Zur Entstehungsgeschichte von Heinrich Heines "Deutschland. Ein Wintermärchen"

Analyse und Kommentar zur Frage „Warum“


Hausarbeit, 2009

13 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Kontext

3. Heinrich Heines Schreibstil: eine neue Moderne

4. Der politisch-engagierte Heinrich Heine: inwiefern der gesellschaftliche Kontext Heines Denkweise und Werk beeinflußt hat

5. Ablauf Heines realen Deutschlandlandreise, Intentionen und Aufnahme

6. Reise durch ein winterliches Land – Warum griff Heine zu diesem Titel ?

7. Schlußfolgerung

8. Bibliographie

9. Internetangaben

1. Einleitung

Heinrich Heines Werk „Deutschland. Ein Wintermärchen“ wurde 1844 publiziert, in einer Zeit, in der man unzufrieden mit den politischen Verhältnissen im Deutschland der Restaurationszeit war. Die 1843 von Heine geschriebene Verssatire reflektiert die Impressionen seiner Deutschlandreise. Durch scharfe Ironie setzt er sich mit allem auseinander, was seinen deutschen Zeitgenossen "heilig" war: militantes Nationalgefühl, religiöse Institutionen, Franzosenhaß und Kleinstaaterei. Um dem Vorwurf des Antipatriotismus' zu entgehen, fügte er seinem Werk ein versöhnliches Vorwort hinzu. Trotzdem unterdrückte die preußische Zensur die Verbreitung des Werkes.

In diesem Teil der Arbeit, wird anhand einer Kontextualisierung, einer Analyse Heines Moderne, der Entstehungsgeschichte des versifizierten Reisebildes und der Erklärung des Titels versucht, den Fragen „warum schrieb Heinrich Heine diese Verssatire des preußischen Deutschlands, was waren seine Intentionen und wie wie reagierte das deutsche Publikum?“ auf den Grund zu gehen.

2. Historischer Kontext

1797 kam Heinrich Heine in einer Zeit zur Welt, in der es in Folge der Französischen Revolution viele Veränderungen in Europa gab. Mit 13 Jahren erlebte Heine eine große Wende: Napoléons Einzug in Düsseldorf. Den Kaiser der Franzosen verehrte er zeitlebens für die Einführung des Code civil, da das Gesetzbuch die Juden rechtlich mit den Nicht-Juden gleichstellte. Als 1813 die Befreiungskriege begannen, wurde 1815 mit dem Wiener Kongress dauerhafter Frieden in Europa versprochen. Es folgte jedoch eine Restaurationperiode, und der Deutsche Bund wurde der Nachfolger des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Die Julirevolution, die 1831 in Frankreich stattfand, brachte Heine dazu, nach Frankreich zu ziehen. Dort genoß er die revolutionäre Atmosphäre doch sein Vaterland fehlte ihm. Einerseits hatte sich Heine mit Preußen angefeindet und war der Zensur in Deutschland überdrüssig. Doch andereseits glaubte er fest daran, durch seine Literatur das deutsche Volk dazu bewegen zu können eine selbst Revolution hervorzurufen. So begann seine zweite Lebens- und Schaffensphase. Der deutsche Nationalismus, der sich fortwährend entwickelte, war für Heine eine große Gefahr. Anders als der französische Nationalismus, entfernte sich der deutsche von den Ideen der Demokratie. Solche Vorahnungen kommen in « Deutschland – Ein Wintermärchen » am Ende vor, als der Protagonist in die Zukunft schaut: „ Doch dieser deutsche Zukunftsduft mocht alles übertragen, was meine Nase je geahnt – ich konnt es nicht länger ertragen - - - “ [2] Angeregt durch seine Deutschlandreise von 1843, kommentiert Heine in seinem Werk eine äußerst bissige Satire der staatlich kirchlichen und gesellschaftlichen Verhälltnisse in Deutschland.[1]

3. Heinrich Heines Schreibstil: eine neue Moderne

Man kann sagen, dass Heine ein Romantiker war. Eines des Merkmale der Romantik war „ […] das Interesse für das Irrationale […] das Interesse der Romantiker für das Märchen, in dem das Übernatürliche im Mittelpunkt steht.[4] Durch Märchen, Sagen und Volkslieder konnte die Sehnsucht zu einer verlorengegangenen Welt zum Ausdruck gebracht werden. Bei Heine handelt es sich womöglich um den Wunsch nach einem besseren Deutschland im Sinne der französischen Revolution (mehr dazu im Absatz 4). Als Beispiel kann die Barbarossa-Szene[5] zitiert werden, in welcher der Wunsch nach einem grossen Kaiser und einem neuen Deutschland zum Ausdruck gebracht wird: „ Schläft er oder denkt er nach ? Mann kann's nicht genau ermitteln; Doch wenn die rechte Stunde kommt, Wird er gewaltig sich rütteln. […] Der hält ein strenges Gericht, Er will die Mörder bestrafen- […] Wie klingen sie lieblich, wie klingen sie süß, Die Märchen der alten Amme![6]. Heines Werk kann aber auch in der Aufklärung eingestuft werden.5 Heine war in dem Sinne ein Aufklärer, als das er für ein neues Deutschland kämpfte und den Gewinn der Revolution in Frankreich auch in Deutschland in die Tat umsetzen wollte. Dennoch wurde Heine tieft enttäuscht, und diese Enttäuschung kommt schon in der ersten Zeilen seines Werkes zum Ausdruck, als der Ich-Erzähler in Aachen auf die zwei großen staatlichen Institutionen trifft, die die Restaurationsperdiode in Deutschland kennzeichneten: Der Zoll und die Zensur. Somit kann vielleicht auch das sehr pessimistische Zukunftsbild Deutschlands am Ende seines Reiseepos erklärt werden. Und somit kommt Heines Moderne auch ganz klar zum Ausdruck. Während die traditionelle Literatur sich mehr um das Glück des einzelnen kümmerte, dass heißt, dass nur der Einzele im Begriff ist, sein eigenes Glück zu machen und somit die Welt in einem ganzheitlichen Ordo zu bewahren. Goethe war der Hauptvertreter dieser Denkweise, die klar in einem Gespräch zwischen Goethe und Eckermann im Oktober 1830 zu Ausdruck kommt[7]: „ [...] Ich habe in meinem Beruf als Schriftsteller nie gefragt: was will die gro ße Masse und wie nütze ich dem Ganzen? Sondern ich habe immer nur dahin getrachtet, mich selbst einsichtiger und besser zu machen, den Gehalt meiner eigenen Persönlichkeit zu steigern und dann immer nur ausrusprechen, was ich als gut und wahr erkannt hatte.“ Heine aber ging es um die Masse, das Ganze. Denn nur die Masse ist im Stande, eine Revolution hervorzurufen. Denn seine Auffassung der Literatur besteht darin, die Masse, das Volk durch seine Schriften zu einer Revolution im Sinne der im Jahre 1789 in Frankreich stattgefundenen Revolution wachzurütteln. Durch sein politisches Engagement enstanden unteranderem Gedichte wie die Schlesischen Weber oder Das Slavenschiff. Heine schaffte durch sein politisches Engagement, der Auseinandersetzung mit der damaligen Politik und dem Einblick seiner Reisebilder eine neue Moderne. Wenn auch Heine schwer einzuordnen bleibt ist er auf jeden Fall einer der wichtigsten deutschen Wegbereiter und ein Vorläufer der modernen Literatur.[3]

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/19._Jahrhundert http://www.hildeso-guestphalia.de/heine.html http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Heine

[2] Heinrich Heine, „ Deutschland. Ein Winterrmärchen “, Reclam-Ausgabe, Seite 71

[3] http://www.hamburger-bildungsserver.de/welcome.phtml?unten=/faecher/deutsch/autoren/heine/wintermaerchen.html

[4] Deutscher Literaturkurs von Frau Tabah, Kunstepoche (1785-1832), Seite 32

[5] Manfred WindfuhrHeinrich Heine, Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke “ Hoffmann und Campe, 1985, Seite 918

[6] Heinrich Heine, „ Deutschland. Ein Winterrmärchen “, Reclam-Ausgabe, Seite 40-41

5

[7] Manfred Windfuh r, Rätsel Heine, Autoprofil-Werk-Wirkung, Universalitätsverlag C. Winter Heidelberg, 1997, Seite 118

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Zur Entstehungsgeschichte von Heinrich Heines "Deutschland. Ein Wintermärchen"
Untertitel
Analyse und Kommentar zur Frage „Warum“
Hochschule
Vrije Universiteit Brussel
Note
1,6
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V159537
ISBN (eBook)
9783640726523
ISBN (Buch)
9783640726639
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehungsgeschichte, Heinrich, Heines, Deutschland, Wintermärchen
Arbeit zitieren
Funk Anne-Christine (Autor), 2009, Zur Entstehungsgeschichte von Heinrich Heines "Deutschland. Ein Wintermärchen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159537

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