Vertragstheorie und Friedensschluss bei Thomas Hobbes

Mit einem Rekurs auf die Staatsbildung bzw. Regierungsformen bei Jean-Jacques Rousseau (1712-1778)


Hausarbeit, 2004

23 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Biographische Texteinfuhrung

3. Einleitung

4. Ubertragungen und Vertrage

5. Friedensschluss

6. Staatsvertrag

7. Staat / Burgergesellschaft

8. Rousseau als Analogie zu Hobbes

9. Schlusswort / Kritik / Fazit

10. Literaturnachweis

2. Biographische Texteinfuhrung

1 Thomas Hobbes wird am 5. April 1588 in Westport in der Grafschaft Wiltshire als Sohn eines wenig gebildeten Landgeistlichen geboren, seine Mutter entstammt einer Bauernfamilie. Sein Vater muss bald auf Grund einer Schlagerei fliehen und ein Onkel ubernimmt die Erziehung von Thomas Hobbes. Er besucht die Elementarschule in Westport und wechselt 1596 auf die Schule in Malmesbury, wo er Unterricht in den klassischen Sprachen erhalt, die er schlieftlich vorzuglich beherrscht.

Sieben Jahre spater beginnt er dann das Studium der sieben freien Kunste an der Universitat von Oxford, doch hat er wenig Freude daran. Er kommt hier mit puritanischen Kreisen und der scholastischen Philosophie in Kontakt. Vier Jahre spater schlieftt er das Studium mit dem Grad eines Baccalaureus Artium ab.

Hobbes tritt nun in den Dienst von Sir William Carvendish ein und unterrichtet dessen Sohn. Er macht mit ihm eine (damals fur junge Adelige ubliche) mehrjahrige Reise nach Europa. Nach der Ruckkehr widmet sich Hobbes, immer noch im Haushalt der Cavendishs, humanistischen Studien und trifft Herbert of Cherbury und Francis Bacon. Er lernt in diesen Studien die Beschreibung des Peloponnesischen Krieges von Thukydides kennen. Von dieser sehr beeindruckt, ubersetzt er sie ins Englische. Er bricht, wieder als Privatlehrer tatig, zu einer neuen Europareise auf, auf der er Euklids Elemente, das wohl beruhmteste Mathematikbuch aller Zeiten kennen lernt, das ihn im Bezug auf seine Methode sehr beeinflussen sollte.

1634 bricht er mit dem Sohn des neuen Earls von Carvendish zu einer neuen Europareise auf, auf der er so bedeutende Gelehrte, wie Mersenne, Gassendi, Descartes und Galilei trifft. Zwei Jahre spater kehrt er nach London zuruck.

Der Earl von Newcastle bittet ihn im Jahre 1640 eine Parteischrift fur den Konig zu schreiben, einer Bitte, der er mit den Elements of Law, dessen Titel sehr an die Elemente des Euklids erinnert, nachkam. Er versucht mit diesem Werk die Politikwissenschaft als eine aus bestimmten Prinzipien hergeleitete und nicht als eine empirische Wissenschaft aufzubauen. Die Schrift lasst er im Parlament zirkulieren, doch mit geringem Erfolg. Nachdem das Kurze Parlament aufgelost und das Lange Parlament eingesetzt wurde, sieht er sich in Gefahr und flieht nach Frankreich.

Zwei Jahre spater erscheint der zuerst geschriebene dritte Teil von Hobbes' groRem Werk „Elementa Philosophiae“, den er „De Cive“ (vom Burger) nennt. In den folgenden Jahren betreibt Hobbes optische Studien und engagiert sich am Hof.

1647 erkrankt er dann schwer und als Folge der Krankheit bleibt eine paralytische Schuttellahmung, die ihn zur Beschaftigung eines Schreibers zwingt. Sein Hauptwerk, den Leviathan, veroffentlicht er 1651. Es ist das Werk, das seine politische Theorie in Vollendung darstellt und auch besonders auf kirchenpolitische Fragen eingeht. Der Name stammt von einem biblischen Ungeheuer. Die Reaktion auf dieses und eine Intrige bringen ihn dazu, nach England zuruckzukehren und sich der Republik zu unterwerfen. Er wird vom Earl of Devonshire nach Derbyshire eingeladen, wo er, bis auf regelmaRige Aufenthalte in London, den Rest seines Lebens verbringt.

In den Jahren 1655 und 1658 bringt er die Schriften „De Corpore„ (vom Korper) und „De Homine„ (vom Menschen) heraus und vollendet damit seine „Elementata Philosophiae2.

1666 wird er dann des Atheismus bezichtigt und verbrennt aus Angst als Haretiker verurteilt zu werden, einen Teil seiner Schriften. Er arbeitet nun an seinen drei Schriften "A Dialogue between a Philosopher and a Student of the Common Laws of England", "An Historical Narration Concerning Heresy" und "Behemoth or The Long Parliament", die aber erst posthum erscheinen. Die letztere ist eine Darstellung und Analyse des Burgerkriegs, von dem Hobbes sehr stark beeinflusst wurde. 1672 verfasst er eine erst posthum erscheinende, in lateinischen Versen geschriebene Autobiographie und 1675 und 1676 veroffentlicht er Ubersetzungen der Odyssee und der Ilias. Am 4. Dezember 1679 stirbt er dann in dem hohen Alter von 91 Jahren und wird in der Gemeinde Kirche von Hault Hucknall, nahe Hardvich Hall/Derbyshire begraben.

3. Einleitung

Wie auch in der Biografie zu erkennen ist, war das Leben und Denken von Thomas Hobbes einerseits durch die, sowohl in seiner Heimat England wie auch in Frankreich herrschenden Burgerkriege als auch von der analytischen, geometrischen und mathematischen Naturwissenschaft beeinflusst.

Er war uberzeugt, dass die Burgerkriege vermeidbar gewesen waren, und die Schriften der Moralphilosophen nichts (zum Frieden) beigetragen haben, da sie nicht die fur Hobbes eindeutig bessere Methode der Geometer verwendeten3.

Hobbes erhebt den Anspruch die politische Wissenschaft, die er als dogmatische Wissenschaft firmiert, als mathematische Wissenschaft neu zu begrunden4. Beispielsweise ist Vernunft nichts anderes als rechnen. Er bedient sich des Rekonstruktionsverfahren: zerlegen und zusammensetzen.

„Denn aus den Elementen, aus denen eine Sache sich bildet, wird sie auch am besten erkannt. ... Ebenso muss bei der Ermittlung des Rechts des Staates und der Pflichten der Burger der Staat zwar nicht aufgelost, aber doch gleichsam als aufgelost betrachtet werden, d.h. es muss richtig erkannt werden, wie die menschliche Natur geartet ist, wieweit sie zur Bildung des Staates geeignet ist oder nicht, und wie die Menschen sich zusammentun mussen, wenn sie eine Einheit werden wollen5.

Um die Vermeidbarkeit der Burgerkriege und die Notwendigkeit eines Staates bzw. von Herrschaft aufzuzeigen, beschreibt Hobbes die Konsequenzen der ungeregelten menschlichen Natur am Beispiel des Zusammenlebens in einem herrschaftslosen Naturzustand. Wichtig bei Hobbes ist die Argumentationsstruktur und der Inhalt seiner Staatstheorie, weniger die Ahndung seiner oft springenden und widerspruchlichen Anwendungen unterschiedlicher Methoden.

Es folgt das Leben im herrschaftslosen Naturzustand: ein Selbsterhaltungskampf, der Krieg jeder gegen jeden. Dann werden zunachst Vertrage und Ubertragungen beschrieben, die fur das Verstandnis, des im nachsten Abschnitt folgenden, friedlichen Ausgangs aus diesem Kriegszustand grundlegend sind.

Nach der Abhandlung des Friedenschlusses, folgen der Staatsvertrag und dessen Praktische Umsetzung im/in der Staat/Burgergesellschaft. Des Weiteren folgt, ein grober Vergleich Rousseaus Gesellschaftsvertrags mit Hobbes Modell, dem eine andere politische Vertragstheorie zu Grunde liegt und dem vorausgehend ein anderes Menschenbild bzw. ein anderer Naturzustand. Menschenbild und Naturzustand bei Rousseau, werde ich nur kurz einleitend beschreiben, da mir es wichtiger erscheint auf Rousseaus Staatsmodelle (Regierungsformen) bzw. Rousseaus Gesellschaftstheorie einzugehen. Ich erhoffe mir so, die vorhandenen bzw. nichtvorhandenen Analogien heraus arbeiten zu konnen.

Im Schlusswort am Ende kommentiere, kritisiere und bewerte ich die Theorie von Thomas Hobbes im vgl. zu Rousseaus Gesellschaftsvertrag.

4. Ubertragungen und Vertrage

In dem herrschaftslosen Naturzustand leben gesellschaftslose, freie und gleiche Menschen mit ihren naturlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen.

Diesen fiktiven Naturzustand konstruiert Hobbes um die aus der Herrschaftslosigkeit resultierenden kriegerischen Zustande zu entwickeln.

Die standige Todesfurcht (Misstrauen), das Verlangen nach einem angenehmen Leben (commodious living) und die Vernunft sind die Ursache und Motivation der Menschen fur Frieden, um dem Naturzustand zu entfliehen

Die Unmoglichkeit eines sicheren herrschaftsfreien Lebens ist Bedingung fur die Notwendigkeit von Herrschaft und damit Frieden.

Der Natur- bzw. Kriegszustand bestand nach Hobbes einerseits so niemals auf der ganzen Welt, andererseits herrscht er zwischen Staaten und in allen herrschaftslosen Zeiten und/oder Gebieten, es ist der fiktive Idealtypus6 des real moglichen Ausnahmezustandes und des tatsachlichen Verhaltens.

Die schwierigen Lebensumstande (Kriegszustande) fuhren mit den ungeselligen, auf den eigenen Vorteil bedachten, menschlichen Eigenschaften zu Konflikten.

Hobbes sieht drei Konfliktursachen7 in der menschlichen Natur: Konkurrenz wegen (erhofftem) Gewinn, Misstrauen (aus Furcht) wegen Sicherheit und Ruhmsucht des Ansehens wegen.

Weil im Naturzustand die Menschen sich „..im Zustand des Krieges eines jeden gegen jeden befinden, was bedeutet, das jedermann von seiner eigenen Vernunft angeleitet wird und weil es nichts gibt, das er nicht moglicherweise zum Schutze seines Lebens gegen seine Feinde verwenden konnte, so folgt daraus, dass in einem solchen Zustand jedermann ein Recht auf alles hat, selbst auf den Korper eines anderen8." Dies ist die Legitimation des Recht eines jeden auf alles bzw. aller auf alles9. Diesen Naturzustand bezeichnet Hobbes als Krieg jeder gegen jeden10.

Die standige Todesfurcht (Misstrauen), das Verlangen nach einem angenehmen Leben und die Vernunft sind die Ursache und Motivation der Menschen fur Frieden, um dem Natur- bzw. Kriegszustand zu entfliehen.

Ein Rechtsverzicht liegt nach Hobbes vor, wenn sich nicht gekummert wird wem der entstehende Vorteil zufallt. Eine Rechtsubertragung entsteht bei der Begunstigung einer gewissen Person oder Mehrheit. Ein Vertrag ist eine wechselseitige Ubertragung von Rechten11. Ein Ubereinkommen nennt Hobbes den Vertrag uber spatere Leistung auf Seiten des Glaubigers. Eine Nichterfullung verletzt die Treuepflicht12. Ubertragungen oder ein Rechtsverzicht vollziehen sich durch willentliche Zeichen, Worte oder Handlungen.

Eingehalten werden Ubereinkommen nicht wegen der Treuepflicht, sondern aus Furchtvor ublen Folgen.

Deswegen ist im herrschaftslosen Kriegszustand jeder Vertrag im gegenseitigen Vertrauen ohne sofortige Erfullung bei jedem vernunftigen Verdacht unwirksam.

Die willentliche Handlung der Ubertragung kann und darf sich nach Hobbes. nicht gegen das Eigeninteresse wenden, es muss ein mehr an Sicherheit resultieren. Deswegen sind abgeschlossene Vertrage zu halten, denn dem entgegen zu handeln was anfangs willentlich im Eigeninteresse vereinbart und getan wurde, nennt Hobbes Unrecht oder ungerecht.

[...]


1 Munkler, Herfried: Thomas Hobbes. Einfuhrung. Frankfurt/Main 2001; S. 176 ff.

2 Vgl. Munkler a.a.O.; S. 179 ff.

3 Vgl. Munkler a.a.O.; S. 13

4 Vgl. Munkler a.a.O.; S. 43

5 Hobbes, Thomas. De Cive; 1959; S. 67 ff.

6 Vgl. Munkler, Herfried: Thomas Hobbes. Einfuhrung. Frankfurt/Main 2001; S. 25

7 Vgl. Hobbes, Thomas: Leviathan. Iring Fetscher (Hrsg.); Frankfurt am Main 2002, S. 95

8 Vgl. Hobbes, Thomas: a.a.O., S. 99

9 Vgl. Hobbes Thomas. Vom Menschen / Vom Burger; Hamburg 1966, S. 82 f.

10 Vgl. Hobbes, Thomas: a.a.O., S. 84

11 Vgl. Hobbes, Thomas: Leviathan. Iring Fetscher (Hrsg.); Frankfurt am Main 2002, S. 100 ff.

12 Vgl. Hobbes, Thomas: a.a.O., S. 110

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Vertragstheorie und Friedensschluss bei Thomas Hobbes
Untertitel
Mit einem Rekurs auf die Staatsbildung bzw. Regierungsformen bei Jean-Jacques Rousseau (1712-1778)
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Sozialphilosophie und Gesellschaftstheorie
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V160045
ISBN (eBook)
9783640740017
ISBN (Buch)
9783640740468
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hobbes, Rousseau, Vertragstheorie, Freidensschluss, Staatsbildung, Regierungsformen, Staatstheorie, Sozialphilosophie, Gesellschaftstheorie, Soziologie, Sozialwissenschaften
Arbeit zitieren
Markus Schüttler (Autor), 2004, Vertragstheorie und Friedensschluss bei Thomas Hobbes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160045

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