Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den beiden Debütromanen Florian Illies. “Generation Golf“ und “Anleitung zum Unschuldigsein“, beförderten den F.A.Z Feuilleton Redakteur zum Pop-Literaten. Der neue Archivismus wie ihn Baßler in seinem Buch “Der deutsche Pop-Roman“ beschreibt, hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, alltägliche Erlebnisse durch einen subjektiven Filter gezogen, zu katalogisieren. Florian Illies beschreibt dem Leser (s)eine Generation anhand von prägenden, kollektiven Erlebnissen in Kindheit und Jugend, wobei er den Slogan einer Werbekampagne der Firma Volkswagen als Titel adaptiert. Sein zweites Werk, die in 23 “Übungen“ eingeteilte “Anleitung zum Unschuldigsein“, formuliert die banalen Schulgefühle, unter w elchen die “Generation Golf“ tagtäglich leiden muss. In trivialen Beispielen legt der Autor das ganz alltägliche, schlechte Gewissen einer Generation offen um es dann zu perfektionieren. „Wenn Generation Golf das Tagebuch einer vergangenen Kindheit und Jugend war, dann ist Anleitung zum Unschuldigsein, die Reise in unser innerstes Absurdistan, in dem uns Gewissensbisse täglich lustvoll quälen.“Die Arbeit soll sich mit der Charakterisierung der, von
Illies dargestellten Generation befassen, die sich zwischen Erholungsanspruch und Erledigungsdruck, Entpolitisierung und Entideologisierung bewegt. Einführend ist es nötig den Begriff Generation soziologisch zu erörtern. Der erste Teil der Arbeit befasst sich somit, mit der Klärung des Begriffs selbst und der Darstellung generationsstiftender Merkmale. Der zweite Teil versucht eine nähere Umschreibung der von Illies dargestellten Generation, anhand der beiden Romane des Autors. Ziel ist, die Grundsätze und Prinzipien heraus zu arbeiten, die für die beschriebene Generation typisch sind. Auf die prägnantesten Merkmale und Symptome, soll im Verlauf der Arbeit näher eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Generation – Begriffsklärung
2.1 Die drei Formen der Generationszugehörigkeit
2.2 Die Definition des Generationsbegriffs nach Karl Mannheim
3. Kurze Vorstellung der bearbeiteten Literatur
3.1 „Woher komme ich. Wohin gehe ich. Und warum weiss mein Golf die Antwort?“
4. Lebensphilosophie und Prinzipien der “Generation Golf“
4.1 Die Schuldgefühle der “Generation Golf“
4.2 Das politische Verständnis der “Generation Golf“
4.3 Die 3-Generationen-Wählertypologie
4.4 Das Ideal der Ästhetik
4.5 Ästhetik kann Politik ersetzen
5. Generationsprägung durch die Vorgängergeneration
5.1 Die Beziehung zur Vorgängergeneration
6. Vorläufer der Pop-Literatur
7. Schluss
8. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Charakterisierung der sogenannten „Generation Golf“ anhand der beiden Debütromane von Florian Illies. Dabei steht die Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Erholungsanspruch, Erledigungsdruck, Entpolitisierung und der Bedeutung von Marken-Ästhetik für diese Generation im Mittelpunkt, wobei auch die soziologische Einordnung des Generationsbegriffs sowie die Abgrenzung zur Vorgängergeneration eine wesentliche Rolle spielen.
- Soziologische Grundlegung des Generationsbegriffs
- Konsumorientierung und Marken-Ästhetik als Identitätsstifter
- Politisches Desinteresse und das Fehlen einer nationalen Identität
- Distanz zur 68er-Generation als kollektives Merkmal
- Der Einfluss von Medien und Alltagskultur auf das Selbstverständnis
Auszug aus dem Buch
3.1 „Woher komme ich?“ Wohin gehe ich? Und warum weiß mein Golf die Antwort?“
Der “Volkswagen“ Golf ist eines der drei Basisprodukte der Generation. Illies verpackt das Lebensgefühl einer Generation in das Werbegerüst einer Automarke, die für diese Generation typisch sein soll. Eine Werbeagentur als Namensgeber einer Generation. Im Verlauf des Erwachsenwerdens spielt der Golf neben Ikea und Playmobil eine große Rolle. Nicht nur das schon im Kindergarten die nettesten Mütter einen Golf fuhren, auch passt sich die Form des Wagens der jeweiligen Lebensabschnitte seiner Fahrer an. Das erste Modell war schlank und windschnittig, das zweite Modell etwas runder, gemütlicher und schließlich der Golf Variant mit ausreichend Platz für Familie und Hund.
Anlässlich des 25. Geburtstages des Autos wurde ein Sondermodel entworfen, dessen Werbestrategie „die Verwenderschaft des Golf als Generation Golf zu codieren“ ...Golffahrer sollen sich über die Wahl ihrer Automarke definieren, sich dadurch einer Generation zugehörig fühlen. „Die Suche nach dem Ziel hat sich erledigt“, so lautet ein Werbeslogan der Kampagne. In ihm sieht der Autor den Leitsatz für das Leben der “Generation Golf“. Der Begriff “Generation Golf“ hat sich bereits bei einigen Literaten und Generationsangehörigen als Generationsbegriff etabliert. „Die Generation Golf ist eine soziologische und kulturelle Tatsache.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Debütromane von Florian Illies und Darlegung der methodischen Vorgehensweise sowie der Zielsetzung.
2. Generation – Begriffsklärung: Soziologische Annäherung an den Generationsbegriff und Abgrenzung durch historische sowie familiäre Zugehörigkeit.
2.1 Die drei Formen der Generationszugehörigkeit: Detaillierte Differenzierung der Generationserfahrungen nach M. von Engelhardt in familiäre, gesellschaftliche und historische Aspekte.
2.2 Die Definition des Generationsbegriffs nach Karl Mannheim: Erörterung der mannheimschen Theorie über die kollektive Ausgangsbedingung einer Generation und die Bedeutung gemeinsamer Problemlagen.
3. Kurze Vorstellung der bearbeiteten Literatur: Analyse der Romane von Florian Illies als „Konsumbiographien“ ohne klassisches Handlungsgerüst.
3.1 „Woher komme ich. Wohin gehe ich. Und warum weiss mein Golf die Antwort?“: Untersuchung des Automobils als Symbol und prägendes Identifikationsmerkmal der Generation.
4. Lebensphilosophie und Prinzipien der “Generation Golf“: Beschreibung der zentralen Lebenshaltung, die durch Narzissmus, Markenfetischismus und Karriereorientierung geprägt ist.
4.1 Die Schuldgefühle der “Generation Golf“: Analyse des kollektiven schlechten Gewissens im Kontext von Wohlstand und der Suche nach einer individuellen Moral.
4.2 Das politische Verständnis der “Generation Golf“: Auseinandersetzung mit dem politischen Desinteresse der Generation und der fehlenden historischen Anbindung.
4.3 Die 3-Generationen-Wählertypologie: Theoretische Betrachtung der politischen Sozialisation und des Einflusses älterer Generationen auf die nachfolgende.
4.4 Das Ideal der Ästhetik: Untersuchung, wie Markenwahl und Ästhetik die Identitätsbildung und das soziale Handeln der Generation steuern.
4.5 Ästhetik kann Politik ersetzen: These zur Verschiebung von politischem Engagement hin zu konsum-ästhetischen Momenten.
5. Generationsprägung durch die Vorgängergeneration: Analyse des Verhältnisses zur Elterngeneration und der Identitätsfindung durch Abgrenzung.
5.1 Die Beziehung zur Vorgängergeneration: Untersuchung der Differenzen zwischen der 68er-Bewegung und der „Generation Golf“ in Bezug auf Politik, Mode und Literatur.
6. Vorläufer der Pop-Literatur: Einordnung der modernen Pop-Literatur in den Kontext historischer Vorläufer wie der Beat Generation.
7. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Generation als konsum-ästhetische Jugendkultur und Ausblick auf künftige politische Entwicklungen.
8. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Generation Golf, Florian Illies, Pop-Literatur, Identitätsbildung, Konsumgesellschaft, Markenfetischismus, Politische Apathie, Soziologie, Ästhetik, 68er-Generation, Generationsbegriff, Lifestyle, soziale Identität, Alltagskultur, Bundesrepublik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen und literarischen Analyse der sogenannten „Generation Golf“, wie sie von Florian Illies in seinen Romanen beschrieben wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten gehören der Konsumstil, das politische Desinteresse, die Bedeutung von Ästhetik für die Identitätsbildung und das distanzierte Verhältnis zur Elterngeneration der 68er.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die für diese Generation typischen Grundsätze und Prinzipien zu erarbeiten und zu hinterfragen, wie sich diese zwischen Erholungsanspruch und politischer Entideologisierung positioniert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine literaturwissenschaftliche Analyse der Texte von Illies mit soziologischen Theorien über Generationen, wie sie von Karl Mannheim und anderen Forschern definiert wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Lebensphilosophien, die Rolle des schlechten Gewissens, das politische Verständnis, die Ästhetisierung des Alltags und den Vergleich mit der vorangegangenen Generation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Generation Golf, Pop-Literatur, Identität, Konsumkultur, politische Apathie und das Spannungsfeld zur 68er-Generation.
Wie bewertet der Autor das Verhältnis der Generation zur Politik?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die „Generation Golf“ ein ausgeprägtes politisches Desinteresse zeigt und Politik eher als störend empfindet, da die Priorität auf dem persönlichen Konsum und dem Lifestyle liegt.
Warum spielt der Markenartikel Golf eine so zentrale Rolle für die Generation?
Der Golf dient als werbliches und kulturelles Symbol, das das Lebensgefühl der Generation verkörpert und Identität sowie Sicherheit durch eine definierte Markenwahl vermittelt.
- Arbeit zitieren
- Julia Hennenberg (Autor:in), 2003, Die Generation Golf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15958