Preisstabilität und Wachstum


Seminararbeit, 2008
19 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

A. Inflation und Wachstum
1. Die Phillips-Kurve
2. Empirische Analysen
3. Inflationskanäle
4. Erwartungen

B. Disinflation und Wachstum
1. variable NAIRU
2. strukturelle Arbeitslosigkeit
3. Hyteresis und Wachstum
4. Sacrifice Ratio

Anhang

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Hauptaufgabe der Europäischen Zentralbank ist die Gewährleistung der Preisstabilität im Euroraum. Die EZB sieht in der Preisstabilität eine wichtige Vorraussetzung für nachhaltiges Wirtschaftswachstum[1].

Vor den siebziger Jahren ging der Konsens über die Beziehung zwischen Preisstabilität und Wachstum in eine andere Richtung. Dieser Konsens basierte auf dem, durch Phillips begründeten, Trade-off zwischen Inflation und Wachstum. Politische Entscheidungsträger sahen sich, unter Duldung einer höheren Inflation, in der Lage das Beschäftigungsniveau und Wirtschaftswachstum zu erhöhen. Eine expansive Geld- und Fiskalpolitik war die Folge dieser Überzeugung. Es folgte in den siebziger Jahren eine Zeit mit hoher Inflation und geringem Wirtschaftswachstum (siehe Abbildung 1 im Anhang). Diese Zeit widersprach der Theorie von Phillips und deutete auf einen Zielkonflikt zwischen Inflation und Wirtschaftswachstum hin.

Die Beziehung zwischen Inflation und Wachstum ist Gegenstand vieler Debatten und empirischer Untersuchungen, die bis Dato noch zu abweichenden Ergebnissen führen. Diese Arbeit widmet sich der kontrovers diskutierten Beziehung zwischen Inflation und Wachstum.

Kapitel A beschäftigt sich mit dem, durch die Philips-Kurve begründeten, Trade-off zwischen Inflation und Wachstum. Ergebnisse empirischer Analysen werden herangezogen um die Wirkung von Inflation und Preisstabilität auf das Wirtschaftswachstum zu untersuchen. Zusätzlich werden konkrete Mechanismen beschrieben, durch die sich eine höhere Inflation negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken kann.

Kapitel B diskutiert kritisch die Strategie der Preisstabilität und der damit verbundenen Disinflation. Es werden mögliche Kosten aufgezeigt, die sich negativ auf die Beschäftigung auswirken und das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen können.

Das Fazit fasst die Ergebnisse der einzelnen Abschnitte zusammen und beinhaltet eine persönliche Stellungnahme.

A. Inflation und Wachstum

1. Die Phillips-Kurve

A.W. Phillips untersuchte 1958 den Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und Änderungsrate der Nominallöhne im Vereinigten Königreich für den Zeitraum 1861-1957. Das Ergebnis seiner Untersuchung zeigt, dass die Nominallöhne und die Arbeitslosenquote in einem Trade-off stehen[2]. Der ständige Trade-off zwischen Inflation einerseits und Arbeitslosigkeit sowie Wachstum andererseits impliziert, dass wirtschaftliche und politische Verantwortungsträger scheinbar zwischen hoher Inflation und hohem Wachstum wählen können. Sätze wie: „ Lieber 5% Inflation als 5% Arbeitslosigkeit“[3] verdeutlichen dies. Ein hohes, durch Inflation erreichtes, Beschäftigungsniveau hat positive Auswirkungen auf den Konsum. Durch positive Multiplikator-Effekte würde sich dies positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Ein weiterer, die Theorie unterstützender Aspekt ist Verteuerung der Geldhaltung. Eine mit der Inflation verbundene Verteuerung der Geldhaltung zwingt Wirtschaftssubjekte ihr „unproduktives“ Kapital durch Investitionen in Sachkapital umzuwandeln. Dies erhöht die Kapitalausstattung pro Kopf und fördert das Wirtschaftswachstum.[4]

Die Theorie von Phillips bietet aber auch Ansatzpunkte zur Kritik. Kurzfristig kann ein nicht antizipierter Inflationsschub aufgrund von Lohn- und Preisrigiditäten einen positiven Effekt auf die Beschäftigung und in Folge dessen auf das Wirtschaftswachstum haben. Eine dauerhaft hohe Inflation, die das Wirtschaftswachstum fördern soll, wird sich jedoch langfristig auch in den Erwartungen der Wirtschaftssubjekte widerspiegeln. Um nicht an Realeinkommen einzubüßen werden die Inflationserwartungen in die Lohnforderungen integriert. Die höheren Löhne werden dann von den Unternehmern in höhere Preise überwälzt. Die Inflationserwartungen der Akteure und die Überwälzung der Löhne in die Preise lösen eine Lohn-Preis-Spirale aus. Löhne und Preise steigen gleichzeitig im gleichen Maß an. Maßnahmen zur Förderung des Wachstums, wie beispielsweise eine expansive Geldpolitik, werden lediglich zu einem höheren Preisniveau führen und haben keine realwirtschaftlichen Effekte. Die langfristige Philips-Kurve ist vertikal.[5] Der positive Zusammenhang zwischen Inflation und Wachstum ist langfristig nicht gegeben.

Diese Kritik stützt auch die Zeit der hohen Inflationsraten in den siebziger Jahren. Diese Zeit war in Europa durch hohe Inflationsraten und geringes Wirtschaftswachstum geprägt. Möglicherweise gibt es einen negativen Zusammenhang zwischen Inflation und Wachstum, welcher auch die Preisstabilität als oberstes Ziel der Europäischen Zentralbank und allgemein geldpolitischer Strategien erklären würde. Der Zusammenhang zwischen Inflation und Wirtschaftswachstum ist Gegenstand vieler empirischer Untersuchungen, die im nächsten Abschnitt behandelt werden.

