Else Lasker-Schüler wird in ihrer Prosa, ihren Dramen und vor allem ihrer Lyrik seit langem als die bedeutendste deutsche Dichterin des 20. Jahrhunderts angesehen. Auch ihr bildkünstlerisches Werk ist seit Jahren hoch anerkannt. Der dritte künstlerische Bereich, die Musik in ihrem Werk wurde bislang nur am Rande behandelt. Der vorliegende Text untersucht das lyrische Werk der Dichterin erstmalig in Hinblick auf Wortfelder und deren sprachliche Bedeutung, thematisiert die oft kryptischen Wortneuschöpfungen (Neologismen) in ihrer Lyrik, ihr Konstrukt und ihre semantische Bedeutung.
Wenn nur der Klang der Wörter noch Geltung hat, die Wörter aber keinen lexikalischen Sinn aufweisen, so haben wir es formal mit sinnfreien Lautgedichten zu tun, wie sie etwa im Dada gebräuchlich waren. Lasker-Schüler schuf solche Gedichte als rein sprachklangliche Gegenstücke zu einigen ihrer Originalen; kein früher Dada, sondern eine Lasker-Schüler eigene Klangsprache.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Wortfeld-Untersuchungen
3 Wortneuschöpfungen – ›ein musikalischer Orient‹
4 Der Klang der Sprache
5 Ein alter Tibetteppich
6 Das Lied meines Lebens
7 Weltflucht – Elbanaf, ein onomatopoetischer Vergleich
8 Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die bisher nur unzureichend gewürdigte Musikalität in der Lyrik von Else Lasker-Schüler. Ziel ist es, durch sprachanalytische Wortfelduntersuchungen, die Analyse von Wortneuschöpfungen und die Untersuchung des Klangs der Sprache aufzuzeigen, wie die Dichterin musikalische und klangliche Aspekte bewusst einsetzt, um Emotionen zu erzeugen und Komponisten zu inspirieren.
- Analyse der Wortfelder zur Klanglichkeit und Farbigkeit in Lasker-Schülers Lyrik.
- Untersuchung der Funktion und Wirkung ihrer charakteristischen Wortneuschöpfungen.
- Untersuchung des Zusammenwirkens von Rhythmus, Lauten und Sinngehalt in exemplarischen Gedichten.
- Vergleichende Betrachtung von lexikalischen Gedichten und lautmalerischen Ursprachen-Varianten.
- Nachweis der gezielten "Orchestrierung" von Gedichttexten durch die Autorin.
Auszug aus dem Buch
Ein alter Tibetteppich
Ich zeige darin eine klanglichen Abfolge von Konsonanten und insbesondere von Vokalen, wie Else Lasker-Schüler auch auf der ›Mikroebene‹ ihrer lyrischen Sprache, den Lauten, Klangkomposition betreibt. An dieser Stelle sei verkürzt nur hingewiesen, dass von ganz hellen Klängen in e- und i-Vokalen in der Überschrift und in den ersten beiden Versen – »Ein alter Tibetteppich / Deine Seele, die die meine liebet / Ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet« umorchestriert wird auf etwas tiefere Klänge vor allem im a-Vokalbereich, der Verse 3 und 4: »Strahl in Strahl, verliebte Farben, / Sterne, die sich himmellang umwarben«. Noch tiefer instrumentiert Else Lasker-Schüler auf den Vokalen a, u und ü der folgenden vv. 5 und 6: »Unsere Füße ruhen auf der Kostbarkeit. / Maschentausendabertausendweit«. Und die tiefsten Vokale a, o, und u dunkeln in die letzten Verse ab in den tiefsten Klangregistern, etwa im Wort »Moschuspflanzentron« und »bundgeknüpft« ganz in der mystischen Verliebtheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Kanonisierung von Else Lasker-Schüler und begründet, warum ihre Lyrik trotz ihrer Bedeutung bisher kaum unter musikalischen Gesichtspunkten erforscht wurde.
2 Wortfeld-Untersuchungen: Dieses Kapitel analysiert statistisch das Vokabular der Dichterin hinsichtlich der Felder "Klanglichkeit" und "Farbigkeit" und zeigt deren unterschiedliche grammatikalische Schwerpunkte auf.
3 Wortneuschöpfungen – ›ein musikalischer Orient‹: Es wird untersucht, wie Lasker-Schüler durch kühne Kombinationen von Substantiven und Verben Neologismen schafft, die eine besondere Bildkraft entfalten und als orientalisch inspirierter Metaphernschmuck fungieren.
4 Der Klang der Sprache: Hier wird dargelegt, wie Phoneme als kleinste Laut-Einheiten in Lasker-Schülers Lyrik gezielt zur Erzeugung von Klangqualitäten und zur Unterstützung der inhaltlichen Aussage verwendet werden.
5 Ein alter Tibetteppich: Anhand dieses Gedichts wird exemplarisch gezeigt, wie die Autorin durch die präzise Abfolge von Vokalen und Konsonanten auf Mikroebene eine "Klangkomposition" betreibt.
6 Das Lied meines Lebens: Dieses Kapitel dient als klangliches Gegenstück zum Tibetteppich und analysiert ein Gedicht, dessen Klangführung die Zerrissenheit und das Scheitern des lyrischen Ichs orchestriert.
7 Weltflucht – Elbanaf, ein onomatopoetischer Vergleich: Die Analyse vergleicht das Gedicht "Weltflucht" mit dessen lautmalerischer Ursprachen-Variante "Elbanaff" und verdeutlicht die rein klangliche Vermittlung von Emotionen.
8 Resümee: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Argumente zusammen und bestätigt die These, dass Lasker-Schülers Lyrik eine hohe Musikalität besitzt, die sie zur Inspiration für zahlreiche Komponisten macht.
Schlüsselwörter
Else Lasker-Schüler, Musikalität, Lyrik, Wortneuschöpfungen, Wortfeld-Untersuchung, Klanglichkeit, Farbigkeit, Metaphorik, Sprachanalyse, Phoneme, Komposition, Gedichtinterpretation, Expressionismus, Ursprache, Synästhesie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit erforscht die Musikalität in der Lyrik von Else Lasker-Schüler und analysiert, mit welchen sprachlichen Mitteln die Dichterin Klänge erzeugt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Wortfeldanalyse (Klang vs. Farbe), die Untersuchung von Wortneuschöpfungen, die phonetische Analyse einzelner Gedichte und die Beziehung der Autorin zur Musik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist der Nachweis, dass Lasker-Schülers Lyrik eine eigene musikalische Qualität aufweist, die über den bloßen Textinhalt hinausgeht und Komponisten zur Vertonung anregt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden methodisch statistische Wortfeld-Untersuchungen, sprachanalytische Ansätze zur Lautstruktur (Phonetik) und textanalytische Vergleiche zwischen verschiedenen Gedichtfassungen angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zum Vokabular, zur Funktion von Neologismen, zur lautlichen Gestaltung auf Mikroebene und detaillierte Werkinterpretationen sowie Vergleiche von Gedichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Schlüsselwörter wie Musikalität, Wortneuschöpfungen, Klanglichkeit, Farbigkeit und Metaphorik sowie den Namen der Dichterin charakterisiert.
Was zeichnet die "orientalische" Metaphorik der Autorin aus?
Im Gegensatz zur abendländischen Tradition, die auf rationaler Vergleichbarkeit beruht, nutzt Lasker-Schüler eine blumenreiche, orientalisch geprägte Umschreibung, die eher der Atmosphäre und dem Klang als dem rationalen Sinn dient.
Wie unterscheidet sich "Elbanaff" von "Weltflucht"?
"Elbanaff" ist eine von Lasker-Schüler verfasste lautmalerische Variante von "Weltflucht". Während "Weltflucht" lexikalische Inhalte vermittelt, arbeitet "Elbanaff" mit Klangsynonymen, die Emotionen unmittelbar durch den Lautklang transportieren.
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- Karl Bellenberg (Autor), 2025, Die Musikalität in der Lyrik Else Lasker-Schülers, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1598124