Medien - Mittäter oder Mediatoren?

Eine Analyse am Beispiel des Tschetschenienkonflikts


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

35 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Joumalismus in Krisenregionen
2.1 Medien
2.1.1 Charakteristika
2.1.2 Abhangigkeiten
2.2 Richtlinien und Vorbereitungen fur den Einsatz in Krisenregionen
2.3 Krisenberichterstattung
2.3.1 Charakteristika
2.3.2 Rolle der Medien in der Krisenberichterstattung
2.4 Medien als Aggressoren - Militarisierung der Medien
2.5 Friedensjournalismus
2.5.1 Voraussetzungen
2.5.2 Qualitatskriterien
2.5.3 Medien als Mediatoren?
2.5.4 PECOJON als Institution des Friedensjournalismus
2.6 Die Krisenberichterstattung am Beispiel des Tschetschenien-konflikts
2.6.1 Der Erste Tschetschenienkrieg: zwischen Pressefreiheit und Restriktion
2.6.2 Das Resumee der Tschetschenienkriege

3 Zusammenfassung

4 Bibliographie

1 Einleitung

Krisen und Kriege gibt es seit Menschengedenken. Doch die Berichterstattung uber diese hat in den letzten beiden Jahrzehnten ungeahnte AusmaBe angenommen. Seit Beendigung des Zweiten Weltkrieges haben sich keine Kriege mehr vor den Hausturen der westlichen Industriestaaten abgespielt. Dennoch wird mittels der Massenmedien der Eindruck von Unmittelbarkeit und Aktualitat erweckt. Der Medienkonsument kann sich die Kriegsschauplatze bei Bedarf im Fernsehen betrachten. Die Prasentation der Bilder in den Nachrichten zeichnet sich zumeist durch Einfachheit und Eindringlichkeit aus. Dem Rezipienten wird ein gewisser Informationsgehalt suggeriert. Doch in welchem Grade darf er sich tatsachlich informiert fuhlen? Die Medien gelten zwar als vierte Instanz im Staat, der das Primat der Meinungsbildung zugesprochen wird. Aber werden sie ihrem Ruf gerecht? Was macht den Journalismus im Allgemeinen aus und inwieweit unterscheidet er sich von seinem konfliktsensitiven Pendant? Welche Funktionen konnen die Medien innerhalb eines Konflikts einnehmen? Durch welche Faktoren wird diese Arbeit beeinflusst? Die Analyse dieser Fragen soll schlieBlich zur Erkenntnis daruber fuhren, ob die Umsetzung eines konfliktsensitiven Journalismus als realistisch zu betrachten ist.

Um einen begrifflichen Rahmen fur diese Arbeit zu stecken, sollen an dieser Stelle einige Definitionen angefuhrt werden: Die Begriffe konfliktsensitiver Journalismus und Friedensjoumalismus werden im Folgenden synonym verwendet. Die „Krise“ ist als Kontinuum zwischen Konflikt und Krieg bzw. als zugespitzer Konflikt mit der Gefahrdung dominanter Ziele und ungewissem Ausgang zu begreifen. Die Krisenberichterstattung thematisiert demnach ebenso die Vor- und Nachkriegszeit (vgl. Bilke 2008: 140f).

Die vorliegende Arbeit soll einen Uberblick uber das doch noch recht junge Forschungsfeld des konfliktsensitiven Journalismus geben. Als herausragend sind die sehr profunden Systematisierungen zur Konzeption und Qualitatsmerkmalen des Friedensjoumalismus von Nadine Bilke zu nennen. Bevor die Rolle der Medien in der Krisenberichterstattung zwischen Mittater und Mediator, d.h. zwischen kriegsfOrdernd und vermittelnd zwischen Konfliktparteien, genauer diskutiert werden, erfolgt eine Analyse der Charakteristika beider Konzepte. AbschlieBend werden die theoretischen Ansatze am Beispiel der Tschetschenienkrise und der wechselnden Rolle der Medien in beiden Kriegen veranschaulicht und konkretisiert.

2 Journalismus in Krisenregionen

2.1 Medien

2.1.1 Charakteristika

Freie Medien bedurfen einer demokratischen Grundlage. Gleichzeitig stellen sie aber auch selbst durch die Meinungsbildung einen maBgeblichen Faktor fur die Funktionsfahigkeit von Demokratie dar (vgl. Bilke 2008: 21). Die Voraussetzungen fur eine freie Medienarbeit umfassen den unabhangigen Zugang zu den Medien fur die Offentlichkeit sowie die unabhangige Recherche durch die Journalisten und einen adaquaten Schutz der Reporter (vgl. Bilke 2002: 63). Die Aufgaben der Medien selbst liegen schliefilich in der Artikulation, Partizipation, Kritik, Orientierung, Verstandigung und Meinungsbildung (vgl. Bilke 2008: 50). Im Rahmen der Medienethik fuhrt Bilke die Starkung des Friedens, die Achtung der Menschenwurde sowie die wahrheitsgetreue Berichterstattung als drei Orientierungspunkte fur die Arbeit der Medien an (vgl. Bilke 2002: 63). Begeht der Journalist dabei Fehler, kann dies fatale Auswirkungen auf den Kriegsverlauf haben. Dies betrifft insbesondere vorschnelle Veroffentlichungen von strategisch wertvollen Informationen. Auch wenn die Publikation eigentlich nur im eigenen Land erfolgt, so konnen diese Informationen durch die Internationalisierung der Medien urplotzlich der gegnerischen Partei einen Vorteil verschaffen. Uberraschungsangriffe werden so wirkungslos. Schwachen bzw. Starken oder sogar Strategien der eigenen Truppen konnen so versehentlich weitergeleitet werden (vgl. Nagenborg 2004: 61). Insbesondere im Internet kann eine Mitteilung an die Offentlichkeit schnell zu einer Mitteilung an die Weltoffentlichkeit avancieren. Daher besteht in der Mediengesellschaft der Trend zuruck zur Geheimpolitik (vgl. ebd.: 60).

Entscheidungstrager nutzen die Presse jedoch fur drei Funktionen: Als erstes dienen sie ihnen als Ressource fur die eigene Meinungsbildung. Dabei wollen sie sich allerdings hauptsachlich uber die Relevanz der Ereignisse fur die eigene Nation informieren. Eine mehrheitliche Meinungsreprasentation kann dabei einen gewissen Handlungsdruck auf den Entscheidungstrager ausuben (vgl. Bilke 2008: 184). Des Weiteren besteht die Innovationsfunktion. Die Medien konnen neue Ideen, Perspektiven oder sogar Handlungsoptionen anbringen, die wiederum durch genugend Handlungsdruck seitens der breiten Offentlichkeit Umsetzung finden konnen. Als drittes ist die operative Funktion anzufuhren. Insbesondere in nicht demokratisch regierten Landern werden die Medien auf diese Weise fur die eigenen strategischen Zwecke instrumentalisiert (vgl. ebd.: 184). Dies soll in der vorliegenden Arbeit abschliefiend am Beispiel des Zweiten Tschetschenienkrieges genauer erortert werden.

Beim Journalismus ist zwischen zwei Idealtypen zu unterscheiden: dem Informations- und dem Meinungsjournalismus. Ersterer Begriff beschreibt eine umfassende, objektive Berichterstattung uber aktuelle Themen. Dabei sollte sich der Recherchierende als neutralen Beobachter, Vermittler oder Chronisten begreifen. Der Informationsjournalismus hat es zum Ziel Fakten ohne personliche Wertung unverandert und vollstandig weiterzugeben, sodass sich der Rezipient seine eigene Meinung bilden kann. Als Reaktion auf die Defizite des Informationsjournalismus entstanden weitere Arten wie der investigative oder interpretative Journalismus. In dieser Sphare ist ebenfalls der konfliktsensitive Journalismus, der in Kapitel 2.5 genauer untersucht werden soll, anzusiedeln. Den zweiten Typus stellt der Meinungsjournalismus dar. Hier erfolgt eine bewusste Einordnung und Wertung der Ereignisse sowie Kritik und Kontrolle den Entscheidungstragern gegenuber. Die Medien sind in dieser Funktion als vierte Gewalt im Staat zu betrachten (vgl. ebd.: 76f).

Um den Anspruchen seiner Arbeit gerecht zu werden, sollte jeder Journalist nach Weischenberg vier Kompetenzen aufweisen: Primar ist dabei die Fachkompetenz als Kenntnis um das journalistische Handwerk sowie das Medienwissen anzufuhren. Als Zweites bedarf es dem Journalisten an einer gewissen Vermittlungskompetenz, d.h. Diskursstrategien und Prasentationsmethoden. Weiterhin brauch ein guter Journalist Orientierungs- und Sozialwissen um seine Recherchen erfolgsorientiert durchfuhren zu konnen. Als Viertes fordert Weischenberg Kompetenzen, die der sozialen Orientierung dienen. Diese umfassen unter anderem Funktionsbewusstsein, Reflexionsfahigkeit und Autonomiebewusstsein (vgl. ebd.: 230).

2.1.2 Abhangigkeiten

Wie im vorangegangen Kapitel dargestellt, bildet der freie Joumalismus die Basis fur die Meinungsbildung. Der gesellschaftliche Konsens kann schliefilich Einfluss auf die Politik der jeweiligen Entscheidungsinstanzen ausuben. Doch wie frei sind unsere Medien tatsachlich? Wo konnen Abhangigkeiten entstehen? Oder bestehen diese sogar zwangslaufig? Diese Fragen sollen im vorliegenden Kapitel erortert werden.

Bilke unterscheidet zwischen der primaren und sekundaren Selektion von Nachrichten, welche jeweils spezifischen Kriterien der Abhangigkeit unterliegen: Die primare Selektion wird vornehmlich durch die Vorauswahl der drei grofien internationalen Nachrichtenagenturen getroffen. Reuters (Grofibritannien), AFP (Frankreich) und AP (USA) kontrollieren heute circa 80% des internationalen Nachrichtenmarktes. Weiterhin unterwirft sich der Journalist durch das redaktionelle Profil des Mediums, sei es eine Zeitung oder eben ein Fernsehprogramm, einer gewissen Selbstzensur. Diese setzt sich durch den Druck der vermeintlichen Erwartungshaltung der Vorgesetzten und des Publikums fort (vgl. Bilke 2002: 59ff). Die Auswahl der Nachrichten orientiert sich dabei mafigeblich am Konsumverhalten der Rezipienten; d.h. sie untersteht einem okonomischen Druck. Der stetige Kampf um Quoten, Auflagen und Zugriffszahlen (vgl. Bilke 2008: 87) erweckt dabei den Eindruck, das Massenmedien heute eher ein bezahltes Produkt, als vielmehr ein soziales Gut sind (vgl. Bilke 2002: 62). Es lasst sich feststellen, dass negative Nachrichten haufiger als Schlagzeilen dienen und visualisierbaren Ereignissen ebenso der Vorrang gegeben wird. Dies wird mit der emotionalisierenden Wirkung der Bilder und der Suggestion von Aktualitat legitimiert (vgl. ebd.: 60). Daruber hangt die Nachrichtenauswahl von technischen und organisatorischen Zwangen ab. Erst bei der sekundaren Selektion trifft der Journalist aufgrund seiner eigenen Erfahrungen und Einstellungen eine personliche Nachrichtenauswahl (vgl. ebd.: 59).

Ziesel deckte bereits 1962 die Fehleinschatzung durch die breite Bevolkerung zur Abhangigkeit der Medien auf:

„Wir sind gewohnt, die Meinungsfreiheit stets bedroht durch staatliche und politische Versuche der Unterdruckung anzusehen. Den wirtschaftlichen Missbrauch der Medien sehen wir nicht.“ (Jochimsen 2006: 35)

Diese Bewertung ist insbesondere fur die Burger der Industriestaaten erhellend, da jene durch Auslandsreportagen zumeist auf die eingeschrankte Meinungsfreiheit als primares Manko hingewiesen werden und dabei die Moglichkeiten der Abhangigkeit der Medien im eigenen Land komplett verdrangen. Eine besonders gefahrliche Form der wirtschaftlichen Abhangigkeit soil in Kapitel 2.6.2 am Beispiel der russischen Medien erlautert werden.

2.2 Richtlinien und Vorbereitungen fur den Einsatz in Krisenregionen

Das Heidelberger Institut fur Internationale Konfliktforschung (HIIK) zahlte im Jahre 2002 insgesamt 173 politische Konflikte weltweit und deklarierte damit die Zunahme dieser. Daruber hinaus sah das HIIK im selben Jahr in 156 Landern die Pressefreiheit eingeschrankt (vgl. Schafter 2004: 167f). Schafter beklagt weiterhin, dass in den Jahren 1994 bis 2002 insgesamt 254 Journalisten wahrend ihrer Arbeit starben, wovon 73% vorsatzlich getotet worden seien (vgl. ebd.: 164).

Im Angesicht dieser Zahlen verwundert es nicht, dass die funf grofien internationalen Nachrichtenagenturen Reuters, APTN, BBC, CNN und ITN bereits im Jahre 2000 folgende sieben Sicherheitsrichtlinien fur Journalisten, die in Krisengebieten recherchieren, veroffentlichte: Die Medien sollten sich dazu verpflichten die etwaigen Risiken zu minimieren sowie eine entsprechende Vorbereitung und Ausbildung fur die Arbeit in einem Krisengebiet zu garantieren bzw. uber relevante Ausbildungsmafinahmen zu diesem Thema zu informieren. Als zweiten Grundsatz benennen die safety guidelines die Freiwilligkeit, d.h. die Journalisten durfen weder zu einem Einsatz in einem Krisengebiet, noch zum Eingehen zusatzlicher Risiken innerhalb der Recherchen genotigt werden. Des Weiteren sollten lediglich Journalisten mit hinreichender Erfahrung mit der Arbeit in Krisen- und Kriegsgebieten eingesetzt werden. Es ist ratsam Neulingen in diesem Gebiet einen erfahrenen Journalisten zur Seite zu stellen. Als vierte Richtlinie gilt eine entsprechende Vorbereitung hinsichtlich des allgemeinen Verhaltens in Gefahrensituationen sowie die Durchfuhrung eines Erste- Hilfe-Kurses. Ein weiterer Grundsatz betrifft die Ausrustung. Die Redaktionen mussen eine adaquate Sicherheitsausrustung stellen. Diese sollte unter anderem eine kugelsichere Weste, Helme, notwendige Kommunikationsmittel sowie einen Erste- Hilfe-Kasten umfassen (vgl. ebd.: 168ff). Die Berufsverbande DPV und bdfj bieten sogar einen kostenlosen Verleih von Schutzkleidung fur Verbands-Joumalisten an (vgl. Deutscher Presse Verband: 28.07.2010).

Des Weiteren mussen die Redaktionen einen entsprechenden Versicherungsschutz fur die Journalisten sowie nach Ruckkehr in die Heimat eine hinreichende psychologische Betreuung anbieten. Als letzter Punkt wird der juristische Schutz der Journalisten genannt. Laut Artikel 79 des Zusatzprotokolls der Genfer Konvention gelten jene als Zivilisten, insofern sie aktiv keine Kriegshandlung unterstutzen (vgl. Schafter 2004: 169f).

Zur Vorbereitung von Journalisten auf die Arbeit im Krisengebiet bietet die Bundeswehr einen einwochigen Lehrgang in ihrem UN-Ausbildungszentrum in Hammelburg an (vgl. Werner 2008: 51). Dieser wurde ursprunglich als Schulung fur Soldaten mit bevorstehendem Auslandseinsatz konzipiert (vgl. ebd.: 50). Der heutige Kurs fur die Journalisten, welcher auf die Zahl von 15 Teilnehmern beschrankt ist, hat zum Ziel das fruhzeitige Erkennen von Gefahren und den Schutz der eigenen Person zu trainieren. Innerhalb des Lehrgangs werden die Journalisten in funf Themengebieten unterwiesen (vgl. ebd.: 51):

1. Unter Beschuss: Demonstration der Wirkung von Waffen sowie praktische Ubungen zum Erkennen und Nutzen der vorhandenen Deckungen
2. Orientierung im Gelande: Gebrauch von Karte, Kompass und GPS
3. Minenkunde: Grundregeln fur das Verhalten im Minenfeld, Erkennen und Vermeiden derer
4. Erste Hilfe
5. Rollenspiele: Ubung des Verhaltens bei Verhoren und in Geiselhaft sowie bei typischen Situationen in Krisengebieten (Bsp.: Checkpoint, auf Patrouille)

Diverse Verbande bieten ebenfalls derartige Vorbereitungskurse mit wechselndem Schwerpunkt an. Da die Erlauterung aller Programme den Rahmen dieser Arbeit sprengen wurde, sei an dieser Stelle lediglich auf das Command Risks Management (CRM) verwiesen. Neben den ublichen Schulungen bietet diese Organisation zusatzlich eine Reisebegleitung an, die vor Ort durch eine standige sicherheitstechnische Beratung die reibungslose Recherche begunstigt (vgl. Deutscher Presse Verband: 28.07.2010).

Dennoch mussen Journalisten zusammen mit ihrer Redaktion im Vorlauf viel Zeit in die logistische Planung des Einsatzes investieren. Neben dem Erwerb von krisenrelevantem Spezialwesen erfolgen zusatzlich die allgemeine Reiseorganisation, die Analyse der Sicherheitslage in der Region sowie die Anstellung qualifizierter Ubersetzer (vgl. Bilke 2008: 235).

2.3 Krisenberichterstattung

Carruthers weist eine Sonderstellung der Krisenberichterstattung innerhalb des Joumalismus entschieden von sich:

„War should not be seen as a special case of how the media works but rather as a magnifying glass which highlights and intensifies many of the things that happen in peacetime [...]” (Bilke 2002: 56)

Vielmehr ist von allgemeinen Entwicklungstendenzen im Joumalismus auszugehen. Die Medien unterliegen einer zusehenden Kommerzialisierung, Entertainisierung, Beschleunigung, Fiktionalisierung und Internationalisierung: Der Aspekt der Kommerzialisierung wurde bereits in Kapitel 2.1.2 angedeutet. Er soll an dieser Stelle jedoch noch mal genauer ausgefuhrt werden. In dem Ringen um Einschaltquoten und Verkaufszahlen gilt der Krieg durch seine Schnelligkeit und Emotionalitat als Verkaufsschlager. Durch den okonomischen Druck neigen Journalisten dazu wirtschaftlichen Erfolg uber ihre Berufsethik zu stellen. Oftmals werden Nachrichten lediglich uber Presseagenturen angekauft, ohne dass die Journalisten je selbst Recherchen an den Schauplatzen durchgefuhrt haben. Auf diese Weise suggeriert die publizierte Nachricht eine falsche Authentizitat. Unter dem standig herrschenden Druck der Unmittelbarkeit und Aktualitat kommt es dazu, dass Journalisten ihre Pflicht durch mangelnde Uberprufung der verwendeten Quellen und fehlende Recherchen der Hintergrundinformationen vernachlassigen (vgl. ebd.: 56).

Des Weiteren nimmt die Entertainisierung der Medien zu. Immer haufiger wird die Nachricht nicht als serioses Gut, sondern als Unterhaltung verkauft. „Clean, sober narrative [...] has [...] become unfashionable in the media world.” (ebd.: 58) Tatsachen erfahren eine kunstliche Vereinfachung um eindringlicher fur den mit politischen Ereignissen uberfluteten Rezipienten zu werden. Die Protagonisten der Nachricht werden stereotypisiert. Die Aktualitat der Berichterstattung schlagt sich zu Lasten der Perspektivenvielfalt nieder. Der Druck lasst nur selten Zeit, um neben der Schwarz- Weifi-Malerei der Medien Graustufen aufzudecken (vgl. ebd.: 56f).

Als Folge der Entertainisierung kommt es zur Beschleunigung der Nachrichten. Durch die rasende Geschwindigkeit der Berichterstattung wird eine Unmittelbarkeit der Geschehnisse kreiert. Der Rezipient fuhlt sich scheinbar realitatsgetreu in die Krisensituation hineinversetzt. „Der Zwang zur Aktualitat lafit keine Zeit zum Nachdenken.“ (ebd.: 57f) Bilder haben daruber hinaus einen sehr hohen Grad an Emotionalitat. Der Rezipient hat demnach im Allgemeinen weder Zeit, noch das Bedurfnis das Gesehene in Frage zu stellen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Medien - Mittäter oder Mediatoren?
Untertitel
Eine Analyse am Beispiel des Tschetschenienkonflikts
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)  (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Interkulturelle Konflikte und Mediation
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
35
Katalognummer
V159933
ISBN (eBook)
9783640729630
ISBN (Buch)
9783640730070
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Medien, Tschetschenien, Krisenberichterstattung, Friedensjournalismus, Pressefreiheit
Arbeit zitieren
Stefanie Schumann (Autor), 2010, Medien - Mittäter oder Mediatoren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159933

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