Spanisch und Englisch, die zu den indogermanischen Sprachen gezählt werden, bilden mit über 300 Millionen Muttersprachlern die zwei wichtigsten Weltsprachen. Durch den historischen Kontext entstand das Sprachkontaktprodukt Spanglish. Als Sprache der
Hispanics in den Vereinigten Staaten Amerikas wird es vor allem in dem Grenzgebiet Mexiko und den Vereinigten Staaten in Puerto Rico und Florida gesprochen. Allein im
weltweiten digitalen Netz gibt es für Spanglish ca. 1.550.000 Einträge, bei dem Termini
espanglés immerhin über 2300 Belege.
In dieser Arbeit soll untersucht werden, inwiefern Spanglish als Diskussionsgegenstand
Raum einnimmt und in welchen Ebenen der Gesellschaft Spanglish diskutiert wird.
Neben einer linguistischen Beschreibung soll auch der Frage nachgegangen werden,
welche soziolinguistischen Ansätze zu berücksichtigen sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hispanics in den Vereinigten Staaten
2.1 Historischer Überblick
2.2 Überblick über die größten hispanischen Gruppen in den Vereinigten Staaten
2.2.1 Mexikaner
2.2.2 Puerto-ricaner
2.2.3 Kubaner
2.3 Aktuelle Situation der Hispanics in den Vereinigten Staaten
2.3.1 Die Präsenz der Hispanics
2.3.2 Wirtschaftliche Lage der Hispanics
3 Spanglish als Kontaktsprache
3.1 Kontaktsprachen
3.2 Was ist Spanglish?
3.2.1 Spanglish in der öffentlichen Diskussion
3.2.2 Cultural Discussion- Spanglish
4 Code-switching-Modelle
4.1 Code-switching
4.1.1 Syntaktische Beschränkungen beim Code-switching
4.1.1.1 Das Free Morpheme Constraint
4.1.1.2 Das Equivalence Constraint
4.1.2 Das MLF-Modell und das 4-M Modell
4.1.2.1 Matrixsprache versus untergeordnete Sprache
4.1.2.2 Zusammensetzung der Konstituenten
4.1.2.3 Morpheme Order Principle und System Morpheme Principle
4.1.2.4 Systemmorpheme versus Inhaltsmorphem
4.1.2.5 EL-Island Trigger Hypothese
4.1.2.6 Blocking Hypothese
4.1.2.7 EL Hierarchy Hypothese
4.2 Warum wechseln bilinguale Sprecher die Sprachen?
4.2.1 Ansatz von Grosjean
4.2.2 Ansatz von Appel und Muysken
4.2.3 Ansatz von Gumperz
4.2.4 Ansatz von Auer
4.3 Entlehnungen
4.3.1 Motive für Entlehnungen
4.3.2 Lexikalische Entlehnungen
4.3.3 Semantische Entlehnungen
4.3.3.1 Lehnübertragungen
4.3.3.2 Lehnübersetzungen
4.3.3.3 Lehnbedeutung
4.3.4 Phonetische Analogie
4.3.5 Semantische Analogie
4.4 Unterscheidung von Code-switching und Entlehnung
5 Spanglish in Texten verschiedener Domänen
5.1 Spanglish im mündlichen Diskurs
5.1.1 „Dora the Explorer“
5.1.2 ¿Qué Pasa, USA?
5.1.3 „Lost“
5.1.4 „Spanglish -der Film“
5.2 Spanglish in Sachtexten
5.2.1 Musik
5.2.2 Cyberspanglish
5.2.3 Werbung
5.2.4 Das Magazin „Latina”
5.3 Spanglish in literarischen Texten
5.4 Spanglish in der Kurzgeschichte „Pollito Chicken”
5.4.1 Syntaktische Analyse
5.4.2 Code-switching-Arten
5.4.3 Free Morpheme Constraint
5.4.4 Equivalence Constraint
5.4.5 Matrixsprache
5.4.6 Zusammensetzung der Konstituenten
5.4.7 Morpheme Order Principle
5.4.8 System Morpheme Principle
5.4.9 EL-Island Trigger Hypothese
5.4.10 Diskursanalyse
5.5 „Las mujeres de verdad tienen curvas”
5.6 Syntaktische Analyse
5.6.1 Code-switching-Arten in Las mujeres der verdad tienen curvas
5.6.2 Free Morpheme Constraint
5.6.3 Equivalence Constraint
5.6.4 Matrixsprache
5.6.5 Zusammensetzung der Konstituenten
5.6.6 Morpheme Order Principle
5.6.7 System Morpheme Principle
5.6.8 Diskursanalyse
5.6.9 Zusammenfassung der Analysen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Sprachkontaktphänomen „Spanglish“ als Ausdruck hybrider Identität und soziale Praxis in den USA. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, in welchen gesellschaftlichen Räumen Spanglish Verwendung findet, wie es linguistisch einzuordnen ist und welche soziolinguistischen Funktionen hinter dem Sprachwechsel stehen, insbesondere in literarischen und medialen Kontexten.
- Historischer Kontext und sozioökonomische Hintergründe der hispanischen Bevölkerung in den USA.
- Linguistische Definitionen und Abgrenzung von Spanglish, Code-switching und Entlehnungen.
- Anwendung theoretischer Code-switching-Modelle (u.a. Poplack, Myers-Scotton) auf reale Sprachdaten.
- Analyse der Verwendung von Spanglish in den Medien sowie in ausgewählten literarischen Werken und Filmen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Was ist Spanglish?
