Wie schafft es eine Stadt, Soziale Arbeit in der Schule so einzusetzen, dass marginalisierte soziale Gruppen ihre Lebenswelten erweitern und damit auch ihre Lebensperspektiven? Wie verändert sich bei entsprechendem sozialen Engagement das Stadtbild in den sogenannten Problembezirken?
Die für diese Arbeit relevante Literatur ist per Internetrecherche leicht zu erschliessen und gliedert sich in vier Teilbereiche: in sozialphilosophische Schriften mit empirischem Hintergrund, wobei hier die Arbeit von Pierre Bourdieu am ausführlichsten behandelt wurde, in Literatur zu Stadtraum und Sozialraum, in Schriften zur Entwicklungspsychologie von Kindern und in Literatur zur Sozialen Arbeit.
Diese Arbeit ist folgendermassen aufgebaut. Der Hauptteil dieser Arbeit besteht aus den Kapiteln 2 bis 5. Kapitel 2 widmet sich dem Thema der Segregation. Kapitel 3 geht auf das Thema Sozialisation und Entwicklungsgeschichte von Kindern ein. Kapitel 4 verfolgt die besonderen Herausforderungen für die Kinder in benachteiligten Quartieren bei der Bewältigung der vier zentralen Entwicklungsaufgaben Binden, Konsumieren, Partizipieren und Qualifizieren. Kapitel 5 behandelt Wege der Sozialen Arbeit in diesen urbanen Brennpunkten, den dort lebenden Kindern notwendige Aneignungsprozesse für ihre positive Persönlichkeitsentwicklung zu er-möglichen. Dem Hauptteil schliesst sich der Schlussteil dieser Arbeit an. In ihm wird konkret und prägnant die zentrale Frage dieser Arbeit beantwortet. Darüber hinaus zieht die Autorin ein Fazit aus den gewonnenen Erkenntnissen sowie nennt Perspektiven für die Soziale Arbeit und ihr persönliches Engagement.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Fragestellung und Zielsetzung
1.2 Methodisches Vorgehen und Aufbau
2 Segregation und benachteiligte Quartiere
2.1 Bedeutung von Segregation, Entstehung und Ursachen
2.2 Merkmale benachteiligter Quartiere
2.3 Milieu und Habitus
2.4 Zusammenfassung des Kapitels
3 Sozialisation und Entwicklungsaufgaben von Kindern
3.1 Sozialisation
3.2 Entwicklungsaufgaben
3.3 Die Bedeutung des Sozialraums für das Aufwachsen
3.4 Die Bedeutung von Aneignungsprozessen für die Entwicklung – Sozialräumliche Modelle zur Aneignung von Räumen
3.5 Zusammenfassung des Kapitels
4 Chancen und Herausforderungen für die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben
4.1 Entwicklungsaufgabe Binden
4.2 Entwicklungsaufgabe Qualifizieren
4.3 Entwicklungsaufgabe Konsumieren
4.4 Entwicklungsaufgabe Partizipieren
4.5 Zusammenfassung und kritischer Diskurs
5 Mögliche Rolle der PSA zur Unterstützung gelingender Aneignungsprozesse
5.1 Handlungsfelder der Sozialen Arbeit
5.2 Möglichkeiten auf verschiedenen Ebenen
5.3 Das Beispiel Offene Arbeit mit Kindern
6 Schlussfolgerungen und Erkenntnisse
6.1 Beantwortung der Fragestellung
6.2 Fazit und weiterführende Überlegungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern das Aufwachsen von Kindern in benachteiligten Quartieren deren Entwicklung beeinflusst und wie die Soziale Arbeit dabei unterstützend wirken kann, um die Bewältigung entwicklungspsychologischer Anforderungen zu fördern.
- Zusammenhang von Segregation und sozialer Ungleichheit
- Entwicklungsaufgaben im Kindesalter und deren Abhängigkeit vom Sozialraum
- Aneignungsprozesse als Grundlage für die Persönlichkeitsentwicklung
- Rolle der Sozialen Arbeit durch Methoden der Offenen Arbeit und Schulsozialarbeit
Auszug aus dem Buch
4.2 Entwicklungsaufgabe Qualifizieren
Carla lebt in einem benachteiligten Quartier. Sie ist die Tochter eines Langzeitarbeitslosen, der Alkoholiker geworden ist, und einer depressiven, co-abhängigen Mutter, die ihren Mann niemals verlassen würde. Carla träumt vom Tanzen, aber sowohl Tanzschule als auch Tanzstudio liegen ausserhalb ihres Quartiers. Beides kostet Geld, aber Carla fragt nicht mal ihre Eltern, sie dorthin zu bringen, denn sie kennt die Folgen der psychischen Krankheiten ihrer Eltern: Sie sind emotional unzuverlässig und nicht konsequent handlungsfähig. Die Mutter verlässt ja nicht einmal die Wohnung, ausserdem hat der Vater den Führerschein wegen Alkohol am Steuer verloren.
Carla ist acht Jahre alt. Die Tanzfilmserie Anna ist ihre Lieblingsserie. Auf dem alten Computer der Familie sieht sie sich diese im Internet an, in der Mediathek des deutschen Fernsehens. Während der Vater seinen Rausch ausschläft und die Mutter fernsieht, tanzt sie im Kinderzimmer, das sie sich mit ihrem kleinen Bruder teilen muss, obwohl die Wohnung nicht zu klein für zwei Kinderzimmer wäre. Aber der Raum, der für Anna optimal wäre, wird von ihrer Mutter als Wäsche- und Bügelzimmer genutzt. Hier stapelt sich die Wäsche, da die psychisch kranke Mutter mit dem Haushalt nicht hinterherkommt. Die ganze Wohnung sieht verwahrlost aus. Sehr oft muss Carla Erwachsenenarbeit verrichten: dem Bruder Essen machen, aufräumen, den Boden saugen und Wäsche in die Waschmaschine füllen. Dann bleibt keine Zeit zum Lernen, und das kann sie ohnehin nur dann, wenn ihr kleiner Bruder nicht im Kinderzimmer ist, alle anderen Räume in der Wohnung sind ja belegt. Die unberechenbaren Eltern nehmen ihr ausserdem die Ruhe zur Konzentration.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik sozialer Segregation in Städten ein und begründet die Relevanz der Untersuchung für die Soziale Arbeit.
2 Segregation und benachteiligte Quartiere: Dieses Kapitel definiert Segregation als räumliche Konzentration sozialer Ungleichheit und beleuchtet die Entstehung benachteiligter Quartiere sowie die Rolle von Milieu und Habitus.
3 Sozialisation und Entwicklungsaufgaben von Kindern: Hier werden die theoretischen Grundlagen zur Sozialisation sowie das Konzept der Entwicklungsaufgaben und die Bedeutung von Aneignungsprozessen im Sozialraum erörtert.
4 Chancen und Herausforderungen für die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben: Anhand von vier Fallbeispielen werden die spezifischen Hürden analysiert, die benachteiligte Quartiere für die Bewältigung zentraler Entwicklungsaufgaben mit sich bringen.
5 Mögliche Rolle der PSA zur Unterstützung gelingender Aneignungsprozesse: Dieses Kapitel widmet sich den Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit sowie praktischen Interventionsmöglichkeiten, insbesondere am Beispiel der Offenen Arbeit.
6 Schlussfolgerungen und Erkenntnisse: Die Arbeit schließt mit einer Beantwortung der Ausgangsfrage und einem Fazit, das die Notwendigkeit von Engagement und Sensibilität in der professionellen Arbeit betont.
Schlüsselwörter
Soziale Segregation, benachteiligte Quartiere, Entwicklungsaufgaben, Soziale Arbeit, Aneignungsprozesse, Sozialraum, Sozialisation, Kindheit, Habitus, Milieu, Chancengleichheit, Bildungsbarrieren, Schulsozialarbeit, Offene Arbeit, soziale Mobilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Aufwachsens in benachteiligten, segregierten Wohnquartieren auf die Entwicklung von Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen soziale Segregation, die Theorie der Entwicklungsaufgaben, sozialräumliche Aneignungsprozesse sowie die Rolle und Handlungsfelder der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Kinder in benachteiligten Quartieren in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden und wie pädagogische Interventionen der Sozialen Arbeit diese Prozesse stützen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die sozialphilosophische und entwicklungspsychologische Ansätze (wie die von Pierre Bourdieu, Robert J. Havighurst und Klaus Hurrelmann) mit aktuellen Erkenntnissen zur Stadtsoziologie und Sozialen Arbeit verknüpft.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert anhand von Fallbeispielen vier zentrale Entwicklungsaufgaben – Binden, Qualifizieren, Konsumieren und Partizipieren – unter den erschwerten Bedingungen sozialer Benachteiligung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Segregation, Sozialraum, Habitus, Aneignungsprozesse und die verschiedenen Ebenen (Mikro, Meso, Makro) der Sozialen Arbeit.
Welche Rolle spielt der Begriff "Habitus" in dieser Analyse?
Der Habitus, basierend auf Pierre Bourdieu, dient dazu zu erklären, wie soziale Ungleichheit verinnerlicht wird und warum Kinder aus benachteiligten Milieus spezifische Schwierigkeiten bei der Erfüllung bildungsbezogener Erwartungen haben.
Wie unterscheidet sich das Zonenmodell vom Inselmodell?
Während das Zonenmodell von einer stufenweisen Erweiterung des Lebensraums ausgeht, betont das Inselmodell von Zeiher die funktional getrennten, isolierten Räume, zwischen denen Kinder kaum zusammenhängende Erfahrungen machen.
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- Anonym (Autor:in), 2021, Schulsozialarbeit in der Schweiz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1596523