Die Vor- und Nachteile des fibelfreien Anfangsunterrichts


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was bedeutet „fibelfreier Anfangsunterricht“?

3 Thesen zum fibelfreien Anfangsunterricht
3.1 Das Kind rückt als Medium in den Vordergrund pädogisch- didaktischen Wirkens
3.2 Freie und eigene Texte der Kinder haben eine hohe Alltagsrelevanz
3.3 Im fibelfreien Unterricht wird Lesen und Schreiben als lebendiger Austausch in der Gruppe erfahren
3.4 Der Schüler kann sich mit der Anlautmethode von Anfang die gesamten Bestandteile der Schriftsprache erschließen
3.5 Die Anlautmethode stellt hohe Ansprüche an die kognitiven und sprach-analytischen Fähigkeiten der Kinder
3.6 Schüler mit ungünstigen Lernvoraussetzungen müssen sich in der fibelfreien Methode besonderen Anforderungen stellen
3.7 Freies Arbeiten erfordert einen hohen Arbeitsaufwand für den Lehrer

4 Resümee - Fibelkrieg auf den Schultern der Schüler?

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Karikatur zum Fibelunterricht

Abb. 2: Anlauttafel nach Reichen

Abb. 3: Ausschnitt Bausteine-Fibel

1 Einleitung

„Vielleicht muss man hier noch etwas umste- cken… .“ Die Karikatur in Abbildung 1 verdeut- licht die Kritik der Vertreter des fibelfreien An- fangsunterrichts, die diese an die fibelgestützte Methodik richten. Nicht der Schüler selbst stehe mit seinen individuellen Prädispositionen im Vordergrund und wird dementsprechend auch mit einer darauf abgestimmten Unterrichtsme- thodik in seinem Lernprozess unterstützt. An diese Stelle rücke stattdessen eine Anpassung des Schülers an das vorgegebene Schulbuch. In der Konfrontation von Befürwortern der fibelfreien Methode und den Unterstützern des fibelgebundenen Unterrichts in der Fachliteratur, insbesondere in Fachzeitschriften, zeigen sich teilweise unüberbrückbare Gegensätze. Beide Seiten stehen sich dabei dogmatisch gegenüber. Oft sind die jeweils entgegengesetzten Methoden mit Vorurteilen belastet. So wird zum Teil der fibelgebundene Unterricht mit einem lehrerzentrierten und abspulenden Unterricht gleichgesetzt und der fibelfreie Anfangsunterricht mit einem offenen, modernen, kindgemäßen und entdeckenden Unterricht assoziiert. Anzumerken ist dabei aber auch, dass auf beiden Seiten in der Unterrichtspraxis das Gegenbeispiel existieren kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Karikatur zum Fibelunterricht Brügelmann, H. (a): Kinder auf dem Weg zur Schrift, Libelle Verlag, Bottighofen, 2000, S. 198.

Weiterhin fällt auf, dass oftmals von beiden Sichtweisen die gleichen Aspekte aus einer anderen Perspektive herausgegriffen werden, um die Vorteile der jeweils unterstützten Methodik zu begründen. Auch werfen sich beide Seiten vor, ihre Methoden realitätsfremd zu verteidigen oder auch ungenügende empirische Grundlagen für ihre Argumentation zu nutzen.

Im Rahmen dieser Arbeit konzentrieren sich die Verfasserinnen auf den fibelfreien Anfangsunterricht und beleuchten seine Vor- und Nachteile. Es werden Thesen formuliert, die sich aus der Auseinandersetzung der Methodiker ergeben. Die gegensätzlichen Auffassungen werden in diesen Kontext ebenso eingearbeitet wie die Zusammenhänge mit fachdidaktischen, pädagogischen und psychologischen Aspekten.

2 Was bedeutet „fibelfreier Anfangsunterricht“?

Der fibelfreie Unterricht versteht sich im Kontext von Forschungen zum Schriftspracherwerb als Antwort auf die geänderten Rahmenbedingungen in der Grundschulpädagogik, die sich unter anderem in wachsenden Unterschieden in der vorschulischen Förderung, in der Konkurrenz des Unterrichts zu Unterhaltungsmedien und in den Auswirkungen von sozialen Ungleichheiten äußern.1

Auf der Basis des Stufenmodells zum Schriftspracherwerb geht der fibelfreie Anfangsun- terricht davon aus, dass Lesenlernen einem Entwicklungsprozess mit qualitativ unter- schiedlichen Verarbeitungsstrategien folgt. Zusammen mit Reformansätzen zur Individua- lisierung und zum offenen Unterricht, einer Orientierung an den Interessen der Schüler, einer verstärkten Handlungsorientierung und einer Orientierung an diesem individuellen Entwicklungsprozess gestaltet der fibelfreie Anfangsunterricht das Lesenlernen.2

„Fibelfreier Anfangsunterricht“ bildet nicht die Überschrift für ein einziges Lehrverfahren. In der Literatur sind mehrere Methoden zu finden, die sich auch in ihren Prämissen überschneiden. Die beiden meist genannten sind der Spracherfah- rungsansatz nach Brügelmann und das Prinzip Lesen durch Schreiben nach Reichen. Sie existie- ren in der Praxis in individuell durch die Lehrkräfte abgewandelten Formen. Bei beiden Methoden be- stimmt die individuelle Lernentwicklung der Schüler das Lerntempo und die Reihenfolge der Lernziele.3

Der Spracherfahrungsansatz integriert verschiede- ne Methoden.4 Im Vordergrund steht dabei die kommunikative Funktion des Schriftspracherwerbs, der durch den Schriftgebrauch erfolgt. Um den Be- zug von Lesen und Schreiben herzustellen, sollen eine ausgeprägte Vorlesekultur herrschen und freie Texte von Anfang an verschriftet und angeboten werden. Wörter und Texte der Kinder, die in Eigen- fibeln5 eingefasst werden können, dienen dem ge- meinsamen Aufbau eines Grundwortschatzes. Die Buchstaben werden mithilfe des „Buchstaben der Woche“ sowie dem parallelen Arbeiten mit einer Anlauttafel (siehe Abbil- dung 2, Seite 2) eingeführt.6 In Anlauttafeln oder Anlauttabellen wird ein Laut (Phonem) seinem Schriftzeichen (Graphem) zugeordnet, indem mit einem bildlich dargestellten Re- ferenzwort verglichen wird, das diesen Laut in seinem Anlaut enthält. Ein Wort kann so Phonem für Phonem und anschließend Graphem für Graphem zusammengesetzt wer- den.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Anlauttafel nach Reichen Buck, S.: Fibel und Schriftspracherwerb heute, S. 379, in: Grömminger, A. (Hrsg.): Geschichte der Fibel, Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissen- schaften, Frankfurt am Main, 2002, S. 367 - 389.

Hinsichtlich der Rechtschreibnorm werden beim Spracherfahrungsansatz orthografische Modellwörter gesammelt, ein Anspruch auf Richtigkeit bei veröffentlichten Texten aufge- stellt und Anregungen zur Selbstkontrolle, wie zum Beispiel durch Wörterbücher, gege- ben. Wochenpläne, Freiarbeit und Themenprojekte bilden den Rahmen des Unterrichts.8

Lesen durch Schreiben soll die Kinder vom freien Verschriften zum Lesen führen.9 Die Anlauttafel ist dafür im Werkstattunterricht das zentrale Hilfsmittel. Von Anfang an stehen alle Buchstaben zur Verfügung und die Kinder können sich aussuchen, welche Wörter sie aus ihrem Umfeld auflautierend schreiben wollen. Das Lesen soll zuerst vermieden wer- den, da davon ausgegangen wird, dass das häufige Verschriften automatisch zum Lesen führt. Diese lautgetreue Verschriftung wird bis zur zweiten Klassenstufe angewendet, wo- bei Rechtschreibfehler vorerst nicht korrigiert werden. Bei Lesen und Schreiben steht ins- gesamt das selbstgesteuerte Lernen als lernpsychologisches Prinzip im Vordergrund.10

Anzumerken sei auch noch, dass fibelfrei nicht immer mit der Verbannung der Fibel aus dem Klassenraum gleichgesetzt werden muss. Es bedeutet eher, dass die Fibel nicht als ausschließliches und bestimmendes Erstlesewerk betrachtet wird. So kann die Fibel zum Beispiel beim Spracherfahrungsansatz als eines von vielen Büchern zum Lesen eingesetzt werden.11 Auch die Anlauttafel ist nicht allein dem fibelfreien Anfangsunterricht zugeordnet. Sie übernimmt ebenfalls die Funktion der Anleitung und Erinnerungsstütze und wird auch fibelbegleitend oder als „Fibelöffner“12 gesehen.13

[...]


1 Vgl. Topsch, W. (a): Grundkompetenz Schriftspracherwerb, Beltz Verlag, Weinheim, Basel, 2005, S. 66.

2 Vgl. ebenda, S. 91f.

3 Vgl. Schründer-Lenzen, A.: Schriftspracherwerb und Unterricht, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2009, S. 128ff.

4 Vgl. Topsch, W. (a): a.a.O., S.65.

5 Eigenfibeln sind Lesewerke, die individuell entweder von Schülern oder Lehrern erstellt werden. Sie berücksichtigen die speziellen Lernvoraussetzungen und Bedürfnisse der Schüler. (Vgl. Rabel, M.: Die Eigenfibel im Erstleseunterricht, S. 13, in: Grundschulmagazin, 71. Jg. , 3-4/2003, S. 13 - 16)

6 Vgl. Schründer-Lenzen, A.: a.a.O., S. 128ff.

7 Vgl. Topsch, W. (a): a.a.O., S. 68

8 Vgl. Schründer-Lenzen, A.: a.a.O., S. 128ff.

9 Vgl. Schenk, Ch.: Lesen und Schreiben lernen und lehren, Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler, 2007, S. 125.

10 Vgl. Schründer-Lenzen, A.: a.a.O., S. 128ff.

11 Vgl. Meiers, K.: Vorüberlegungen zum Einstieg in den Lese-Erstunterricht, S. 28, in: Bergk, M.; Meiers, K. (Hrsg.): Schulanfang ohne Fibeltrott, Klinkhard, Bad Heilbrunn, 1984, S. 27 - 37.

12 Schründer-Lenzen, A.: a.a.O., S. 73.

13 Vgl. ebenda, S. 73

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Vor- und Nachteile des fibelfreien Anfangsunterrichts
Hochschule
Universität Erfurt  (Erziehunsgwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Kindliche Sprachentwicklung, Schriftsprache, Kinderliteratur und Neue Medien
Note
1,0
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V159623
ISBN (eBook)
9783640724529
ISBN (Buch)
9783640724857
Dateigröße
1364 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Deutsch, Lehramt, Fibel, fibelfrei, Anfangsunterricht, Deutschunterricht, Unterricht, 1. Klasse, Grundschule, Grundschulpädagogik, Grundschullehramt
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Die Vor- und Nachteile des fibelfreien Anfangsunterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159623

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