Der Terminus Spanglish wurde wahrscheinlich von dem puertoricanischen Journalisten Salvador Tío in den 60er Jahren formuliert (Lipski 2004: 1) und hat sich seitdem zu einem der wichtigsten Diskussionsthemen in der Sprachkontaktforschung entwickelt, das über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus Beachtung findet. Dennoch wird wiederholt in der Literatur darauf hingewiesen, dass bis heute keine einheitliche Definition besteht. Im Folgenden wird ein kurzer Überblick über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion gegeben.
Das Phänomen Spanglish wird mit unterschiedlichen Begriffen, wie z.B. „Espanglés“, „Espanglish“ oder „español mixtureado“ bezeichnet.
Das spanische Wörterbuch „Nuevo diccionario esencial de la lengua española” (2000: 1209) definiert Spanglish als „lengua o jerga construida a partir de elementos de los idomas español e inglés; se habla en sectores de la población hispana en Estados Unidos”. Einer solchen neutralen Definition von Spanglish stehen viele Ausdrücke und Beschreibungen gegenüber, die den Sprachkontakt abwertend deklarieren und als „Tex-mex“, „hodgepodge“, „hullabaloo“ oder „mishmash“ bezeichnen (Stavans 2003a: 3, 12). Dies kann damit begründet werden, dass Spanglish vor allem als die Sprache ungebildeter Hispanics assoziiert wird (Lipski 2004: 4). Deutlich wird dies an der Definition von Nash (1970: 223), der erklärt, dass Spanglish „a hybrid variety of language, often given the slightly derogatory label of Spanglish, […] coexists with less mixed forms of standard English and standard Spanish”. Er weist darauf hin, dass Spanglish nicht als neutrales Phänomen wiedergegeben wird, und unterstreicht die Verschmelzung der englischen und spanischen Sprache. Dass generell die degorative Definition dominiert, betont auch Pountain (2007: 14): Kennzeichnend hierfür ist, „that contact with English has been in some sense excessive“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Sprachkontakts zwischen Spanisch und Englisch in den USA ein und definiert das Ziel der Arbeit, Spanglish als linguistisches und kulturelles Phänomen zu untersuchen.
2 Hispanics in den Vereinigten Staaten: Dieses Kapitel erläutert den historischen Hintergrund sowie die sozioökonomische Lage der größten hispanischen Bevölkerungsgruppen in den USA.
3 Spanglish als Kontaktsprache: Hier wird der theoretische Rahmen für Sprachkontakt gesetzt, verschiedene Definitionen von Spanglish diskutiert und die öffentliche Wahrnehmung anhand von Online-Foren analysiert.
4 Code-switching-Modelle: Dieses Kapitel stellt zentrale linguistische Modelle zur Beschreibung von Code-switching und Entlehnungsprozessen vor und untersucht die soziolinguistischen Motive für den Sprachwechsel.
5 Spanglish in Texten verschiedener Domänen: Dieser Analyseteil untersucht die Präsenz von Spanglish in Medien, Kurzgeschichten und Filmen, insbesondere anhand konkreter Beispiele und deren syntaktischer Analyse.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Bedeutung von Spanglish als natürlichen Prozess kultureller Hybridisierung.
Schlüsselwörter
Spanglish, Hispanics, Code-switching, Entlehnungen, Sprachkontakt, Soziolinguistik, Identität, Zweisprachigkeit, Grammatikmodelle, Sprachwandel, kulturelle Fusion, Amerikanisierung, Migration, Bilingualismus, Diskursanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Phänomen Spanglish als Ergebnis intensiven Sprachkontakts zwischen Spanisch und Englisch in den Vereinigten Staaten.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf historischen Hintergrundinformationen zur hispanischen Einwanderung, theoretischen Grundlagen der Code-switching-Forschung und der praktischen Analyse von Spanglish in verschiedenen gesellschaftlichen Domänen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Spanglish von einer abwertenden Sichtweise zu befreien und es als kreative, linguistisch regelgeleitete Ausdrucksform hybrider Identität zu beschreiben.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt soziolinguistische Ansätze und syntaktische Modelle, insbesondere von Poplack und Myers-Scotton, um Sprachdaten aus Literatur und Medien zu analysieren.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Im Hauptteil werden syntaktische Beschränkungen (wie das Free Morpheme Constraint) erläutert und an Beispielen aus Filmen und Kurzgeschichten überprüft.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Spanglish, Code-switching, Identität, Sprachkontakt und Soziolinguistik.
Wie unterscheidet sich Spanglish laut dieser Studie von einer reinen „fehlerhaften Sprache“?
Die Autorin argumentiert, dass Spanglish internen grammatikalischen Regeln folgt und nicht auf mangelnde Sprachkenntnisse zurückzuführen ist, sondern als bewusste verbale Strategie dient.
Welche Rolle spielt die Kurzgeschichte „Pollito Chicken“ in der Analyse?
Die Kurzgeschichte dient als primäres Textbeispiel, um die Anwendung soziolinguistischer Modelle auf literarische Texte zu demonstrieren und die Identitätsproblematik von Immigranten zu illustrieren.
Wie bewertet die Arbeit die Zukunft von Spanglish in den USA?
Es wird prognostiziert, dass Spanglish aufgrund der wachsenden hispanischen Bevölkerung und wirtschaftlicher Faktoren an Bedeutung gewinnen wird und kein bloßes vorübergehendes Randphänomen bleibt.
- Quote paper
- Gülhan Sürmeli (Author), 2008, Spanglish - Die verbale Begegnung der hispanischen- und anglo-amerikanischen Zivilisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159360