Linux, die clevere Alternative zu Windows

Einführung in die Linuxwelt für Umsteiger


Fachbuch, 2010

97 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Das Linux-Konzept
Der OpenSource-Gedanke
Entwicklungsgeschichte
Die Linux-Architektur
Der Umstieg auf Linux
Die Linux-Distributionen
Suse Linux Enterprise und openSUSE Linux
Ubuntu Linux
Knoppix
Fedora
Mandriva
Damn Small (DSL)
Puppy Linux
Welche Distribution?
Die Desktop-Umgebungen
Linux installieren oder testen - allgemein
Linux testen (Live-Systeme)
Linux installieren

Linux in der Praxis
Linux-Grundwissen
Hardware-Voraussetzungen
Aufteilung und Bezeichnung der Festplatten
Arten und Aufbau der Partitionen
Partitionierung unter Windows
Partitionierung unter Linux
Bootmanager
Der Windows-Bootmanager
Der Linux-Bootloader GRUB (GRand Unified Bootloader)
Linux-Bootsystem
Organisationsstruktur
Die Verzeichnishierarchie
Kurzubersicht uber die Linux-Standardverzeichnisse
Dateimanager - Dateicommander
Zugriffsrechte
Software fur die tagliche Arbeit (distributionsubergreifend)
Textverarbeitung und Officepakete unter Linux
Grafikprogramme
Weitere Software
Software-Installation
Linux-Installation
Installationsquellen
Installation als einziges Betriebssystem
Installation einer Linux-Distribution neben Windows
Installation mehrerer Linux-Distributionen parallel

Mit Linux arbeiten
OpenSUSE KDE
Der Desktop - wo finde ich was?
Die Menus
Systemkonfigurationstool YaST
Hardware einrichten
Software einrichten und nutzen
Einrichten einer Internetverbindung
Die Zwischenablage (Klipper KDE)
Ubuntu 9.04, Gnome (Jaunty Jackelop)
Der Desktop - wo finde ich was ?
Die Menus
Systemtools
Dateimanager
Hardware einrichten
Software einrichten und nutzen
Einrichten einer Internetverbindung
Ubuntu-Zwischenablagen-Verwalter

Weiterfuhrende Informationen
Ubuntu fur Netbooks
Ubuntu 9.10 und 10.04
Weitere Neuerungen
openSUSE versus Ubuntu

Informationsquellen

Begriffserklarungen

Index

Das Linux-Konzept

Der OpenSource-Gedanke

Wenn von Linux die Rede ist, dann auch von OpenSource. Linux selbst und die unter Linux lauffahige Software wird neben dem kommerziellen Vertrieb (zum Beispiel Suse Linux Enterprise) als sogenannte „freie Software44 (Open Source) angeboten.

„OpenSource, das heiBt offener Quellcode und meint gemeinhin Software, die jeder nach Belieben studieren, benutzen, verandern und kopieren darf. Vor rund 25 Jahren begann die "Freie Software" als eine kleine Gruppe von Programmierern, die sich gegen die Kommerzialisierung ihrer Arbeit straubten. Heute treiben Open Source-Programme groGe Teile des Internets an und machen den GroGen der Softwareindustrie ernste Konkurrenz.

Und mehr noch: Open Source ist zu einer weltweiten sozialen Bewegung geworden, die antritt, nach der Software nun auch Wissen und Kultur zu "befreien". Von Open Access bis Creative Commons, von Wikipedia bis Edubuntu arbeiten zehntausende Menschen weltweit uber das Internet an einem kollektiven Schatz freien Wissens, entdecken neue Formen der Kooperation und des Gemeinsinns, und storen dabei alle Regeln von Urheberrecht und Wirtschaft auf."

Dossier der Bundeszentrale fur politische Bildung (*)

Auch Windows-Anwender profitieren vom Open Source-Gedanken. Open Office, die freie Variante von Star Office, gibt es schon einige Jahre fur Windows und fur Linux. NetScape war der erste freie Internetbrowser. Heute ist unter anderem Firefox, Opera und das E-Mail-Programm Thunderbird frei nutzbare Software. Von Linux haben die beiden Grafikprogramme Gimp (Bitmap) und Inkscape (Vektorgrafik) auch den Weg zu Windows gefunden.

Auf dem Open Source-Gedanken aufbauend wurde Linux entwickelt, nicht mehr nur ein einzelnes Programm sondern ein universelles Betriebssystem, das eine Vielzahl von Projekten und Programmen beinhaltet und standig weiterentwickelt wird. Innerhalb der OpenSource-Linuxwelt werden aber auch Programme eingesetzt, die nicht frei sind, sogenannte proprietare Software. Das betrifft uberwiegend Hardwaretreiber, aber auch andere Programme.

Entwicklungsgeschichte

Linux ist ein Betriebssystem wie MS Windows, also ein System, das die Kommunikation zwischen Mensch und Computer ermoglicht. Im Unterschied zu Windows gibt es hier viele verschieden zusammengestellte Projekte, die als Distributionen bezeichnet werden. Jede Distribution stellt ein vollstandiges System dar, das ohne Zusatze nutzbar ist. Fur Windows-Anwender ist diese Vielfalt erst einmal gewohnungsbedurftig, da ist Umdenken angesagt. Da Linux-Systeme kostenfrei zu haben sind, steht einem Praxistest jedoch nichts im Weg.

Wie bereits ausgefuhrt, sieht sich der Linux-Neuling einer Vielzahl verschiedener Distributionen gegenuber. Als Linux-Distribution wird die Zusammenfassung von System- und Anwendersoftware zu einem Projekt bezeichnet. Die einzelnen Distributionen beinhalten also in ihrer Zusammensetzung unterschiedliche System- und Anwendungs-Programme und zeigen verschiedene Arbeitsoberflachen. Fur den Windowsnutzer ein ganz neuer Aspekt. HeiBt es fur Windows-Anwender nur „entweder Windows oder was sonst?“, steht bei Linux die Frage: Welche der vielen verschiedenen Distributionen und Oberflachen ist fur mich/uns die richtige?

Um diese Tatsache zu verstehen, ist ein kurzer Ruckblick auf die Entwicklung von Linux unumganglich. Die Linux-Distributionen, von denen hier die Rede sein wird, sind freie Systeme auf UNIX-Basis (fruher UNICS = Uniplexed Information and Computing Service).

