Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Culture, Technology, Nations

Linkshänder in einer rechtsorientierten Gesellschaft

Title: Linkshänder in einer rechtsorientierten Gesellschaft

Diploma Thesis , 2010 , 122 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Steffi Dietz (Author)

Sociology - Culture, Technology, Nations
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Idee zu dieser Diplomarbeit ist an einem Fernsehabend im Oktober 2006 entstanden und beruht auf einer zufälligen und recht simplen Beobachtung: Bei einer einschlägig bekannten amerikanischen Comedyserie fiel mir die Hauptdarstellerin auf, die ein
jüdisches Kindermädchen verkörperte, wie sie eine Postsendung entgegen nahm und mit der linken Hand quittierte. Seit diesem Abend beobachte ich regelmäßig in Spielfilmen und Fernsehserien sowie bei Interviews, mit welcher Hand die SchauspielerInnen schreiben, essen, telefonieren und andere einhändige Dinge erledigen. Und tatsächlich fiel mir auf, dass ein großer Anteil scheinbar LinkshänderIn
ist. Meine Freunde reagieren mittlerweile fast ein wenig genervt, wenn ich sie ständig darauf hinweise, dass gerade wieder ein Darsteller mit links geschrieben oder geschossen hat, weil die meisten auf diese Details nicht achten. Die auffällige Häufung
von LinkshänderInnen konnte ich auch bei diversen Sportarten beobachten, was den endgültigen Antrieb zu dieser Arbeit lieferte.
Ich selbst bin Rechtshänder und empfinde meine linke Hand als nicht besonders geschickt, was sich bis heute lediglich bei einigen Ballsportarten als hinderlich erwies. In meiner näheren Verwandtschaft gibt es keine LinkshänderInnen. Wenn ich an
meinen Bekannten- und Freundeskreis denke, finden sich darunter bescheidene sechs ‚echte’ LinkshänderInnen und sieben Umgeschulte. Dieser Anteil hört sich zunächst verschwindend gering an und ich muss gestehen, dass ich mir nicht bei allen Bekannten sicher bin bezüglich deren Händigkeit. Einer der Umgeschulten ist mir allerdings
besonders im Gedächtnis geblieben: Er war eigentlich Linkshänder und wurde in der Grundschule auf das Schreiben mit der rechten Hand umtrainiert. Auf dem Gymnasium begann er jedoch wieder das Schreiben mit links, was ihm scheinbar sehr gut gelang. Die Schrift sah nach einiger Übung nahezu identisch aus, egal welche Hand er benutzte,
was gerade bei langem Aufsatzschreiben großen Neid bei den (rechtshändigen) Mitschülern hervorbrachte. Während andere nach drei Stunden ununterbrochenem Schreiben über schmerzende Hände klagten, konnte er immer abwechselnd die rechte und linke Hand benutzen.[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Aufbau und Vorgehensweise

1 Biologischer Teil: Wie kommt es zur Händigkeit?

1.1 Definition der Händigkeit

1.2 Ursachen für Einhändigkeit

1.2.1 Laterale Dominanz der Großhirnhälften

1.2.2 Vererbung der Händigkeit

1.2.3 Weitere mögliche Ursachen

1.3 Häufigkeit/ Verteilung

Zwischenfazit zum biologischen Teil

2 Soziologischer Teil: Die rechtsorientierte Gesellschaft

2.1 Die Aufwertung der rechten Hand

2.1.1 Sprachliche Herkunft – die Rolle des Aberglaubens

2.1.2 Religiöse Herkunft

2.1.3 Politische Herkunft

2.1.4 Weitere Ursachen

2.2 Legenden und Mythen zur Linkshändigkeit

2.3 Alltagsprobleme

2.4 Lösung aller Probleme durch Ambidextrie?

2.5 Wie erkennt man einen Linkshänder?

2.5.1 Schnelltests

2.5.2 Präferenz- und Leistungsdominanz

2.5.3 Fragebögen zur Erfassung der Händigkeit

2.5.4 Zwischenfazit zu den Testverfahren

2.6 Umschulung und deren Folgen

2.7 Rückschulung – sinnvoll oder kontraproduktiv?

Zwischenfazit zum soziologischen Teil

3 Gesellschaftlicher Umgang mit abweichendem Verhalten

4 Empirische Untersuchung

4.1 Auswahl der Untersuchungsgruppen

4.2 Vorgehensweise

4.2.1 Untersuchungsgruppe 1: SchauspielerInnen

4.2.2 Untersuchungsgruppe 2: ProfitennisspielerInnen

4.3 Ergebnisse

4.3.1 Untersuchungsgruppe 1: SchauspielerInnen

4.3.2 Untersuchungsgruppe 2: ProfitennisspielerInnen

4.4 Zusammenfassung

4.4.1 Untersuchungsgruppe 1: SchauspielerInnen

4.4.2 Untersuchungsgruppe 2: ProfitennisspielerInnen

5 Diskussion

6 Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Ursachen und gesellschaftliche Wahrnehmung von Linkshändigkeit. Zentral ist die Frage, wie ein linkshändiger Mensch in einer rechtsorientierten Gesellschaft zurechtkommt und ob diese Abweichung von der Norm zwingend eine Benachteiligung darstellt oder durch Anpassungsfähigkeit kompensiert werden kann.

  • Biologische und genetische Grundlagen der Händigkeit
  • Kulturelle und historische Prägung der Rechtsorientierung
  • Alltägliche Herausforderungen und Stigmatisierung von Linkshändern
  • Analyse von Umschulungsprozessen und deren Folgen
  • Empirische Untersuchung der Händigkeit in spezifischen Berufsgruppen (Schauspiel und Profitennis)

Auszug aus dem Buch

2.5.1 Schnelltests

Viele der professionellen Testmethoden zur Feststellung der Händigkeit sind entweder kostspielig oder dauern mehrere Stunden. Wer sich seiner Händigkeit nicht sicher ist, kann deshalb einige Schnelltests durchführen. Diese sind zwar nicht hundertprozentig aussagekräftig, können aber Tendenzen sichtbar machen (vgl. Zoche 2002: 60).

Es gibt diverse, sehr einfache und deshalb auch häufig unzuverlässige Methoden, wie man die Händigkeit eines Menschen erkennt: Dazu gehört die Beobachtung, mit welcher Hand die Person manuelle Tätigkeiten durchführt. Allerdings wird dabei häufig konditioniertes Verhalten mit der ‚falschen‘ (umgeschulten) Hand nicht erkannt. SATTLER empfiehlt, dass „besondere Aufmerksamkeit auf spontane, ungeübte Handlungsabläufe gerichtet werden“ sollte, „die noch nicht in eingeübten Automismen verankert sind“ (ebd. 1996a: 269). Würde man beispielsweise einer Person einen Gegenstand zuwerfen, so wird er oder sie automatisch mit der ‚richtigen‘ Hand gefangen, weil es sich dabei um einen Reflex handelt

„Reflexe sind nicht vom Verstand oder vom Erlernten beeinflusst, deshalb fangen selbst umgelernte Linkshänder mit ihrer linken Hand“ (Wikimedia 2009b: 3).

Dieser Test ist allerdings wissenschaftlich nicht anerkannt.

Wenn man beispielsweise mit beiden Händen klatscht, dann klatscht die stärkere Hand in die schwächere. Bei LinkshänderInnen heißt das, sie klatschen mit der linken Hand in die rechte, die dabei eher steif bleibt. Eine andere Möglichkeit wäre, die Hände wie zum Beten ineinander zu legen. Der oben liegende Daumen gehört zur stärkeren Hand.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Biologischer Teil: Wie kommt es zur Händigkeit?: Untersucht anatomische und genetische Erklärungsansätze für Links- und Rechtshändigkeit sowie deren statistische Verteilung.

2 Soziologischer Teil: Die rechtsorientierte Gesellschaft: Analysiert die historische, religiöse und politische Aufwertung der rechten Hand und die daraus resultierende Stigmatisierung der Linkshändigkeit.

3 Gesellschaftlicher Umgang mit abweichendem Verhalten: Erläutert mithilfe der 'Chicago School of Sociology' die Mechanismen, wie Gesellschaften mit Abweichungen von Normen umgehen.

4 Empirische Untersuchung: Präsentiert eine eigene Studie zum Anteil von LinkshänderInnen in den Berufsgruppen Schauspiel und Profitennis.

5 Diskussion: Reflektiert die Ergebnisse der empirischen Studie und setzt sie in den Kontext der theoretischen Hypothesen.

6 Zusammenfassung und Ausblick: Fasst die Erkenntnisse zusammen und plädiert für eine stärkere Akzeptanz der Händigkeit als natürliche Variation.

Schlüsselwörter

Linkshändigkeit, Rechtshändigkeit, Lateralität, Einhändigkeit, Umschulung, Händigkeitstest, Großhirnhälften, Soziologie, Stigmatisierung, SchauspielerInnen, ProfitennisspielerInnen, Ambidextrie, Normalverteilung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Phänomen der Linkshändigkeit, ihren biologischen Ursachen und ihrer gesellschaftlichen Einordnung in einer primär rechtshändig orientierten Welt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit beleuchtet biologische Faktoren, historische und kulturelle Hintergründe der Rechtspräferenz sowie die Auswirkungen der Umschulung und die daraus resultierenden Alltagsprobleme für Linkshänder.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Linkshändigkeit als natürliche Variation darzustellen und zu belegen, dass Linkshänder im Vergleich zu Rechtshändern nicht zwangsläufig benachteiligt sind.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin kombiniert eine theoretische Aufarbeitung von Literatur aus Hirnforschung und Soziologie mit einer eigenen empirischen Untersuchung von SchauspielerInnen und ProfitennisspielerInnen.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in eine biologische Analyse der Händigkeit und eine soziologische Betrachtung des gesellschaftlichen Umgangs mit Abweichungen sowie einer empirischen Datenanalyse.

Welche Schlüsselbegriffe sind entscheidend?

Wichtige Begriffe sind Lateralität, Umschulung, Rechtsorientierung der Gesellschaft, Ambidextrie und die Theorie abweichenden Verhaltens.

Warum wurden Schauspieler und Tennisspieler als Untersuchungsgruppen gewählt?

Diese Gruppen wurden gewählt, da bei SchauspielerInnen eine hohe kreative Hemisphären-Nutzung vermutet wird und im Tennissport spezifische strategische Vorteile für Linkshänder diskutiert werden.

Was schlussfolgert die Arbeit zum Thema Umschulung?

Die Umschulung wird von den meisten zitierten Autoren als massiver Eingriff abgelehnt, da sie keine tatsächliche funktionale Veränderung bewirkt, aber schwere sekundäre psychische Folgen haben kann.

Excerpt out of 122 pages  - scroll top

Details

Title
Linkshänder in einer rechtsorientierten Gesellschaft
College
Technical University of Chemnitz  (Institut für Allgemeine Soziologie II)
Grade
2,0
Author
Steffi Dietz (Author)
Publication Year
2010
Pages
122
Catalog Number
V159559
ISBN (eBook)
9783640723331
ISBN (Book)
9783640723355
Language
German
Tags
Händigkeit Lateralität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Steffi Dietz (Author), 2010, Linkshänder in einer rechtsorientierten Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159559
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  122  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint