Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema der Freundschaft in der Nikomachischen Ethik von Aristoteles. Dass Aristoteles dieser Thematik eine große Bedeutung zumisst, zeigt sich daran dass kein anderes Thema innerhalb der Nikomachischen Ethik so viel Raum einnimmt, wie das der Freundschaft.
Zunächst wird der Freundschaftsbegriff von Aristoteles und seine Voraussetzungen eingegrenzt und näher definiert. Danach folgt eine nähere Betrachtung der Freundschaften des Nutzen und der Lust sowie der tugendhaften Freundschaft. Hierbei werden die Motive, die zu einer Freundschaft führen können erläutert und die daraus entstehenden Arten der Freundschaft voneinander abgegrenzt. Weiter werden Freundschaften auf Basis der Lust und des Nutzen anhand eines Beispiels geprüft und erläutert. Es folgt eine eingehende Betrachtung der tugendhaften Freundschaft, die die Frage klären soll, ob man alle Formen der Freundschaften auch tatsächlich als solche bezeichnen kann. Des weiteren soll geklärt werden, inwiefern Selbstliebe mit Freundesliebe in einem Zusammenhang steht und ob Freundschaft nur unter gleichen oder auch unter ungleichen Personen existieren kann, bzw. wie innerhalb von Freundschaften Gleichheit der Ungleichen hergestellt werden kann.
Abschließend wird untersucht, wie Freundschaft sich in und zu der Gemeinschaft im allgemeinen und insbesondere der Familie verhält. Besondere Aufmerksamkeit kommt dabei der Betrachtung des Verhältnisses zwischen Recht und Freundschaft zu, da mit Hilfe des Rechts im Sinne der Freundschaft in einem Staat Gleichheit erzeugt werden kann. Danach werden die verschiedenen Herrschaftsformen dargestellt und den jeweiligen Häuslichen Gemeinschaften zugeordnet und die Zusammenhänge verwandtschaftlicher Freundschaft und herrschaftlicher Beziehungen betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Freundschaftsbegriff und seine Voraussetzungen nach Aristoteles
3. Arten der Freundschaft
3.1 Motiv der Lust und des Nutzens
3.2 Tugendhafte Freundschaft
3.3 Wohlwollen
3.4 Zuneigung
3.5 Eintracht
3.6 Eigenliebe und Vernunft
3.8 Gleichheit und Ungleichheit
4. Freundschaft und Gemeinschaft
4.1 Freundschaft und Gerechtigkeit
4.2 Herrschaftsformen
4.3 Freundschaft in den verschiedenen Herrschaftsformen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert den Freundschaftsbegriff (philia) in der Nikomachischen Ethik von Aristoteles, untersucht dessen verschiedene Ausprägungen sowie deren Bedeutung für das soziale und politische Zusammenleben.
- Systematische Einordnung und Definition des aristotelischen Freundschaftsbegriffs.
- Unterscheidung zwischen akzidentellen Freundschaften (Lust/Nutzen) und der tugendhaften Freundschaft.
- Analyse der Rolle von Wohlwollen, Eintracht und Selbstliebe.
- Beziehung zwischen zwischenmenschlicher Freundschaft und staatlicher Gemeinschaft bzw. Gerechtigkeit.
- Übertragung familiärer Beziehungsstrukturen auf politische Herrschaftsformen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Tugendhafte Freundschaft
Substantielle Freundschaften sind vollkommen, weil sie die Freundschaft der Tugendhaften sind. "Jene aber, die den Freunden das Gute wünschen um der Freunde willen, sind im eigentlichen Sinne Freunde; denn sie verhalten sich an sich so, und nicht zufällig."
Diese Freundschaften sind also im Gegensatz zu den akzidentiellen Freundschaften nicht zufällig zustande gekommen. Sie dauern so lange wie die Partner tugendhaft sind doch "die Tugend ist aber beständig, und jeder von beiden ist an sich gut und gut für den Freund."
Die wirkliche und wahrhaftige Freundschaft kann nach Aristoteles und qua Definition nur unter den tugendhaften Menschen zustande kommen. "Denn nur das „Selbst“ des Guten ist gut; und „gut“ nennen wir das, was wir um seiner selbst willen lieben."
Die Tugendhaften sind nicht nur im Sinne ihrer Sittlichkeit im allgemeinen gut, sondern auch durch ihr Handeln. Sie sind einander angenehm und spenden sich Lust und/oder sind sich gegenseitig nützlich. Durch diese Leistungen, die sie sich gegenseitig erbringen, vereinen sie die akzidentiellen Freundschaften in der substantiellen und machen sie durch das Gute, Tugendhafte vollkommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die Bedeutung der Freundschaft in der Nikomachischen Ethik und skizziert das methodische Vorgehen zur Untersuchung der Freundschaftsarten.
2. Freundschaftsbegriff und seine Voraussetzungen nach Aristoteles: Dieses Kapitel definiert philia als Tugend und erläutert die methodischen Grundlagen sowie die drei notwendigen Voraussetzungen für Freundschaft.
3. Arten der Freundschaft: Hier werden die verschiedenen Formen – Lust, Nutzen und Tugend – sowie begleitende Konzepte wie Wohlwollen, Zuneigung, Eintracht und Selbstliebe detailliert analysiert.
4. Freundschaft und Gemeinschaft: Das Kapitel untersucht die Verbindung von Freundschaft zu Gerechtigkeit und überträgt die Beziehungsstrukturen auf staatliche Herrschaftsformen und das Familienleben.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass die Aristotelische Freundschaftstheorie als strukturelles Bindeglied für soziale und politische Einheiten fungiert.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Nikomachische Ethik, philia, Freundschaft, Tugend, Wohlwollen, Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Polis, Staatsform, Gleichheit, Selbstliebe, Lust, Nutzen, Eintracht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Freundschaftsbegriffs bei Aristoteles, wie er in der Nikomachischen Ethik dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Differenzierung zwischen verschiedenen Freundschaftsarten, die Voraussetzungen für echte Freundschaft und deren Relevanz für das politische und gesellschaftliche Gefüge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Freundschaftsbegriff substanzphilosophisch einzugrenzen, die verschiedenen Arten voneinander abzugrenzen und deren Bedeutung für die Gemeinschaft zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin folgt der aristotelischen Vorgehensweise einer Substanzphilosophie, bei der von Phänomenen ausgehend das Wesenhafte bestimmt und Akzidentielles von Substantiellem getrennt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Klassifizierung der Freundschaft in Nutzen-, Lust- und Tugendfreundschaft sowie die Untersuchung von sozialen Phänomenen wie Wohlwollen, Eintracht und die Beziehung zwischen Recht und Freundschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie philia, Tugendhafte Freundschaft, Gerechtigkeit, Gemeinschaft und Polis definiert.
Warum ist die tugendhafte Freundschaft bei Aristoteles die vollkommenste Form?
Sie ist vollkommen, da sie nicht auf wechselhaftem Nutzen oder Lust basiert, sondern auf dem "guten Selbst" des Freundes, was zu einer dauerhaften und wahrhaftigen Beziehung führt.
In welchem Zusammenhang stehen Recht und Freundschaft laut dieser Arbeit?
Recht und Freundschaft dienen beide der Herstellung von Gleichheit innerhalb einer Gemeinschaft; während die Freundschaft die zwischenmenschliche Beziehung regelt, sorgt das Recht für die notwendige Ordnung in der Polis.
Wie unterscheidet Aristoteles zwischen Monarchie und Tyrannei im Kontext der Familie?
Die väterliche Herrschaft über den Sohn bildet das Vorbild für die Monarchie, während die Beziehung zwischen Herrn und Sklave aufgrund ihrer despotischen Natur dem politischen Raum der Tyrannei zugeordnet wird.
- Arbeit zitieren
- Angela Fehr (Autor:in), Der Freundschaftsbegriff bei Aristoteles - Formen, Voraussetzung und Abgrenzungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159429