Die Hausarbeit behandelt das Neue Steuerungsmodell (NSM) als Reformansatz im öffentlichen Sektor mit Schwerpunkt auf dessen Übertragung auf die Sozialwirtschaft. Zunächst werden die theoretischen Grundlagen des NSM erläutert: Es basiert auf Konzepten des New Public Management, die Verwaltungsprozesse effizienter, ergebnisorientierter und marktnäher gestalten sollen. Ziel ist es, die klassische Inputsteuerung durch Output- und Wirkungsorientierung zu ersetzen, unterstützt durch Instrumente wie Zielvereinbarungen, Controlling und Benchmarking.
Ein zentrales Thema der Arbeit ist die Veränderung der Rollen öffentlicher, freigemeinnütziger und privatgewerblicher Träger. Öffentliche Träger agieren zunehmend als Steuerer und Finanzierer, während freie und privatwirtschaftliche Träger als Leistungserbringer im Wettbewerb stehen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen des Neuen Steuerungsmodells
3. Rollen der Träger im Neuen Steuerungsmodell
4. Praxisbeispiel: Anwendung des Neuen Steuerungsmodells in der Kinder- und Jugendhilfe
5. Fazit und Beantwortung der Forschungsfrage
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht, wie das Neue Steuerungsmodell (NSM) die Strukturen und Handlungslogiken in der Sozialwirtschaft verändert, wobei der Fokus auf den unterschiedlichen Rollen öffentlicher, freigemeinnütziger und privatgewerblicher Träger liegt.
- Grundlagen und Prinzipien des Neuen Steuerungsmodells
- Veränderung der Rollenverteilung zwischen verschiedenen Trägerarten
- Anwendung von Steuerungsinstrumenten wie Zielvereinbarungen und Controlling
- Auswirkungen der Marktlogik auf die soziale Arbeit
- Herausforderungen und Potenziale betriebswirtschaftlicher Steuerung in der Jugendhilfe
Auszug aus dem Buch
3. Rollen der Träger im Neuen Steuerungsmodell
Die Umsetzung des Neuen Steuerungsmodells in der Sozialwirtschaft ist untrennbar mit den verschiedenen Trägerstrukturen verknüpft, die in Deutschland traditionell das System sozialer Dienstleistungen prägen. Die drei zentralen Akteursgruppen – öffentliche, freigemeinnützige und privatgewerbliche Träger – übernehmen jeweils unterschiedliche Funktionen in der Organisation, Finanzierung und Erbringung sozialer Leistungen. Im Kontext des NSM verändert sich jedoch nicht nur ihre operative Rolle, sondern auch ihr Selbstverständnis im Rahmen eines zunehmend marktlich organisierten Wohlfahrtsmixes.
Die öffentlichen Träger, in der Regel Kommunen oder übergeordnete staatliche Stellen, übernehmen im Neuen Steuerungsmodell in erster Linie steuernde, kontrollierende und finanzierende Aufgaben. Anstelle einer unmittelbaren Leistungserbringung steht nun die Kontraktsteuerung im Vordergrund: Leistungen werden bei Dritten eingekauft, auf der Grundlage von Zielvereinbarungen vergeben und über Kennzahlen und Controllingsysteme überwacht. Dabei agiert die öffentliche Hand zunehmend als „Besteller“ und weniger als „Produzent“ sozialer Leistungen. Diese Rolle geht mit der Notwendigkeit einher, verlässliche Steuerungsinstrumente zu etablieren, die sowohl Effizienz als auch Qualität und soziale Wirksamkeit sicherstellen (Schedler & Proeller, 2011, S. 38).
Die freigemeinnützigen Träger – in Deutschland historisch stark durch die Wohlfahrtsverbände geprägt – befinden sich durch das Neue Steuerungsmodell in einem doppelten Spannungsverhältnis. Einerseits sind sie traditionell normativ orientiert und verstehen sich als gesellschaftliche Akteure mit wertegeleiteten Handlungsaufträgen. Andererseits werden sie im Rahmen der neuen Steuerungslogik verstärkt als Anbieter in einem sozialen Dienstleistungsmarkt wahrgenommen, der durch Wettbewerb, Leistungsdokumentation und Kosteneffizienz geprägt ist. Dies führt zu einer zunehmenden Hybridisierung ihrer Organisationskultur: Elemente professionellen Managements und betriebswirtschaftlicher Rationalität werden mit sozialethischen Prinzipien kombiniert, was nicht selten interne Spannungen erzeugt (Bode, 2019, S. 144–145). Besonders deutlich wird dies etwa in der Kinder- und Jugendhilfe, wo Träger über Zielvereinbarungen mit Kommunen verhandeln, zugleich aber die individuelle Förderung des Kindes im Mittelpunkt behalten wollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsfeld der Sozialwirtschaft zwischen sozialen Sachzielen und ökonomischen Anforderungen ein und formuliert die Forschungsfrage zur Rolle der Träger unter dem NSM.
2. Theoretische Grundlagen des Neuen Steuerungsmodells: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte des NSM, dessen Konzepte der Output-Orientierung und die Übertragung betriebswirtschaftlicher Logiken auf die Verwaltung.
3. Rollen der Träger im Neuen Steuerungsmodell: Hier wird analysiert, wie sich das Rollenverständnis von öffentlichen, freigemeinnützigen und privatgewerblichen Trägern durch die neue Kontraktsteuerung und den Wettbewerbsdruck wandelt.
4. Praxisbeispiel: Anwendung des Neuen Steuerungsmodells in der Kinder- und Jugendhilfe: Anhand einer stationären Einrichtung wird die praktische Umsetzung von Zielvereinbarungen und Controlling sowie die damit verbundenen Herausforderungen für die Fachkräfte aufgezeigt.
5. Fazit und Beantwortung der Forschungsfrage: Das Fazit fasst die Ambivalenz des NSM zusammen und betont die Notwendigkeit einer sozialprofessionellen Einbettung der Steuerungsinstrumente.
Schlüsselwörter
Neues Steuerungsmodell, NSM, Sozialwirtschaft, Kinder- und Jugendhilfe, Trägerstrukturen, Output-Orientierung, Zielvereinbarungen, Controlling, soziale Arbeit, Wohlfahrtsmix, Effizienz, Qualitätsmanagement, öffentliche Verwaltung, Marktmechanismen, Organisationstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung des Neuen Steuerungsmodells (NSM) in der Sozialwirtschaft und den damit verbundenen strukturellen Veränderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Transformation von Verwaltungslogiken, das veränderte Rollenverhältnis zwischen verschiedenen Trägern sowie die Anwendung betriebswirtschaftlicher Instrumente.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab zu verstehen, wie das NSM die Handlungslogiken und Rollen von öffentlichen, freigemeinnützigen und privatgewerblichen Trägern in der praktischen Umsetzung beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung der Grundlagen des NSM in Kombination mit einer Analyse eines konkreten Praxisbeispiels aus der Kinder- und Jugendhilfe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Basisprinzipien des NSM definiert, die Rollen der Akteure differenziert betrachtet und die Umsetzung dieser Konzepte in einem Fallbeispiel diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Neues Steuerungsmodell, Output-Orientierung, Trägerpluralisierung, Controlling und der Zielkonflikt zwischen Effizienz und sozialpädagogischer Arbeit.
Wie unterscheidet sich die Rolle öffentlicher Träger von der der freigemeinnützigen Träger?
Öffentliche Träger agieren im NSM primär als „Besteller“ und steuernde Instanzen, während freigemeinnützige Träger als „Anbieter“ in einem Wettbewerbsmarkt unter verstärktem Anpassungsdruck stehen.
Welche Risiken ergeben sich bei der Anwendung des NSM in der Sozialen Arbeit?
Zu den Risiken zählen eine zunehmende Standardisierung, die Verdrängung spezifischer fachlicher Profile und ein potenzieller Verlust sozialpädagogischer Substanz durch eine einseitige Fokussierung auf wirtschaftliche Kennzahlen.
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- Anonym (Autor:in), 2025, Das Neue Steuerungsmodell (New Public Management), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1597600