Die vorliegende Hausarbeit vergleicht die politischen Theorien von Thomas Hobbes und James M. Buchanan. Der Philosoph und Staatstheoretiker Hobbes, der im 17. Jahrhundert in England lebte, schrieb unter dem Eindruck des in den 1650er Jahren in England wütenden Bürgerkrieges im französischen Exil sein Hauptwerk „Leviathan“1, einen Klassiker der politischen Ideengeschichte. In diesem Werk entwirft er eine Theorie, in der die Individuen einen vorgesellschaftlichen, rechtlosen Kriegszustand durch Abschluss eines Gesellschaftsvertrages beendigen, in dem die Rechte der Individuen auf einen Souverän mit absoluter Macht übertragen werden.
Der 1919 geborene Ökonom James M. Buchanan, der 1986 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt, beeinflusste durch sein interdisziplinär angelegtes Oeuvre auch die politische Theorie. Er ist ebenso Vertragstheoretiker wie Hobbes, auf dessen Basis er
in seinem 1975 erschienenen Werk „Die Grenzen der Freiheit. Zwischen Anarchie und Leviathan“ sein Modell eines Gesellschaftsvertrages entwickelte. Im Gegensatz zu Hobbes resultiert aus der Buchananschen Vertragstheorie die Demokratie, während im Hobbesschen Modell der Vertragsabschluss einen absoluten Staat konstituiert.
Die Intention, die Theorien dieser beiden Staatstheoretiker zu vergleichen, gründet sich eben in letztgenanntem Argument und der Diskrepanz, dass man trotz relativ kongruenter Grundlage, also einer ähnlichen Naturzustandssituation, doch zu solch unterschiedlichen
Resultaten kommt.
Der Hauptteil meiner Arbeit gliedert sich in die drei Bereiche des Naturzustandes, des Vertragsabschlusses und des Vertragsinhaltes. In allen drei Stufen wird jeweils zuerst die Argumentation von Thomas Hobbes erläutert, sie anschließend der Theorie Buchanans
gegenübergestellt und dort auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede eingegangen.
Der (immer fiktive) Naturzustand stellt das menschliche Zusammenleben vor jeder Vergesellschaftung dar, eine rechtslose Situation der Unsicherheit, in der niemand seines Besitzes und seines Lebens sicher sein kann. Die Stufe des Vertragsabschlusses soll zeigen, welche Beweggründe die Individuen dazu bringen, durch wechselseitige Kontrakte dem Naturzustand zu entfliehen. Im dritten Bereich wird aufgezeigt, welche Inhalte die abgeschlossenen Verträge festgelegt haben und welche Auswirkungen diese auf die weitere
gesellschaftliche Entwicklung hin zum Leviathan bzw. zur Demokratie besitzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vergleich der Theorien von Thomas Hobbes und James M. Buchanan
2.1. Naturzustand
2.1.1. Hobbes
2.1.2. Vergleich mit Buchanan
2.2. Vertragsabschluss
2.2.1. Hobbes
2.2.2. Vergleich mit Buchanan
2.3. Vertragsinhalt
2.3.1. Hobbes
2.3.2. Vergleich mit Buchanan
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die politischen Vertragstheorien von Thomas Hobbes und James M. Buchanan systematisch zu vergleichen, um aufzuzeigen, wie trotz ähnlicher theoretischer Ausgangsbedingungen grundlegend verschiedene Resultate – der absolute Staat versus die demokratische Gesellschaft – entstehen können.
- Analyse und Vergleich der Naturzustandskonzepte von Hobbes und Buchanan
- Untersuchung der Motive und Prozesse des Vertragsabschlusses
- Gegenüberstellung des Vertragsinhalts und der daraus resultierenden Herrschaftsformen
- Kritische Betrachtung der Risiken moderner Demokratien im Vergleich zum totalitären Modell
- Erörterung der Rolle staatlicher Institutionen und des rationalen Eigennutzes
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Hobbes
In seinem 1651 veröffentlichtem Hauptwerk „Leviathan“ bezeichnet Thomas Hobbes seine entwickelte Naturzustandskonzeption, in dem kein Staat existiert, nichts unerlaubt ist und nur das Recht auf Selbsterhaltung gilt, als „bellum omnium contra omnes“ (Krieg aller gegen alle). Wolfgang Kersting nennt vier Hauptgründe für diesen Zustand, die sowohl aus subjektiven Bedingungen (Handlungsmotive der Menschen) als auch aus objektiven Bedingungen (physische und soziale Umgebung des Menschen) bestehen.
Erstens findet die menschliche Bedürfnisbefriedigung unter der Bedingung einer doppelt unaufhebbaren Knappheit statt. Einerseits sind die Güter, die Menschen zum Überleben benötigen, knapp, zum anderen sind es auch die Mittel, die man benötigt, um die Güter zu erwerben. Die Konkurrenz der Individuen im Naturzustand besteht daher aus zwei Elementen: auf der einen Seite streiten sie sich um die knappen Güter, auf der anderen um Macht. Die Macht betrifft nicht nur materielle Güter, sondern auch soziale Anerkennung: Wenn ein Individuum auf einen Mitmenschen trifft, der ihn nicht mit der gebührenden Ehre oder respektlos behandelt, kann dies einen bewaffneten Konflikt nach sich ziehen. Wenn ein Mensch von einem anderen Geringschätzung erfährt, wird er ihn mit Gewalt zu bestrafen versuchen, um allen anderen Individuen zu signalisieren, was ihnen widerfahren wird, wenn sie sich ihm gegenüber ähnlich gerieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung der Arbeit ein, die politischen Theorien von Thomas Hobbes und James M. Buchanan durch einen Vergleich ihrer Vertragskonstruktionen zu analysieren.
2. Vergleich der Theorien von Thomas Hobbes und James M. Buchanan: Dieser Hauptteil analysiert strukturiert die Konzepte des Naturzustands, des Vertragsabschlusses und des Vertragsinhalts beider Theoretiker.
2.1. Naturzustand: Es wird erörtert, wie beide Autoren den vorgesellschaftlichen Zustand als rechtslosen Raum definieren, in dem rationale Egoisten aufgrund knapper Güter in Konflikt geraten.
2.1.1. Hobbes: Das Kapitel beschreibt Hobbes' Konzeption als einen „Krieg aller gegen alle“, der durch Knappheit, Konkurrenz, Ruhmsucht und natürliche Gleichheit geprägt ist.
2.1.2. Vergleich mit Buchanan: Hier wird aufgezeigt, dass Buchanan zwar an Hobbes anknüpft, den Naturzustand jedoch weniger als extreme Grenzsituation, sondern stärker durch mikroökonomische Interaktionen geprägt sieht.
2.2. Vertragsabschluss: Dieses Kapitel thematisiert die Bedingungen, die Individuen dazu führen, ihre Freiheit durch Kontrakte einzuschränken.
2.2.1. Hobbes: Der Fokus liegt auf dem Rechtsverzicht der Individuen und der Autorisierung einer übergeordneten Macht zur Beendigung des Naturzustands.
2.2.2. Vergleich mit Buchanan: Es wird dargelegt, wie Buchanan den Weg über mehrere Vertragsstufen von der Mikro- zur Makroebene hin zur Demokratie zeichnet.
2.3. Vertragsinhalt: Dieser Abschnitt vergleicht, welche Rechte und Pflichten nach Vertragsschluss bestehen.
2.3.1. Hobbes: Detaillierte Betrachtung des Gesellschaftsvertrages, der in einem absolutistischen Souverän (Leviathan) mündet, der keine Gewaltenteilung kennt.
2.3.2. Vergleich mit Buchanan: Untersuchung des Rechtsschutzstaates und des Leistungsstaates, die als neutrale Instanzen demokratische Rechte wahren sollen.
3. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass aus ähnlichen rationalen Ursprüngen durch unterschiedliche vertragstheoretische Ansätze die Gegensätze zwischen absolutem Staat und moderner Demokratie entstehen.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, James M. Buchanan, Gesellschaftsvertrag, Naturzustand, Leviathan, Vertragstheorie, Homo oeconomicus, Staatsgewalt, Demokratie, Rechtsschutzstaat, Leistungsstaat, Politische Philosophie, Vertragsabschluss, Souveränität, Freiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht und vergleicht die staatstheoretischen Modelle von Thomas Hobbes und James M. Buchanan hinsichtlich ihrer Vertragstheorien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen den Naturzustand, den Prozess des Vertragsabschlusses sowie die Bestimmung des Vertragsinhalts und der resultierenden Herrschaftsstruktur.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu erklären, warum zwei Vertragstheoretiker mit ähnlichen Grundannahmen zu solch unterschiedlichen Ergebnissen wie dem absoluten Leviathan und einer demokratischen Gesellschaft kommen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende Analyse, bei der die Argumentationen von Hobbes und Buchanan in drei Stufen gegenübergestellt und auf Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede untersucht werden.
Welche Aspekte werden im Hauptteil vertieft?
Im Hauptteil werden die Konzepte des Naturzustands, die Dynamik des Vertragsabschlusses und die Funktionen der nachfolgenden Staatsinstanzen detailliert analysiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Vertragstheorie, Naturzustand, Souveränität und Staatsphilosophie charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Souveräns bei Hobbes und Buchanan?
Bei Hobbes ist der Souverän (Leviathan) absolut und unfehlbar, während Buchanan eine neutrale Instanz befürwortet, die Individualrechte sichert und demokratisch legitimiert ist.
Welche Gefahren sieht Buchanan für moderne Demokratien?
Buchanan warnt vor der Entfremdung der Bürger, dem Machtstreben von Bürokraten und Politikern sowie der ineffizienten Aufblähung des staatlichen Budgets, die den Staat in Richtung eines Leviathans mutieren lassen können.
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- Fabian Fuchs (Author), 2010, Vergleich der Theorien von Thomas Hobbes und James M. Buchanan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160049