Die Auswirkungen der Industrialisierung auf das Handwerk in Deutschland am Beispiel des Klempnerberufes


Seminararbeit, 2010

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Wirkung der Industrialisierung auf das Handwerk in Deutschland
2.1. Die Einführung der Gewerbefreiheit und ihre Wirkung auf das Handwerk
2.2. Die Einführung der Gewerbefreiheit und ihre Wirkung auf das Handwerk

3. Der Wandel des Klempnerberufes in der Zeit der Industrialisierung

4. Fazit: Der Klempnerberuf nimmt bei der Entwicklung des Handwerks in der Industrialisierung eine Sonderstellung ein

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Arbeit untersucht die Entwicklung und Veränderung des Klempnerberufes in der Zeit der Industrialisierung. Es stellte sich im Verlauf der Recherche zur dieser Seminararbeit heraus, dass der Beruf der Klempners nur sehr sporadisch im wissenschaftlichen Diskurs zu finden war. Die Schwerpunktsetzung der Forschung auf diesem Gebiet widmet sich vorrangig Berufen, welche durch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen in der industriellen Revolution entstanden oder verschwunden sind. Der Klempnerberuf jedoch hat sich bis zum heutigen Zeitpunkt in großen Teilen gehalten. Dies war nicht ohne weiteres Möglich, wie im Verlauf dieser Arbeit deutlich werden soll.

Beim methodischen Vorgehen stellte sich zunächst die Frage, welche Prozesse und Entwicklungen der Industrialisierung entscheidend für die Veränderungsprozesse im Handwerk waren. Im ersten Teil der Arbeit wird daher ein Zugang zur späteren Problematik eröffnet, in dem zunächst zwei prägnante Entwicklungen, nämlich die Einführung der Gewerbefreiheit und der Veränderung der Marktverhältnisse insbesondere für die Metallhandwerke, erarbeitet werden. Diese beiden Punkte sollen zwei mögliche Erklärungsansätze für die Ausdifferenzierung und Entwicklung des Klempnerberufes bilden.

Als sehr gewinnbringend für die Einordung der Veränderung des Klempnerhandwerks stellte sich ein Aufsatz von Karl Heinrich Kaufhold dar, der vier Typen von Entwicklungsmöglichkeiten für das Handwerk während der Industrialisierung aufzeigte.

Darauf aufbauend wird im zweiten Teil konkret die Entwicklung des Handwerks des Klempners untersucht. Dieser Punkt ist methodisch zum einen an die Begriffsgeschichte dieses Handwerks angelehnt, um die Arbeitsfelder des Klempners vor der Industrialisierung darzustellen. Weiterhin wird dadurch verdeutlicht, warum sich der Begriff des Klempners im 21. Jahrhundert durchgesetzt hat. Eine Analyse der Marktverhältnisse und die dadurch entstehenden Veränderungen im Berufsbild zeigen die Anpassung des Klempnerhandwerks an die neue Situation während der industriellen Revolution. Ziel der Arbeit ist es zu zeigen, dass der Beruf des Klempners eine Sonderstellung im Bezug auf seine Entwicklung gegenüber anderen Handwerken einnimmt.

Die Arbeit endet mit einem Fazit, in der die wichtigsten Erkenntnisse abschließend diskutiert werden sollen.

2. Die Wirkung der Industrialisierung auf das Handwerk in Deutschland

Die Gesamtheit der Auswirkungen der Industrialisierung darzulegen und darzustellen ist in dieser Arbeit kaum erschöpfend zu behandeln. Es scheint daher sinnvoll, sich auf Aspekte zu beschränken, welche unmittelbare Wirkung auf die Entwicklung und Veränderung des Handwerks genommen haben. Dies ist auch für den weiteren Verlauf der Arbeit zielführend, da das Handwerk des Klempners sich in seiner Entwicklung und Anpassung im Laufe der Industrialisierung von anderen Handwerkberufen abgrenzt.

Im Folgenden sollen zwei Teilaspekte der Industrialisierung, welche vom späten 18. Jahrhundert an und dann verstärkt im 19. Jahrhundert, zunächst in England und danach in ganz Europa ihren Verlauf nahm, näher betrachtet werden. Dies sei zu einem die Einführung der Gewerbefreiheit, zum anderen die Verstädterung und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Veränderungen, insbesondere die der Marktverhältnisse, welche das Handwerk direkt betrafen. Beide Faktoren stehen in gewissem Maße in einem Zusammenhang. Daher wird zunächst auf die Entstehung und Entwicklung der Gewerbefreiheit eingegangen um weiterhin einen Bezug zu den Prozessen der Industrialisierung herzustellen.

Den Schwerpunkt bildet dabei die Fokussierung auf die Marktverhältnisse, da diese für die spätere Untersuchung des Handwerks des Klempners[1] als Erklärungsmodell für die Veränderung seiner Tätigkeiten dienen soll.

2.1. Die Einführung der Gewerbefreiheit und ihre Wirkung auf das Handwerk

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts organisierte sich das städtische Handwerk in Deutschland größtenteils in Zünften, welche von den Landesherren weitestgehend akzeptiert wurden und deren Rechtskodex, solange er nicht die landesherrlichen Privilegien berührte, auch von diesen anerkannt war. Erst die französische Besetzung Europas im Zuge der Napoleonischen Eroberungsfeldzüge stellte einen bis dahin nicht gekannten Eingriff in die Verfassungen der lokalen Zünfte dar.[2]

In Frankreich war schon seit 1775 das System der Gewerbefreiheit nach den Motiven der physiokratischen Theorien weitestgehend etabliert worden. Durch Gesetz wurden alle Zünfte und gewerblichen Vereinigungen aufgehoben bzw. verboten und die allgemeine Gewerbefreiheit proklamiert.[3]

Dieses in Frankreich eingeführte System wurde mit dem Beginn der Eroberung Europas durch Napoleon vor allen Dingen auf die besetzten Gebiete übertragen, so zunächst insbesondere auf die linksrheinischen Gebiete und die westlichen Provinzen Preußens. Im späteren Verlauf der Besatzung Napoleons aber auch zunehmend auf die südlichen Staaten und den protestantischen Norden des Reiches.

„Die ersten Staaten Deutschlands, in denen die Gewerbefreiheit proklamiert wurde, waren unter die französische Oberhoheit geraten. Im Königreich Westfahlen wurde sie durch Dekrete vom 5. August 1808 und 12. Februar 1810, im Großherzogtum Berg durch Dekret am vom 31. März 1809 eingeführt“.[4]

Man könnte annehmen, dass diese von außen aufgezwungene Gewerbefreiheit zu großen Protesten seitens der weltlichen Herrscher in Deutschland geführt habe. Jedoch wird am Beispiel der durch die Feldzüge Napoleons neu entstandenen Rheinbundstaaten und in Preußen deutlich, dass das französische Modell durchaus auf Zustimmung stieß und (mit lokalen Unterschieden) in großen Teilen auf die eigene Wirtschaft übertragen wurde.[5] Der liberale Typus des französischen Vorbildes etablierte somit die Gewerbefreiheit als ordnungspolitisches Prinzip, was Thomas Nipperdey treffend so formulierte: ,, (Die) Territorialtrümmer des alten Reiches kamen erst jetzt in Bezug zum modernen [...] Staat“.[6]

Auf der anderen Seite gab es jedoch auch durchaus Strömungen, die sich gegen die neue Ordnung richteten und dessen Träger besonders die Handwerker waren. Vor allen Dingen in Preußen und den linksrheinischen Gebieten, in denen die Gewerbefreiheit die Zeit der französischen Besatzung weitestgehend überdauerte, war der Widerstand groß. Der Zweck des zünftig organisierten „Alten Handwerks“ war vorrangig sozialer Natur. So diente es zur Sicherung der Existenz eines jeden einzelnen Mitgliedes der Mitglieder der Zunft.[7] Diese sozialen Sicherungskomponenten entfielen nun und führten zu massiven Protesten gegen die Gewerbefreiheit. Der Gedanke der Freiheit des Gewerbes wurde von vielen als das Ende der existenzsichernden Zunftordnung angesehen und erfuhr dadurch eine zumeist abwertende Beurteilung.[8]

Diese Proteste führten dazu, dass die Gewerbefreiheit in Preußen ab dem Jahr 1845 teilweise zurückgenommen wurde bzw. eine Modifizierung erfuhr. Auch in den anderen deutschen Staaten, vor allen Dingen in den süddeutschen, wurde das alte Zunftrecht zwar wieder eingeführt, war jedoch von den Elementen der Entwicklungen des Pauperismus durchzogen.[9] Die Diskussion um die richtige Gewerbeordnung war zu einem großen Teil an die Folgen des Bevölkerungszuwachses und die damit fortschreitende Massenarmut der Frühindustrialisierung der 1830er und 1840er Jahre angelegt.[10]

Wie also hat sich das Handwerk auf Grund dieser Entwicklungen verändert?

Es ist zu berücksichtigen, dass durchaus regionale Unterscheide im späteren deutschen Reichsgebiet bestanden. Friedrich Lenger stellt im Bezug auf die Einführung der neuen Handwerksordnungen fest, dass eine Disparität zwischen Wahrnehmung der Handwerker und empirischen Erkenntnissen vorliegt. So merkt er an, dass sich die Zahl der Meister und Gesellen in Preußen proportional zum Bevölkerungswachstum verändert habe. Damit entkräftet er das Argument, dass es nur auf Grund der Gewerbefreiheit zu einem inflationären Anstieg der im Handwerk tätigen Personen kam, was ein Großteil der Handwerker jedoch propagierte.[11] Auch Rudolf Boch merkt an, dass im Handwerk in der Epoche der Industrialisierung bereits lange vorher Krisenelement wie die Übersetzung der Berufe, Flucht in die Selbstständigkeit oder Meisterelend zu verzeichnen waren, diese durch die Gewerbefreiheit jedoch nicht merkbar verstärkt wurden.[12] Als eigentlichen Grund der Entwicklung des Handwerks in der Phase der Industrialisierung sieht Bloch vor allen Dingen die Bevölkerungszunahme und die „Wechsellagen des allgemeinen wirtschaftlichen Wachstums“.[13]

Ebenso wird das Argument aufgerollt, dass eine Überfüllung des Handwerks nur dort aufgetreten sei, wo der Bevölkerungszuwachs besonders groß war und von anderen Wirtschaftssektoren nicht mehr aufgenommen werden konnte. Die eigentliche Begründung liegt hier also in der demographischen Entwicklung und nicht in der Gewerbefreiheit.[14] Für die spätere Betrachtung des Berufs des Klempners war die Gewerbefreiheit jedoch nicht unbedeutend.

[...]


[1] Im weiteren Verlauf soll hier der gängige Begriff des Klempners als Begriff für dieses Metallhandwerk benutzt werden. Die begriffsgeschichtlichen Umstände werden im Punkt 2. näher betrachtet.

[2] Vgl. Lenger, F. [Sozialgeschichte, 1988], S. 13 f.

[3] Vgl. Bernert, H. [Gewerbefreiheit, 1998], S. XVII.

[4] Wilhelm Stieda zitiert nach Bernert, H. [Gewerbefreiheit, 1998], S. XVII.

[5] Vgl. Boch, R. [Staat und Wirtschaft, 2004], S. 9.

[6] Thomas Nipperdey zitiert nach Boch, R. [Staat und Wirtschaft, 2004], S. 5.

[7] Vgl. Bernert, H. [Gewerbefreiheit, 1998], S. XVIII.

[8] Vgl. Bernert, H. [Gewerbefreiheit, 1998], S. XVIII.

[9] Vgl. Lenger, F. [Sozialgeschichte, 1988], S. 38 f.

[10] Vgl. Ebd.

[11] Vgl. Ebd., S. 40.

[12] Vgl. Vgl. Boch, R. [Staat und Wirtschaft, 2004], S. 10 f.

[13] Ebd., S. 11.

[14] Vgl. Henning, F.W. [Auswirkungen, 1977], S. 174 f.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen der Industrialisierung auf das Handwerk in Deutschland am Beispiel des Klempnerberufes
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (Historisches Institut - Professur für Wirtschaftsgeschichte)
Veranstaltung
Handwerks als Träger der Wirtschafts- und Sozialordnung im 19. Jahrhundert
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V160006
ISBN (eBook)
9783640727018
ISBN (Buch)
9783640727681
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auswirkungen, Industrialisierung, Handwerk, Deutschland, Beispiel, Klempnerberufes
Arbeit zitieren
Andreas Kremer (Autor), 2010, Die Auswirkungen der Industrialisierung auf das Handwerk in Deutschland am Beispiel des Klempnerberufes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160006

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Auswirkungen der Industrialisierung auf das Handwerk in Deutschland am Beispiel des Klempnerberufes



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden