In der Wissenschaft bezeichnet man ein Diktum als einen Ausspruch, welcher von großer Bedeutsamkeit ist. Das Diktum "Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann." von Ernst-Wolfgang Böckenförde wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte immer wieder aufgenommen und diskutiert. Es verschaffte dem späteren Richter am Bundesverfassungsgericht eine weitreichende Bekanntheit und ist die wohl häufigste zitierte Textpassage seiner Veröffentlichungen. Böckenförde selbst fand in einem Vortrag, welchen er am 26. Oktober 2006 in der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung hielt, abschließende Worte und verwies erneut auf die Aktualität des Diktums.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Leitfrage der Arbeit
1.2 Verfahrensweise der Arbeit
2. das Böckenförde-Diktum
2.1 Inhalt
2.1.1 Bindende Kräfte des Staates
2.1.2 Das große Wagnis des Staates
2.1.3 Bindende Kräfte durch Zwang
2.1.4 Der Staat als Erfüllungsgarant eudämonistischer Lebenserwartungen
2.1.5 Verweis auf Hegel
2.1.6 Glaube als Chance der Freiheit
3. Theoretisches Grundkonzept
3.1 Entstehung des Staates nach Böckenförde
3.1.1 Verfassungsgeschichtliche Aspekte
3.1.2 Der Staat als Einheit
3.1.2.1 Friedenseinheit
3.1.2.2 Entscheidungseinheit
3.1.2.3 Machteinheit
3.2 Dimensionen des Freiheitsbegriffes
3.2.1 Äußere Freiheit
3.2.2 Inhaltliche Freiheit
3.3 Schützende und stützende Funktion des Staates
4. Fazit und abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das berühmte „Böckenförde-Diktum“ und klärt die zentrale Forschungsfrage, wie der moderne Rechtsstaat von Voraussetzungen leben kann, die er selbst nicht garantieren darf. Dabei wird analysiert, inwieweit das Fehlen eines religiös begründeten Ethos den Staat gefährdet und welche Rolle Freiheit und staatliches Handeln in diesem Kontext spielen.
- Analyse des Staatsverständnisses von Ernst-Wolfgang Böckenförde.
- Untersuchung der bindenden Kräfte und der Homogenität im modernen Staat.
- Differenzierung zwischen äußerer und inhaltlicher Freiheit.
- Erörterung der schützenden und stützenden Rolle des Staates gegenüber der Subjektivität der Bürger.
- Evaluation des christlichen Glaubens als „Chance der Freiheit“.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Bindende Kräfte des Staates
Um dieses einzuleiten stellt Böckenförde "die Frage nach den bindenden Kräften"3 des Staates und "ihrem eigentlichen Kern"4. Nach ihm benötigen die Bürger eines modernen Staates ein einheitliches und verbindendes Ethos, also eine gemeinsame Gesamthaltung, auf welchem die Struktur des Staates bestehen kann. 5 Böckenförde fragt sich deshalb, was dieses Ethos sein könnte und ist im bisherigen Verlauf des Kapitels zu keiner Antwort gekommen. Es folgt der bekannte Satz "Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann."6 Mit dem Hinweis darauf, dass diese Voraussetzungen nicht nur in Verbindung zur Freiheitlichkeit eines Staates, sondern auch zur Säkularisierung stehen, macht Böckenförde deutlich, dass vor der Trennung von Staat und Kirche "die Frage nach den bindenden Kräften"7 nicht gestellt werden musste. Der christliche Glaube schaffte das nötige Ethos und erst im freiheitlichen, säkularisierten Staat könnte dieses verloren gegangen sein. Daraus ergibt sich wiederrum die Frage, welche bindende Kraft dieses Ethos im säkularisierten Staat ersetzen könnte oder ob dies überhaupt möglich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Hinführung zum Thema und Formulierung der Forschungsfrage in Bezug auf das Böckenförde-Diktum.
2. das Böckenförde-Diktum: Detaillierte Analyse der Textstellen rund um das Diktum, einschließlich der Themen bindende Kräfte, Wagnis, Macht, Eudämonie, Hegel und der Bedeutung des Glaubens.
3. Theoretisches Grundkonzept: Untersuchung der historischen Entstehung des Staates, seiner Struktureinheiten und der Differenzierung des Freiheitsbegriffes.
4. Fazit und abschließende Bemerkungen: Zusammenfassende Beantwortung der Leitfrage und Einordnung der Freiheit als wesentliches Merkmal des modernen Staates neben der Homogenität.
Schlüsselwörter
Böckenförde-Diktum, Rechtsstaat, Säkularisierung, Freiheit, Bindende Kräfte, Ethos, Homogenität, Staatstheorie, Christentum, Subjektivität, Friedenseinheit, Machteinheit, Entscheidungseinheit, Eudämonie, politische Ordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sogenannten Böckenförde-Diktum („Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“) und dessen Bedeutung für den modernen Rechtsstaat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Staat und Religion, die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Ethos, die Bedeutung von staatlicher Macht und Freiheit sowie die historischen Bedingungen der Staatsentstehung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, wie das „Böckenförde-Dilemma“ zu verstehen ist und ob der moderne Rechtsstaat tatsächlich auf Voraussetzungen angewiesen ist, die er nicht selbst steuern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Textanalyse, bei der zentrale Begriffe und Thesen von Ernst-Wolfgang Böckenförde anhand seiner Originalschriften systematisch untersucht und interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Staatsbegriffs bei Böckenförde, untersucht die bindenden Kräfte des Staates, definiert verschiedene Freiheitsdimensionen und diskutiert die schützende Funktion des Staates.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind das Böckenförde-Diktum, Säkularisierung, Rechtsstaat, Freiheit, Homogenität, Ethos und politische Kulturleistung.
Wie bewertet Böckenförde den christlichen Glauben im Kontext des Staates?
Er sieht den christlichen Glauben als „Chance der Freiheit“, da er eine homogenisierende Wirkung auf die Gesellschaft hat, die dem modernen Staat bei der Stabilität hilft, ohne dass der Staat ihn staatlich erzwingen müsste.
Warum kann der Staat die „Voraussetzungen“ laut der Arbeit nicht garantieren?
Da diese Voraussetzungen auf einer freiwilligen moralischen Substanz der Bürger und einem gemeinsamen Ethos basieren, würde eine staatliche Erzwingung durch Zwang dem Wesen des freiheitlichen Rechtsstaates widersprechen und ihn zerstören.
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- Rik Manz (Author), 2019, Das Böckenförde-Diktum. Lebt der moderne Rechtsstaat nach Böckenförde von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1597635