Ist der Arbeitsmarkt ein vollkommener Markt?


Studienarbeit, 2010

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der Markttheorien und des Marktmechanismus
2.1 Markt im Allgemeinen
2.1.1 Definition
2.1.2 Bedeutung von Angebot und Nachfrage im Markt
2.2 Der vollkommene Markt
2.2.1 Kriterien eines vollkommenen Marktes
2.2.2 Konsequenzen aus dem Jevons’schen Preisindifferenzgesetz

3 Der Arbeitsmarkt als besondere Marktform
3.1 Definition, Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage
3.2 Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt

4 Untersuchung des Arbeitsmarktes in Hinblick auf seine Kongruenz zum vollkommenen Markt
4.1 Überprüfung anhand der Kriterien eines vollkommenen Marktes
4.1.1 Homogenität der Güter
4.1.2 Fehlen von räumlichen Präferenzen
4.1.3 Fehlen von persönlichen Präferenzen
4.1.4 Fehlen von zeitlichen Präferenzen
4.1.5 Markttransparenz
4.1.6 Maximumprinzip
4.2 Arbeitslosigkeit und flexible Löhne

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kriterien eines vollkommenen Marktes

Abbildung 2: Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Fragestellung auseinander, ob der Arbeitsmarkt als ein vollkommener Markt angesehen werden kann.

Dazu ist es notwendig, neben dem allgemeinen Grundverständnisses eines Marktes und seinen Grundprinzipien zu verstehen, weshalb der Arbeitsmarkt eine besondere Marktform ist. Hier ist der Arbeitnehmer der Anbieter des Gutes Arbeit. Die Nachfra- ge kommt von den Unternehmen, die wiederum Transferleistungen in Form von Lohn erbringen. 1

Zwar sind diese beschriebenen Elemente auf jedem in der Volkswirtschaftslehre definiertem Markt zu finden, doch ist die Theorie eines vollkommenen Marktes auch auf den Arbeitsmarkt anwendbar? Um diese Frage zu beantworten, wird erläutert, was einen vollkommenen Markt auszeichnet und welche Konsequenzen diese Marktform für Anbieter, Nachfrager und das Marktgleichgewicht hat.

Im Anschluss daran werden die wesentlichen Marktprozesse eines Arbeitsmarktes mit denen eines vollkommenen Marktes verglichen, untersucht und bewertet. Dabei wird insbesondere auf Arbeitslosigkeit und Lohnhöhe im vollkommenen Markt eingegangen. Eine abschließende Bewertung rundet die Arbeit ab.

An dieser Stelle ist noch hinzuzufügen, dass diese Ausarbeitung viele Bereiche nur anschneiden kann und daher in der Vollständigkeit eingeschränkt werden muss. So werden beispielsweise nur die auf den Arbeitsmarkt anwendbaren Kriterien unter- sucht, die einen vollkommenen Markt auszeichnen, obwohl in der Literatur auch noch andere genannt werden.2 Die Quellenangaben verweisen jedoch dementsprechend auf die übrigen Merkmale.

2 Grundlagen der Markttheorien und des Marktmechanismus

2.1 Markt im Allgemeinen

2.1.1 Definition

Um eine kompakte Definition des Begriffs ‚Markt‘ zu zitieren, kann beispielsweiseWoll herangezogen werden: „Der Markt ist der ökonomische Ort des Zusammentref-fens von Angebot und Nachfrage, an dem sich Preisbildung und Tausch vollziehen.“3

Wer bzw. welche Institutionen hinter dem Angebot und der Nachfrage stecken, deu-tet Mankiw an. Er sagt, dass ein Markt aus Gruppen potenzieller Käufer und Verkäu-fer eines Guts besteht.4 An dieser Stelle wird in der Literatur oft zur Simplifizierungzwischen Haushalten und Unternehmen unterschieden: Haushalte bieten ihre Pro-duktionsfaktoren an, während Unternehmen diese anfragen. Man spricht hier vomsogenannten Faktormarkt.5 Umgekehrt verhält es sich auf dem sogenannten Güter-markt, in dem Güter durch Unternehmen angeboten werden und die Haushalte alsNachfrager agieren. Beide Märkte werden häufig in einem Kreislaufdiagramm darge-stellt, um die Dynamik zwischen beiden Märkten deutlich hervorzuheben.6

Ein Markt kann sowohl aus einer Vielzahl von kleinen Märkten bestehen, als auch selbst Bestandteil eines größeren Marktes sein.7 Dies wird u.a. in zahlreichen Beispielen von Wechselwirkungen von Märkten deutlich.8

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass ein Markt automatisch dann entsteht, sobald Angebot und Nachfrage aufeinander treffen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das angefragte Gut zugleich ein Angebotenes sein kann und dadurch ein komplexes und dynamisches Gebilde von Märkten jeden Tag neu entsteht.9

2.1.2 Bedeutung von Angebot und Nachfrage im Markt

An dieser Stelle soll grob dargestellt werden, welche Bedeutung Angebot und Nachfrage im Markt haben.

