Welchen Beitrag kann transnationale "Civic Education" im Nahen Osten zur Entstehung eines regionalen Bildungsregimes leisten?

Regimetheoretische Perspektiven auf das Projekt „Utilizing Middle Eastern Civic Education as a Leverage for Peace”.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
15 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Das Projekt “Utilizing Middle Eastern Civic Education as a Leverage for Peace“
2.2. Kooperation und theoretische Grundlagen von Regime
2.3. Bildungsregime
2.4. UMECELP im Fokus der Theorie

3. Resümee und Ausblick

4. Bibliographie
4.1. Monographien und Sammelbände
4.2. Zeitschriftenartikel und wissenschaftliche Publikationen
4.3. Internetquellen

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich anhand des Projektes „Utilizing Middle Eastern Civic E- ducation as a Leverage for Peace“ mit der Einordnung kooperativen Handelns innerhalb der Theo- rien der Internationalen Beziehungen. Dabei werden Verstetigung und Institutionalisierung regionaler Kooperation im Nahen Osten unter funktionellen, neoliberal - institutionalistischen, regimetheoretischen Perspektiven und Aspekten untersucht und verdeutlicht. Da der Rahmen die- ser Arbeit begrenzt ist und eine allumfassende Bearbeitung nicht zulässt, ist eine thematische Ein- grenzung angebracht, mit welcher der Verfasser gleichzeitig zum Ausdruck bringen möchte, dass diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Aus diesem Grund wird den interessen- basierten Ansätzen des neoliberalen Institutionalismus gegenüber den machtbasierten und wis- sensbasierten Ansätzen (Neo-Realismus, Konstruktivismus) als Analysemittel Vorrang eingeräumt.

Die Beantwortung der Frage, inwieweit transnationale Civic Education zur Entstehung eines regi- onalen Bildungsregimes im Nahen Osten beitragen kann, ob sie vielleicht nur als ein erster Schritt dahin gewertet werden kann, oder ob ihr Beitrag dazu eher vernachlässigbar ist, ist zentrales An- liegen dieser Arbeit. Problematisch an einer solchen Fragestellung ist, dass theoriegemäß an Re- gimebildungen meistens Staaten als Akteure beteiligt sind. In unserem Fall wird nur geringes Interesse auf die Beteiligung staatlicher Akteure gerichtet, allerdings ist es notwendig, darauf hin- zuweisen, dass bis zur endgültigen Bildung eines Regimes bestimmte qualitative Stufen überwun- den werden müssen. Sollte transnationale Civic Education auch nur zum Erreichen einer oder mehrerer dieser Stufen beitragen können, sieht der Verfasser die Fragestellung als durchaus be- rechtigt an, wobei die zukünftige Entwicklung hier nicht betrachtet werden kann.

Anfangs werden zur Beantwortung der oben aufgeworfenen Fragen die Konzeption des Projektes sowie die beteiligten Akteure deskriptive vorgestellt. Auch soll die hier verwendete Definition von Civic Education aufgezeigt werden. Anschließend daran folgt eine allgemeine theoretische Fundie- rung des Regimebegriffs, welche im darunter subsumierten Begriffs ‚Bildungsregime‘ seine Fort- setzung findet. Ziel dabei ist es, dem Leser einerseits das Projekt und dessen Handlungsrahmen zeitlich vor der Theoretisierung zu präsentieren, um induktives1 Wissen über den zu betrachtenden Gegenstand zu generieren und andererseits es ihm mithilfe theoretischer Aspekte zu ermöglichen, die danach folgende Behandlung der Fragestellung mittels deduktiven2 Wissens nachvollziehen zu können.

2. Hauptteil

2.1. Das Projekt “Utilizing Middle Eastern Civic Education as a Leverage for Peace“

Das Projekt, für welches im Folgenden die Abkürzung UMECELP verwendet wird, wurde im Ap- ril 2007 gestartet. Dem vorangegangen war ein gemeinsamen Antrag verschiedener Akteure aus Israel (Shaar Hanegev High School)4, den palästinensischen Autonomiegebieten (Palestinian Hou- se for Professional Solutions (HPS))5 und Jordanien (Amman Centre for Peace and Development (ACPD))6 im Länderbüro Israel der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zur Weiterführung eines bereits bestehendenden, die drei Länder betreffenden, transnationalen Civic Education Programms. Alle genannten Akteure hatten vorher schon als Partner der Hamline - Universität aus Saint Paul in Minnesota und der ihr verbundenen NGO „College for Reconcilation and Development“ an einem ähnlichen Projekt teilgenommen,7 welches im Jahr 2007 beendet gewesen war.3

Ausgangspunkt jeglicher Kooperation zwischen den genannten Projektpartnern war und ist der - trotz jahrelanger Annäherungsversuche und den gleichzeitigen Rückschlägen diesbezüglich - an- haltende kulturelle und religiöse Konflikt im Nahen Osten. Ziel von UMECELP ist es daher, zwi- schen arabischen Gesellschaften und der israelischen Gesellschaft mit Augenmerk auf Friedenssicherung und regionaler Gesamtstabilität zu vermitteln. Zu Beginn der Zusammenarbeit standen der KAS, welche die Interessenlage des Projekts mit dem ihr eigenen Stiftungswillen zu verbinden weiß8, die finanziellen Mittel nicht zur Verfügung, ein solches Projekt, welches das Hauptaugenmerk auf die Vermittlung demokratischer Werte wie Toleranz, Reziprozität, Gleich- heit und Frieden richtet, finanziell zu tragen. Die daraufhin beantragten finanziellen Mittel, wurden seitens der Europäischen Kommission im Rahmen des „EU Partnership for Peace“ Programms bewilligt und UMECELP konnte als Folgeprojekt beginnen. Die Europäische Kommission über- nahm dabei 80% (499.545 €) und die KAS Israel die restlichen 20% (124.886 €) der Gesamtkos- ten.

Allgemeines Interesse aller Beteiligten war die Etablierung nachhaltigen, gegenseitigen Vertrauens zur Wiedereinführung des Friedensprozesses, welche zu einem Wandel im Bewusstsein und Ver- halten der Gesellschaftsteilnehmer und langfristig zu einem politischen Strukturwandel führen soll. Das spezifische Entwurfsziel von UMECELP war die Etablierung von Werkzeugen und Mecha- nismen im Bereich Bildung, da dieses Politikfeld den low politics9 zuzuordnen ist und die Souve- ränitäts- und Sicherheitsaspekte der Staaten nur marginal berührt. Umgesetzt wurde UMECELP dadurch, dass in 15 israelischen, palästinensischen (inklusive Gaza) und jordanischen Schulen insgesamt 88 Lehrer durch 3 Trainer gemeinsam in Methoden der Friedens- und Demokratieerzie- hung ausgebildet wurden, welche ein vorher ausgearbeitetes Curriculum (welches ursprünglich vom „College for Reconcilation and Development“ ausgearbeitet und nur leicht modifiziert wurde) an die Schüler der teilnehmenden Schulen10 vermittelten. Die Methoden konzentrierten sich inhalt- lich auf i) Gleichheit und Gleichberechtigung, ii) Toleranz, iii) Recht, Gerechtigkeit und Rechts- staatlichkeit, iv) aktive Bürgerrolle.11 Insgesamt wurden dann ca. 2600 Schüler mit dem Curriculum erreicht. Das Projekt war auf 2 Jahre angelegt, wurde allerdings aufgrund des Gaza- krieges 2008 / 2009 um 3 Monate verlängert.

Die Struktur des Projektes gründete auf dezentralisierter, transnationaler Kooperation, wobei die KAS Israel das Projektmanagement darstellte und die 3 regionalen Akteure (Shaar Hanegev High School, HPS und ACPD) die Verantwortung bei der Auswahl der Schulen und der Evaluation für ihren jeweiligen Länderbereich übernahmen. Die Ausbildung der Lehrer fand weitgehend auf neutralem türkischem Boden statt, weil sich die Visa- Regelungen als einfacher erwiesen. Auf- grund einer im Vergleich zum deutschen Bildungssystem weitgehenden Schulautonomie kann die Shaar Hanegev High School als eigenständiger Akteur agieren, insofern Genehmigungen vom is- raelischen Bildungsministerium vorliegen.12 Die Auswahl der Schulen durch die Projektpartner erfolgte unter dem pragmatischen Gesichtspunkt, hauptsächlich Schulen einzubinden, die sich nach Projektabschluss weiterhin Civic Education leisten wollen und können. Die israelischen Schulen gehören größtenteils dem staatlich allgemeinen Bereich an, die palästinensischen und jor- danischen Schulen sind vorrangig christliche Privatschulen mit teilweise muslimischer Schüler- schaft.13 Im Laufe des zweiten Projektjahres konnten allerdings sowohl in Jordanien als auch in Palästina staatliche Schulen zur Mitarbeit bewogen werden, die notwendigen ministerialen Ge- nehmigungen wurden erteilt.14

[...]


1 Anm. des Verfassers: Induktiv - Vom Besonderen (Projekt) gelange man zum Allgemeinen (Theorie).

2 Anm. des Verfassers: Deduktiv - Vom Allgemeinen (Theorie) gelange man zum Besonderen (Projekt).

3 Alle Fakten und Zahlen dieses Kapitels bzgl. UMECELP, wenn nicht anders angegeben, siehe: Partnership, S. 3 ff. Viele Detailinformationen liegen dem Verfasser aufgrund seiner Mitarbeit am Projekt vor, welche nicht in jedem Fall zitiert werden können.

4 Siehe unter: Shaar Hanegev High School (homepage).

5 Siehe unter: Palestinian House for Professional Solutions (homepage). Die palästinensischen Autonomiegebiete wer- den im Folgenden der Einfachheit halber mit Palästina bezeichnet. Der Verfasser distanziert sich ausdrücklich davon, damit eine etwaige Position zu Existenzrechten im Nahen Osten zu nehmen. Dies ist nicht Gegenstand dieser Arbeit.

6 Siehe unter: Amman Center for Peace and Development (Sekundärinformationen).

7 Vgl. deren Initiative: College for Reconcilation and Development (homepage).

8 Vgl. dazu: Konrad - Adenauer - Stiftung, Über uns, Leitlinien.

9 Vgl.: Interdependenz, S.101 f.

10 Die Namen der teilnehmenden Schulen lauten: Shaar Hanegev High School (Israel), Dror High School (Israel), Geon Hayarden High School (Israel), Schmidtschule (Ostjerusalem), Sawahreh High School (Ostjerusalem), Ecole Des Freres (Bethlehem), Ahliyye High School (Ramallah), Birzeit High School (Birzeit, Ramallah), UNRWA Rimal Prep Boy School (Gaza), UNRWA Rimal Prep Girls School (Gaza), Hesban Secondary School (Jordanien), Savior Episcopal Secondary School (Jordanien), Church of Nazarene School (Jordanien), Latin Secondary School (Jordanien), Sweileh Secondary School (Jordanien). Vgl. dazu: Demokratiebildung, S.87.

11 Vgl.: Demokratiebildung, S. 87f.

12 Vgl.: ebd. S. 14 ff.

13 Vgl.: ebd. S. 87.

14 Die teilnehmenden Schulen sind dem Verfasser aufgrund seiner Mitarbeit am Projekt bekannt, werden aber wegen nötiger Sicherheitsbedenken nicht genannt. Grund ist folgender: Ein lokaler Arm des zuständiges Erziehungsministe- riums in Palästina hat auf Umwegen eine indirekte Genehmigung zur Teilnahme einer staatlichen Schule in einem politisch brisanten, geographischen Gebiet Palästinas erreicht. Gleiches gilt für die Partnerorganisation in Gaza und

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Welchen Beitrag kann transnationale "Civic Education" im Nahen Osten zur Entstehung eines regionalen Bildungsregimes leisten?
Untertitel
Regimetheoretische Perspektiven auf das Projekt „Utilizing Middle Eastern Civic Education as a Leverage for Peace”.
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Politikwissenschaft - Lehrstuhl für Internationale Beziehungen)
Veranstaltung
Internationale Organisationen und Internationale Regime
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V159607
ISBN (eBook)
9783640730841
ISBN (Buch)
9783640731138
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Civic Education, Israel, Jordanien, Palästinensische Autonomiegebiete, Regimetheorie, Prinzipien, Normen, Regeln, Verfahrensprozeduren, Civic Education as a Leverage for Peace, Bildungsregime, Neoliberaler Institutionalismus, Internationale Kooperation, Martin Gliemann, Nahostkonflikt
Arbeit zitieren
Martin Gliemann (Autor), 2010, Welchen Beitrag kann transnationale "Civic Education" im Nahen Osten zur Entstehung eines regionalen Bildungsregimes leisten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159607

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