UNIX war das erste Betriebssystem mit dem mehrere Programmierer im Team und im Dialog oder auch prarallel arbeiten konnten (Multitsaking). Die Entsicklung von UNIX begann 1969 und war von Anfang an Programmierern vorbehalten. Fur GroBrechner gedacht, war es kompliziert und teuer. An die heutigen Desktop-Computer war derzeit noch nicht zu denken.

Auf dieser Grundlage begann der finnische Informatik-Student Linus Torvalds im Jahr 1991 mit der Entwicklung eines freien UNIX-Systems, das nicht kommerziell aber anwenderfreundlich sein sollte. Er gab den Quellcode von Anfang an frei, so dass interessierte Softwareentwickler in der Lage waren, Programm dafur zu schreiben und das System weiterzuentwickeln.

Seitdem hat sich viel getan. Weltweit haben Programmierer dazu beigetragen, dass Linux den Kinderschuhen entwachsen ist und Microsoft ernsthaft Konkurrenz machen kann. Da die Linux-Entwickler unterschiedliche Wege gegangen sind, existiert heute eine Reihe verschiedener Linux-Distributionen. Alle basieren aber auf einem einheitlichen Kern, dem Linux-Kernel. Sie werden in unterschiedlichen, teilweise relativ kurzen Abstanden aktualisiert. Der Linux-Kern garantiert, dass sich die verschiedenen Distributionen in ihren Grundfunktionen entsprechen.

Die Linux-Architektur

Wer mit Windows arbeitet, braucht sich mit der Architektur des Betriebssystems nicht zu befassen. Zwar ist da noch ein Begriff im Hinterkopf, der DOS heiBt und mit der Entwicklung von Windows eng verbunden ist, doch kummert sich heute in der Regel niemand mehr um diese Geschichte. Das einmal installierte und eingerichtete Windowssystem lasst keine Auswahl verschiedener Systemvarianten zu und die (un)regelmaBigen Service-Packs und Updates beheben in der Regel nur Sicherheitslucken und Fehler des Systems.

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Abbildung 1: Die Linuxarchitektur ist modular. Aufbauend auf dem Kernel gibt es unterschiedliche Moglichkeiten, ein Linux-System zusammenzustellen.

Linux dagegen ist modular aufgebaut, so dass der Anwender sich auf Basis der vorhandenen Moglichkeiten das System nach seinen speziellen Wunschen und Vorlieben zusammenstellen kann. Im heutigen Sprachgebrauch ist von Linux die Rede wenn das GNU/Linux-System gemeint ist. Der Begriff Linux bezeichnet eigentlich nur den Kernel (Kern des Betriebssystems). Auf diesem Linux-Kernel, der Grundlage aller Linuxsysteme, bauen die Anwenderoberflachen auf. Das ist auf der einen Seite die grafische Oberflache mit X Window (netzwerkfahige grafische Oberflache) und auf der anderen die Linux-Shell Bash (Kommandozeileninterpreter) fur die Arbeit auf der Textkonsole.

Die bereits erwahnten Linuxdistributionen arbeiten mit verschiedenen grafischen Oberflachen und/oder der Shell. Im Vergleich mit Windows sind Linuxdistributionen Betriebssystem und Anwendersoftware in einem — aber je nach Distribution in unterschiedlicher Zusammenstellung. Fur eine Distribution werden Treiber, ein bestimmter Kernel, mehrere Window-Manager, Desktops und verschiedene Anwendungen zusammengestellt. Dazu kommt dann meistens noch ein eigener Installations-Manager und ein Verwaltungsprogramm fur die Komponenten.

Der Umstieg auf Linux

Was Windows-Anwender in der Vergangenheit davon abgehalten hat, auf Linux umzusteigen, war das Fehlen der von Windows gewohnten grafischen Oberflache und das Fehlen anwenderfreundlicher Features. Hinzu kommt, dass gangige Fertig-PCs in der Regel mit dem Betriebssystem MS Windows ausgeliefert werden. Der Preis dafur ist auf den Computerpreis bereits aufgeschlagen. Bequem fur Windowsanwender ist auBerdem, dass das bereits installierte oder vorinstallierte Windows-System in der Regel keine weitere Handarbeit erfordert. Inzwischen sind einige Computerhersteller dazu ubergegangen, ihre Computer auch mit Linux auszuliefern, die Firma DELL ist ein Beispiel dafur. Auch Netbooks, die neuen Mini-Notebooks, werden zum Teil mit einer abgerusteten Linuxdistribution ausgeliefert. Der Haken: Fur die Software gibt es keinen Service und um fehlende Treiber muss der Anwender sich selbst kummern.

In der Vergangenheit brachte Linux fur die Hardware wenig oder keine Treiber mit. Die Installation war kompliziert, fur viele System-Einstellungen musste fachgerecht Hand angelegt werden. Das Einrichten des Systems auf Basis von Textbefehlen uber die Konsole ist auch nicht jedermanns Sache. Und — wer tauscht schon ein (funktionierendes?) Windows-System gegen die Unsicherheit aus, dass am neuen Linux-System noch gebastelt werden muss und danach noch nicht einmal alle gewunschten Anwendungen laufen? Nach dem Motto, „was ich habe und was funktioniert, weiB ich—was ich kriege weiB ich (noch) nicht“. Das Hauptproblem beim Linux-Einsatz war bisher vielfach das Fehlen von Hardwaretreibern.

Positive Beispiele fur gute Treiberunterstutzung liefern HP und AVM. Fur HP Drucker und Scanner gibt es eine Open Source-Linux-Website, teilweise werden diese Gerate auch bei der Installation automatisch erkannt. Der Fritz-WLAN-Stick von AVM wird in der Regel problemlos erkannt und eingebunden. Die Treiberproblematik besteht aber bei einer Reihe von Geraten weiterhin. Da nicht alle Hardwarehersteller den Code fur die Treiberentwicklung freigeben, konnen die Linuxentwickler keine Treiber fur die infrage kommende Hardware programmieren. Hinzu kommt, dass einige Distributoren den Ehrgeiz haben, in ihren Projekten keine proprietare (kostenpflichtige) Software zu verwenden. Desweiteren ist zu beachten, dass die verschiedenen Distributionen (und die Desktopumgebungen) unterschiedliche Treiber mitbringen, die Treiberproblematik also von Distribution zu Distribution unterschiedlich auftritt. Uber das Internet konnen aber viele Treiber gesucht und installiert werden.

In den letzten Jahren hat sich zwar einiges geandert. Fur Linux-Systeme gibt es inzwischen mehrere grafische Oberflachen (Desktop-Umgebungen) und Windowmanager, die die Handhabung wesentlich erleichtern und Linux auch fur Windows-Umsteiger attraktiv machen. Allerdings erfordert die auch heute teilweise noch unbefriedigende Hardware-Unterstutzung an einigen Stellen nach wie vor Bastelarbeit. Deshalb ist dringend zu empfehlen, vor dem Neuerwerb eines Computers, der auch Linux beherbergen soll, die Treiberproblematik zu beachten. Dazu sind Treiber-Informationen beim Computerhersteller bzw. bei den Herstellern der verbauten und extern anzuschlieBenden Komponenten einzuholen. Das erspart spateren Arger und/oder die oben bereits genannte Bastelarbeit. Zu bedenken ist weiter, dass die reinen Gratissysteme keine Handbucher und keinen technischen Service beinhalten. Die entsprechenden Informationen muss sich der Anwender aus der umfangreichen Fachliteratur und dem Internet „zuammensuchen“.

Windowsahnliche grafische Oberflachen stellt Linux in den Desktop-Umgebungen bereit. Diese Desktops sind jedoch mehr als die von Windows gewohnte Oberflache. Sie sind Arbeitsoberflache und Anwender-Software in einem. Wahrend Windows- und auch MAC-Nutzer an die vorgegebene Oberflache gebunden sind, hat der Linux- Anwender die freie Auswahl und damit die Qual der Wahl. Die Oberflachen sind Windows-ahnlich und konnen Windows-Anwendern den Umstieg erleichtern. Zusammen mit den Distributionen bilden sie ein vollstandiges, ohne Zusatzprogramme nutzbares, System. Linux bringt (in den einzelnen Paketen unterschiedlich) eine groBe Anzahl von Anwendungen mit, die unter Windows separat gekauft und installiert werden mussen. Das bedeutet, wer ein Linux-System installiert, kann in der Regel ohne zusatzliche Software alle Aufgaben erledigen, die unter Windows nur mit teuren Programmen durchfuhrbar sind; da ist aber auch der Haken: Die Kompatibilitat zu den Windows-Programmen. Windows und die Microsoftprogramme sind aus bekannten Grunden weit verbreitet, Anwender konnen untereinander (theoretisch) problemlos Daten austauschen, sofern sie mit der gleichen Software arbeiten. Wer auf Linux umsteigt, muss diese Kompatibilitat gewahrleisten, wenn er Dateien an Windows-User weitergibt oder von dort welche empfangt. Rein theoretisch ist dies gegeben, die Praxis sieht aber oft anders aus. Das klappt nicht einmal zwischen unter Windows zwischen MS Office 2003 und 2007 zu hundert Prozent.

Aus den genannten Grunden hat es Linux als Alleinsystem im Desktop-Bereich immer noch schwer, sich durchzusetzen. Zu berucksichtigen ist dabei, dass hier vom Open Source-Linux die Rede ist. Es gibt Linux-Systeme (zum Beispiel Suse Linux Enterprise) die im kommerziellen Bereich vertrieben werden. Fur diese Systeme stehen der erforderliche Service und ausfuhrliche Handbucher zur Verfugung. Im Serverbereich hat sich Linux (mit Suse als kommerzielles System) bereits verbreitet, da es hier leistungsfahiger ist als Windows.

Wenn von Linux die Rede ist, ist immer ein Gesamtsystem (GNU/Linux) aus vielen separaten aber miteinander in Beziehung stehenden Bestandteilen gemeint. Unter diesem Begriff sind alle Distributionen zusammengefasst, die auf dem Linux-Kernel basieren. Da die Softwarekomponenten weitgehend voneinander unabhangig zu betreiben sind, lasst dies dem Benutzer ein hohes MaB an Freiheit bei der Auswahl der einzelnen Anwendungen.

Auch wenn der Umstieg von Windows auf Linux noch beschwerlich erscheint, sich mit Linux zu befassen lohnt sich und ist einfacher geworden. Dazu braucht der Windows-User seine gewohnte Umgebung nicht aufzugeben. Die popularen Linux- Distributionen konnen neben oder sogar innerhalb Windows installiert, direkt von der CD gestartet (Live-CD), oder auch von einem USB-Stick gebootet werden. Das sind alles gute Voraussetzungen, um die einzelnen Pakete problemlos zu testen und sich erst danach fur eine der Distributionen (oder auch nicht) zu entscheiden.

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Abbildung 2: Uber die Konsole werden Textbefehle eingegeben.

Wie bereits erwahnt, konnen die unterschiedlichen Open Source Linux-Pakete kostenlos genutzt und auf beliebig vielen PCs installiert werden. Im Internet und auf Heft-DVDs der Computerzeitschriften findet der interessierte Anwender live nutzbare und installationsfahige Distributionen. Linux-Distributionen im Desktop-Bereich konnen auch kauflich erworben werden. Sie kosten zwischen 50 und 90 €, enthalten neben Zusatzprogrammen auch Handbucher und bieten uber einen begrenzten Zeitraum technische Hilfe. Das heifit, bezahlt werden in diesem Fall nicht die Open Source- Distributionen sondern die Zusatzleistungen.

Viele Kriterien sprechen fur Linux: Es ist im Open Source-Bereich kostenlos, stabil, sicher, zuverlassig und wenig durch Viren gefahrdet (durch die bisher zogerliche Verbreitung ist Linux fur Virenprogrammierer und Hacker offensichtlich auch nicht attraktiv genug). In den letzten Jahren hat sich Linux von einem System fur Computerfreaks zu einem ausgereiften, in der Regel gut handhabbaren System fur Jedermann entwickelt. Trotzdem hat Linux weltweit gesehen einen geringen Marktanteil.

Neben der grafischen Oberflache arbeitet Linux auch mit der „Konsole“ auf Textbasis (Linux-Shell). Hier konnen uber die Tastatur UNIX-Kommandos eingegeben werden (vergleichbar mit MS DOS). Die Konsole (siehe Abbildung 2) stellt weitaus mehr Moglichkeiten fur die Arbeit mit Linux zur Verfugung als die grafischen Oberflachen. Deshalb bietet Linux als universelles System auch fur den passionierten UNIX-Bastler genugend Betatigungsfelder.

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Abbildung 3: Die bekanntesten Linuxdistributionen sind Debian, Fedora, Mandriva, Knoppix, Suse

Die Linux-Distributionen

Die Linux-Distributionen unterscheiden sich in den Desktop-Umgebungen und damit in der Bedienung sowie in den integrierten Sofwarepaketen. Alle basieren jedoch auf dem Linux-Betriebssystem-Kern. Jede Distribution wurde und wird durch jeweils andere Gruppen von Programmierern entwickelt und gewartet. Daraus resultieren die unterschiedlichen Ansatze.

Es gibt eine Vielzahl von Linuxdistributionen, aber nur jeweils eine Version des aktuellen Kerns. Jede Distribution enthalt somit Linux bzw. den Linuxkernel. Allerdings passen die Distributoren diesen Kernel mehr oder weniger fur ihre Zwecke an. Neben einer groBen Anzahl verschiedener Spartenpakete sind derzeit sechs Distributionen aktuell, die auch in deutscher Sprache angeboten werden: Debian, Knoppix, Fedora, Mandriva, OpenSUSE, Ubuntu (Kubuntu, Xubuntu, Edubuntu), Zusatzlich zwei Miniversionen (nur englisch) DamnSmall Linux (DSL) mit rd. 50 MB und Puppy Linux mit rd. 100 MB. Jede dieser Distributionen stammt von anderen Entwicklern. Aber alle sind Weiterentwicklungen der Urversion von Linus Torvalds.

Wer vorhat, sich mit Linux zu befassen, hat die Qual der Wahl. Durch die groBe Anzahl der verschiedenen Distributionen ist es nicht leicht, die individuell geeignete Version auszuwahlen. Erleichtert wird diese Auswahl durch Testmoglichkeiten im Livemodus. Livemodus bedeutet, dass die Distribution direkt vom CD/DVD-Laufwerk oder USB-Stick gebootet wird, der Anwender arbeitet nun wie mit einem installierten System. Dabei werden am Computersystem keine Anderungen vorgenommen. Voraussetzung ist, dass der Computer vom CD/DVD-Laufwerk beziehungsweise vom USB-Stick booten kann. Die Bootreihenfolge ist inzwischen bei den meisten PCs im BIOS einstellbar. Die einzelnen Distributionen ahneln sich in der Anwendung. Egal mit welcher Linuxversion gearbeitet wird, da alle auf dem gleichen Kern aufbauen, bestehen die Unterschiede eigentlich nur in der Desktop-Umgebung (zum Beispiel KDE oder Gnome), den Sofwarepaketen und dem Umgang mit interner und externer Hardware. Und hierauf sollte besonders geachtet werden. Die einzelnen Distributionen und zusatzlich die Desktop-Umgebungen verhalten sich bei der Hardware-Erkennung unterschiedlich. Wer sich eine Menge Handarbeit ersparen will, wahlt zum Installieren eine Distribution, die die eingesetzte Hardware am besten unterstutzt. Voraussetzung dafur ist, dass der potentielle Linux-User die verschiedenen Distributionen und Desktop-Umgebungen diesbezuglich testet. Zusatzlich zum installierten System kann sich der Anwender mit Hilfe von Internet-Downloads und etwas Handarbeit ein individuelles Linux-System zusammenbasteln, so dass es letztendlich egal ist, welche Distribution ursprunglich installiert wurde. Dazu gehort dann etwas mehr Grundwissen, viel Zeit und eine unter Linux funktionierende schnelle Internetverbindung.

Allen Distributionen ist gemeinsam, dass sie mehrere Arbeitsoberflachen — virtuelle Desktops — bereitstellen, die wahrend einer Sitzung gewechselt werden konnen. Der Anwender kann auf diese Weise themenbezogen Software, zum Beispiel Buroprogramme, auf der einen Oberflache ablegen und Grafikprogramme auf einer anderen. Diese Oberflachen werden in der Regel am unteren oder auch oberen Bildschirmrand in Form kleiner Vierecke angezeigt (Abb. 4), bei einigen Distributionen sind sie nummeriert. Manchmal sind es standardmaBig vier, manchmal zwei.

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Abbildung 4: Der Wechsel zwischen den Arbeitsflachen ist schnell vollzogen und der Desktop zeigt jeweils nur die auf der aktivierten Flache abgelegten Fenster und Icons.

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Abbildung 5:

OpenSUSE mit KDE zeigt die Standard-Icons am oberen Bildschirmrand an (o.Bild). OpenSuse mit Gnome zeigt die Standard-Icons am linken Bildschirmrand an (u. Bild). Der Bildschirmhintergrund ist in beiden Fallen gleich.

Die Anzahl der Flachen kann vom Anwender innerhalb des jeweiligen Systems verandert werden. Ein Klick mit der Maus auf eine der Flachen offnet diese mit den darauf festgelegten Fenstern und Icons.

Da die einzelnen Distributionen auch mit verschiedenen Desktop-Umgebungen arbeiten konnen, ergibt sich fur jede Distribution in Abhangigkeit vom verwendeten Desktop in jeweils ein anderes Bild.

Suse Linux Enterprise und openSUSE Linux

Suse Linux gibt es als kommerziell vertriebene und als Open Source-Version. Suse Linux (ursprunglich ein deutsches Produkt) wurde 2003 von Novell ubernommen und wird (hauptsachlich im Serverbereich) fur Firmenkunden als SUSE Linux Enterprise vertrieben. Das openSUSE-Projekt, von dem hier die Rede sein wird, ist ein Gemeinschaftsprojekt, das von Novell gefordert wird und die Verbreitung von Linux unterstutzen soll. Erkenntnisse, die sich aus den Open Source-Entwicklungen ergeben, flieBen in die Weiterentwicklung von Linux Enterprise ein. openSUSE wird derzeit in der aktuellen Version 11.3 angeboten. SUSE war vor dem Kauf durch Novell die fuhrende Linux-Firma im deutschen Sprachraum. Aufgrund dieser Geschichte gibt es auch heute noch eine gute deutschsprachige Unterstutzung und Hotlines. Die Websites http//:www.no-vell.com/de-de und http://de.opensuse.org sind deutschsprachig, verweisen jedoch vielfach auf englischsprachige Seiten.

Alle zwei Jahre wird ein neues Release freigegeben. Das ist im Vergleich zu anderen Distributionen ein verhaltnismaBig langer Zeitraum. Ab openSUSE 11.0 wird die Distribution nur noch auf DVD ausgeliefert. Wer kein DVD-Laufwerk zur Verfugung hat, kann eine Live-CD aus dem Internet herunterladen und brennen. Diese enthalt zwar nur eine abgespeckte Variante, kann aber von einem CD-Laufwerk installiert und dann aufgerustet werden. Alle Tools, die sonst auf der DVD vorhanden sind, lassen sich aus dem Internet nachladen.

Ubuntu Linux

Ubuntu, eine der jungeren Distributionen, hat in den letzten Jahren an Beliebtheit zugenommen. Das Zulu-Wort Ubuntu steht fur „Menschlichkeit gegenuber anderen“.

Diesen Geist der Menschlichkeit will das Ubuntu-Linux in die Software-Welt bringen. Die Ubuntu-Entwickler legen nicht nur auf die freie (kostenlose) Verfugbarkeit groBten Wert, sondern auch auf die Ubersetzung in moglichst viele Sprachen und auf Zugangshilfen fur Behinderte.

Ubuntu wechselt mit jeder Version seinen Namen und den Hintergrund. Da alle 6 Monate eine neue Ubuntuversion erscheint, andert sich auch das Hintergrundbild in diesen Zeitraumen. Die Versionen werden im Gegensatz zu openSUSE nicht fortlaufend nummeriert, sondern nach Erscheinungsjahr und -monat, zum Beispiel 6.06, 7.04, 7.10, 8.04 oder 8.10. Dabei steht die erste Ziffer fur das Jahr und die zweite fur den Monat.

Die Namen werden in alphabetischer Reihenfolge vergeben und setzen sich aus einem Adjektiv und einem Tiernamen zusammen.

Beispiele:

Version 8.04 Hardy Heron — kuhner Reiher

Version 8.10 Intrepid Ibex — unerschrockener (furchtloser) Steinbock Version 9.04 Jaunty Jackalope — flotter Jackalope (amerikanisches Fabelwesen)

Abbildung 6: Standardhintergründe der Ubuntuversionen aus dem Jahr 2008

Version 9.10 Karmic Koala — karmischer Koala Version 10.04 Lucid Lynx — heller (leuchtender) Luchs Bis zur Version 8.10 entsprach das Hintergrundbild in der Standardeinstellung dem Namen der Version in stilisierter Form. In spateren Versionen wurde darauf verzichtet, den Namen des Release (Version) als Hintergrund darzustellen. Selbstverstandlich kann der Anwender Hintergrunde nach Belieben austauschen. Ubuntu, eine auf Debian basierende Linuxdistribution wird von Canoncial Ltd. vertrieben, das vom sudafrikanischen Unternehmer Mark Shuttleworth gegrundet wurde. Ubuntu lasst sich auch unter Windows installieren, dazu bringt diese Distribution den Windows-Installer Wubi mit. Nur die Installation erfolgt unter Windows, fur den Start wird ein Multibootsystem eingerichtet. Ubuntu arbeitet standardmaBig mit der Desktop- Umgebung Gnome, die Version Kubuntu mit KDE.

Abbildung 7: Die Desktopumgebung unter Kubuntu (KDE) hat Keinen releaseabhangigen Hintergrund.

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Aber auch als Ubuntu vertriebene Distributionen konnen mit KDE betrieben werden. Ubuntu gibt es in den Varianten Ubuntu (GNOME, Kubuntu (KDE), Xbuntu (Xfce), eine speichersparende Arbeitsumgebung) und Edubuntu. Diese Version ist fur die Nutzung an Schulen und fur die Verwendung im Klassenzimmer optimiert. Sie enthalt bildungsorientierte Software und Lernspiele.

Die Ubuntu-Derivate bieten eine gute deutschsprachige Benutzerfuhrung wie auch Hilfefunktionen. Das ist nicht bei allen Distributionen selbstverstandlich.

Knoppix

Knoppix wurde in Deutschland von Klaus Knopper und einem Team weiterer Programmierer entwickelt. Es war das erste System, das als Live-CD/DVD angeboten wurde. Inzwischen gibt es fast alle gangigen Distributionen als Live-Systeme. Knoppix basiert wie Ubuntu auf Debian und arbeitet wie OpenSUSE mit der Desktopumgebung KDE. Knoppix war ursprunglich nicht fur eine feste Installation gedacht, sondern als Livesystem unter anderem auch fur die Reparatur fehlerhafter Systeme, da es uber eine gute Hardware-Erkennung verfugt. Knoppix kann aber auch installiert werden, vor allem die aktuellen Versionen sind dazu gut geeignet. Diese Distribution bietet neben der automatischen Hardware-Erkennung auch gute Unterstutzung fur viele Peripheriegerate. Sie wird deshalb auch zur Reparatur von Windows-Systemen empfohlen.

Knoppix stellt geringe Anforderungen an die Hardware, dennoch kann mehr Speicher und eine hohere Geschwindigkeit nicht schaden

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Fedora

Fedora = Filzhut, Fedora ist ein von Red Hat (international bekannte Linux-Firma) gefordertes Open Source Projekt. Diese Distribution ist nicht fur den kommerziellen Einsatz gedacht und es gibt keinen Support fur Firmenkunden. Die Fedora-Distributoren legen Wert auf die ausschlieBliche Verwendung nichtproprietarer Software. Die Firma Red Hat ist ein US-amerikanischer Softwarehersteller mit Sitz in Raleigh, North Carolina, der unter anderem die weit verbreitete Linux-Distribution Red Hat Enterprise Linux vertreibt und am Fedora-Projekt beteiligt ist. Die Europazentrale von Red Hat ist in Munchen. Neue Versionen von Fedora erscheinen wie bei Ubuntu alle 6 Monate, sie werden jedoch fortlaufend nummeriert.

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Abbildung 8: Fedora wechselt mit der Desktopumgebung den Hintergrund, links KDE, rechts Gnome.

Mandriva

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Abbildung 9: Mandriva setzt auf die Desktopumgebung KDE, die aktuellen Resleases konnen auch mit Gnome betrieben werden.

Mandriva, vormals Mandrake, ist eine Distribution aus Frankreich. Der Name setzt sich aus Mandrakelinux (Frankreich) und Connectivalinux (Brasilien) nach deren Fusion zusammen. Mandriva wird fur Privatpersonen als die benutzerfreundlichste Distribution in Bezug auf Installation und Bedienung empfohlen. Aber auch fur Profis und fur Firmen bietet es sich als leistungsfahiges und stabiles System an.

Neben den „groBen“ Distributionen gibt es noch zwei Mini-Linux, Damn Small Linux und Puppy Linux. Beide Distributionen konnen als Live-, als Installations-Versionen oder auch einfach unter Windows gestartet werden. Dazu wird die jeweilige Version mit dem virtuellen Emulator QEMU aus dem Internet heruntergeladen. Da der Emulator in diesem Fall Bestandteil der Distribution ist, braucht das Programm nur aus Windows heraus aufgerufen zu werden. Beide Distributionen gibt es nur in englisch, sie konnen auch ganz normal als Linux installiert werden und legen dann ein vollstandiges Debian-System auf dem Computer an.

Damn Small (DSL)

Damn Small ist klein (50 MB) und flexibel. Es kann bereits auf einem 486DX mit nur 16 MB Arbeitsspeicher laufen. AuBerdem arbeitet dieses System vollstandig in der virtuellen Ramdisk und greift nicht standig auf einen externen Datentrager zu. Aus dem Internet wird eine ISO-Datei geladen, die auf Wunsch automatisch eine Live- und Installations-CD brennt.

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Abbildung 10: Die Damn Small-Arbeitsflache unter Windows unterscheidet sich nicht von der Arbeitsflache einer separaten Installation.

Damn Small kann direkt unter Windows laufen. Fur die Nutzung unter Windows steht eine Zip-Datei zur Verfugung, die aus dem Internet heruntergeladen werden kann. Sie enthalt bereits den Emulator QEMU, so dass keine zusatzliche Software benotigt wird. Nach dem Download der DSL-Zip-Datei wird ein Ordner dsl-„versionsnummer“-embedded im lokalen Temp-Ordner angelegt. Von hier wird Damn Small mit einem Klick auf die Startdatei (dsl-base) gestartet.

Nach kurzer Wartezeit, in der das System und die Treiber geladen werden, erscheint das neue Betriebssystem in einem eigenen Fenster auf der Windowsoberflache. Von hier lasst sich auch eine vollstandige Installation starten.

DamnSmall ist „schmal“ mit Buroanwendungen ausgestattet; es bringt ein einfaches Text- und Kalkulationsprogramm mit und verschiedene Viewer, zum Beispiel fur Word und PDF. Wie bei den anderen Distributionen konnen auch hier Programme aus dem Internet nachgeladen und eingebunden werden.

Puppy Linux

Puppy ist mit 100 MB eine kleine Distribution, die wie auch DamnSmall auf Debian-Linux basiert. Puppy kann als Live-System von einer CD gestartet und auf einem USB-Stick oder einer Festplatte installiert werden. Wird Puppy Linux im Live-Modus beendet, kann der Anwender auswahlen, ob alle Einstellungen, Dokumente usw. auf dem Computer abgespeichert werden sollen. Dazu legt das Programm eine Datei auf einer Windows FAT32-Partition an, in der alles gespeichert wird. Als Speichermedium kann sowohl die Festplatte als auch eine CD-RW, ein USB-Stick oder eine Speicherkarte dienen. Beim nachsten Start zeigt das System wieder genau dieselbe Umgebung mit allen Einstellungen und Dateien wie beim letzten Beenden. Die Daten werden dabei in einer Dateipup_save.2fs (oder auchpup_save.3fs) abgelegt, die intern eine ext2- bzw. exG-Lzftwx-Dateisystem-Struktur hat und beim Start von Puppy Linux entsprechend automatisch erkannt und in das Linux-Dateisystem gemountet (eingebunden) wird.

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Abbildung 11: Puppy Linux ist ein vollständiges Linux mit minimalen Anforderungen an die Ressourcen

Wie auch bei Damn Small gibt es Puppy Linux in Kombination mit dem Emulator QEMU. Das ermoglicht, Puppy wie bereits bei Damn Small beschrieben, unter Windows zu installieren und damit zu arbeiten.

Welche Distribution?

Es ist nicht moglich, den Anwendern eine bestimmte Linux-Distribution zu empfehlen und dies wird von seriosen Linuxusern auch nicht getan. Die Distributionen basieren zwar alle auf dem gleichen Kern, sind in der Zusammenstellung der Pakete, der Oberflachen und der Einbindung externer Gerate aber unterschiedlich zu handhaben. Deshalb sollten interessierte Anwender sich uber die Moglichkeit, Distributionen mit Hilfe von Live-CDs/DVDs zu testen erst einmal einen Uberblick verschaffen und die gangigsten Pakete austesten. Fur OpenSUSE, Debian, Ubuntu, Fedora, Mandriva und Knoppix. gibt es auch im Internet und in Computerzeitschriften reichlich Informationen. Auch die beiden Miniversionen sind einen Test durchaus wert, sie sind schnell, bieten viele Features und sind zum Testen gut geeignet. Der potentiellen Linuxanwender kann sich so in den Umgang mit Linux einarbeiten.

Eine Sonderstellung unter den Linux-Distributionen nimmt Debian ein. Debian galt in der Vergangenheit als schwierig zu installieren und nur fur anspruchsvolle versierte Nutzer geeignet. Inzwischen ist auch Debian anwenderfreundlicher geworden und bildet die Grundlage fur viele andere populare Linux-Distributionen, siehe oben. Fur Debian werden die neuen Versionen nicht in einem reglmaBigen Zyklus veroffentlicht. Eine neue Version erscheint erst dann, wenn die Entwickler sie als sicher genug fur eine Veroffentlichung halten.

Ab Version Debian 4,0 steht eine neue Installationsroutine mit grafischer Benutzeroberflache zur Verfugung, so dass sich die Installation von Debian nicht mehr wesentlich von der Installation anderer Distributionen unterscheidet. Die Vorgangerversionen konnten nur uber Tastatureingaben installiert werden. Diese Moglichkeit steht auch in den neuen Versionen noch zur Auswahl.

Die Beliebtheit der Distributionen andert sich im Laufe der Zeit, einfach weil die Entwicklung einzelner Distributionen unterschiedlich verlauft und die eine oder andere Distribtution den Vorstellungen der Anwender mehr entgegenkommt. Die Website www.distrowatch.org stellt dazu Statistiken bereit. Hier kann der Beliebtheitsgrad einzelner Distribution uber bestimmte Zeitraume abgelesen werden. Uber die letzten Jahre hat es Ubuntu auf den ersten Platz geschafft.

Die Desktop-Umgebungen

Wer mit Windows arbeitet, findet beim Start die integrierte Windowsoberflache vor, an der, abgesehen von den Hintergrunden und den auf dem Desktop abgelegten Programm-Icons, keine wesentlichen Anderungen vorgenommen werden konnen. Linux funktioniert nicht nach diesem Prinzip. Hier ist nicht von einer Oberflache sondern von Desktop-Umgebungen die Rede. Die jeweilige Distribution selbst stellt die Grundfunktionen bereit, alle sonstigen Funktionen und die Software bringen die Desktopumgebungen mit.

Da Linux ein freies System ist, und verschiedene Entwickler an verschiedenen Projekten arbeiten, wurden auch verschiedene Desktop-Umgebungen als Projekte entwickelt. Die bekanntesten und am meisten eingesetzten sind GNOME (GNU Network Objekt Modul Environment), KDE (K Desktop Environment) und Xfce (XForms Common Environment), eine abgespeckte Variante, die wenig Speicherplatz benotigt.

Zu einer Desktop-Umgebung gehort jeweils mindestens ein Windowmanager (nicht Windows...), dieser ist fur die Arbeit auf der Oberflache, die Mausbewegungen und das Verwalten der Fenster zustandig (minimieren, schlieBen, in der GroBe verandern usw.).

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Jede Desktopumgebung hat ihr eigenes Logo, das auf dem Arbeitsbildschirm distributionsabhangig an unterschiedlichen Positionen angezeigt wird. (Von links nach rechts: KDE, Gnome und Xfce).

Andererseits ist beispielsweise der Austausch von Projekten per Drag and Drop zwischen verschiedenen Programmen Aufgabe der Desktop-Umgebung. Den Linux- Einsteiger braucht diese Aufteilung nicht abzuschrecken. Er findet — egal ob live oder installiert — ein vollstandiges System vor, mit dem er sofort arbeiten kann.

Windowmanager gibt es viele, die Desktops bringen jeweils einen als Standard mit. Ein Linux-System kann auch ohne Desktopumgebung, nur mit einem Windowmanager, betrieben werden. Hierbei werden nicht so viele Ressourcen benotigt, dafur steht ein Teil der grafischen Funktionen nicht zur Verfugung. Ein Wechsel der Windowmanager und/oder der Desktop-Umgebung ist jederzeit moglich, die Auswahl ist groB. Jede Distribution arbeitet mit einer Desktopumgebung und einem Windowmanager als Standard. KDE ist die Standardumgebung bei bei openSUSE und GNOME bei Ubuntu. Auch hier besteht die Moglichkeit, zu wechseln und das System mit zusatzlichen Funktionen zu erweitern. Das funktioniert aber nur mit einem installierten System. Die Testversionen (Live-Versionen) auf DVD und USB-Stick sind an die integrierte Oberflache gebunden. Aus diesem Grand gibt es die meisten Live-Distribution in mehreren Varianten, mit KDE, GNOME oder auch Xfce. Das heiBt, wer openSUSE mit verschiedenen Desktops live testen mochte, braucht eine DVD mit KDE und eine mit GNOME oder auch eine mit Xfce.

In den Grundfunktionen besteht zwischen KDE und GNOME kein groBer Unterschied. Doch an der Oberflache und in der Bedienung unterscheiden sich die beiden groBen Desktop-Umgebungen deutlich. Die Distributionen unterscheiden sich also nicht nur untereinander sondern auch durch den jeweils verwendeten Desktop und Windowmanager. Beide Desktop-Umgebungen bringen eine Reihe verschiedener Anwendungen mit, unter anderem auch Office-Pakete und jede Oberflache hat einen eigenen Dateimanager. Neben der Moglichkeit, sich bei der Installation fur eine Desktop-Umgebung zu entscheiden, konnen KDE und GNOME auch nebeneinander installiert und je nach Bedarf eingesetzt werden. Die Entscheidung, mit welcher Oberflache gearbeitet werden soll, wird dabei nach dem Booten bei der Anmeldung getroffen.

Zu den Unterschieden zwischen den Desktop-Umgebungen und Windowmanagern kommen noch die Unterschiede zwischen den Distributionen. Das heiBt, ein GNOME- Desktop sieht zum Beispiel unter Suse, Ubuntu oder Fedora jeweils anders aus, das Gleiche gilt fur KDE. Ubuntu zeigt die typische GNOME-Oberflache mit den Menus Anwendungen, Orte, System und Firefox am oberen Bildschirmrand, OpenSUSE mit dem Desktop GNOME bietet die typischen GNOME-Menus nicht, siehe auch Abbildung 5. Da Desktops vom Anwender auch noch weitgehend seinen Wunschen angepasst werden konnen. hat jede individuelle Linux-Installation ein anderes Aussehen.

KDE wurde ursprunglich von Kool Desktop Environment abgeleitet, heute wird die Abkurzung mit K Desktop Environment ubersetzt. KDE bietet mehr Spezialfunktionen und Konfigurationsmoglichkeiten als GNOME, dafur ist es jedoch schwieriger zu bedienen. KDE verwendet ein Windows ahnliches Design. Die Systemleiste befndet sich am unteren Rand. Das Start-Button (Suse-Symbol) offnet ein Menu in dem alle wichtigen Funktionen zur Verfugung stehen: Der Zugriff auf installierte Anwendungen, das Kontrollzentrum (YaST) und die Schnellstartfunktion.

Seit einiger Zeit wird bereits daran gearbeitet, KDE auch unter Windows einzusetzen. Dazu steht die KDE-Version 4.4 zur Verfugung. Der KDE-Window-Manager wird einfach als Exe-Datei gestartet. Dass KDE zur Portierung auf Windows entwickelt wurde, wird kontrovers diskutiert. Zum einen sollen Windowsanwendern die Vorteile von Linux schmackhaft gemacht werden, um sie zum Umstieg zu bewegen. Andererseits wird befurchtet, dass Windowsnutzer nun keinen Grand mehr zum Umstieg sehen, wenn sie alle Vorteile von KDE und Linux auch unter Windows bekommen konnen, ohne auf die gewohnte Umgebung zu verzichten. Diese Diskussionen scheinen jedoch an der Praxis vorbeizugehen.

KDE stellt als Desktop auch unter Windows gemeinsame Funktionen fur die integrierten Linux-Pakete zur Verfugung, das heiBt, die Grundfunktionen werden nur einmal eingerichtet und gelten dann fur alle Programme im Linux-System. Im Gegensatz dazu muss in Windows jedes Programm separat eingerichtet werden.

KDE selbst bringt die Office-Suite KOffice mit, bestehend aus der Textverarbeitung KWord, der Tabellenkalkulation KSpread und der Prasentationsgrafik KPresenter. Zusatzlich steht der Texteditor Kwrite zur Verfugung, auBerdem der Editor Kate, der mit Plugins erweitert werden kann. Der Dateimanager der aktuellen KDE-Versionen heiBt Dolphin. AuBerdem gibt es noch den Dateimanager Konquestor, gleichzeitig Webexplorer. Die Bedienung des Konquestor ist allerdings etwas schwieriger. Mit Dolphin kommen Windowsanwender jedoch gut zurecht. Damit stehen die genannten Programme und Tools unter Windows zur Verfugung. Die Variante, KDE unter Windows einzusetzen scheint sich jedoch nicht so richtig durchzusetzen.

KDE erinnert an die Windowsoberflache, deshalb ziehen Windows-Umsteiger vielfach KDE vor. KDE-Anwender haben einen breiten Spielraum, sich ihr System nach eigenen Wunschen zusammenzustellen, dazu stehen viele zusatzliche Features zur Verfugung. Die Veroffentlichungszyklen von KDE richten sich danach, ob das fur die Anderungen und Erweiterungen gestellte Ziel erreicht ist, es gibt also keine regelmaBigen Abstande fur neue Versionen wie bei GNOME.

GNOME-zeigt in der Standard-Konfiguration zwei Systemleisten: eine am oberen, die andere am unteren Bildschirmrand (das trifft nicht fur openSUSE mit GNOME zu). Auf der unteren Leiste zeigt GNOME die Namen der geoffneten Fenster an und die virtuellen Arbeitsflachen. Oben werden drei Menupunkte, Anwendungen, Orte und System angezeigt. Unter Anwendungen sind die Rubriken Buro, Grafik, Internet, Systemwerkzeuge, Unterhaltungsmedien und Zubehor zu finden. Die Funktionalitat entspricht in etwa dem Programm-Menu unter Windows.

Das integrierte Office-Paket nennt sich GNOME Office. Es beinhaltet die Textverarbeitung Abiword und die Tabellenkalkulation Gnumeric, aber keine Alternative zu MS Powerpoint.. Der Texteditor heiBt Gedit. GNOME Office enthalt zusatzliche Tools wie die Finanzsoftware gnucash, die mit Quicken vergleichbar ist. Weitere Anwendungen sind Diagramm- und Vektorgrafik, zwei Projektmanagement- Programme und die Fax-Software Gfax.

GNOME veroffentlicht alle 6 Monate eine neue Version (Release). Alle Anderungen, die bis dahin fertig sind, werden aufgenommen. GNOME ist fur Fedora und Ubuntu der Standard-Desktop. Der Gnome-Dateimanager heiBt Nautilus. Er ermoglicht neben dem Zugriff auf Dateien und Ordner auch die Arbeit mit externen Geraten und Datentragern.

Gegenuber KDE ist GNOME leichter zu erlernen und anwenderfreundlicher. Beide Dateimanager, also Nautilus und Dolphin bieten mehr Funktionalitat als der Windows- Explorer.

Linux installieren oder testen - allgemein

Linux testen (Live-Systeme)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fur alle gangigen Linux-Distributionen gibt es inzwischen Live-CDs (DVDs). Mit Hilfe der Live-Datentrager konnen Linux-Distributionen gefahrlos getestet werden, ohne dass die Windows- Installation davon beeintrachtigt wird. Voraussetzung dafur ist die entsprechende Einstellung im Bootmenu des Computers. Hier muss die Bootreihenfolge so geandert werden, dass das DVD- Laufwerk an erster Stelle steht.

Ist kein bootbarer Datentrager eingelegt, startet der Computer automatisch von der Festplatte.

Moderne Computer bieten zudem die Moglichkeit, direkt vor dem Booten das bevorzugte Laufwerk auszuwahlen. Ein Nachteil der Arbeitsweise mit einer Live-CD liegt darin, dass Einstellungen und Anderungen einer Arbeitssitzung nicht auf der CD gespeichert werden konnen und bei der nachsten Sitzung alles neu eingegeben werden muss.

Eine Variante der Live-Datentrager ist der bootbare Linux-USB-Stick. Die Arbeitsweise ist die Gleiche wie mit einer CD, mit dem Unterschied, dass Einstellungen und Anderungen auf den Stick gespeichert werden konnen und somit fur die nachste Sitzung wieder zur Verfugung stehen. Voraussetzung ist hier, dass der Computer das Booten vom USB-Stick erlaubt, das ist bei den meisten neueren Computern der Fall. Ebenso wie beim Booten von einer Live-CD/DVD muss zum Booten vom USB-Stick im BIOS die Bootreihenfolge umgestellt werden.

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Ende der Leseprobe aus 97 Seiten

Details

Titel
Linux, die clevere Alternative zu Windows
Untertitel
Einführung in die Linuxwelt für Umsteiger
Veranstaltung
-
Autor
Jahr
2010
Seiten
97
Katalognummer
V159855
ISBN (eBook)
9783640765959
ISBN (Buch)
9783640766345
Dateigröße
6161 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Betriebssystem, Linux, Distribution, openSUSE, Ubuntu, Netbook, Torvalds, Virtualbox, proprietär, Partitionierung, KDE, Gnome, Xfce, Wubi, Instlux, GNU/Linux, GParted, Fedora
Arbeit zitieren
Bärbel Schulze-Amme (Autor), 2010, Linux, die clevere Alternative zu Windows, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159855

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