Biblische Exegese: Das Lukas Proömium (Lk 1,1-4)


Seminararbeit, 2007

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textanalyse von Lk 1
2.1 Definition
2.2 Sprachlich-syntaktische Analyse
2.3 Semantische Analyse
2.4 Pragmatische Analyse

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Mit Hilfe der hier vorliegenden, von mir persönlich im Rahmen des im Sommersemester 2007 an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt belegten Biblische Exegese Seminars „Flavius Josephus und das Neue Testament – Lektüre und Interpretation ausgewählter Texte aus den Werk des Josephus und ihrer neutestamentlichen Parallelen“ angefertigten Hausarbeit „Biblische Exegese: Das Lukas Proömium (Lk1,1-4)“, möchte ich mich konzentrierter mit dem Lukasevangelium, explizit mit dem lukanischen Vorwort in Lk 1,1-4 auseinandersetzen, indem ich eine Textanalyse vornehmen werde. Beginnen werde ich hierbei mit einer prägnanten Begriffsklärung. Anschließend werden in methodischen Schritten die einzelnen Verse des Prologs an Hand von verschiedenen Bibelkommentaren ausgelegt. Abschließen werde ich die Arbeit mit einem resümierenden Fazit der zuvor gewonnenen Erkenntnisse.

Der Evangelist Lukas stellt sich seinen Lesern im Proömium[1] zu seinem Evangelium (Lk 1,1-4), dessen Nähe zu Gewohnheiten der hellenistischen Historiographie in der Forschung seit langem erkannt ist[2], als Apologet, im heutigen Sprachverständnis als Fundamentaltheologe vor. Zu diesen Geflogenheiten zählt der Beginn mit einem Vorwort und die Widmung an einen Freund oder Gönner (vgl. Lk 1,1-4; Apg 1,1)[3]. Die Wahrheit bzw. Zuverlässigkeit der christlichen Doktrin kann er zwar durch sein Werk nicht beweisen, jedoch ist er bestrebt den Adressaten trotzdem eine überzeugende sowie getreue Kunde davon zu überliefern.

Mit Lukas fängt ein neuer sowie bedeutsamer Abschnitt christlicher Literaturgeschichte an. „Das junge Christentum wird erstmalig bewusst „literarisch“ tätig, es wendet sich an den einzelnen gebildeten Leser, um ihm die historischen Grundlagen des Glaubens „von Anfang an“ und „der Reihe nach“ darzulegen“[4]. Es ist keineswegs vermessen, den Verfasser des Evangeliums nach Lukas als den „ersten christlichen Historiker“ (Martin Dibelius) zu bezeichnen. Allerdings vermag auch Lukas nicht mit seinem sorgfältigen Nachforschen sowie der chronologischen Ordnung seiner Erkenntnisse die Distanz zu der Überlieferung zu überbrücken[5].

Mich persönlich tangiert dieses Thema „Biblische Exegese: Das Lukas Proömium (Lk1,1-4)“ im speziellen Maße, auf Grund dessen, dass der Verfasser des Lukasevangeliums nicht zu den unmittelbaren Augenzeugen, die Jesu Leben direkt miterlebte, sondern zu einer späteren Generation, die nur indirekt über schriftliche und mündliche Traditionen Kenntnis von Leben, Wirken, Sterben und Auferstehen Jesu erlangte, gehört und es ihm trotz dessen gelungen ist, ein authentisches Glaubenszeugnis abzulegen. Das Evangelium nach Lukas stellt sich in die Überlieferung der profanen griechischen Geschichtsschreibung und ist somit als erster Versuch eines „Evangeliums“, das dem Faktum der Parusieverzögerung konsequent Rechnung trägt, zu deuten.

2 Textanalyse von Lk 1,1-4

Bei der nun kommenden Textanalyse beziehe ich mich auf folgende Bibelübersetzungen: der griechische Urtext der Bibelstelle von Lk 1,1-4 folgt dem „The Greek New Testament“, der lateinische Text „evangelium secundum lucam“ entstammt der „Vulgata“ und die deutsche Übersetzung entspricht der „Elberfelder Bibel“.