2. Empirische Analysen

Die negativen Effekte einer Hyperinflation auf das Wirtschaftswachstum wird kaum jemand bestreiten. Dies verdeutlicht auch die Untersuchung von Bruno und Easterly. Gegenstand der Untersuchung ist das Wirtschaftswachstum von 26 Ländern vor, während und nach 36 kurzfristigen Hochinflationskrisen (Inflation > 40%). Das Ergebnis zeigt, dass zunächst das Wirtschaftswachstum in den Inflationskrisen zusammenbricht. Nach der Krise erhöht sich das Wirtschaftswachstum und tendiert zu der Wachstumsrate vor der Krise[6]. Diese Erfahrung machte auch Deutschland im Jahr 1923. Eine zunächst durch Geldmengenwachstum verursachte Inflation entwickelte sich aufgrund des zunehmenden Vertrauensverlustes der Menschen in die Währung und der damit verbundenen extrem hohen Umlaufgeschwindigkeit in eine Hyperinflation. Dieser Prozess endete mit dem vollständigen Funktionsverlust des Geldes.

Umstrittener sind jedoch die Effekte einer moderaten Inflation (Inflation<40%) auf das Wachstum. Eine mögliche Untersuchungsform um den Zusammenhang zwischen Inflation und Wirtschaftswachstum zu erforschen sind Regressionsanalysen. Eine Regressionsanalyse ist ein statistisches Analyseverfahren, das die Beziehung zwischen zwei Variablen feststellt. Diese Regressionsanalysen untersuchen im vorliegenden Fall die Beziehung zwischen Inflation und Wirtschaftswachstum. Der Zusammenhang zwischen Inflation und Wachstum ist abhängig von vielen Determinanten, die in die Regressionsanalysen einfliesen müssen. Dies erweist sich jedoch als kompliziert, denn je nachdem welche Determinanten in der Analyse einbezogen werden, können abweichende Ergebnisse zu Stande kommen. Es ist auch denkbar, dass Determinanten, die in die Regressionsanalyse einfliesen, selbst Funktionen der Inflation sind und sich gegenseitig beeinflussen. Exogene Schocks, die sich gleichzeitig auf Inflation und Wachstum auswirken können, müssen in Betracht gezogen werden[7]. Dies verdeutlich, dass wenn eine negative Beziehung zwischen Inflation und Wachstum existiert, sie wahrscheinlich komplexer Natur ist.

Gosh und Phillips untersuchen in ihrer Regressionsanalyse Daten von 145 Ländern über einen Zeitraum von 1960 bis 1996. Inflation wird in der Regressionsanalyse als Wachstumsrate des Verbraucherpreisindex (CPI) und Wirtschaftswachstum als Wachstumsrate des realen pro Kopf Bruttoinlandsprodukts (GDP) definiert. Sie finden eine generell signifikante negative Beziehung zwischen Inflation und Wachstum. Dieses Ergebnis erweist sich auch nach diversen Tests als robust. Der Zusammenhang zwischen Inflation und Wachstum weist zwei Linearitätsabweichungen auf. Bei sehr geringen Inflationsraten von 2%-3% ist der Zusammenhang positiv. Dies bedeutet, dass sich Inflationsraten unter dieser „Grenzschwelle“ positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Bei einer Inflationsrate über 2%-3% besteht eine negative Korrelation. Inflation wirkt sich in diesem Bereich negativ auf das Wachstum aus. Die negative Beziehung ist konvex. Das bedeutet, dass sich beispielsweise eine Erhöhung der Inflationsrate von 10% auf 20% negativer auf das Wachstum auswirkt als eine Zunahme der Inflationsrate von 40% auf 50%. Die Konvexität bedeutet, dass sich der Zuwachs der negativen Wirkung (ab 3%) mit steigender Rate abschwächt[8] (siehe Abbildung 2). Diese Erkenntnis widerspricht auf den ersten Blick der oben genannten höchst schädlichen Wirkung der Hyperinflation auf das Wirtschaftswachstum. Auf den zweiten Blick könnte man dies aber so erklären, dass die Summe der negativen Effekte der Spanne 40% bis 50% geringer ist als die Summe der Spanne 10% bis 20%. Bei einer Inflation von 40% wirken aber bereits die negativen Effekte der Spanne 10% bis 20%. Diese Erkenntnis spricht nicht gegen eine schwache Wirkung einer Hyperinflation, sondern für eine bereits negative Wirkung von geringeren Inflationsraten. Bei einem Anstieg der Inflationsrate von 10% auf 20% würde sich die Wachstumsrate des realen BIP pro Kopf um 0,3-0,4 Prozentpunkte reduzieren. Bei einem Anstieg von 10% auf 40% würde sich der negative Effekt mit einer um 0,8 Prozentpunkte geringeren Wachstumsrate des realen BIP pro Kopf bemerkbar machen.

[...]


[1] vgl. EZB Bericht 05/2008 S. 90

[2] vgl. S.W. Phillips (1958)

[3] Helmut Schmidt

[4] siehe Tobin (1965)

[5] vgl. Phelps (1967), Friedman (1968) S. 8ff.

[6] vgl. Bruno/Easterly (1996)

[7] siehe Gosh & Phillips (1998), S. 673

[8] vgl. Gosh & Phillips (1998), S. 674 ff

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Preisstabilität und Wachstum
Hochschule
Universität Hohenheim
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V159664
ISBN (eBook)
9783640724819
ISBN (Buch)
9783640725090
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inflation, Wachstum, Disinflation, NAIRU, Sacrifice Ratio, Phillips-Kurve
Arbeit zitieren
Markus Figiel (Autor), 2008, Preisstabilität und Wachstum , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159664

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