Die Lorelei in vier Gedichten: Stilistische Untersuchung


Seminararbeit, 2009

12 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Wiederholungsvariationen
2.1 In „Zu Bacharach am Rheine“
2.2 In „Ich weiβ nicht, was soll es bedeuten“
2.3 In „La Loreley“
2.4 In „Der Handstand auf der Loreley“

3 Die Apokope, die Elision, die Kontraktion und die Verlängerung mit dem zusätzlichen -e
3.1 Die Apokope und die Elision
3.2 Die Kontraktion und die Verlängerung mit einem zusätzlichen –e

4 Das Temporasystem
4.1 In „Zu Bacharach am Rheine“
4.2 In „Ich weiβ nicht, was soll es bedeuten“
4.3 In „La Loreley“
4.4 In „Der Handstand auf der Loreley“

5 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Arbeit werden wir vier verschiedenen Bearbeitungen von dem Motiv der Loreley, und zwar die von Brentano, von Heine, von Apollinaire und von Kästner untersuchen. Die Legende der Loreley erzählt von einer sehr schönen Jungfrau, die entweder in einem Ort des Rheins stirbt, wo es ein Echo gibt, oder die Schiffer sterben lässt. Dieser Ort ist heute als „die Loreley“ bekannt.

Clemens Brentano hat die Ballade „Zu Bacharach am Rheine“ 1821 in seinem Roman Godwi veröffentlicht. Heinrich Heine hat die Ballade „Ich weiβ nicht, was soll es bedeuten“ (II) 1827 in der Abteilung „Heimkehr“ von dem Buch der Lieder publiziert. Beide Autoren gehören zur Romantik, und zwar Brentano zur Hochromantik, und Heine zur Spätromantik. Guillaume Apollinaire, einer der Vertreter der französischen avantgardistischen Dichtung vom Anfang des 20. Jahrhunderts, hat „La Loreley“ 1904 in der Zeitschrift Le Festin d’Esope und 1913 in der Abteilung « Rhénanes » von Alcools veröffentlicht. Erich Kästner hat 1932 das Gedicht „Der Handstand auf der Loreley“ publiziert. Er gehört zur deutschen Avantgarde von der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Brentanos Gedicht hat auf Apollinaires beeinflusst, und „Ich weiβ nicht, was soll es bedeuten“ auf „Der Handstand auf der Loreley“. Es bildet sich also ein parallelisches System zwischen zwei Gedichten einerseits, und zwei andererseits.

Die Formen der Gedichte sind dennoch nicht dieselben in den vier Gedichten: „Zu Bacharach am Rheine“ besteht aus fünfundzwanzig Quartetten, einem Prosasatz und vier Versen; „Ich weiβ nicht, was soll es bedeuten“ aus sechs Quartetten; „La Loreley“ aus neunzehn Zweizeiler und „Der Handstand auf der Loreley“ aus sieben Quartetten und einem Fünfzeiler. Der Kreuzreim bildet das Reimschema der Gedichte Brentanos, Heines und Kästners, während das Reimschema des Gedichts von Apollinaire aus Paarreimen besteht.

Die Inhalte sind auch nicht dieselben in den vier Gedichten: Während Brentano und Apollinaire von einer hoffnungslosen Geliebten erzählen, zeichnet Heine das Symbol der heimtückischen Verführerin und berichtet Kästner von einem Handstand, der an dem Ort der anderen Geschichten stattfand.

Die vier Gedichte stützen sich auf verschiedene Weise auf einem Wiederholungssystem und entwickeln in verschiedener Art und Weise die Elision, die Apokope, die Aphärese und die Verlängerung mit dem -e. Jedes Gedicht behandelt auf besonderer Art sein Temporasystem. Wie kann man diese vier Gedichte vergleichen?

2 Die Wiederholungsvariationen

Die Wiederholung und ihre rhetorischen Ableitungen gehören zu den figurae per adiectionem, die einen der vier Bereiche der rhetorischen Figuren bilden. Man benutzt sie, wenn man in einem literarischen Text ein Element hinzufügt.

2.1 In „Zu Bacharach am Rheine“

In der sechsten Strophe entwickelt sich ein Parallelismus im Satzbau auf folgendem Schema: O + Imperativform im Plural + Personalpronomen der ersten Person: „O legt mich in die Flammen! // O brechet mir den Stab!“ Es ist eine Art Litanei.

Der Ausdruck „Ich will noch einmal sehen“ wird zwei Mal (18. und 19. Strophen) gebraucht, um den Herzenswunsch der Lore Lay zu betonen.

Der Dichter benutzt in der zwölften Strophe ein Trikolon, um eine pathetische Steigerung zu entwickeln:

„Die Augen sanft und wilde,

Die Wangen roth und weiβ,

Die Worte still und milde“

Eine Alliteration in [r] und in [x] ist auch da: „Ba ch a r a ch am R heine“ (1. Strophe), sowie in [s], in [z] und in [∫ ], wie zum Beispiel in „ S ie war s o sch ön und feine, // Und ri β “ (1. Strophe). Sie zeigt, wie man die Lore Lay verspotten kann, denn diese Laute sind aggressiv.

2.2 In „Ich weiβ nicht, was soll es bedeuten“

Heine benutzt drei Mal das Polyptoton : Ein Mal mit dem Radikal kamm-, mit den Formen „kämmt“ (Verse 12 und 13) und „Kamme“ (Vers 13); dann mit dem Radikal sing-, mit den Formen „singt“ (Vers 14) und „Singen“ (Vers 23); und schlieβlich it dem Radikal schiff-, mit den Formen „Schiffer“ (Verse 17 und 22) und „Schiffe“ (Vers 17). Das Polyptoton provoziert ein Gefühl der Harmonie und der Kontinuität und betont die Begriffe, die er benutzt.

Die Figur der Anapher wird zwei Mal gebraucht: „Sie kämmt“ (Verse 12 und 13) und „Er schaut“ (Verse 19 und 20) erscheinen in zwei nacheinander stehenden Versen, und stellen die beiden Protagonisten des Gedichts in auseinandergesetzte Positionen.

Der frikative Laut [f] bildet eine Alliteration: „Luft“ (Vers 5), „flieβt“ (Vers 6), „Gipfel“, „funkelt“ (Vers 7), „Jungfrau“ (Vers 9), „Schiffer“, Schiffe“ (Vers 17), „ergreift“ (Vers 18), „Felsenriffe“ (Vers 19), „hinauf“ (Vers 20), „verschlingen“ (Vers 21), „Schiffer“ (Vers 22) und ruft ein gewisses Gefühl der Unangenehmbarkeit hervor.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Lorelei in vier Gedichten: Stilistische Untersuchung
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V159353
ISBN (eBook)
9783640719280
ISBN (Buch)
9783640719693
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lorelei, Gedichten, Stilistische, Untersuchung
Arbeit zitieren
Bérénice Lafont (Autor:in), 2009, Die Lorelei in vier Gedichten: Stilistische Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159353

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