1,1 epeidhper polloi epeceirhsan

anataxasqai dihghsin
peri twn peplhroforhmenwn en hmin pragmatwn,

quoniam quidem multi conati sunt
ordinare narrationem
quae in nobis conpletae sunt rerum

Da es nun schon viele unternommen haben,
einen Bericht von den Ereignissen zu verfassen,
die sich unter uns zugetragen haben,

1,2 kaqwV paredosan hmin

oi ap archV autoptai
kai uphretai genomenoi tou Logou

sicut tradiderunt nobis
qui ab initio ipsi viderunt
et ministri fuerunt Sermonis

wie sie uns die überliefert haben,
die von Anfang an Augenzeugen

und Diener des Wortes gewesen sind,

1,3 edoxen kamoi

parhkolouqhkoti anwqen pasin
akribwV kaqexhV soi grayai kratiste Qeofile

visum est et mihi
adsecuto a principio omnibus
diligenter ex ordine tibi scribere optime Theophile

hat es auch mir gut geschienen,
der ich allem von Anfang an genau gefolgt bin,
es dir, hochedler Theophilus, der Reihe nach zu schreiben,

1,4 ina epignwV peri wn kathchqhV logwn thn asfaleian.

ut cognoscas eorum verborum de quibus eruditus es veritatem

damit du die Zuverlässigkeit der Dinge erkennst,

in denen du unterrichtet worden bist.

2.1 Definition

In einem allgemeinen Zugang versteht man unter dem Terminus der Textanalyse die Untersuchung von Texten unter verschiedenen Gesichtspunkten und unterschiedlicher Zielsetzung, besonders hinsichtlich des Aufbaus, der Intention des Autors sowie der Wirkung auf den Leser. Die Textanalyse hat die Funktion einen methodisch veranschaulichten Einstieg in die Textwelt zu ermöglichen mit dem Ziel eine fundamentale Textwahrnehmung zu erschließen[6].

Das Wort Analyse stammt aus dem Griechischen und bedeutet Auflösung. Im Hinblick auf die Untersuchung eines Textes ist hiermit die Zerlegung eines Ganzen in seine Einzelteile mit der Zielsetzung des Verstehens, des kognitiven Erschließens gemeint. Der Text wird gegliedert, um ihn über seine einzelnen Aspekte hin zu erfassen. Die Textanalyse durchleuchtet die sprachliche Struktur des Textes in Bezugnahme der textinternen Aspekten auf syntaktischer, semantischer und pragmatischer Ebene, durch die die Teilelemente eines Ganzen geordnet werden. „Alle Elemente eines Textes stehen bewusst zueinander in Beziehung, sie wirken durch ihr Ineinander/Zueinander/Nacheinander zusammen und stellen so in unterschiedlicher Weise Kohärenz her“[7]. Aus diesem Zusammenwirken der einzelnen Textelemente resultiert im Akt des Lesens die Bedeutung des Textes.

[...]


[1] Das Proömium, Plural Proömien (griechisch προοίμιον - Vor- dem- Lied mit lateinischer Endung) versteht sich in der antiken Literatur als eine einleitende Hymne eines großen Epos oder als ein einführendes Kapitel, ein Vorwort der Dichtungen und Reden zu einer Prosaschrift (siehe: G. und I. Schweikle: (Hrsg.): Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. Stuttgart 1990, S. 364.

[2] siehe hierzu: G. Klein in: G. Braumann (Hrsg.): Das Lukas-Evangelium. Die Redaktions- und Kompositionsgeschichtliche Forschung. Darmstadt 1974, S. 170.

[3] M. Reiser: Das Lukasevangelium. in: V. Drehsen, H. Häring, K.-J. Kuschel, H. Siemers (Hrsg.): Wörterbuch des Christentums. München 2001, S. 747.

[4] F. J. Schierse: Einleitung in das Neue Testament. Düsseldorf 2001, S. 87.

[5] siehe: F. J. Schierse: Einleitung in das Neue Testament. Düsseldorf 2001, S. 87-88.

[6] siehe hierzu genauer: K. Kanzog: Der Text. In: V. Meid (Hrsg.): Sachlexikon Literatur. München 2000; S. 882-884.

[7] U. Schnelle: Einführung in die neutestamentlihe Exegese. Göttingen 2005, S. 55.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Biblische Exegese: Das Lukas Proömium (Lk 1,1-4)
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Neues Testament)
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V159490
ISBN (eBook)
9783640729760
ISBN (Buch)
9783640730209
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Biblische, Exegese, Lukas, Proömium
Arbeit zitieren
Ulrike M. S. Röhl (Autor), 2007, Biblische Exegese: Das Lukas Proömium (Lk 1,1-4), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159490

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Biblische Exegese: Das Lukas Proömium (Lk 1,1-4)



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden