Objektive Selbstaufmerksamkeit und institutionalisiertes Lernen


Essay, 2008

6 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Die entwicklungspsychologische Bedeutung der Theorie zur Objektiven Selbstaufmerksamkeit für institutionalisiertes Lernen

In dieser Arbeit möchte ich die entwicklungspsychologische Bedeutung der Objektiven Selbstaufmerksamkeitstheorie für institutionalisiertes Lernen analysieren.

Diese Aufgabe erfordert zunächst die Schaffung eines theoretischen Bezugsrahmens, indem die Theorie der OSA detailliert dargestellt und mit Alttagsbeispielen, sowie konkreten Experimenten veranschaulicht wird.

Nach Aufbau des theoretischen Grundgerüstes soll im nächsten Teil die Anwendung der OSA auf den schulischen Alltag stattfinden. In Anbetracht der Zeit werde ich ein Set von ausgewählten Anknüpfpunkten aus dem Schulalltag auswählen, auf die die theoretischen Erkenntnisse der objektiven Selbstaufmerksamkeitstheorie angewendet werden sollen. Bei der Auswahl der zu analysierenden Aspekte habe ich darauf geachtet, verschiedene Bereiche auszuwählen. So werde ich auf schulische Interaktionen, intrapersonale Aspekte, Unterrichtsgestaltung und Leistungsverhalten eingehen. Dabei soll einerseits der Mehrwert der theoretischen Erkenntnisse untersucht, wie also die Erkenntnisse konstruktiv genutzt werden können; es soll aber auch immer kritisch hinterfragt werden, welche Probleme in der in der Praxis aufkommen können.

Nach Darstellung und Anwendung der Theorie soll diese kritisch beleuchtet werden, um Stärken und Schwächen herauszustellen. Ich werde an dieser Stelle teilweise die Weiterentwicklung der Theorie durch Fenigstein et al. hinzuziehen. Dies hat folgenden Grund: Wie die Darstellung zeigen wird, verfolgen die die beiden Theorien zwei völlig unterschiedliche Ansätze: Während Duval und Wicklund einen situativen Zugriff verfolgen, Selbstaufmerksamkeit also als situationsabhängig begreifen, greifen Fenigstein et al. das Thema aus dispositionaler Sicht auf, nach dem Selbstaufmerksamkeit ein konsistentes Persönlichkeitsmerkmal darstellt. Zwei so grundverschiedene Ansätze einzubeziehen, dient meiner eigenen Horizonterweiterung und der Erleichterung, Unplausibilitäten und Schwachstellen besser aufzudecken.

Die Arbeit schließ mit einem generellen Fazit und Vorschlägen für weitere Betrachtungsmöglichkeiten.

Theorie

Das Konzept „Selbstaufmerksamkeit“ hat bereits eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich: Schon William James, der heute wahrscheinlich den meisten Menschen vornehmlich im literarischen Kontext ein Begriff ist, bekannt geworden durch seine Prägung der Erzähltechnik des „Stream of Consciousness“, nahm an, dass jeder Mensch einen „blind impulse“ innehat, seinen Körper zu beobachten. James ging also von einer Art Instinkt aus, der dazu führt, dass Menschen ihrer selbst aufmerksam sind. Obwohl sich James in „The Principles of Psychology“ bereits 1890 mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat, werden heute eher andere Autoren mit der Theorie in Verbindung gebracht. Ganz oben zu nennen sind Duval und Wicklund, die 1972 mit der Entwicklung der Theorie zur objektiven Selbstaufmerksamkeit, den Anstoß gaben zu vielen weiteren Experimenten und Weiterentwicklungen auf diesem Gebiet. Eine soll auch in dieser Arbeit leicht angerissen werden, nämlich die von Fenigstein, Scheier und Buss (1975).

Ursprüngliches Anliegen der Theorie war zu verstehen, warum Individuation zu konformen Verhalten führt. Die Theorie basiert auf der Annahme Dichotomie unserer Aufmerksamkeit aus: Menschen können ihre Aufmerksamkeit sowohl nach außen richten, auf die Umwelt, auf alles jenseits der eigenen Person - als auch auf sich selbst, also auf den eigenen Körper, unsere Gefühle, Einstellungen usw. Den ersten Bewusststeinszustand bezeichnen Duval und Wicklund als subjektive, den zweiten als objektive Selbstaufmerksamkeit. Die Begriffswahl ist so zu verstehen, dass wir im Stadium der SSA selbst Subjekt sind, dass aufmerksam auf etwas anderes ist; im Stadium der OSA, sind wir das Objekt unserer eigenen Aufmerksamkeit. Die Unterscheidung dieser beiden Bewusstseinszustände legt die Überzeugung der beiden Autoren nahe, dass bewusste Aufmerksamkeit niemals gleichzeitig auf einen Aspekt des Selbst und auf die Umwelt gelenkt sein können. Deshalb oszilliert unsere Aufmerksamkeit zwischen OSA SSA hin und her. SSA bezeichnen die Autoren als Normalzustand, in dem wir uns die meiste Zeit befinden. Ob unsere Aufmerksamkeit nach innen oder außen gerichtet ist, ist komplett determiniert von äußeren Stimuli: Jeder Stimulus, der unsere Aufmerksamkeit nach außen richtet, führt zu SSA. Bei einem Konzertbesuch z. B. ist in der Regel unsere Aufmerksamkeit auf die Sängerin und die Bühnenshow gerichtet, nicht aber auf uns. Dementsprechend führen solche Reize, die uns an unseren Status als von anderen deutlich verschiedenes Objekt in der Welt erinnern zu osa. Duval und W sprechen hierbei von einer Externalisierung; d.h. wir sehen Aspekte unseres Selbst aus einer fremden Perspektive. Die klassischen Experimente benutzen Spiegel, Bilder oder Tonbänder mit der eigenen Stimme als Reize, um osa auszulösen und anschließend Verhaltensänderungen unter dieser Bedingung erfassen zu können. Ebenso hat das Auftreten in einer Gruppe Auswirkung darauf, wie selbstaufmerksam wir sind. Dies zeigt das Experiment von Diener (1980): An Halloween wurde Kindern während eines Süßigkeitensammelzuges gesagt, sie dürften selber ein Bonbon nehmen, wenn sie gesungen haben. Waren die Kinder alleine, so hielten sie sich an die Regel, waren sie in einer Gruppe,

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Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Objektive Selbstaufmerksamkeit und institutionalisiertes Lernen
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Bildungswissenschaften)
Veranstaltung
Erstes Staatsexamen
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
6
Katalognummer
V159372
ISBN (eBook)
9783640761555
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dies ist die von mir vorgeschriebene Klausur im Rahmen des erziehungswissenschaftlichen Teils meines Ersten Staatsexamens.
Schlagworte
Theorie der Objektiven Selbstaufmerksamkeit, Selbstaufmerksamkeit, Sozialpsychologie, Lernen, Schule
Arbeit zitieren
Margaretha Armbrüster (Autor), 2008, Objektive Selbstaufmerksamkeit und institutionalisiertes Lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159372

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