Die Britannienpolitik Neros und Vespasians mit besonderer Berücksichtigung des Brigantenproblems


Seminararbeit, 2009

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellen und Quellenkritik

3. Der Stamm der Briganten

4. Die Britannienpolitik Neros
4.1. Die Situation in Britannien zu Beginn der Regentschaft Neros
4.2. Die Britannienpolitik Neros von 54-68 n. Chr

5. Die Britannienpolitik Vespasians
5.1. Ereignisse während des Vierkaiserjahres bis zur Herrschaft Vespasians
5.2 Die Britannienpolitik Vespasians von 69-79 n. Chr

6. Schlussbetrachtung und Vergleich

7. Quellen- und Literaturverzeichnis
7.1. Quellenverzeichnis
7.2. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit Beginn der römischen Eroberung Britanniens durch Aulus Plautius unter Kaiser Claudius im Jahre 43 n. Chr. versuchte Rom, weiter in die Insel vorzudringen. Nero hatte zum Ziel, die offensive Politik seines Adoptivvaters Claudius fortzuführen, auch um dessen Erfolge nicht zu konterkarieren. Unter Kaiser Vespasian wurden aufständische Stämme wie die Briganten und die Silurer besiegt und so der Weg für Gnaeus Julius Agricola (Statthalter von 78-84) geebnet, der weiter nach Norden bis ins heutige Schottland vorstieß.

Die vorliegende Hausarbeit soll die Britannienpolitik der beiden Kaiser Nero und Vespasian mit besonderem Schwerpunkt des Brigantenproblems untersuchen. Zuerst soll kurz auf die Quellen eingegangen werden, die zu diesem Thema relevant sind – Tacitus und Sueton. Danach folgt ein Abriss über den Volksstamm der Briganten selbst, in der konzise über die geografische Ansiedlung und die Kontakte mit Rom vor der Regentschaft Neros berichtet wird.

Im Folgenden wird die Britannienpolitik Neros (Kaiser von 54-68 n.Chr.) und Vespasians (Kaiser von 69-79 n. Chr.) dargestellt. Zuerst wird auf die unterschiedlichen Situationen eingegangen, die beide zur Beginn ihrer Herrschaft in Britannien vorfanden. Weiterhin wird beleuchtet, welche Politik sie bezüglich Britannien verfolgten und wie sie diese umsetzten (oder auch nicht): hierzu wird betrachtet, inwieweit die Statthalter der Provinz die Vorgaben des Kaisers umsetzten, inwieweit sie von einheimischen Stämmen, insbesondere den Briganten, an selbigen gehindert wurden oder sie eben aufgrund dieser Reaktionen eine ganz andere Strategie wählen mussten.

Im Schlussteil werde ich die Ausgangslage, mit der sich beide Kaiser konfrontiert sahen, und die Geschehnisse in Britannien während ihrer Ägiden zusammenfassen und bewerten.

2. Quellen und Quellenkritik

Die wichtigsten Quellen für diese Periode des römischen Britanniens sind die Werke des römischen Historiografen Publius Cornelius Tacitus[1], insbesondere die „Historien“ und der „Agricola“ .. Er wurde 58 n. Chr. geboren und man vermutet, dass er den römischen cursus honorum (Ämterlaufbahn) durchlaufen hat. Relevant für die Geschichte des römischen Britanniens sind die „ Annalen “ (Geschichte des römischen Reiches vom Tod des Augustus bis Nero), die „ Historien “ (Römische Geschichte von Galba bis Domitian) und der „ Agricola “. In letzterem beschreibt er das Leben seines Schwiegervaters Gnaeus Julius Agricola, der von 77-84 n. Chr. Statthalter in Britannien war. Dieses Werk ist nicht frei von unrealistischen Darstellungen der Leistungen Agricolas, die er aufgrund ihres verwandtschaftlichen Verhältnisses oft positiv übertrieb. Seine Maxime „sine ira et studio“[2] ( „ohne Zorn und Eifer“ , also eine möglichst neutrale Berichterstattung über historische Ereignisse und Personen), die er in den „ Annalen “ als Maßstab für seine Geschichtsschreibung anlegte, verfehlte er also öfter.[3]

Die zweite, eher marginale Quelle ist die „ De vita Caesarum “ des Gaius Suetonius Tranquillus[4], der von 70 n. Chr. bis etwa 130 n. Chr. lebte. Zwar hatte Sueton durch seine Tätigkeit im Kaiserarchiv Zugang zu einer Vielzahl von Quellen, allerdings weiß man nicht, ob die einzelnen Kaiserbiografien während Suetons dortiger Tätigkeit entstanden sind oder in einer Phase, in der er noch nicht oder nicht mehr aus diesen Quellen schöpfen konnte.

Kurz erwähnt wird auch eine Passage aus dem Werk „ Silvae “ des Dichters Publius Papinius Statius (40-96 n. Chr.).

3. Der Stamm der Briganten

Die Briganten waren ein Volksstamm in Britannien[5], der sich aus einer Verbindung der Stämme der Setantii, der Gabrantovices und der Textoverdi zusammen setzte.[6] Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich im Norden etwa bis zu den heutigen Städten Corbridge und Leeds (das Gebiet des Hadrianswalles), im Süden ungefähr bis zum Fluss Don.[7] Sie verehrten die Göttin Brigantia, wovon sich ihr Name ableitet.

Die Briganten wurden kurz nach der römischen Eroberung durch Claudius ein Klientelkönigtum der Römer.[8]

Im Jahre 52 n. Chr. floh der silurische Heerführer Caratacus nach einer Niederlage seines Stammes gegen römische Truppen zu der Brigantenkönigin Cartimandua, um von ihr Schutz zu erhoffen. Sie gewichtete ihr Bündnis mit Rom jedoch als stärker und lieferte Caratacus an die Römer aus.[9]

4. Die Britannienpolitik Neros

4.1. Die Situation in Britannien zur Beginn der Regentschaft Neros

Nach dem Tod des Kaisers Claudius im Jahre 54 n. Chr., der durch einen Giftanschlag ums Leben gebracht wurde, wurde Lucius Domitius Ahenobarbus, der nach der Adoption durch Claudius Nero genannt wurde, Kaiser des römischen Reiches.

Der Statthalter in dieser Zeit war Aulus Didius Gallus[10], der seit 52 n. Chr. dieses Amt bekleidete. Er war vor diesem Posten Prokonsul in Sizilien und in Asia (oder Africa) und hatte die Provinz schon als Legat beim Britannienfeldzug von Claudius kennen gelernt. Kurz nach seiner Ankunft schlug er einen Aufstand der Silurer, einem im heutigen Südwales sesshaften Stamm, erfolgreich nieder.[11]

Innerhalb des Stammes der Briganten gab es Streitigkeiten um die Führungsposition (deren Ausbruch nicht exakt zu datieren ist, aber in der Statthalterschaft von Gallus zwischen 52 und 57 n. Chr. festgemacht werden kann (Tacitus liefert hierüber unklare Angaben)). Diese war das Resultat eines Ehestreites zwischen der Königin Cartimandua und ihres Gatten Venutius. Zuerst brachte Cartimandua den Bruder und die Verwandten des Venutius in ihre Gewalt. Der starke Hass des Venutius auf die Römer[12] brachte ihm viele Verbündete aus dem Norden des Stammesgebietes ein, die diese antirömische Haltung teilten und somit auch Cartimandua feindlich gesonnen waren.[13]

In der Folge drangen Venutius und seine Heerscharen in das Gebiet Cartimanduas ein und lieferten sich einen heftigen Kampf. Gallus schickte der Klientelkönigin zuerst ein paar Kohorten, schließlich eine ganze Legion unter Führung von Caesius Nasica zu Hilfe und trug damit dazu bei, Venutius zu besiegen.[14]

4.2. Die Britannienpolitik Neros von 54-68 n. Chr.

Nero vertrat gegenüber Britannien eine offensive Einstellung: er wünschte sich ein dynamischeres Vorgehen gegen die Stämme der Provinz. Für einen geplanten Angriff in Wales gegen die Silurer und gegen brigantisches Territorium[15] sah er Aulus Didius Gallus nicht als den geeigneten Mann an, um diese Offensive durchzuführen. Dementsprechend musste dieser seinen Posten als Statthalter räumen und wurde durch Quintus Veranius[16] ersetzt, der aber schon im Jahr darauf verstarb. Ihm folgte Gaius Suetonius Paulinus[17] nach, der in den Augen Neros die geeigneten militärischen Vorraussetzungen auch für Gefechte in bergigen Regionen mitbrachte: 41 n. Chr. hatte er als Prätor einen Aufstand in Mauretanien unterdrückt und dabei als erster Römer das Atlasgebirge überquert.

Paulinus versuchte sofort, die Pläne Neros umzusetzen, allerdings ging er mit starker Brutalität gegen die Stämme und auch gegen eigentlich freundschaftlich gesinnte Klientelkönigtümer vor: beim Angriff auf die Insel Mona[18] 58/59 n. Chr. ließ er Frauen und Druiden ermorden[19] und er okkupierte auch das Gebiet des Stammes der Icener.[20] Dessen König Prasutagus hatte keinen männlichen Nachfolger als Thronerbe, deshalb setzte er neben seinen zwei Töchtern auch den römischen Herrscher als Nachfolger ein, im Glauben, seine Familie und sein Reich dadurch zu sichern. Allerdings rissen nach dem Tod des Königs die Römer das Gebiet rücksichtslos an sich, plünderten den Königssitz und misshandelten sogar die Königswitwe Boudicca und deren beide Töchter.

Zudem wurde auch die britannische Oberschicht von einer repressiven Wirtschaftspolitik der Römer unterdrückt. Dazu gehörten z.B. die kollektive Kündigung umfangreicher Privat -und Staatskredite, die sowohl römische Adlige mit Aussicht auf einen hohen Zinsgewinn als auch Kaiser Claudius den Aristokraten Britanniens, die natürlich auch an römischer Lebensart und deren Luxus partizipieren wollten, gewährt hatten.[21]

Infolge dieser militärischen und finanziellen Repression durch die römischen Besatzer brach 60 n. Chr. der sog. „Boudicca-Aufstand“[22] los: im Bündnis mit den Trinovanten überzogen die beiden Stämme unter Boudiccas Führung das römische Gebiet mit einer Welle der Gegengewalt: besonders die städtischen Siedlungen in der Provinz waren Zielscheibe ihres Hasses. Londinium und Verulamium gingen in Flammen auf, in Camulodunum wurde die Statue des Claudius geköpft, der Tempel zerstört und auch der Altar der römischen Siegesgöttin Victoria geschändet. Schließlich konnten die zahlenmäßig überlegenen Aufständischen bei der Watling Street von der römischen Armee geschlagen werden.

Durch diese gefährliche Situation kam Nero sogar in den Sinn, die römischen Truppen komplett aus Britannien abzuziehen und die Provinz ihrem Schicksal zu überlassen, er dies aber nur in Gedenken an seinen Adoptivvater Claudius verworfen hat, da diese Aktion dessen Ruhm posthum gemindert hätte[23] (eine andere Theorie meint, dass Nero dies wegen des Todes des Quintus Veranius (s.o.) gesagt hat).[24]

[...]


[1] Mehr Informationen dazu bei Ronald Syme, Tacitus, 2 Bde. Oxford 1958.

2

[2] Tac. ann. 1,2,1.

[3] Kai Brodersen, Das römische Britannien. Spuren seiner Geschichte, 1.Aufl., Darmstadt 1998, S.113 u. S.154 (im Folgenden zitiert als „Brodersen, Britannien“).

[4] Vgl. dazu Andrew Wallace-Hadrill, Suetonius, 2. Aufl., London 1995.

[5] Für eine detaillierte Betrachtung der Briganten B.R. Hartley/R. Leon Fitts, The Brigantes, Gloucester 1988 (im Folgenden zitiert als „Hartley, Brigantes“).

[6] David J. Breeze/Brian Dobson, Roman Officers and Frontiers, in: Mavors Roman Army Researches, Vol. 10.,

Stuttgart 1993 (im Folgenden zitiert als „Breeze, Frontiers“).

[7] Hartley, Brigantes, S.5.

[8] Klientelkönigtümer waren mit den Römern verbündete Stämme an den Grenzen des römischen Reiches, die als „Puffer“ gegen jenseits der Grenze lebende Völker dienten und dafür Subventionen erhielten. 3

[9] Tac. hist. 3,45,1.

[10] Mehr Informationen bei Anthony Birley, The Fasti of Roman Britain, 1. Aufl., Oxford 1981, S.44-49 (im Folgenden zitiert als “Birley, Fasti“). Die folgenden Verweise auf Birley bei Statthaltern Britanniens sind als Angabe genereller Informationsquellen gedacht.

[11] Guy de la Bédoyère, Eagles over Britannia. The Roman Army in Britain, 1. Aufl., Stroud 2001, S.38f. (im Folgenden zitiert als “Bédoyère, Eagles”).

[12] Tac. hist. 3,45,1: „…animos auctore Venutio, qui super insitam ferociam et Romani nominis odium propriis in Cartimanduam reginam stimulis accendebatur.“ (“ …und zwar auf Betreiben des Venutius, der abgesehen von seiner angeborenen Kampfeslust und seinem Haß gegen alles, was römisch hieß, aus rein persönlichen Gründen die Königin Cartimandua mit heißem Ingrimm verfolgte“.).

[13] Sheppard Frere, Britannia. A History of Roman Britain, 3.Aufl., London/New York 1987, S.82 (im Folgenden zitiert als “Frere, Britannia”). 4

[14] Brodersen, Britannien, S.93; Bédoyère, Eagles, S.40.

[15] Peter Salway, A History of Roman Britain, Oxford/New York 1997, S.80f. (im Folgenden zitiert als „Salway, History“).

[16] Birley, Fasti, S.50-54.

[17] Ebd., S.54-57.

[18] Tac. Agr. 14,3: „…quorum fiducia Monam insulam ut vires rebellibus ministrantem adgressus terga occasioni patefecit.” (“Im Vertrauen darauf griff er die Insel Mona (Anglesey) an, da sie den Aufständischen Truppen stellte, und bot auf diese Weise Gelegenheit, den Römern in den Rücken zu fallen.“).

[19] Gerhard Waldherr, Nero. Eine Biografie, Regensburg 2005, S.140f. (im Folgenden zitiert als „Waldherr, Nero“).

[20] Tac. Agr. 14,3. Das harte Vorgehen Paulinus´ wird mit seinem Konkurrenzverhältnis gegenüber Gnaeus Domitius Corbulo begründet. Dieser hatte die Parther in Armenien erfolgreich bekämpft, daran musste sich Paulinus messen lassen. 5

[21] Waldherr, Nero, S.141f..

[22] Tac. Agr. 16,2.

[23] Sueton, Nero 18.

[24] C.E. Stevens, The Will of Q.Veranius, CR N.S. 1 (1951), zitiert nach Sueton, Nero 18.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Britannienpolitik Neros und Vespasians mit besonderer Berücksichtigung des Brigantenproblems
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Lehrstuhl für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Das römische Britannien
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V160043
ISBN (eBook)
9783640728862
ISBN (Buch)
9783640729272
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
caratacus, tacitus, nero, graupius, vespasian, briganten, silurer, cartimandua, agricola, venutius, klientelkönigtum, boudicca, cerialis, außenpolitik, britannia, england, britannien, mons garupius, pikten, eboracum, york, scapula, paulinus, mona, icener, camulodunum, classicanus, polyclitus, turpilianus, gallus, veranius, frontinus, ordovicer
Arbeit zitieren
Fabian Fuchs (Autor), 2009, Die Britannienpolitik Neros und Vespasians mit besonderer Berücksichtigung des Brigantenproblems, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160043

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Britannienpolitik Neros und Vespasians mit besonderer Berücksichtigung des Brigantenproblems



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden