neu aufgeworfen. Wie die Ausführungen zeigen werden, ist mit Kaase festzuhalten, dass das Mediensystem für diese Debatte einen zentralen Faktor darstellt.[6]

Es sollen also Erkenntnisse zur noch jungen Debatte zur Theoretisierung und Operationalisierung der demokratischen Performanz von Mediensystemen beigesteuert werden, welche durch Modelle von McQuail[7] und Voltmer[8] entscheidend voran gebracht wurde. Diese Modelle zielen auf eine Integration von demokratietheoretischen und kommunikationswissenschaftlichen Diskurssträngen ab, um den sich beständig zu beschleunigenden Entwicklungen in der Medienkommunikation und den damit betrauten Politikern eine Zielvorstellung zur Handlungsorientierung zu geben.

Die hier angestrebten Regeländerungen sollen es jederzeit allen politischen Akteuren erleichtern, jegliche Art von Forderungen zu stellen und mit garantierten Minimal-Erfolgsaussichten in den Massenmedien argumentativ für diese zu werben. Dies sollte eine der ‚Zielvorstellungen und normativen Konzeptionen‘ sein, an der es für die „Ausgestaltung einer zukünftigen Kommunikations- und Medienordnung“ lauf Imhof noch fehlt.[9] Nur durch das Fehlen solcher Zielvorstellungen ist es zu erklären, dass die Forschung seit langem problematische Effekte des Mediensystems identifiziert hat, die Politik jedoch bisher nicht gegengesteuerte.

II. Produktive Ausschließung – die Herleitung der Fragestellung

2.1 Warum Foucault?

Die Frage nach der Macht ist die Klammer, die das komplexe Werk Michel Foucaults zusammenhält. Obwohl Foucault Schwammigkeit und Beliebigkeit vorgeworfen werden, sind zwei seiner Erkenntnisse für die zu untersuchende Frage zentral:

Auf formal-theoretischer Ebene schärft Foucault den Blick für den zu untersuchenden Elemententyp – es gilt, Praktiken statt Subjekte unter die Lupe zu nehmen. Zusätzlich entwirft Foucault im Rahmen der Überlegungen, die später unter den Begriff Diskurstheorie gezwängt wurden, eine von der konkreten historischen Situation unabhängige Typologie von Selektionsmechanismen. Diese Typologie verspricht eine Grundlage für das Verständnis des Zusammenhangs zwischen der Selektion von Aussagen und der Veränderbarkeit gesellschaftlichen Handelns zu liefern.

Bei der Fruchtbarmachung des foucaultschen Potentials hat die Wissenschaft mit der Schwierigkeit zu kämpfen, dass der ‚subversive Philosoph‘ auf Strukturen und Definitionen konventionellen Theoriedesigns weitgehend verzichtet. So werden die hier interessierenden Thesen aus dem Gesamtwerk Foucaults destilliert. Dabei werden die ‚theoretischen Verschiebungen‘ wie die Rückkehr zum Subjekt als Ausgangspunkt von Machtwirkungen nicht berücksichtigt und die Analytik der Macht nur bis zu ihrer ersten vollen Entfaltung dargestellt.[10] Denn diese erste Version zeichnet die neue Perspektive auf die Machtfrage am klarsten, welche von konkreten Personen abstrahiert und somit selbst Grundsätze anderer Disziplinen wie die politikwissenschaftliche Einteilung in Regierende und Regierte in Frage stellt.

2.2 Die methodischen Grundschritte

Foucault baut seine historische Analyse auf eigene Untersuchungen von Praktiken wie der klinischen Psychologie oder des Merkantilismus auf und lehnt vorhandene Konzepte wie Hegels Dialektik oder den Historischen Materialismus ab. Selbst das Konzept der Vernunft wird als temporäres, von der Aufklärung hervorgebrachtes Konstrukt klassifiziert. Diese These verdeutlicht den wichtigsten Grundgedanken der foucaultschen Perspektive: jede Struktur und jeder Wert ist kontingent, also in spezifischen historischen Situationen auf Grund bestimmter Umstände entstanden und ebenso vergänglich bzw. wandelbar. Somit steht Foucault einzig den Konstruktivisten nahe – allerdings nicht den radikalen Konstruktivisten, denn es ist gerade die Genese der in Epochen geschlossenen Weltanschauungen, die Foucault erklären will.

Bei der Untersuchung dieser Epochen stellt sich das Problem, dass wir uns selbst in einer spezifischen Epoche befinden und unser Handeln und auch unser Denken von den Regeln dieser Epoche eingeschränkt werden. Fink-Eitel fasst Foucaults methodische Idee zur Umgehung dieser Zwickmühle in einer erhellenden Metapher zusammen: man müsse die Regelsysteme verschiedener vergangener Epochen anheben und analysieren, wie sich die Elemente dieser Systeme darunter frei bewegen. Anschließend könne man aus einem Vergleich zwischen den freien Bewegungen der Elemente und den geregelten ‚vermachteten Bewegungen‘ Rückschlüsse auf das allgemeine Funktionieren von Regelmechanismen bzw. Macht ziehen.[11] Das Heute kann dann auf diese allgemeinen Machtcharakteristika hin abgesucht werden – eben wie in der empirischen Analyse in Kapitel VI der Ein- bzw. Ausschluss von Akteuren untersucht werden soll.

Foucault selbst teilt sein Vorgehen in die Schritte der Archäologie und der Genealogie ein: Erstere ist eine strukturelle Analyse auf einer einzigen Zeitebene, welche die Regeln identifizieren soll, die bestimmte Aussagen und Gedanken zulassen und andere verhindern. Das Werkzeug der Archäologie ist die Diskursanalyse. Auch die empirische Analyse in Kapitel VI kann in einem weiten Sinn als Diskursanalyse aufgefasst werden, so wie Foucault in seiner Vorlesung ‚In Verteidigung der Gesellschaft‘ seine Studenten explizit dazu aufforderte, mit seinen Ideen, Modellen und Instrumenten „zu machen, was Sie wollen“.[12]

Den zweiten Schritt bezeichnet Foucault in Anlehnung an Nietzsche als Genealogie: sie ist eine historische Analyse und soll das Entstehen der identifizierten Regeln und deren Verbindungen mit sozialen Institutionen, politischen Ereignissen und ökonomischen Machtverhältnissen herausarbeiten. Genealogische Aspekte umfasst die folgende empirische Analyse mit der Differenzierung in verschiedene Akteurstypen wie Regierungsakteure und periphere Organisationen sowie der Messung des Einflusses von außerdiskursiven Schlüsselereignissen. Da die Analyse sich auf das Heute beschränkt, muss dabei nicht Derridas Vorwurf an Foucault beachtet werden, dass eine Suche nach Gründen für ein in der Vergangenheit liegendes Schweigen ‚schreckliche methodische Probleme‘ mit sich brächte.[13]

2.3 Diskurse und Subjekte

Das Konzept des Diskurses und seiner Analyse dient der gesamten Foucaultschen Theorie als verbindende Struktur und hat mittlerweile in den Sozial- und Geisteswissenschaften enorme Popularität erlangt. Allerdings definiert Foucault selbst den Begriff des Diskurses an keiner Stelle seines Werkes eindeutig – was zum Variantenreichtum der Weiterentwicklungen beigetragen haben dürfte. Im Folgenden werden die Charakteristika des Diskurses offen gelegt, welche die Beschäftigung mit Praktiken begründen und die Selektionstypologie auffächern.

Zuallererst besteht ein Diskurs aus Aussagen. Dabei wird Aussage nicht als grammatikalischer Satz, Sprechakt oder semantischer Gehalt einer Zeichenfolge aufgefasst, sondern als Einheit, die in einem präzisen Punkt von Raum und Zeit in einem konkreten Kontext geäußert wurde. Ein Vorschlag eines Politikers in einem Zeitungsinterview wäre eine Aussage in dem Diskurs des entsprechenden Politikfeldes. An einem Beispiel wird deutlich, dass jeder geäußerte Satz einer Reihe von Gesetzen unterliegt, um als sinnvoll zu erscheinen und von den Teilnehmern des entsprechenden Diskurses akzeptiert zu werden: Ein deutscher Politiker dürfte in Deutschland beispielsweise nicht eine eventuelle historische Schuld des Judentums thematisieren. Seine Aussage würde so nicht berücksichtigt und wie am Schicksal des Bundestagsabgeordneten Martin Homann gesehen der Aussagende vom weiteren Diskurs ausgeschlossen.[14]
Foucault hebt mit dem Konzept des Referentials weiter auf die konkreten Bedingungen ab, die erfüllt sein müssen, damit eine Aussage als sinnvoll aufgenommen wird. Beispielsweise müssten die gewählten Symbole den Konventionen entsprechen und den Diskursteilnehmern bekannt sein – er veranschaulicht dies am Beispiel von schallschluckenden Wänden, deren Erwähnung im 17. Jahrhundert den anderen Diskursteilnehmern nicht sinnvoll erschienen wäre.
Doch hier interessiert die Akzeptanz bzw. Selektion von bereits als sinnhaft klassifizierten Aussagen. Allerdings ist der Einfluss des Aussagenden auf die Sinnhaftigkeit der Aussage festzuhalten. Beispielsweise werden Aussagen von vermeintlich Wahnsinnigen nicht angenommen. Da aber auch die Klassifikation des Wahnsinns kontingent ist, ergibt sich ein erstes taktisch einsetzbares Ausschlusspotential.

