Die Villa Hadriana - die größte kaiserliche Villenanlage der Geschichte


Seminararbeit, 2008

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rundgang durch die Villa Hadriana
2.1 Vom Großen Portikus bis hin zum Kanopus
2.2 Kanopus - Imitation Ägyptens?
2.3 Das Erscheinungsbild der Villa Hadriana

3. Die Villa Hadriana - Ein Unikat im Rahmen der Bautätigkeit Kaiser Hadrians?

4. Die Stellung der Villa nach dem Tod Kaiser Hadrians
4.1 DieZeitdesVergessens
4.2 DiePhaseder Wiederentdeckung

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„In einer anmutigen Gegend von stiller Schönheit, die auf der einen Seite von Bergen begrenzt, auf der anderen nach der Ebene und Rom hin offen ist, liegt die Villa des Hadrians...Marmor, Stuck, farbiger Putz, die die Wände verkleideten, Gebälk, bunte Marmorsäulen, kostbare Marmor- oder Mosaikfußböden, sie alle sind gänzlich verloren. Die kühnen Gewölbe sind zum größten Teil eingestürzt. Die vielen von Hadrian gesammelten Kunstwerke schmücken die Gebäude nicht mehr. Wir kennen sie nur aus den europäischen Museen. Aber trotz aller ihr durch Zeit und Mensch zugefügten Verwüstungen hat die Villa bis heute ihren Zauber bewahrt und das wegen der Großartigkeit ihrer von jahrhundertealten Bäumen umgebenen Ruinen.“1 Eben „die schönste antike Ruinenlandschaft auf dem Boden Italiens“, wie der Archäologe Heinz Kähler sie einst bezeichnete, soll im Mittelpunkt dieser Hausarbeit stehen.2

Der römische Kaiser Hadrian, welcher von 76 n. Chr. bis 138 n. Chr. lebte und im Jahre 117 der Nachfolger Trajans wurde, ließ sich ca. 40 km östlich von Rom in den Jahren 118-134n. Chr. die so genannte Villa Hadriana erbauen. Eigentlich ist sie mit dem landläufigen Begriff Villa nicht zu fassen, denn allein ihr Areal von nahezu anderthalb Quadratkilometern, spricht ihr dieses ab. Aus heutiger Sicht, handelt es sich um die größte aller kaiserlichen Villenanlagen, diejemals in der Antike geschaffen worden ist. Man geht davon aus, dass sich zeitweilig wohl bis zu 20000 Menschen innerhalb der Villa Hadriana aufgehalten haben, was darin zu begründen ist, dass die Anlage nicht nur als Sommerresidenz bzw. Alterssitz des Kaisers diente, sondern auch Teile der kaiserlichen Verwaltung partiell dort untergebracht waren.3 Über den Ursprung der Villa Hadriana sind sich die Historiker gegenwärtig jedoch nicht einig. Als bewiesen gilt zwar, dass der nordöstliche Teil der Anlage einen älteren Nukleus enthält, wie und wann dieser aber in den Besitz Hadrians kam, bleibt strittig. Sabine Poeschel beschreibt in ihrem Buch „Rom mit Ostia Antica, Tivoli und Villa Hadriana“, dass der nordöstliche Teil der Anlage mit einigen älteren Bauten aus der republikanischen Zeit stammt und Hadrian diesen schon vor seiner Inthronisierung als Imperator vom Vater seiner Gattin Sabina geerbt hat. Des Weiteren geht sie davon aus, dass dieser ältere Teil wohl in Anlage und Aufbau der so genannten Mysterien- Villa in Pompeji ähnlich gewesen sein wird.4 Heinz Kähler hingegen betrachtet das Problem der Herkunft des älteren Nukleus etwas zurückhaltender. Er geht zwar ebenso wie Poeschel davon aus, dass in der Villa Hadriana eine ältere Anlage integriert ist, wie es das nochvorhandene Mauerwerk belegt, jedoch scheut er sich Äußerungen über den Vorbesitzer und die Art und Weise, wie sie in Hadrians Hände kam, zu machen. Kähler verweist lediglich darauf, dass bevor Hadrian zu bauen begann, wohl schon anderthalb Jahrhunderte der heute als älterer Teil bezeichnete Kern gestanden haben muss.5 Im Rahmen dieser Hausarbeit kann auf die Problematik der ursprünglichen Besitzverhältnisse und den älteren Kern nicht weiter eingegangen werden, dagegen werden das einstige Erscheinungsbild der Villa Hadriana, sowie die Rolle Hadrians im Bezug auf die Planung und Errichtung seiner Villa näher betrachtet werden. Schon in der Beschreibung der Hadriansvilla, die Heinz Kähler oder Catia Caprino vornehmen, wird deutlich, dass der Villa etwas Besonderes innewohnt. Die Frage die sich daraus ergibt, kann nicht anders lauten, wie: Gab es unter dem Bauherrn Hadrian etwas Vergleichbares oder nahm die Villa Hadriana eine Sonderstellung ein? Weiterhin wird im Zusammenhang mit Bauwerken, die in der Zeit Hadrians entstanden, oft berichtet, dass Hadrian einen regen Anteil an der Planung und Ideensammlung gehabt haben soll. Wenn es tatsächlich der Fall gewesen ist, dass Hadrian nicht nur als Bauherr, sondern auch als Architekt fungierte, ist die Frage nach dem Lebenswandel und dem Charakter Hadrians höchst interessant, denn vielleicht ist es möglich zwischen Hadrians Leben und Sein und dem Erscheinungsbild der Villa Hadriana Parallelen herzustellen. Diesen Fragestellungen soll mittels der folgenden Hausarbeit auf die Spur gegangen werden.

