Im Zuge des Ausdifferenzierungsprozesses moderner Gesellschaften richtet man in der gesellschaftstheoretischen Betrachtung den Fokus auf die Inklusion und Exklusion von Akteuren in der Gemeinschaft. Beide zentralen Begriffe werden in dieser Hausarbeit näher beleuchtet. Es zeigt sich, dass sich weder ein klares Verständnis für den Gebrauch dieser Begriffe, geschweige denn eine eindeutige Definition herausgebildet haben. Inklusion und Exklusion werden sowohl in systemtheoretischen Zusammenhängen als auch dann verhandelt, wenn es um Belange der sozialen Ungleichheit in der Gesellschaft geht. Vor diesem Hintergrund wird folgenden Fragestellungen nachgegangen: Wie entstehen Ungleichheiten durch Inklusions- und Exklusionsstrukturen in funktional differenzierten Gesellschaften? Wie entwickelt sich soziale Ungleichheit auf der Basis dieses gesellschaftstheoretischen Konzepts im Rahmen der funktionalen Ausdifferenzierung fort?
Zunächst werden die systemtheoretischen Bezüge skizziert, die die Einführung von Inklusion und Exklusion überhaupt erforderlich gemacht haben. Danach wird ein kleiner Einblick in die Verwendungsbreite der Begriffe angeboten. Die weiteren Ausführungen befassen sich mit der Frage, inwiefern Inklusion und Exklusion Ungleichheitsstrukturen erzeugen oder aufrechterhalten können. Schließlich wird der Frage nachgegangen, wohin uns die Logik der funktionalen Differenzierung mit Blick auf die soziale Ungleichheit treiben könnte. In diesem Zusammenhang werden konkrete Problemstellungen betrachtet – die Bedeutung von Wachstumsgrenzen; die Frage der Zukunft alter Menschen in der Gesellschaft; die Segregation von Bevölkerungsteilen in sogenannten „gated communities“ -. Es zeigt sich, dass die Frage, wohin uns die Logik der funktionalen Differenzierung treibt, keineswegs leicht zu beantworten ist. Aber Möglichkeiten der Entwicklungen sind schon denkbar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die moderne Gesellschaft
2.1 Die Gesellschaftstheorie der funktionalen Differenzierung
2.2 Die Mitglieder der Gesellschaft
3. Inklusion und Exklusion in funktional differenzierten Gesellschaften
3.1 Systemtheoretische Ebene
3.2 Differenzierungstheoretische Ebene
4. Funktionale Differenzierung und soziale Ungleichheit
4.1 Systemintegration und Sozialintegration
4.2 Inklusion als Brückenkonzept
4.3 Exklusion als neue Qualität sozialer Ungleichheit
5. Die Fortentwicklung sozialer Ungleichheitsstrukturen - Wohin steuern moderne Gesellschaften?
5.1 Inklusionsprobleme durch Wachstumsgrenzen
5.2 Inklusion und Exklusion alter Menschen
5.3 Freiwillige Exklusionen
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Inklusion und Exklusion in funktional differenzierten Gesellschaften und analysiert, wie diese Prozesse die Entstehung und Fortentwicklung sozialer Ungleichheitsstrukturen beeinflussen. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie soziale Ungleichheit innerhalb moderner, durch Teilsysteme geprägter Gesellschaften entsteht und welche langfristigen Folgen für das Individuum zu erwarten sind.
- Grundlagen der systemtheoretischen Gesellschaftsbetrachtung nach Niklas Luhmann
- Die Rolle der Inklusion als Brückenkonzept zwischen Gesellschaftssystem und Individuum
- Exklusion als neue Form sozialer Ungleichheit in der Hochmoderne
- Herausforderungen durch Wachstumsgrenzen und demografischen Wandel
- Phänomene freiwilliger Exklusion und privatisierter Lebenswelten
Auszug aus dem Buch
4.3 Exklusion als neue Qualität sozialer Ungleichheit
Der Begriff der Exklusion findet zunehmend Verwendung als Bezeichnung für kritische Soziallagen unter hochmodernen Gesellschaftsverhältnissen und löst Schichtungs- und Armutsmodelle ab.
Was ist aber das Neue an diesen kritischen Soziallagen? Mit der Ablösung von Schichtungs- und Armutsmodellen wird auch die Vorstellung aufgegeben, dass ungleiche Soziallagen auf die Gesellschaftsstruktur oder auf ökonomische Faktoren zurückzuführen sind. Es sind keine Rückschlüsse auf übergeordnete Interessen mehr erkennbar, die prekären Soziallagen sind sich selbst überlassen und bedeutungslos, geradezu überflüssig geworden. Exklusion steht also für eine neue Qualität sozialer Ungleichheit, denn: „Wir wissen: es ist von Ausbeutung die Rede oder von sozialer Unterdrückung…Wenn man jedoch genau hinsieht, findet man nichts, was auszubeuten oder zu unterdrücken wäre“ (Luhmann 1995b: 147). Dabei scheinen sich diese Soziallagen aber keineswegs nur durch materielle Unterversorgung zu charakterisieren, sondern der Armutsbegriff umfasst auch Machtlosigkeit und Ausgrenzung aufgrund kommunikativer Isolierung und betrachtet Armut als mehrdimensionale Kategorie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der funktionalen Differenzierung und die Relevanz der Inklusions- und Exklusionsforschung für moderne soziale Ungleichheitsstrukturen.
2. Die moderne Gesellschaft: Darlegung der systemtheoretischen Grundlagen von Niklas Luhmann, insbesondere zur funktionalen Differenzierung in Teilsystemen und der Rolle psychischer Systeme als Gesellschaftsmitglieder.
3. Inklusion und Exklusion in funktional differenzierten Gesellschaften: Differenzierung zwischen der systemtheoretischen Ebene (Abhängigkeitsverhältnis von System und Individuum) und der differenzierungstheoretischen Ebene der Inklusionsbegriffe.
4. Funktionale Differenzierung und soziale Ungleichheit: Analyse des Spannungsverhältnisses zwischen gesellschaftlicher Integration und systemischer Differenzierung, wobei Inklusion als Brückenkonzept fungiert, während Exklusion eine neue Qualität der Ausgrenzung darstellt.
5. Die Fortentwicklung sozialer Ungleichheitsstrukturen - Wohin steuern moderne Gesellschaften?: Diskussion zukünftiger Herausforderungen, wie etwa die Auswirkungen von Wachstumsgrenzen, der demografischen Entwicklung und freiwilliger Segregation.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse mit dem Ausblick, dass soziale Ungleichheit auch in modernen Gesellschaften fortbesteht und zunehmend komplexere Formen der Exklusion annimmt.
Schlüsselwörter
Funktionale Differenzierung, Systemtheorie, Inklusion, Exklusion, Soziale Ungleichheit, Niklas Luhmann, Sozialintegration, Systemintegration, Exklusionsindividualität, Wachstumsgrenzen, demografischer Wandel, soziale Lagen, Gesellschaftsstruktur, Kommunikation, Autopoiesis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der systemtheoretischen Perspektive auf soziale Ungleichheit in modernen Gesellschaften, die durch funktionale Differenzierung und die Bildung von Teilsystemen geprägt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Inklusion und Exklusion, ihr Einfluss auf das Individuum sowie die Auswirkungen aktueller gesellschaftlicher Wandlungsprozesse auf die soziale Gerechtigkeit.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Der Autor zielt darauf ab, die Entstehung und Fortentwicklung sozialer Ungleichheitsstrukturen durch die Brille der systemtheoretischen Inklusionsforschung besser verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der soziologischen Systemtheorie nach Niklas Luhmann basiert und durch aktuelle soziologische Fachliteratur gestützt wird.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Verhältnis von System- und Sozialintegration, diskutiert Inklusion als "Brückenkonzept" und untersucht die Exklusion als neue, mehrdimensionale Form der sozialen Ausgrenzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die wichtigsten Begriffe sind Funktionale Differenzierung, Inklusion, Exklusion, Soziale Ungleichheit, Systemtheorie und der Begriff der Exklusionsindividualität.
Was versteht man in diesem Kontext unter dem "Brückenkonzept"?
Das Brückenkonzept bezeichnet die theoretische Verknüpfung der systemtheoretischen Perspektive mit der Theorie sozialer Ungleichheit, indem Inklusion den Zugang des Individuums zu gesellschaftlichen Funktionsbereichen und damit dessen Lebenschancen vermittelt.
Warum wird Exklusion als eine "neue Qualität" sozialer Ungleichheit bezeichnet?
Weil sie sich nicht mehr primär durch ökonomische Faktoren wie Armut oder Unterdrückung im klassischen Sinne definieren lässt, sondern eine kommunikative Isolierung und Bedeutungslosigkeit des Individuums beschreibt, für die oft keine direkten Gegenmaßnahmen existieren.
- Arbeit zitieren
- Egon Wachter (Autor:in), 2010, Inklusion und Exklusion in funktional differenzierten Gesellschaften , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159480