Schließlich bildet die Menge von Aussagen, die denselben Sinn- und Selektionsregeln gehorchen, einen Diskurs. Er ist „das Gesetz dessen, was ausgesagt werden kann, das System, das das Erscheinen der Aussagen als einzelne Ereignisse beherrscht, das System ihres Funktionierens.“[15]

Eine für den philosophischen Diskurs und die hier verfolgte Argumentation entscheidende These Foucaults ist nun, dass das gesamte Wissen der Menschheit in Diskursen angeordnet sei. Zum Beispiel hätten die wissenschaftlichen Disziplinen das Subjekt der Aufklärung und damit das neuzeitliche Individuum überhaupt generiert. Nach Sarasin widerspräche diese ‚dunkle Kehrseite der Demokratie‘ (Foucault) diametral den Vorstellungen der bürgerlichen Freiheit im 19. Jahrhundert, die den freien Bürger als gegeben und unhinterfragt voraussetzten.[16],[17] Wenn aber nun angenommen wird, dass auch das Wissen um die Subjekte diskursiv produziert ist, ist der Diskurs dem Subjekt vorgängig und wir erkennen, dass Machstrukturen ursprünglich von diskursiven Praktiken und nicht primär von Subjekten wie beispielsweise dem Diktator oder dem Zentralkomitee einer kommunistischen Partei ausgehen. „Das Subjekt als begründendes ist in der Diskursanalyse durchgestrichen und der Autor der Texte stattdessen bloß eine Funktion, wie sie von bestimmten Diskursen ermöglicht und erfordert wird.“[18]

Die Frage nach der Macht muss also die Konfiguration des Systems untersuchen anstatt sich auf die Handlungsmacht einzelner Akteure zu beschränken.

2.4 Diskursive und dispositive Einschränkungen

In seiner berühmten Antrittsvorlesung am Collège de France präsentiert Foucault seine Typologie der Einschränkungsmechanismen – die Ordnung des Diskurses.[19] Sie bestimmten die in einem Diskurs thematisierbaren Gegenstände, einnehmbaren Positionen, verwendbaren Begriffe und anwendbaren Strategien. Foucault unterscheidet verschiedene Klassen dieser Prozeduren:

Zunächst könnten die Prozeduren der Ausschließung gewisse Gegenstände und Vorgänge zu einem Tabu erklären oder es könnten durch Rituale des Umstandes manche Sprecher vom Diskurs ausgeschlossen werden. Beispielsweise wird ein akademischer Abschluss und werden bestimmte sprachliche Anforderungen verlangt, um im Wissenschaftsdiskurs zu publizieren. Parlamentsdebatten sind ein Beispiel für besonders hochgradig geregelte Diskurse mit minutiös zugestandenen Redezeiten für die einzelnen ausgewählten Sprecher.

Die wirkungsmächtigste Ausschließungsprozedur stellt der Wille zum Wissen bzw. der Wille zur Wahrheit dar. So bezeichnet Foucault die Entscheidung über die Akzeptanz einer Aussage auf Grund der Unterscheidung wahr/falsch. Das Schicksal Galileis verdeutlicht, was gemeint ist: Im damaligen Weltbild war es schlichtweg falsch, dass die Erde sich um die Sonne drehte. Der argumentative Beweis war vom ersten Satz an vergebliche Liebesmüh. Hier blitzt ein erstes Mal das Problem der Konsonanz auf: etwas ist so, weil alle es so sehen. Dabei tendiert der Wille zum Wissen dazu, sich über die anderen Ausschließungsmechanismen zu erheben: beispielsweise wird jemand ausgeschlossen, weil er eine unkonventionelle These. Eine genaure Analyse dieser unglücklichen Konstellation liefert die Theorie der Schweigespirale (vgl. Kapitel 5.2.5).

Die dargestellten Prozeduren der Ausschließung umreißen die äußeren Grenzen des Diskurses. Davon geschieden werden Klassifikations-, Anordnungs- und Verteilungsprinzipien, die das Innere des Diskurses bestimmen:

Gewöhnlich sieht man in der Fruchtbarkeit des Autors, der Vielfältigkeit der Kommentare und der Entwicklung einer Disziplin unbegrenzte Quellen für die Schöpfung von Diskursen, doch genau so sind es Prinzipien der Einschränkung.[20]

Neben den hier vernachlässigbaren Prinzipien des Kommentars und des Autors interessiert vor allem das Prinzip der Disziplin. Dieses verdeutlicht noch einmal, dass Sprecher nicht umhin kommen, die ‚Gegenstände‘, ‚Bündel von Methoden‘ und ‚Definitionen‘ des jeweiligen Diskurses zu benutzen. Foucault erläutert am Beispiel Mendels Fortpflanzungstheorie, dass es durchaus möglich ist, „im wilden Außen die Wahrheit zu sagen; aber im Wahren ist man nur, wenn man den Regeln der diskursiven Polizei gehorcht […].“[21] Mendel formulierte eine aus heutiger Sicht wahre biologische Theorie, die jedoch von den Biologen seiner Zeit nicht aufgegriffen wurde, da sie formal nicht deren Anforderungen entsprach. Dieser Gedanke wird von vom Framing-Ansatz im Erkennen gemäß kognitiven Schemata wieder aufgegriffen (vgl. Kapitel 5.2).

Nicht ganz trennscharf von den zuerst genannten Prozeduren der Ausschließung nenne Foucault als dritte und letzte Gruppe die Prozeduren der Kontrolle. Durch sie übten außerdiskursive, dispositive Akteure Kontrolle über den gesamten Diskurs aus. Als dispositive Akteure werden Institutionen sowie institutionelle Verhältnisse wie politische, ökonomische aber auch architektonische etc. bezeichnet, die zeitlich bereits vor dem Diskurs bestanden, also Einfluss auf die Gestaltung seiner Regeln nahmen. Beispielsweise wird der Diskurs Wirtschaftspolitik unter anderem von so unterschiedlichen dispositiven Faktoren wie der Welthandelsorganisation, dem Dollar als internationaler Leitwährung, dem schwarzen Block, Milton Friedman, den International Business Schools sowie vielen weiteren Faktoren beeinflusst. Auch hier ist noch einmal hervorzuheben, dass auch dieses Dispositiv historisch kontingent ist. Der Diskurs beherrscht lediglich stets mehr Individuen, als es benötigt, um ihn zu beherrschen. Für die Konstruktion der foucaultschen Theorie bedeutet der Begriff des Dispositivs die Verbindung von Macht und Wissen.

Das Finalziel eines nach Macht strebenden politischen Akteurs sollte also nicht sein, einzelne seiner Forderungen in argumentativen Scharmützeln gegen andere Akteure durchzusetzen, sondern das Herstellungsverfahren von Wahrheit gemäß den eigenen Vorlieben zu beeinflussen: „Der Diskurs ist das Werkzeug, dessen es sich zu bemächtigen gilt.“[22]

In radikaler Ausprägung bestätigt ein Blick nach Weißrussland oder Nordkorea diese These: das Handlungsziel der dortigen Despoten ist der Fortbestand des Status Quo, welches sie bereits mehrere Jahrzehnte durch Zensur und Propaganda erreichen. Auch Foucault identifiziert als Ziel aller Ausschließungs- und Kontrollprozeduren, den ‚prinzipiell widerständigen‘, ‚unberechenbaren‘ und ‚subversiven‘ Diskurs zu bändigen.[23] Die an den massenmedialen Diskurs anzulegenden Regeln werden eine solche Bemächtigung des Diskurses also verhindern müssen, wenn das Potential für gesellschaftlichen Wandel maximiert werden soll.

Doch die potentiellen Veränderungen der Gesellschaft werden nicht nur durch offizielle Regelsysteme wie Gesetzeswerke limitiert, die unter Inkaufnahme kalkulierbarer Strafen missachtet werden können. Die dispositiv beeinflusste diskursive Produktion der Subjekte limitiert ebenfalls unser Denken. Dies geschieht unbewusst und kann somit unmöglich hintergangen werden. Foucault veranschaulicht diesen Grenzziehung an einer Aufzählung zum Stichwort ‚Tier‘ aus einer ‚fiktiven chinesischen Enzyklopädie‘ des Dichters Borges:

a) Tiere, die dem Kaiser gehören, b) einbalsamierte Tiere, c) gezähmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere, g) herrenlose Hunde, h) in diese Gruppierung gehörige, i) die sich wie Tolle gebärden, k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind, l) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die von weitem wie Fliegen aussehen.[24]

Bis auf eine kurze Irritierung und eine eventuelle ästhetische Stimulation verpufft der Text zunächst wirkungslos.

Diese kulturelle Dimension der Diskurstheorie ist weniger in Hinblick auf die konkreten Selektionsmechanismen interessant als vielmehr auf den vorherigen Schritt, nämlich das Produzieren der Aussagen, aus denen anschließend ausgewählt werden kann.

Wenn auch die Selektion durch die Massenmedien als teils dispositive, teils diskursive Einschränkungsprozeduren verstanden werden, können zwei Wirkungsebenen der medialen Selektion unterschieden werden: Zum Einen beeinflussen die ausgewählten Aussagen das faktische Leben der Gesellschaft - beispielsweise durch den Einfluss auf die Produktion eines Gesetzestextes.[25] Zum anderen beeinflussen die ausgewählten Informationen die Produktion der im nächsten Zyklus den Massenmedien zur Auswahl anzubietenden Ideen. Schließlich sind auch die Ressourcen zur Ideenproduktion nicht unbegrenzt und legte generelle Medienwirkungsannahme nahe, dass Menschen die Angebote der Massenmedien prinzipiell weiterverarbeiten. Der massenmedial gehypte Klimawandel motiviert sicher mehr Iden und Initiativen als das in den Massenmedien weitgehend ausgeblendete Welternährungsproblem.

Nach dieser zunächst ernüchternden Sicht auf die Analytik der Macht bzw. Diskurstheorie scheint es sinnvoll, ‚subversiven Philosophen‘ Foucault (Sarasin) danach zu fragen, wie ein Ausbrechen aus diesen Limitierungen möglich sei, wie Widerstand geleistet werden kann. So soll ein Grundstein gelegt werden, auf dem die zu entwerfenden Normen für die Bewertung massenmedialen Handelns aufbauen können.

Die Gesamtheit der eingeschränkten Diskurse in einer bestimmten Zeitperiode nennt Foucault Epistem. Dieses dehnt sich zeitlich ähnlich weit aus wie der alltagssprachliche Begriff der Epoche. Die Gesamtheit der Praktiken und Codes einer Kultur, die dieser Komplex von Diskursen den Individuen bereitstellt, nennt Foucault weiter Archiv. Dieses Archiv bedinge und bestimmte als ‚historisches Apriori‘ Aussagen und damit sprachliche Kommunikation sowie sprachvermitteltes Denkens überhaupt. Konsequent hielte jedes Epistem bzw. jede Epoche ihre jeweilige historisch-konkrete Existenzweise für den Inbegriff des Menschseins überhaupt. Beispielsweise definierten sich die Menschen des feudalen Zeitalters viel stärker über ein Warten auf ein besseres Leben nach dem Tod und wir uns viel stärker über angehäufte Reichtümer.

Es wird deutlich, dass Widerstand nicht als Fundamentalopposition gedacht werden kann, da jedes Element unseres Seins bereits in eine gewisse Richtung vorbestimmt ist. Dieser Gedanke wird sich in der systemtheoretischen These aktualisieren, dass Selektion durch die Massenmedien nicht umgangen werden kann.

Widerstand besteht nach Foucault also in „der Kunst, nicht dermaßen regiert zu werden.“[26] Die praktische Ausführung dieser Kunst besteht in der Reflexion, Flexibilisierung und Anpassung der Regeln und Strukturen.

Zunächst ist begründet, warum das zu untersuchende Analyseelement mit der Selektion eine Praktik ist. Darüber hinaus sind universelle Selektionsverfahren eingeführt und deren problematische Konsequenzen angedeutet. Im Folgenden gilt es, die aktuellen Ausformungen dieser Selektionspraktiken zu analysieren. Daher werden im nächsten Kapitel zunächst die Strukturen skizziert, innerhalb derer und auf welche diese wirken.

III. Die heutigen Strukturen – die Analyse der Elemente der Fragestellung


Zur Erklärung des Zusammenwirkens hochaggregierter gesellschaftlicher Teilbereiche wie den Massenmedien und den politischen Institutionen bietet sich die entscheidend von Luhmann weiterentwickelte Systemtheorie an. Dies beweist ihre Fruchtbarmachung in zahlreichen politik- und kommunikationswissenschaftlichen Arbeiten mit ähnlichen Fragestellungen wie der hier Vorliegenden.

Obwohl Luhmann wie auch Foucault für sich in Anspruch nehmen, das Funktionieren der Gesamtgesellschaft erklären zu wollen, beleuchtet Luhmann andere Elemente als Foucault. Daher galten die luhmannsche Systemtheorie und die foucaultsche Diskurstheorie großen Teilen der Forschergemeinde bisher als inkompatibel. Erst in neueren Aufsätzen deutet sich ein methodisch fundierter Theorievergleich an, der eine ‚längst überflüssigen Debatte‘ eröffnet.[27],[28]

Im Folgenden soll die Komplementarität beider Theorien im Hinblick auf die Flexibilisierung gesellschaftlicher Strukturen untersucht werden. Es wird also kein umfassender Theorievergleich geboten; Es ist weiter nicht nötig, die Grundlagen der populären Systemtheorie vorauszuschicken.[29]

3.1 Zur Komplementarität der Perspektiven Foucaults und Luhmanns

Die grundsätzliche Verwandtschaft der beiden Großtheorien wird von dem Diskursforscher Jürgen Link auf den Punkt gebracht:

Beide [...] beziehen sich hauptsächlich auf gesellschaftliche Grundstrukturen der westlichen Moderne und analysieren bzw. beschreiben sie nach einer Logik der Spezialisierung und Rekombination, wobei beide dem sich spezialisierenden Wissen eine strategische Position zuerkennen.[30]

Während Foucault dieses ‚spezialisierte Wissen‘ als Diskurs operationalisiert, schreibt Luhmann diese Aufgabe dem Konzept der gepflegten Semantik zu – so muss jeglicher Vergleich bei diesen Grundbegriffen ansetzen.

Jedes der luhmannschen Teilsysteme wird dadurch konstituiert, dass die Handlungen seiner Mitglieder sich an einem bestimmten Sinn orientieren. Beispielsweise treffen alle Mitglieder des Wirtschaftssystems Entscheidungen danach, ob sie mit der Wahl dieser oder jener Alternative Geld verdienen oder verlieren würden. Mit Semantik bezeichnet Luhmann nun die „sprachlich-kulturellen Muster, die für den einzelnen [sic!] Sinnverarbeitungsregeln bereit halten“ und „den Horizont für [...] Handlungsmöglichkeiten“ eröffnen. Der Semantische Apparat sind somit alle sprachlichen Zeugnisse einer Gesellschaft bis zu ‚jedem Fluch der Ruderer in den Galeeren‘ (Luhmann). Die Ähnlichkeit zu Foucaults Archiv ist deutlich: beide bezeichnen einen „historisch-spezifischen Sagbarkeits- und Wissbarkeitsraum.“[31] Doch mit der Einführung der Unterscheidung zwischen semantischem Apparat und gepflegter Semantik geht Luhmann in Bezug auf die Wandlungsfähigkeit gesellschaftlicher Strukturen über Foucault zunächst hinaus. Die gepflegte Semantik bezeichnet ‚ernste bewahrenswerte Kommunikation‘ wie beispielsweise Literatur.[32] An diesem Ort würde das kulturelle Wissen einer Gesellschaft zur Diskussion gestellt. Ohne den Namen Karl Marx zu erwähnen, nimmt Luhmann hier eine klare marxistische Position ein: Texte könnten entweder affirmieren oder variieren.[33]

Eben in dieser Erklärung eines möglichen ‚Take Off[s] zu einer besonderen Ideenrevolution‘ (Luhmann) ist die Systemtheorie differenzierter als Foucault, in dessen Werk Literatur zwischen subversiver und limitierender Funktion oszilliert, ohne ihr – oder einer anderen Gegebenheit – generell die Rolle des Widerständigen zuzusprechen.