2. Rundgang durch die Villa Hadriana

2.1 Vom Großen Portikus bis hin zum Kanopus

Wer heute die Villa Hadriana besichtigen und somit in eine längst vergangene Zeit eintauchen möchte, der betritt die Villa des Kaisers Hadrians durch den so genannten großen Portikus, welcher von Archäologen auch als Poikile bezeichnet wird. Ursache dafür ist wohl der griechische Ausdruck Stoa Poikile, welcher einen Portikus in Athen bezeichnete, in dem die bedeutendsten Maler der griechischen Antike durch Wandmalereinen vertreten waren.6 Diese vorgenommene Bezeichnung der modernen Archäologie ist jedoch hypothetisch und nicht durch antike Quellen belegt. Die Poikile ist eine ausgedehnte Fläche von 232 x 97 m, die von einem Säulenumgang mit gekrümmten Schmalseiten und Pultdächern umgeben war. In der Mitte findet man auch heute noch ein mit Wasser gefülltes Fischbecken, an dessen Schmalseiten in antiker Zeit kleine, zurückgesetzte Rundtempel standen.7 Dieser große, rechteckige Teich mit den Maßen 106 x26 m diente zu Zeiten Kaiser Hadrians vermutlich zur Belustigung der höfischen Gesellschaft, indem man in ihm Fischstechen veranstalten konnte. Man muss jedoch leider feststellen, dass ein Großteil des umlaufenden Portikus der Suche nach Baumaterial zum Opfer gefallen ist. Die Nordwand, deren Mauer in 9 m Höhe noch erhalten ist, gab Anlass zur Rekonstruktion, welche schließlich den ausgeklügelten Sinn dieser Konstruktion ans Tageslicht brachte.8 Ein doppelter Portikus wurde hier in der Längsrichtung von der noch vorhandenen Ziegelmauer mit nur wenigen Durchgängen geteilt. An den Enden ging der Portikusjeweils in einem Halbrund in die andere Seite über. Nach den Gesundheitsregeln der stoischen Schule der Philosophie war in antiker Zeit nach den Mahlzeiten ein Spaziergang vorgeschrieben, der teils im Schatten, teils in der Sonne stattfinden sollte. Eben die Anlage der Poikile stellte sicher, dass die Nordseite des Portikus stets im Schatten, die Südseite stets in der Sonne lag.9 Am Ostende des Nordflügels der Poikile liegt der so genannte Sala di Filosofi - der Philosophensaal.Es handelt sich hierbei um einen quadratischen, ehemals viertürigen Saal, der vermutlich flach gedeckt war. Er besticht durch seine harmonischen Proportionen, die sich in der Höhe, Breite und Tiefe begründen.In Bezug auf die mögliche Funktion dieses Raumes war die Auseinandersetzung der Wissenschaftler mit den sieben rechteckigen Nischen der Apsis maßgeblich. Einer Hypothese nach, sollen die Statuen der Sieben Weisen Griechenlands darin gestanden haben, woraus sich die Bezeichnung Philosophensaal von selbst erklärt. In diesem Zusammenhang vermutete man, dass der Raum für Vorträge, kleinere Empfänge oder Symposien bestimmt war.10 Der Sala di Filosofi bildet auch noch in unserer Zeit das Verbindungsglied zu dem berühmten Teatro Marittimo, welches sich ihm östlich anschließt. Das Gebäude mit dem künstlerischen Namen Teatro Marittimo ist eine Art kleine Villa, die auf einer von einem kreisrunden Kanal umflossenen Insel steht. Es bildete einen in sich geschlossenen Bezirk, der von außen nicht einsehbar war. Die Idee der Absonderung spricht ausjeder Einzelheit des Gebäudekomplexes. Allein die Tatsache, dass die Insel einst nur über drehbare Brücken zugänglich war, muss Kaiser Hadrian angesprochen haben. Um die Ausmaße der Insel- Villa zu verdeutlichen, muss hervorgehoben werden, dass die Insel mit ihren Gebäuden durchaus einen funktionsfähigen Organismus bildete, der die Lebensbedürfnisse im vollen Umfang berücksichtigte.So bot die Insel beispielsweise Wohn-, Schlaf- und Speisezimmer, Toiletten, eine kleine Badeanlage mit Auskleidezimmer, ein Frigidarium, sowie eine kleine Treppe, die ermöglichte, dass Hadrian von der Insel aus ins Wasser steigen konnte. Der Überlieferung nach, soll es sich bei diesem Baukomplex um den Lieblingsplatz Hadrians gehandelt haben, was wohl nicht zuletzt darin zu begründen ist, dass er sich phantastisch zurückziehen konnte. Vom Teatro Marittimo kommend gelangt man auf ein höher gelegenes Niveau eines ehemaligen Säulenhofes, welches als Großes Peristyl oder auch als Hof der Bibliotheken bezeichnet wird. Ursache dafür ist, die sich anschließende lateinische und griechische Bibliothek. Ursprünglich nahm man an, dass es sich bei den Bauten um Bibliotheken handele, welche nach römischer Sitte in lateinische und römische Literatur getrennt waren.11 Die Haupträume der Anlage, wie man es auch heute noch nachvollziehen kann, orientieren sich nach Norden. Sie besaßen große, durchfensterte Räume. Gegenwärtig kann man beim Gang durch die Räume an vielen Stellen noch Reste von bemaltem Stuck oder marmorner Wandverkleidung, sowie Teile der ehemaligen Mosaik- bzw. Marmorfußböden bestaunen. In den Grundzügen noch am besten zu erkennen, ist der Hauptraum der lateinischen Bibliothek, welcher ein hoher, einst kreuzgewölbter Saal war. Heinz Kähler widersprach als erster deutlich der Annahme es handele sich um Bibliotheken. Er war der Auffassung, dass die Bauten als Sommertriklinien angelegt wurden. Den Beweis dafür, sah er in der Übereinstimmung zwischen dem als Sommertriklinium gedeuteten Raumgefüge in der Domus aurea und dem der lateinischen Bibliothek in der Villa Hadriana.12 Abgesehen von den Bibliotheksbauten erstrecken sich um den so genannten Cortile delle Biblioteche Gebäude, die überwiegend als privater Wohnbereich des Kaisers bzw. als Gästehaus für Staatsgäste mit ihrem Gefolge gedient haben müssen. Innerhalb dieses Areals sind noch Reste der republikanischen Villa inkorporiert. Im Osten des Peristyls schließen sich Räumlichkeiten an, die aller Wahrscheinlichkeit nach für die Bewirtung und Unterbringung von Gästen angelegt wurden. Dazu zählen, die Küche, das Gästehaus, das Gebäude Triclino imperiale und ein kleiner dreigeschossiger Bau, der die Bezeichnung Padiglione di Tempe hat.13 Im Zusammenhang mit diesen Gebäudekomplexen, ist zu vermerken, dass innerhalb der Villa Hadriana fast durchweg Fußbodenmosaike aus kleinen, schwarz- weißen Tesserae, die zur Widerverwendung nicht geeignet waren, erhalten sind. Aus heutiger Sicht könnte man es als eine Art antiker Auslegware bezeichnen. Räume, wie eben das Triclino imperiale waren mit einem solch einfachen Mosaikboden ausgestattet, was wiederum dafür spricht, dass es sich wohl um einen Speisesaal des Gefolges gehandelt haben muss. Des Weiteren wird diese Annahme dadurch bestärkt, dass der Boden des Triclino imperiale nicht besser als der der angrenzenden Küche war. Das Gästehaus, welches auch unter dem Namen Hospitalia bekannt wurde, ist ausgehend von den noch gut erhaltenen Mosaikfußböden für eine Besichtigung empfehlenswert. Charakteristisch sind die quadratischen Zimmer mit je drei Alkoven für Liegebetten, die sich auf beiden Seiten eines langen Ganges darbieten.14 Wenn man nun einmal seinen Blick abwendet von dem großen Peristyl und dieses in südöstlicher Richtung hinter sich lässt, so gelangt man zum Peristyl des Palastes, an dessen Südseite der so genannte Saal mit den dorischen Pfeilern anschließt. Die Namensgebung resultiert offensichtlich aus den ehemals 36 rechteckigen Pfeilern ungewöhnlichen Typs mit Basen, kanellierten Schäften und dorischen Kapitellen, welche das Tonnengewölbe trugen.15 Historiker vermuten, dass es sich bei diesem Gebäude um eine Gerichtshalle handelt, wobei dies jedoch keinesfalls als erwiesen gilt. Den südöstlichen Abschluss der Palastanlage des Kaisers Hadrians bildet die berühmte Piazza d’ Oro. Es handelte sich hierbei um einen großen allseitig von einer Doppelhalle umgebenen Hof, der auf den beiden Langseiten außen zudem von Kryptoportiken begleitet wurde, während seine Südostseite eine um einen Zentralraum gruppierte Raumflucht einnahm.16 An den quadratischen Säulenhof schlossen sich bedeutende Repräsentationsräume, wie der achteckige Kuppelsaal an. Von der Piazza d’ Oro aus in westlicher Richtung führt gegenwärtig ein Fußweg hinunter zu einer tiefer gelegenen Kaserne. Man kann sagen, dass die Kaserne der Wache mehr oder weniger auf der Grenze zwischen den östlichen, eher privaten Teilen der Villa und ihrem repräsentativen Zentrum liegt. Eine Ursache dafür ist wohl, dass die zentrale Lage der Kaserne die schnelle Einsatzbereitschaft der kaiserlichen Garde und somit den Schutz des Kaisers gewährleistete. Die Kaserne bestand aus einem einfachen rechteckigen Bau, welcher sich aus den Unterkünften der kaiserlichen Garde zusammensetzte, die sich U- förmig um einen Hauptraum anordneten.17 Südwestlich der Kaserne der Wache befindet sich das eigentliche Zentrum der Hadriansvilla, welches durch eine kreuzförmige Anlage gebildet wird. Es handelt sich um einen großen Platz, der früher als Stadion bezeichnet wurde, nach neueren Untersuchungen nun jedoch unter der Bezeichnung Nymphaeum in den Gesamtplan der Villa aufgenommen wurde. Die nördliche Hälfte des Platzes, welcher zweigeteilt ist, soll eine Gartenanlage mit Brunnen gewesen sein. Hingegen die südliche, halbrund geschlossene Hälfte muss umlaufende Sitzreihen für Zuschauer beherbergt haben, woraus Wissenschaftler schlossen, dass es sich um einen Ort handele, der für öffentliche Veranstaltungen diente.18

[...]


1 Caprino S.3.

2 Vgl. Wachmeier S. 131.

3 Vgl. Poeschel S. 447.

4 Vgl. Poeschel S. 448.

5 Vgl. Kähler S. 18.

6 Vgl. Poeschel S. 452.

7 Vgl. Wachmeier S. 136.

8 Vgl. Caprino S. 10.

9 Vgl. Poeschel S.453.

10 Wachmeier S. 136.

11 Vgl. Wachmeier S. 140.

12 Vgl. Kleibrink S. 168f.

13 Vgl. Poeschel S. 454.

14 Wachmeier S. 141.

15 Vgl. Caprino S. 27.

16 Kähler S. 64.

17 Vgl. Poeschel S. 455.

18 Vgl. Poeschel S. 455.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Villa Hadriana - die größte kaiserliche Villenanlage der Geschichte
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V159962
ISBN (eBook)
9783640726943
ISBN (Buch)
9783640727629
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kaiser Hadrian, Hadrian als Bauherr und Architekt, Kanopus, Bautätigkeit
Arbeit zitieren
Juliane Felsch (Autor), 2008, Die Villa Hadriana - die größte kaiserliche Villenanlage der Geschichte , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159962

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