Aus der oben getroffenen Definition lässt sich schließen, dass ein Markt nur dann existiert, wenn sowohl Angebot als auch Nachfrage existieren. Dabei ist das Angebot beispielsweise durch einen Verkäufer eines Gutes nur dann auf einem Markt existent, wenn er für dieses Gut einen Nachfrager, d.h. Käufer findet. Die nun existierende Marktkonkurrenz ist eng verbunden mit der Motivation, die Bedürfnisse des Nachfragers besser zu befriedigen als andere Anbieter.10

Ein Beispiel der Konsequenzen aus Veränderungen der Nachfrage oder des Ange-bots folgt im weiteren Verlauf dieser Arbeit in der Anwendung auf den Arbeitsmarkt.11

2.2 Der vollkommene Markt

Der Begriff des ‚vollkommenen Marktes’ wird von Ökonomen oft dann verwendet, wenn die Preisbildung auf Faktor- oder Gütermärkten exemplarisch untersucht werden soll.12 Das Modell entwickelte sich aus der klassischen Preistheorie heraus und wird in Koexistenz mit einem Polypol zum Modell der „vollkommenen Konkurrenz“.13 Da jedoch für diese Ausarbeitung nur das Modell des vollkommenen Marktes relevant ist, soll der Fokus dieses Abschnitts darauf liegen.

Daher werden nachfolgend zunächst die Voraussetzungen eines vollkommenenMarktes erläutert, bevor anschließend die daraus folgenden Konsequenzen betrach-tet werden.

2.2.1 Kriterien eines vollkommenen Marktes

In der Literatur werden verschiedene Muss-Kriterien eines vollkommenen Marktes genannt. Die nachfolgenden qualitativen Merkmale sind nach der Nennhäufigkeit in den verwendeten Quellen aufsteigend sortiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kriterien eines vollkommenen Marktes14

Zum besseren Verständnis der einzelnen Merkmale sollen diese nun kurz erläutertwerden.

(1) Eine Homogenität der Güter ist dann gegeben, wenn die Nachfrager die Güterals „gleich gut“ ansehen.15 Das bedeutet, dass die Güter derart substituierbarsind, dass der Nachfrager keinen Eigenschaftsunterschied feststellen kann.16
(2) Wenn räumliche Präferenzen nicht existieren, dann ist die Frage des Anbieter-Standorts für den Kauf eines Gutes nicht relevant und hat auf die Entschei-dung des Nachfragers keine Auswirkungen.17
(3) Sobald keine persönliche Präferenz besteht, ist für die Kaufentscheidung nichtwichtig, ob dem Nachfrager einer von mehreren Anbietern aus subjektivenGründen besser gefällt; beispielsweise durch das Aussehen der Verkäuferin.18
(4) Ein Fehlen der zeitlichen Präferenz einer Entscheidung hat zur Folge, dass einNachfrager keine Unterschiede darin macht, ob er ein Gut eventuell auch zueinem späteren Zeitpunkt beschaffen kann.19
(5) Eine bedeutsame Prämisse der Markttransparenz ist die vollständige Gleich-heit alle auf dem Markt relevanten Informationen bei allen Marktteilnehmern.20 Dies bedeutet jedoch zugleich auch, dass nicht nur der Nachfrager wissenmuss, wo er auf dem Markt sein Gut am günstigsten erhält, sondern es mussauch der Anbieter wissen, welcher Nachfrager den höchsten Preis für diesesGut bezahlen wird.21
(6) Das Maximumprinzip sagt aus, dass alle Nachfrager nach dem Nutzenmaxi-mum streben und alle Anbieter dem Gewinnmaximum nachstreben.22

2.2.2 Konsequenzen aus dem Jevons’schen Preisindifferenzgesetz

Die unter Kapitel 2.2.1 genannten Kriterien haben bzw. hätten die unterschiedlichsten Auswirkungen auf mögliche Marktsituationen.

Eine für diese Ausarbeitung besonders wichtige Konsequenz ist die der Preisbildung in einem vollkommenen Markt, die in einem Theorem von Jevons festgehalten wurden: Das Jevons’sche Indifferenzgesetz besagt, dass auf einem vollkommenen Markt keinerlei Preisunterschiede existieren.23

Das nachfolgende Beispiel soll diese These belegen: Sofern die Güter homogen sindund sowohl Käufer als auch Verkäufer die Preise auf dem gesamten Markt genaukennen, wird kein Käufer irgendwo kaufen, wo ein höherer Preis verlangt wird. Nunkönnte man anbringen, dass Preisunterschiede jedoch dann auftreten könnten, wennz.B. der Käufer nicht über einen günstigeren Preis informiert wäre. Dieses ist jedochnur dadurch möglich, wenn ein Informationsmangel vorliegt. Wenn dieser Mangelvorliegt, ist allerdings ein Muss-Kriterium für einen vollkommenen Markt nicht erfüllt(Informationstransparenz). Dieser Widerspruch kann z.B. das Jevons’sche Preisindif-ferenzgesetz nachweisen.24

Im Umkehrschluss sind somit dauerhafte Preisdifferenzen auf unvollkommenen Märkten, d.h. mit Präferenzen oder Informationsdefiziten, erklärt.25 Weiterhin können Anbieter nur auf vollkommenen Märkten eine eigene Preispolitik betreiben.26

Zuletzt sollte erwähnt werden, dass in der Realität ein vollkommener Markt in der Reinform nicht vorzufinden ist.27 Jedoch kann man beispielsweise auf dem Aktienoder Devisenmarkt Elemente finden, wo die Theorie des vollkommenen Marktes zumindest in Teilen Anwendung findet.28

[...]


1 Vgl. Hanusch, H.; Kuhn, T.; Cantner, U. (2000), S. 207.

2 Siehe Abschnitt 2.2.1

3 Woll, A. (2000), S.496.; oder in ähnl. Form auch Hanusch, H.; Kuhn, T.; Cantner, U. (2000), S. 54f.

4 Vgl. Mankiw, G. (2004), G. (2004): S. 67.

5 Vgl. Hanusch, H.; Kuhn, T.; Cantner, U. (2000), S.54 und Cezanne, W. (2005), S. 20f.

6 Eine Skizze kann u.a. in Cezanne, W. (2005), S. 20 aufgefunden werden.

7 Vgl. Baßeler, U.; Heinrich, J.; Utecht, B. (2006), S.99.

8 Ein aktuelles Beispiel wäre auf dem Automobilmarkt zu finden, wo eine Veränderung des Neuwa- genmarktes durch die Abwrackprämie durchaus Wechselwirkungen auf dem Gebrauchtwagen- markt mit sich gebracht hat. Vgl. dazu z.B. Höll, S. ; Öchsner, T.; Fahrenholz, P. (2009),
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/979/464578/text/ , 25.04.2010,

9 Vgl. Baßeler, U.; Heinrich, J.; Utecht, B. (2006), S.99.

10 Vgl. Abraham,M.; Hinz, T. (2008), S.20.

11 Das Beispiel wird in Abschnitt 3.2 vorgestellt.

12 Vgl. Hanusch, H.; Kuhn, T.; Cantner, U. (2000), S. 54.

13 Vgl. Wied-Nibbeling, S. (2004), S.6. oder auch Wöhe, G. (2002), S. 497.

14 Eigene Darstellung in Anlehnung an Wöhe, G. (2002), S. 297; Cezanne, W. (2005), S. 156.; Hanusch, H.; Kuhn, T.; Cantner, U. (2000), S. 55f.; Thommen, J.; Achleitner, A. (2009), S. 236.

15 Vgl. Cezanne, W. (2005), S. 156.

16 Vgl. Hanusch, H.; Kuhn, T.; Cantner, U. (2000), S. 55.

17 Ebd.

18 Vgl. Wöhe, G. (2002), S. 498 oder auch Cezanne, W. (2005), S. 156.

19 Vgl. Hanusch, H.; Kuhn, T.; Cantner, U. (2000), S. 55.

20 Vgl. Cezanne, W. (2005), S. 156.

21 Vgl. Hanusch, H.; Kuhn, T.; Cantner, U. (2000), S. 56.

22 Vgl. Thommen, J.; Achleitner, A. (2009), S. 236; oder auch Wöhe, G. (2002), S. 497.

23 Das Jevons’sche Preisindifferenzgesetzt entstammt aus seinem Werk „The Theory of Political Eco- nomy“ aus 1871. Eine Online-Version ist auf o.V. (o. Jg.) http://files.libertyfund.org/files/625/Jevons_0237_EBk_v5.pdf (22.04.2010) zu finden (S. 77f.). Die wesentlichen Zusammenhänge dieses Gesetzes sind jedoch u.a. in Cezanne, W. (2005) (S.156f.) oder Hanusch, H.; Kuhn, T.; Cantner, U. (2000) (S.56) zusammengefasst.

24 In Anlehnung an Hanusch, H.; Kuhn, T.; Cantner, U. (2000), S. 56.

25 Vgl. Cezanne, W. (2005), S. 156.

26 Vgl. Thommen, J.; Achleitner, A. (2009), S. 237.

27 Vgl. Wöhe, G. (2002), S. 498.

28 Vgl. Cezanne, W. (2005), S.156.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ist der Arbeitsmarkt ein vollkommener Markt?
Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Veranstaltung
MBA - Vertriebsmanagement: Einführung in die VWL
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V160011
ISBN (eBook)
9783640764709
ISBN (Buch)
9783640765034
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitsmarkt, vollständiger Markt, vollkommener Markt, Mindestlohn, Marktmechanismen, Jevon, Jevon'sche Preisindifferenz, Arbeitsgleichgewicht, Ungerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt, Markttransparenz, Arbeitslosigkeit, flexible Löhne, Arbeitsangebot, Arbeitsnachfrage, Lohnungerechtigkeit für Frauen, ungleiche Löhne, ceteris paribus, Maximumprinzip, Arbeitsrecht, Lohnstarrheit
Arbeit zitieren
Christian Liese (Autor), 2010, Ist der Arbeitsmarkt ein vollkommener Markt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160011

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