Für Luhmann ist das Angebot von Alternativen weiter kein Selbstzweck, sondern ermögliche erst die Selbst-Beobachtung der Gesellschaft[34], welche für die Steuerung der gesellschaftlichen Entwicklung unabdingbar ist. Während Foucault also durch den Blick in die Vergangenheit die aktuellen Strukturen zu erfassen sucht, gelingt Luhmanns Gesellschaft dies also durch die Indienstnahme der individuellen oder kollektiven Imaginationskraft. Neben der Literatur muss auch den Massenmedien die Fähigkeit zugesprochen werden, prinzipiell Alternativen aufzuzeigen zu können.

Die zweite wichtige Akzentverschiebung bei Luhmann findet sich in der Erklärung des Interagierens verschiedener Teilbereiche der Gesellschaft. In den Worten Reinhardt-Beckers könne die Diskurstheorie zwar Diskurse beschreiben, hätte jedoch keine Mittel zu erklären, wie genau verschiedene Diskurse aufeinander wirken und gesellschaftliche Teilbereiche miteinander interagieren.[35] Luhmann dahingegen stellt Interdependenzen gesellschaftlicher Teilbereiche fest, die für die Teilbereiche Medien und Politik weiter unten erklärt werden. Gerade in diesen Verschränkungen zwischen Politik und Medien werden die Probleme der Selektion und Homogenität vermutet, so dass die Systemtheorie nach diesen Aspekten zu befragen ist.

Die Entwicklung der gesamten Gesellschaft wird wiederum bei Foucault differenzierter erfasst, da bei Luhmann nach dem historischen ‚Mega-Einschnitt‘ des Übergangs von der stratifikatorischen zur funktionalen Gesellschaftsgliederung historische Zäsuren nur noch in den Programmen – d.h. den Funktionsroutinen der einzelnen gesellschaftlichen Teilbereiche – festgemacht werden können. Denn die als Code bezeichneten Orientierungspunkte, also der Sinn nach dem in den Teilbereichen gehandelt wird, stabil bleiben müsse.[36] Staheli hält fest, dass mit Foucault sich gerade auch die Konstitutionen der Sinnsysteme der gesellschaftlichen Teilbereiche als politischer Prozess fassen ließen.[37]

Beide Theorien leiden jedoch laut Link an einem grundsätzlichen Mangel bzgl. der historischen Analyse: wie erläutert können beide Theorien die aktuellen Gegebenheiten über einen Vergleich mit anders modellierten Gegebenheiten erklären – seien dies historisch vergangene wie bei Foucault oder symbolisch repräsentierte wie bei Luhmann. Es fehle aber die Erkenntnis, dass „selbst jede scheinbar ‚stabile‘ Synchronie als zyklologisch, also konkret als Synchronie in identischer Reproduktion zu fassen ist.“[38] Mit anderen Worten wird hier der poststrukturalistische Lehrsatz betont, dass es keine festen Zustände gäbe, sondern sich alles im Werden befindet. Dabei sei eine Variante des Werdens die ‚identische Reproduktion‘, welche gewisse ‚Friktionen‘ mit einschließe.[39] An dieser Stelle deutet sich Erklärungspotential für mediale Konsonanz an.

Link schlägt weiter vor, durch Einbeziehung ‚dynamisch historischer Implikationen‘ beide Theorien in Richtung einer Reproduktionsformel weiterzuentwickeln – so wie es Marx mit der Reproduktionsformel des Kapitals versucht hatte, um historische Einschnitt vorherzusagen.[40]

Mit der Verbesserung der Regeln für die Massenmedien sollen diese ebenfalls in eine bessere Lage versetzt werden, Probleme zu erkennen und zukünftige Entwicklungen besser vorhersagen zu können.

Trotz dieser Schwäche beider Ansätze ist der Einsatz der Diskurs- und Systemtheorie als Analyseinstrumente nun begründet und dieser kurze Vergleich kann mit Parr abgeschlossen werden, der die Nähe der beiden Theorien zum Ziel dieser Arbeit auf den Punkt bringt:

Interessiert sich die Systemtheorie Luhmanns vor allem dafür, wie sich Gesellschaft besser denken lässt, so die Diskurstheorie darüber hinaus auch dafür, wie man politisch (besser) intervenieren kann.[41]

3.2 Die Grundprinzipien der Demokratie

Für die modernen Flächenstaaten hat sich das System der repräsentativen Demokratie „als hinreichend funktionsfähig erwiesen.“[42] So soll ein kurzer Überblick über die Grundprinzipien und die Institutionalisierung der repräsentativen Demokratie die Zusammenhänge erläutern, in welche die Massenmedien eingreifen. Voltmer betont, dass Funktionserwartungen in die Strukturgestaltung eingehen und diese ‚Strukturarrangements‘ daher „ein wichtiger Prädikator für die Leistungsfähigkeit der Medien und die Qualität des Produkts sind.“[43] Gemäß der verfolgten Fragestellung fokussiert die Darstellung Implikationen für gesellschaftliche Entwicklung.

Nach Dahl ist ein zentrales Kriterium einer politischen Ordnung (‚Politie‘) als Demokratie die Gewährung von Bürgerschaftsrechten an prinzipiell alle Menschen im Land – alle können sich an regelmäßigen freien Wahlen beteiligen, durch die sich in Anschlussprozessen die Legislative und Exekutive rekrutieren und somit legitimieren. Aus dieser Grundbedingung leitet sich ein zweites Grundprinzip ab: alle Bürger müssen „die Fähigkeit der informierten Teilnahme am öffentlichen Diskurs“ besitzen.[44] Da dies einen öffentlichen politischen Diskurs voraussetzt, gehört die Politische Öffentlichkeit zur ‚Grundausstattung‘ einer jeden Demokratie.[45] Die Teilnahmefähigkeit am öffentlichen Diskurs ist besonders wichtig, da die Bürger sich nur in Ausnahmefällen über den Wahlakt hinaus am politischen Prozess beteiligen. In der Regel geben die Bürger ihre Stimme demjenigen, dessen Ziele mit den ihren am weitesten übereinstimmen. Daher sind möglichst viele und möglichst genaue Informationen wünschenswert. Voltmer verdeutlicht diese zentrale Anforderung durch die Gegenposition: wenn die Bürger zu wenig Informationen über Alternativen und bisherige Vorgänge hätten, müsse ihre Entscheidung als „zufällig, beliebig und irrational“ angesehen werden.[46] Dieses Szenario steht gesteuertem gesellschaftlichen Wandel diametral gegenüber.

Die Beschränkung der politischen Beteiligung durch die Bürger auf den Wahlakt ist eine Konsequenz aus der Entwicklung hin zu arbeitsteilig organisierten Gesellschaften.

Zeitgenössische in Subsysteme ausdifferenzierte Gesellschaften operieren arbeitsteilig und gestatten so die Ausbildung von funktionalen Teileliten. Der Preis, den der Bürger für Arbeitsteiligkeit zahlen muss, ist seine im Interesse der politischen Gleichheit institutionell begrenzte Teilnahmechance an Politik.[47]

Dieser notwendige Kompromiss führt Fuchs zu einer ersten Normformulierung für das Gesamtsystem: zentrale Leistungskriterien der Demokratie seien Responsivität und Effizienz.[48] Diese Responsitivät und Effizienz soll das Mediensystem und damit die im Folgenden zu entwickelnden Mess- und Steuerungskriterien also unterstützen. Aber wie genau interagieren die Massenmedien und das Gesamtsystem Demokratie miteinander?

Die Systemtheorie beginnt die Erklärung der Gegenwartsgesellschaft mit der Umstellung der gesellschaftlichen Ordnung von stratifikatorischer Differenz auf funktionale Differenz, welche ihren Ausgang am Ende des 18. Jahrhunderts nahm.[49] Anstatt zwischen Adel, Klerus und Bauern wurde nun unter anderem zwischen den Bereichen Medizin, Wissenschaft oder Militär unterschieden. Diese neue Klassifikation teilt horizontal statt vertikal ein; Beispielsweise sind die Mediziner den Wissenschaftlern nicht kategorisch untergeordnet. Dennoch beschreibt bereits Parsons in den ersten systemtheoretischen Schriften die einzelnen Teilsysteme als wechselseitig voneinander abhängig. „Ihre Bedeutung erhalten sie über ihren funktionalen Beitrag zum Erhalt der Gesamtgesellschaft.“[50] Luhmann nannte Teilsysteme daher auch ‚Lösungssysteme‘. Deutlich wird dies am Beispiel der Justiz, ohne dessen Gewährleistungen in Form von beispielsweise Patent- oder Arbeitsrecht das Teilsystem Wirtschaft nicht funktionieren könnte. Diese funktionale Verbindung ist also das Paradigma der Untersuchung des Verhältnisses von Teilsystemen zum Gesamtsystem und damit auch vom Mediensystem zum Gesamtsystem.

Unter dem Massenmediensystem versteht Luhmann die „Einrichtungen der Gesellschaft […], die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen.“[51] Dazu gehören Fernsehen, Radio und Internet so wie Bücher, Zeitschriften und Zeitungen. Die Bedingung für die Zurechnung zum Massenmediensystem ist die Adressierung an eine Vielzahl unbestimmter Adressaten. Technische Medien mit nur einem bestimmten Adressaten wie der Brief oder das Telefon fallen somit aus der Definition heraus. Die Begriffe Medien, Massenmedien, Mediensystem und Massenmediensystem werden im Folgenden synonym gebraucht, sofern keine besondere Erläuterung gegeben wird.

Die so verstandenen Medien werden als ausdifferenziertes gesellschaftliches Teilsystem angesehen, das auf die Beobachtung der Umwelt und die Vermittlung von Kommunikation spezialisiert ist. „Sie erbringen diese Leistungen als ein autonomes, das heißt von endogen definierten Selektionsregeln gesteuertes Sozialsystem.“[52]

Das Massenmediensystem arbeitet also wie jedes andere Teilsystem in einer je individuellen internen Strukturierung sowie nach systemindividuellen Maßstäben und Routinen. Diesem Zusammenhang zwischen dem Operieren nach eigenen Maßstäben und der Leistungserbringung für das Gesamt- und andere Teilsysteme entspringt unser Problem: welche negativen Auswirkungen hat die Art und Weise, nach denen die Massenmedien selektieren?

Das Problem ist dabei ein strukturelles, da die Teilsysteme langfristig angelegt sind. Die Stabilität der Konstrukte wird in der Praxis dadurch erreicht, dass diese in Form von Rollen ausgestaltet und in Organisationen eingelassen sind.[53] Beispielsweise nehmen in unregelmäßigen Abständen neue Personen die Rollen von Redakteuren oder Intendanten ein, doch bleiben ihre Handlungen durch Normen wie Erwartungen an die Auflagenhöhe oder fixierten Regeln wie den Rundfunkauftrag prinzipiell gleich.

Das Teilsystem Politik hat die Funktion der „Formulierung, Aggregation, Herstellung und Durchsetzung kollektiv verbindlicher Entscheidungen.“[54] Diese werden von Interessengruppen und Parteien formuliert und aggregiert, von Parlament und Regierung hergestellt und von der politischen Administration durchgesetzt. In den Begrifflichkeiten der Systemtheorie sind die thematischen Angebote der Parteien hier Programme und der Sinnzusammenhang des Subsystems, an dem sich alle Handlungen im System letztendlich orientieren, ist die binäre Unterscheidung in Regierung und Opposition.[55] Alle politischen Akteure strebten danach, Regierungsämter zu besetzen bzw. Regierungshandeln zu beeinflussen.[56]

Doch der Begriff des Regierungshandelns beschreibt lediglich das Wie des Handelns, nämlich dass dieses Handeln durch die Position des Handelnden bestimmte Wirkungen erzeugt. Doch wonach richtet sich der Inhalt des Regierungshandelns bzw. wie wird gesellschaftliche Entwicklung gedacht?

3.3 Faktoren gesellschaftlichen Wandels

Die Entwicklung des Gesamtsystems Gesellschaft vollzieht sich nach der Systemtheorie stets in weiterer Ausdifferenzierung und Spezialisierung von Teilsystemen. Auch für diese Entwicklung ist nach Luhmann die Funktion das Leitmotiv, nach der sich die Strukturen bilden: „Luhmann kritisiert Parsons, dieser unterstelle Struktur als gegeben und frage erst dann nach Funktionen.“[57] Scheuch versteht diese systemtheoretische Modellierung der Entwicklung als Lernprozess, der Hochkulturen gestattet, aus Fehlern zu lernen „anstatt mit diesen untergehen zu müssen.“[58]

Diese Evolution laufe allerdings nicht „harmonisch und problemlos“ ab, sondern forderten neue Problemlösungsverfahren auch ihren Preis - beispielsweise koste schon die kognitive Verarbeitung komplexerer Probleme Schnelligkeitsvorteile, die eine instinktive Reaktion noch besaß.[59] Somit stellt die Systemtheorie ein Kriterium zur Verfügung, mit dessen Hilfe gesellschaftliche Entwicklung gemessen werden kann: „[…] indem ich solche Systeme als ‚fortgeschritten‘ bezeichne, die eine größere allgemeinere Anpassungsfähigkeit aufweisen.“[60] Kaase überträgt diese Anforderung auf die Demokratie, in der „die Institutionalisierung von […] Veränderungspotential letztendlich zur Überlegenheit […] über politisch totalitäre und ökonomisch planwirtschaftlich verfasste Systeme“ geführt hätte.[61]

Das Kriterium der Anpassungsfähigkeit scheint für den Untersuchungsgegenstand der Finanzkrise insbesondere angemessen zu sein, da sie bzw. die von ihr mit hervorgerufene Weltwirtschaftskrise von nicht wenigen Beobachtern mit derjenigen von 1928 verglichen wird, welche zur verheerenden geschichtlichen Entwicklung beigetragen hatte.

Der Sinn hinter der weiteren Ausdifferenzierung und Spezialisierung muss die Steigerung der Effizienz des Gesamtsystems sein - beispielsweise durch die Nutzung von Synergieeffekten. So kommt der ‚Koordination der unterschiedenen Tätigkeiten‘ eine zentrale Rolle für den Evolutionsprozess zu.[62] Dieser Zusammenhang schreibt dem Mediensystem eine kritische Rolle im Prozess der gesellschaftlichen Entwicklung zu, da die Massenmedien mehr Kapazitäten zur intersystemischen Verständigung bereitstellen als jedes andere Teilsystem.

Diese Bedeutung des Mediensystems für die gesellschaftliche Entwicklung wird von einem zweiten systemtheoretischen Argument unterstützt: im konstruktivistischen Sinne analysieren Parsons/Shils Verhalten von Individuen als doppelt Kontingent, d.h. Individuen handelten stets nach ihren Erwartungen daran, was der jeweilige Interaktionspartner seinerseits wohl für Erwartungen an ihr Handeln stellte.[63]

Luhmann begreift diese Koordination von Handeln zwar als Phänomen, welches aus sich selbst heraus entsteht, doch soll hier mit Parsons die für ein solches Handeln benötige soziale Vorbereitung betont werden: Das Handeln der Interaktionspartner orientiert sich an Vorwissen über soziale Handlungsabläufe, welches neben örtlich und zeitlich beschränkten individuellen Erfahrungen für jedes Gesellschaftsmitglied des Flächenstaates von Medienprodukten bereitgestellt, aktualisiert und verfestigt wird. Dieser Modellierung von Orientierungsschemata ist ein Element der kulturellen Wirkung von Massenmedien.

Übertragen auf das Gesamtsystem einer hoch differenzierten Gesellschaft soll Kultur hier zunächst nicht primär mit Luhmann als Vergleichs- und Identifikationsmechanismus gegenüber anderen Gesellschaften verstanden werden,[64] sondern mit Weggel als „Gesamtheit der erlernten Verhaltensweisen […] [und] Wertesysteme, die von Mitgliedern einer Großgruppe geteilt und tradiert werden.“[65] Somit kann mit Weymann definiert werden, dass ein Wandel in der Struktur eines sozialen Systems durch einen Wandel seiner Kultur bedingt ist.[66] Da Strukturen wie herausgearbeitet auch bei gleichbleibendem Anschein eine identische Reproduktion sind, bedingen die Orientierungspunkte für das aktuelle Handeln die Strukturen. Und da die Massenmedien durch ihre Produkte diese Orientierungsangebote materialisieren und dauerhaft verbreiten, gilt es ihren Einfluss zu optimieren.[67]

Ein Orientierungspunkt für die Richtung dieser Optimierung ergibt sich aus folgender Zusammenschau:

Luhmann sieht gerade in der Tatsache, dass die doppelte Kontingenz den Handlungsfortgang aus sich heraus bestimmt und nicht ex ante determiniert ist die Begründung dafür, dass sich selbst eine Grundordnung dynamisch verändern kann.[68] Wie dargelegt scheint es allerdings plausibler, soziales Handeln mit Parsons als zum Teil predeterminiert zu betrachten. Wenn nun die Anpassungsfähigkeit das zentrale Leistungsmerkmal der Demokratie ist, ergibt sich zusammenfassend, dass die Medien als Teil der handlungsleitenden Kultur eine Diskussion der Grundordnung zulassen sollten. Mit anderen Worten sollten also möglichst viele verschiedene Themen, Positionen und Argumente diskutiert werden können.

Als besonderes Charakteristikum zeichnet die Demokratie nun gegenüber autoritären Regimen gerade aus, dass sie die Infragestellung der Grundordnung durch das Prinzip der Redefreiheit explizit erlaubt wird. Allerdings beschränkt sich die Akzeptanz von revolutionären Ideen in Demokratien eben auf die Redefreiheit – im praktischen Handeln müssen sich alle Akteure an die institutionalisierte Struktur (‚Polity‘) und deren Verfahren (‚Politics‘) halten. Hierin sieht McAdam einen ersten Anschluss an den Framing-Ansatz: die Diskrepanz zwischen Redefreiheit und eingeschränkten Handlungsoptionen macht den Streit über Sichtweisen auf bestimmte Gegebenheiten, also den Streit über Frames, zum Kern vieler öffentlicher Debatten.[69]

Neben den Medien werden noch zwei weitere Akteure gesellschaftlicher Entwicklung identifiziert:

Luhmann schreibt den Parteien die Funktion des ‚Änderungsinstruments‘ zu: sie müssten „prinzipiell anders sein“, da sie sich durch Abgrenzung zu anderen Parteien definieren und so einen inneren Drang haben, alternative Ziele und Verfahren anzubieten.[70] Da die Regierung aus Parteien hervorgeht, verfügen diese potentiell über den Einfluss, gesellschaftliche Entwicklung explizit zu regeln.

Habermas dagegen sieht gerade einen mit den Parteien um Aufmerksamkeit konkurrierenden Akteurstypus als zentral für gesellschaftlichen Wandel an. Für ihn sind Parteien durch ‚interne und externe Zwänge‘ eingeengt und gerade nicht fähig, neue gesamtgesellschaftliche relevanten Themen und Problemlösungen zu entdecken.[71],[72],[73] Diese Funktion übernehmen bei Habermas die peripheren politischen Akteure. Vorläufig können diese als Interessengruppen, in denen sich Bürger mit gemeinsamen politischen Zielen zusammenschließen verstanden werden. Ihre Rolle als Produzenten neuer Ideen und innovativer Konzepte gilt bei allen Kontroversen um ihre Einbindung in die politischen Prozesse als akzeptiert. Matthes führt am Beispiel der Castortransporte an, dass soziale Bewegungen für die gesellschaftliche Aushandlung neuer und brisanter Themen eine ‚maßgebliche Rolle‘ spielen.[74]

Als relevante Akteure für gesellschaftliche Veränderung sind nunmehr (a) die Medien durch ihren Einfluss auf die kulturellen Normen, (b) die Parteien durch ihren Einfluss auf die Staatsregierung und (c) die peripheren Akteure dank ihres freien Denkvermögens identifiziert. Diese Erkenntnis spiegelt sich im Aufbau der empirischen Analyse.

3.4 Die Medien in der Demokratie - Öffentlichkeit

Dass politische Öffentlichkeit zur Grundausstattung einer jeden Demokratie gehört wird dadurch bestätigt, dass Öffentlichkeitskonzeptionen seit Beginn der Demokratisierungsprozesse im 18. Jahrhundert Bestandteil der politischen Kultur sind.[75] Die Systemtheorie fasst diese Öffentlichkeit im Mediensystem als eigenständig ausdifferenziertes Teilsystem der Gesellschaft.[76] Öffentlichkeit wird im Folgenden als die Arena begriffen, in der Medienangebote produziert, publiziert und rezipiert werden.

Lengauer erläutert die Entwicklung zur heutigen Form der Medienöffentlichkeit in einem dreiphasigen Modell: Die premoderne Phase von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Verbreitung des Fernsehens sei durch klare gesellschaftliche Strukturen gekennzeichnet und durch die Parteien und staatlichen Institutionen dominiert gewesen. Die politische Auseinandersetzung hätte primär in kurzen und intensiven Wahlkämpfen stattgefunden.

Die moderne Phase von der Mitte der 60er-Jahre bis zur Mitte der 80er-Jahre sei durch den Aufstieg des Fernsehens abgesteckt, das die politische Kommunikation immer stärker präge. Ideologische Orientierungen würden durch ‚zunehmende Fragmentierung der Wählerschaft‘ und ‚fragile politische Klassenloyalität‘ zersetzt. Als zweite entscheidende Entwicklung beginne in dieser Phase die Überlagerung der klassischen partei-zentrierten politischen Kommunikation durch strategisch-professionelles News-Management, kommerzielle Politikberatung und Public Relations.

Als postmoderne Ära schließlich definiert Lengauer die Zeit seit dem Beginn der 90er-Jahre; Er charakterisiert diese zunächst mit den Stichworten einer zunehmenden Fragmentierung der Mediensysteme selbst, die am Digitalfernsehen, dem Internet oder Pocket-PCs anschaulich wird. Somit steige die gesellschaftliche Komplexität weiter an und die „Medienzentrierung und Fragmentierung des politischen Prozesses“ steige bei einer „engeren Interdependenz zwischen den politischen Akteuren und den Medien“, welche in einer „erschwerten Kontrolle über politische Prozesse für beide Akteure“ resultiere.[77],[78]

Aus diesen Entwicklungen lassen sich erste Determinanten der medialen Beeinflussung wie die technische Infrastruktur ablesen. Im Folgenden werden allerdings weder technische noch ökonomische Aspekte der Beeinflussung untersucht, sondern die Handlungsroutinen bzw. die Kultur des Mediensystems.

Gerhards et al. liefern einen ersten allgemeinen und nicht direkt empirisch operationalisierbaren Fragenkatalog an die Leistungen des Mediensystems bzw. der Öffentlichkeit. Sie fragen danach, welche Funktion die Öffentlichkeit bei der gesellschaftlichen und politischen Bearbeitung eines sozialen Konfliktes erfüllt, welche Akteure hier eine Rolle spielen, in welcher Art und Weise die Akteure miteinander handeln und was das System in Hinblick auf die Lösung des Konfliktes leistet.[79]

Mit der Frage nach den Akteuren sind wiederum Integrations- bzw. Ausschlussprozesse angesprochen. Daher sollen nun die potentiellen Akteure politischer Kommunikation im Hinblick auf ihren Beitrag zu gesellschaftlicher Entwicklung untersucht werden.

3.5 Akteure und Prozesse der Politischen Kommunikation

Da weiterhin die generelle Annahme gilt, dass die Menschen Medien als Orientierungsangebote nutzen, beschränkt sich die folgende Darstellung auf die Akteure der Produktionsseite medialer Kommunikation.

In der Öffentlichkeits-Forschung haben sich die bereits eingeführten Begriffe der Zentrumsakteure und peripheren Akteure durchgesetzt. Die Entscheidung zwischen Zentrum und Peripherie geht auf Easton zurück, der mit Zentrum die Regierung, die politische Verwaltung, das Gerichtswesen, den parlamentarischen Komplex und die Parteien meint.

Die Peripherie ist laut Habermas in zwei Komponenten getrennt zu betrachten: Die Outputseite sind „Spitzenverbände, die mit dem Zentrum in korporativer Manier Entscheidungen umsetzen.“ Sie haben zwar prinzipiell die Möglichkeit, Entscheidungen der Zentrumsakteure zu blockieren, dies geschieht jedoch nur in seltenen Fällen.

Für die gesellschaftliche Entwicklung bedeutender ist die Inputseite. Diese besteht ebenfalls aus Verbänden partikularer Interessenvertretung sowie Vereinen, Organisationen und Bewegungen, in denen Bürger sich zusammenschließen, um gemeinsame politische Ziele zu erreichen.[80],[81] In den weiteren Ausführungen werden periphere Akteure im Sinne der Input-Peripherie verstanden.

Zentralen wie peripheren Akteuren ist zunächst gemein, dass sie nicht bloß Themen in der Arena Öffentlichkeit zur Diskussion stellen wollen, sondern auch ihre jeweiligen Sichtweisen und Forderungen durchsetzen wollen – diese Charakteristika werden im Framing-Ansatz mit den Begriffen Problemdefinition und Lösungsvorschlag wieder aufgenommen (vgl. Kapitel 5.2).

Bevor der jeweilige Erfolg der Akteurstypen im neueren Kapitalismusdiskurs gemessen wird, sind die allgemeinen unterschiedlichen Voraussetzungen und Erfolgspotentiale der Akteure zu betrachten, um Hypothesen aufstellen zu können, welche die Analyse des Datenmaterials zu strukturieren helfen. Matthes betont allerdings, dass der Erfolg von strategischer Kommunikation von einer Vielzahl von Faktoren abhängt und generalisierende Aussagen jenseits von konkreten Fallstudien schwer zu treffen sind.[82] Die Darstellung der Charakteristika fokussiert daher die Unterschiede zwischen den Akteurstypen hinsichtlich gesellschaftlicher Entwicklung und will keine Erfolgsfaktoren im Praxishandbuchstil definieren.

3.5.1 Zentrale politische Akteure

Auf Grund ihrer Bedeutung für gesellschaftlichen Wandel interessieren hier besonders die Parteien. Ein entscheidendes Charakteristikum der Parteien besteht zunächst in ihrer auf Dauer angelegten und damit auf Machterhalt ausgerichteten Organisation. Wohingegen beispielsweise eine soziale Bewegung gegen die Todesstrafe sich nach der entsprechenden Gesetzesänderung auflöst, ist eine Partei auch nach der kompletten Umsetzung ihres Wahlprogramms daran interessiert, weiter gestalten zu können. Ihr geht es eben nicht um die Lösung einzelner Probleme, sondern sie hat die Gesellschaft als Ganzes im Blick – oder beansprucht das zumindest für sich.

Hieraus ergibt sich für die Kommunikation der Parteien das Komplexitätsproblem. Einerseits müssen die zuständigen Experten der Parteien die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen einzelnen Themen beachten, können andererseits jedoch von den Bürgern keinen ähnlichen Kenntnisstand erwarten. So stellte Bernay bereits 1928 fest, dass demokratische Führer also nicht warten könnten, bis das Volk verstanden hat, sondern dass ein Konsens zu sozialen und konstruktiven Zielen und Werten aufgebaut werden sollte, indem „scientific principles and tried practices“ angewendet würden und damit die Bürger sie letztendlich unterstützten.[83]

Somit ist einer der Zwänge präzisiert, der laut Habermas das Ensemble der zentralen Akteure an möglichst alternativenreicher Kommunikation hindert: die angebotenen Themen und Positionen müssen mehrheitsfähig sein. Da es plausibel ist, dass die Mehrheit der Menschen kognitive Herausforderungen scheut und sich lieber an Altbewährtes hält, werden die Parteien so prinzipiell keine radikal neuen Lösungskonzepte wie beispielsweise das Bürgergeld vorlegen. Auch Habermas pointiert noch einmal den Gegensatz zwischen dem Aufbau eines Konsenses durch Zentrumsakteure und seinem Hinterfragen durch periphere Akteure: interne und externe Zwänge „verhindern freies Reden und Prüfung von Normen auf ihre Legitimität.“[84] Im Sinne einer möglichst alternativenreichen Öffentlichkeit sollten zentrale politische Akteure diese also nicht dominieren. Ein Blick auf die Voraussetzungen der strategischen Kommunikation der Akteurstypen lässt eine solche Dominanz allerdings erwarten:

Die aktuell angewandten ‚scientific principles and tried practices‘ der politischen Kommunikation hat Hopp im Modell seiner politischen Marketingstrategie zusammengestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Hopp 2003[85]

In Bezug auf die Fragen nach gesellschaftlichem Wandel und Offenheit der Öffentlichkeit sind aus dieser Sammlung drei Werkzeuge hervorzuheben. Zunächst widerspricht der gesamte erste Baustein Meinungsforschung der Idee, dass den Menschen neue Orientierungspunkte gegeben werden könnten. Dieser Zusammenhang wurde soeben unter dem Stichwort Mehrheitsfähigkeit diskutiert.

Die Punkte Personalisierungsstrategie aus dem Baustein Kommunikationsstrategie, Initiierung und Begleitung der Fernseh-Auftritte aus dem Baustein Öffentlichkeitsarbeit sowie der Punkt Wahlkampbegleitende Veranstaltungen aus dem Baustein Werbung werden im wissenschaftlichen Diskurs unter dem Begriff Darstellungspolitik kritisch bewertet: die Darstellungspolitik führe auf Grund der Begrenztheit der Ressource Aufmerksamkeit dazu, dass ein relevanter Teil alltäglichen politischen Handelns nicht mehr kontrolliert werden könne. Diese Kontrolle jedoch sei erstens eine der Aufgaben des Mediensystems[86],[87] - und stelle zweitens ein wichtiges Element für gezielte gesellschaftliche Entwicklung dar.

Drittens bilden die Werkzeuge Issue Management aus dem Baustein Öffentlichkeitsarbeit sowie alle anderen Aktivitäten, die Kommunikate an Medienorganisationen oder direkt an die Öffentlichkeit verbreiten, die organisationale Einbindung des Framing-Ansatzes. Der Begriff Framing kann also aus akteurstheoretischer Perspektive als Taktik verstanden werden , die innerhalb der Strategie des Issue-Managements wirkt. Der englische Begriff issue ist in diesem Zusammenhang eher mit dem deutschen Begriff Thema als mit Streitfrage zu übersetzen. Organisationen betrachten und bearbeiten ihre Verhältnisse zu verschiedenen Streitfragen und Sachverhalten differenziert : beispielsweise muss eine Regierungspartei den Bürgern über die Massenmedien durch die Ankündigung der Begrenzung von Manager-Gehältern Milliarden-Bürgschaften für Banken schmackhaft machen – gleichzeitig muss sie aber mit diesen Managern über die Sanierung des Finanzwesens verhandeln. Verschiedene Adressaten und zeitlich parallel zu bearbeitenden Themen verlangen also ein Issue Management. Dieses Konzept stammt aus der Organisationsforschung und wird nach Hallahan definiert als „Steuern, Definieren und Kontrollieren von Themen, so dass sie den Zielen des Unternehmens zuträglich sind.“[88] Diese Überlegungen zeigen die taktische Natur der Kommunikation politischer Akteure auf, welche einer einzig auf die Sache gerichteten optimalen Problemlösung entgegensteht. Hier sollte das prozessual zwischen der strategischen Kommunikation und der öffentlichen Diskussion gelagerte Mediensystem also eingreifen.

Die etablierten Parteien verfügen über die materiellen, personellen und finanziellen Ressourcen, um die meisten der oben aufgeführten Werkzeuge für die tägliche Arbeit nutzen zu können. Andere zentrale Akteure wie Regierungsorgane, große Wirtschaftsunternehmen oder etablierte Verbände wie die Gewerkschaften arbeiten unter ähnlichen Voraussetzungen.

Diese materielle Ausstattung der Zentrumsakteure ist einer der beiden wichtigsten Erfolgsfaktoren im Kampf um die Meinungshoheit. Das hieraus gegenüber peripheren Akteuren entstehende Ungleichgewicht kann praktisch nur schwierig gelöst werden, weil eine ähnlich ein gerechter Verteilungsschlüssel für Fördergelder oder eine Komplettfinanzierung für periphere Organisationen ein weiterer Quell bürokratischer Fehler und Ineffizienz wäre.

Der zweite Erfolgsfaktor der Zentrumsakteure ist schlichtweg, dass sie zentrale Akteure sind – d.h. ihnen wird von anderen Akteuren sowie vor allem dem Mediensystem eine gewisse Wichtigkeit zugeordnet. Im Kapitel 5.2 wird dieses Problem unter dem Begriff des Nachrichtenfaktors Prominenz genauer erläutert werden.

3.5.2 Periphere politische Akteure

Da die Forschungsergebnisse zu dem peripheren Akteurstypus der (neuen) sozialen Bewegung am ergiebigsten sind, sollen Ziele, Strategien und Erfolgspotentiale peripherer Akteure im Folgenden anhand dieses Typs erklärt werden. Wie bei den Zentrumsakteuren gelten für ähnliche Akteure – hier beispielsweise Bürgerinitiativen – stets ähnliche Eigenschaften.

Nach Rucht hat sich die folgende Definition einer sozialen Bewegung durchgesetzt:

Eine soziale Bewegung ist ein auf gewisse Dauer gestelltes und durch kollektive Identität abgestütztes Handlungssystem mobilisierter Netzwerke von Gruppen und Organisationen, welche sozialen Wandel mittels öffentlicher Proteste herbeiführen, verhindern oder rückgängig machen wollen.[89]

Neben der direkten Erwähnung des sozialen Wandels zeigt diese Definition wie entscheidend der Faktor Öffentlichkeit für soziale Bewegungen ist. Der ‚öffentliche Protest‘ wird „im Hinblick auf intermediäre Gruppen eingesetzt“[90] – also um die Medienberichterstattung zu beeinflussen und so letztendlich politische Entscheidungsträger zu einem entsprechenden Handeln zu drängen. Da die jeweilig gewählte Regierung auch in einem demokratischen Rechtsstaat nicht auf Proteste Einzelner hören muss, ist es erst diese Öffentlichkeit der Proteste, die den Handlungsdruck auf Seiten des entsprechenden Entscheidungsträgers entstehen lässt – denn umso größer der Protest, umso mehr Stimmen drohen bei der nächsten Wahl auf andere Akteure zu entfallen.[91] Periphere Akteure versuchen sozialen Wandel also einmal indirekt über die politischen Handlungsträger zu beeinflussen – für diese Taktik ist die Öffentlichkeit des Protestes entscheidend.

[...]


[1] Vgl. Matthes 2007, S. 82

[2] Die konstruktivistische Negierung der Möglichkeit einer Spiegelung wird im Kapitel V: Verzerrung berücksichtigt.

[3] Die Verbindlichkeit dieser Angebote wird in der Medienwirkungsforschung so kontrovers diskutiert, dass die Debatte im Rahmen dieser Arbeit nicht aufgefächert werden kann. Einen Überblick über die Medienwirkungsforschung bietet Bonfadelli: Bonfadelli 2000 und Bonfadelli 2001

[4] Programmatisch ist hier der Kulturindustrie -Aufsatz Adornos zu nennen: Horkheimer et al. 1947. Darüber hinaus beschreibt Fromm die Implikationen der gesellschaftlichen Strukturen für das Lebensglück des Einzelnen besonders herzerwärmend: Fromm 1976

[5] Ein Zusammenhang zum Untersuchungsthema Kapitalismusdebatte bzw. Finanzmarktkrise besteht allerdings darin, dass die Wirtschaftskrise als Resultat der Finanzkrise es erschwert, die Konsumbedürfnisse des Einzelnen zu befriedigen, welche nach Ansicht der Autoren der Frankfurter Schule die einzige Sinnquelle im Leben des kapitalistischen Systems darstellen.

[6] Vgl. Kaase 1998, S. 25

[7] McQuail 1995

[8] Voltmer 1999

[9] Vgl. Imhof et al. 1999, S. 16

[10] Vgl. Fink-Eitel 1992, S. 14

[11] Vgl. Fink-Eitel 1992, S. 58

[12] Vgl. Foucault 1999, S. 7–8; In Deutschland entwickelte vor allem Keller eine detaillierter ausgearbeitete Methodik einer sozialwissenschaftlichen Diskursanalyse: Keller et al. 2006

[13] Vgl. Sarasin 2006, S. Kapitel I : Wahnsinn, Vernunft, Schweigen

[14] Nach einer Rede am 03. Oktober 2003 wurde dem CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann antisemitische Gesinnung vorgeworfen und er daraufhin aus Fraktion und Partei ausgeschlossen.

[15] Foucault, Köppen 1973, S. 187

[16] Vgl. Sarasin 2006, S. 136

[17] In dieser Kontingenz des modernen Subjektes liegt der noch zu lösende Widerspruch zwischen foucaultscher Diskurstheorie und habermasscher Öffentlichkeitstheorie (vgl. Kapitel 4.2).

[18] Sarasin 2006, S. 114

[19] Foucault 1991

[20] Foucault 1991, S. 25

[21] Mit dem Prinzip des Kommentars meint Foucault, dass der Großteil der diskursiven Produktion lediglich bestehende Primärtexte wie beispielsweise Gesetzestexte aktualisiere und nicht hinterfrage. Mit dem Prinzip des Autors werde u.a. eine Rechenschaftspflicht eingeführt: wer mit seinem Namen hinter bzw. unter einem Text stehe, könne prinzipiell sanktioniert werden und wird so von Regelverstößen absehen. Vgl. Foucault 1991, S. 25

[22] Foucault 1991, S. 11

[23] Vgl. Foucault 1991, S. 17

[24] Vgl Vorwort zu: Foucault 1971

[25] Die sich mit dem Einfluss der Massenmedien auf politische Entscheidungen beschäftigende Agenda-Setting-Theorie wird in Kapitel 3.5.3 skizziert.

[26] Foucault 1992, S. 12

[27] Vgl. Parr 2004, S. 55

[28] In empirischen Studien wurden dagegen bereits öfter beide Theorien herangezogen, vgl. Reinhardt-Becker 2004, S. 8

[29] Allerdings werden die Grundlagen im Kapitel 3.2 mit der Erklärung der heutigen Strukturen nachgereicht.

[30] Link 2004, S. 58

[31] Vgl. Reinhardt-Becker 2004, S. 8

[32] Vgl. Reinhardt-Becker 2004, S. 8

[33] Vgl. Reinhardt-Becker 2004, S. 8

[34] Vgl. Reinhardt-Becker 2004, S. 8

[35] Vgl. Reinhardt-Becker 2004, S. 10

[36] Vgl. Reinhardt-Becker 2004, S. 12

[37] Vgl. Stäheli 2004, S. 15

[38] Link 2004, S. 59

[39] Vgl. Link 2004, S. 59

[40] Vgl. Link 2004, S. 59

[41] Parr 2004, S. 55

[42] Vgl. Kaase 1998, S. 50

[43] Voltmer 1999, S. 26

[44] Dahl 1997, S. 220-224

[45] Vgl. Gerhards et al. 1998, S. 28

[46] Vgl. Voltmer 1999, S. 19

[47] Kaase 1998, S. 50

[48] Vgl. Fuchs 1993, S. 102

[49] Vgl. Gerhards 1994, S. 82

[50] Scheuch 2003, S. 219

[51] Luhmann 2004, S. 10

[52] Voltmer 1999, S. 24–25

[53] Vgl. Gerhards 1994, S. 82

[54] Gerhards 1994, S. 93

[55] Vgl. Gerhards 1994, S. 93

[56] Im Sinne der Motivation dieser Arbeit wäre in weiteren Arbeiten zu analysieren, wie ein neuer Code etabliert werden könnte, der sich in der Steigerung des Zufriedenheitsniveaus der Bürger ausdruckt.

[57] Scheuch 2003, S. 221

[58] Scheuch 2003, S. 214

[59] Vgl. Scheuch 2003, S. 217

[60] Parsons 1975, S. 169

[61] Vgl. Kaase 1998, S. 35

[62] Vgl. Scheuch 2003, S. 217

[63] Vgl. Parsons, Shils 1954

[64] Vgl. Baecker 2000

[65] Scheuch 2003, S. 22

[66] Vgl. Weymann 1998, S. 88

[67] Nach Voltmer se gerade die Wertevermittlung durch das Mediensystem im Rahmen bisheriger empirischer Überprüfungen wenig beachtet worden. Vgl. Voltmer 1999, S. 32

[68] Vgl. Luhmann 1984, S. 154

[69] Vgl. McAdam 1994, S. 398

[70] Vgl. Luhmann 1999, S. 31

[71] Vgl. Habermas 1992, S. 370

[72] Vgl. Habermas 1989, S. 473–474

[73] Die deliberale Öffentlichkeitstheorie nach Habermas wird in Kapitel 4.2 erläutert.

[74] Vgl. Matthes 2007, S. 39

[75] Hölscher liefert hier eine umfangreiche begriffsgeschichtliche Analyse: Hölscher 1979

[76] Vgl. Gerhards 1994, S. 84

[77] Vgl. Lengauer 2007, S. 17

[78] Ein Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Verhältnis von Politik und Massenmedien bietet Kapitel 3.6.

[79] Vgl. Gerhards et al. 1998, S. 25

[80] Vgl. Habermas 1992, S. 431

[81] Habermas verlangt von diesen peripheren Akteuren weiter, offen und egalitär organisiert zu sein. Diese Anforderung soll im Weiteren nicht berücksichtigt werden, so dass auch z.B. Greenpeace als peripherer Akteur gilt, obwohl Greenpeace nicht egalitär organisiert ist.

[82] Vgl. Matthes 2007, S. 38

[83] Bernays 1928, zitiert nach: Chomsky 1989, S. 16

[84] Habermas 1992, S. 370

[85] Hopp 2003, S. 47

[86] Vgl. Schulz 1997, S. 12

[87] Eine Übersicht über die Aufgaben bzw. Funktionen des Mediensystems wird in Kapitel 4.1 gegeben.

[88] Hallahan 1999, S. 207

[89] Rucht 1994, S. 338–339

[90] Rucht 1994, S. 347

[91] Vgl. Rucht 1994, S. 347

Ende der Leseprobe aus 146 Seiten

Details

Titel
Zur medialen Selektion politischer Diskurse
Untertitel
Eine Analyse am Beispiel des Diskurses über finanzpolitische Reformen
Hochschule
Universität Siegen  (Medienplanung, -Entwicklung und -Beratung)
Note
1,6
Autor
Jahr
2009
Seiten
146
Katalognummer
V159333
ISBN (eBook)
9783640725243
ISBN (Buch)
9783640725335
Dateigröße
13777 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Diskursanalyse, Finanzkrise, Wirtschaftspolitik, Reformen, Medienpolitik, Tageszeitungen, Foucault, Habermas, Luhmann, Steinbrück, Merkel, Attac, SPD, NGO, Nichtregierungsorganisation, Nichtregierungsorganisationen
Arbeit zitieren
Patrick Fink (Autor), 2009, Zur medialen Selektion politischer Diskurse , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159333

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zur medialen Selektion politischer Diskurse


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden