Die fortschreitende Digitalisierung und die rasante Entwicklung der KI beeinflussen nahezu alle Lebensbereiche und werfen auch im rechtlichen Kontext neue Fragestellungen auf. Sowohl nationale als auch internationale zivil- und strafrechtliche Verfahren sehen sich mit bislang unbekannten Herausforderungen konfrontiert.
Welche Anpassungen im Strafrecht sind erforderlich, um KI-gestützte Straftaten zurechenbar zu machen? Welche Herausforderungen bestehen bei der gerichtlichen Verwertbarkeit von KI-generierten Beweisen, insbesondere im Hinblick auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Manipulationsanfälligkeit? Welche Rolle spielen internationale Abkommen für die rechtliche Handhabung von KI-gestützten Cyberangriffen?
Diese und weitere Fragen beantwortet Hans Schön in seinem Buch. Dabei beleuchtet er zivil- und strafrechtliche Tatbestände sowie rechtliche Lücken, die dadurch entstehen und forensische Möglichkeiten zur Nachverfolgung von Cyberkriminalität. Das Buch richtet sich an Jurist:innen, Wissenschaftler:innen, Lehrende, Studierende und Praktiker:innen, die sich mit den rechtlichen Folgen digitaler Straftaten befassen.
Prof. PhDr. DDr. Hans Schön, PhD, LL.M., D.Phil., ist Facharzt, Hochschullehrer für Public Health, KI-Recht und Klinische Chemie sowie zertifizierter AI-Competence Expert und Digital Legal Expert.
Er lehrt und forscht international zu rechtlichen, ethischen und regulatorischen Fragestellungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz – mit Schwerpunkt auf Urheberrecht, Datenschutz und Haftung. Seine interdisziplinäre Expertise vereint Medizin, Technologie und Recht. Die Publikationsliste umfasst über 100 wissenschaftliche Veröffentlichungen, darunter mehrere Dissertationen, Masterarbeiten und Monographien.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Grundlagen und Bedeutung von KI- und IT-Recht im digitalen Zeitalter
1.1.1 IT-Recht und dessen zentrale Regelungen
1.1.2 KI-Recht und der EU AI Act
1.1.3 Haftungsfragen und rechtliche Unsicherheiten
1.1.4 Schnittstellen zwischen IT- und KI-Recht
1.2 Relevanz von zivil- und strafrechtlichen Tatbeständen bei Produktverantwortung, Cyberkriminalität und digitaler Forensik
1.2.1 Zivilrechtliche Haftungsfragen bei KI-Systemen
1.2.2 Strafrechtliche Implikationen von KI in der Cyberkriminalität
1.2.3 Bedeutung der digitalen Forensik
1.3 Vorstellung des Dissertationsthemas: „Zivil- und strafrechtliche Tatbestände im KI- und IT-Recht: Produktverantwortung, Cyberkriminalität und digitale Forensik“
1.4 Begriffsklärung und Definition von KI
2 Problemstellung
2.1 Rechtsunsicherheiten bei der Haftung für KI-Systeme (zivil- und strafrechtlich)
2.2 Herausforderungen durch Cyberkriminalität und digitale Beweisführung
2.3 Fehlende rechtliche Anpassungen für KI-Technologien
3 Forschungsfragen
3.1 Zivilrechtliche Haftungsfragen bei KI-Systemen
3.2 Strafrechtliche Zurechnungs- und Verantwortlichkeitsfragen für KI-generierte Straftaten
3.3 Forschungsfragen zur digitalen Forensik und zur gerichtlichen Verwertbarkeit von KI-generierten Beweisen
3.4 Forschungsfragen zu internationalen Regulierungsansätzen und zur Harmonisierung rechtlicher Rahmenbedingungen
3.5 Relevanz der Forschungsfragen für die wissenschaftliche und rechtliche Entwicklung
4 Methodik
4.1 Methodische Herangehensweise und interdisziplinärer Forschungsansatz
4.1.1 Interdisziplinärer Forschungsansatz
4.2 Rechtsquellen und Datenbanken
4.2.1 Nationale Rechtsdatenbanken
4.2.2 KI-gestützte Rechtsdatenbanken
4.2.3 EU-weite Rechtsdatenbanken
4.3 Rechtsgrundlagen und Quellenbasis
4.3.1 Primärrechtliche und regulatorische Grundlagen der Europäischen Union
4.3.2 Nationale Rechtsquellen
4.3.3 Internationale Rechtsquellen
4.4 Rechtsdogmatische Analyse
4.5 Rechtsvergleichende Analyse
4.6 Fallstudienanalyse: Rechtsvergleichende Betrachtung von KI-Haftungsfällen
4.6.1 Auswahlkriterien für die Fallstudien
4.6.2 Beschreibung der untersuchten Fallstudien
4.6.3 Methodische Durchführung der Fallstudienanalyse
4.6.4 Bedeutung der Fallstudienanalyse für die Dissertation
4.7 Empirische Untersuchung und quantitative Inhaltsanalyse
4.7.1 Zielsetzung und methodischer Ansatz
4.7.2 Qualitative Experteninterviews
4.7.3 Quantitative Inhaltsanalyse nach Mayring
4.7.4 Bedeutung der empirischen Untersuchung für die Dissertation
5 Ergebnisse und Analysen
5.1 Ergebnisse der rechtsdogmatischen Analyse
5.1.1 Zivilrechtliche KI-Haftung: Analyse der Produkthaftung für KI-Systeme
5.1.2 Strafrechtliche Zurechnung von KI-generierten Straftaten
5.1.3 Digitale Beweisführung und forensische Standards
5.2 Ergebnisse des Rechtsvergleichs
5.2.1 Produkthaftung für KI-Systeme im internationalen Vergleich
5.2.2 Strafrechtliche Verantwortlichkeit für KI-generierte Straftaten: Eine international vergleichende Analyse
5.2.3 Digitale Beweisführung und gerichtliche Verwertbarkeit von KI-generierten Beweisen
5.2.4 Zentrale Ergebnisse der rechtsvergleichenden Analyse und regulatorische Implikationen
5.3 Ergebnisse der Fallstudienanalyse
5.3.1 Bedeutung der Fallstudienanalyse für die KI-Regulierung
5.3.2 Fallstudie 1: Produkthaftung für KI-Systeme – Der Fall Tesla Autopilot
5.3.3 Fallstudie 2: Strafrechtliche Verantwortlichkeit – Deepfake-Betrug und KI-gestützte Finanzdelikte (EU, 2023)
5.3.4 Fallstudie 3: Digitale Beweisführung – Gerichtliche Verwertbarkeit KI-generierter Beweise (Clearview AI, USA/EU, 2020)
5.3.5 Lehren aus den Fallstudien für die KI-Regulierung
5.4 Ergebnisse der empirischen Untersuchung
5.4.1 Einleitung und Überblick über die empirischen Analysen
5.4.2 Bedeutung der empirischen Untersuchung für die Dissertation
5.4.3 Ergebnisse der qualitativen Expertenbefragung
5.4.4 Ergebnisse der quantitativen Inhaltsanalyse nach Mayring
5.4.5 Gesamtinterpretation und regulatorische Implikationen der empirischen Ergebnisse
5.5 Zusammenfassung der Analyseergebnisse und Ableitung zentraler Erkenntnisse
6 Bewertung der Rechtslage und Handlungsempfehlungen
6.1 Analyse zentraler regulatorischer Herausforderungen autonomer KI-Systeme
6.1.1 Produkthaftung und zivilrechtliche Verantwortlichkeit
6.1.2 Strafrechtliche Verantwortlichkeit autonomer Systeme
6.1.3 Digitale Beweisführung und gerichtliche Praxis
6.2 Wissenschaftlicher und praktischer Mehrwert der Dissertation
6.3 Wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen
6.3.1 Handlungsempfehlung 1: Anpassung der EU- ProdHaftRL
6.3.2 Handlungsempfehlung 2: Einführung neuer strafrechtlicher Tatbestände („Digitale Beihilfe“) und verbindlicher Compliance-Vorgaben nach dem VbVG
6.3.3 Handlungsempfehlung 3: Einführung verbindlicher EU-Standards für die digitale Beweisführung
6.3.4 Handlungsempfehlung 4: Einrichtung einer europäischen Koordinierungsstelle („Single Point of Contact“) für regulatorische KI-Fragen
6.4 Abschließende Bewertung der Handlungsempfehlungen und zukünftige Perspektiven
7 Weiterführende Forschungsansätze
7.1 Vertiefung rechtlicher Kategorien und Klärung offener Fragen Vertiefung rechtlicher Kategorien und Klärung offener Fragen
7.1.1 Digitale Beweisführung und forensische Standards
7.1.2 Strafrechtliche Zurechnung autonomer KI-Entscheidungen
7.1.3 Weiterentwicklung der Compliance-Pflichten nach dem VbVG
7.2 Ausbau internationaler rechtsvergleichender Forschung
7.2.1 Vergleichende Analyse zur KI-Haftung im außereuropäischen Rechtsraum
7.3 Interdisziplinäre Forschungsansätze zur regulatorischen Optimierung
7.3.1 Kombination rechtlicher und technischer Expertise
7.3.2 Integration ethischer Prinzipien in die KI-Regulierung
8 Schlussbetrachtung und Gesamtbewertung
8.1 Reflexion der methodischen Vorgehensweise
8.2 Einordnung der Dissertation in die aktuelle Forschung und Praxis
8.3 Abschließende Bewertung der Ergebnisse
9 Zusammenfassung der Dissertation
9.1 Problemstellung und Ziel der Untersuchung
9.2 Methodisches Vorgehen
9.3 Zentrale Ergebnisse
9.3.1 Zivilrechtliche Produkthaftung
9.3.2 Strafrechtliche Verantwortlichkeit
9.3.3 Digitale Beweisführung
9.3.4 Europäische regulatorische Koordination
9.4 Diskussion der zentralen Ergebnisse
9.5 Fazit und wissenschaftlicher Mehrwert
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert umfassend die zivil- und strafrechtlichen Herausforderungen, die durch den Einsatz autonomer Künstlicher Intelligenz (KI) entstehen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Identifikation bestehender regulatorischer Lücken in Haftungs- und Beweissicherungsfragen sowie der Erarbeitung wissenschaftlich fundierter, praxisnaher Handlungsempfehlungen für den europäischen Rechtsrahmen, um Innovation bei gleichzeitiger Rechtssicherheit zu fördern.
- Regulierung und Haftung autonomer KI-Systeme im Zivil- und Strafrecht.
- Herausforderungen durch Cyberkriminalität und KI-generierte Straftaten.
- Gerichtliche Verwertbarkeit von KI-generierten digitalen Beweisen.
- Rechtsvergleichende Untersuchung internationaler Ansätze (EU, USA, UK, China).
- Entwicklung von Compliance-Standards und regulatorischen Anpassungsmaßnahmen.
Auszug aus dem Buch
1.1.2 KI-Recht und der EU AI Act
Während das IT-Recht ein breites Spektrum rechtlicher Fragestellungen der Informationstechnologie umfasst, fokussiert das KI-Recht gezielt auf regulatorische Herausforderungen im Zusammenhang mit der Entwicklung, Nutzung und Kontrolle von KI Systemen (Bisset & Dallinger, 2024). Ein zentraler Bestandteil dieses Rechtsgebiets ist die KI-Verordnung der EU (AI Act, EU 2024/1689), die am 1. August 2024 in Kraft trat und einen risikobasierten Ansatz zur Regulierung von KI verfolgt (Bierbauer, 2024; Europäische Union, 2024c).
Die KI-Verordnung der EU stellt das erste umfassende, grenzüberschreitend gültige Regelwerk zur Regulierung von KI dar. Sie gilt sowohl für öffentliche als auch private Akteure innerhalb der EU sowie für Unternehmen außerhalb der EU, sofern sie KI-Systeme in der EU anbieten oder deren Nutzung Auswirkungen auf Personen innerhalb der Union entfaltet (Europäische Kommission, 2021). Die Verordnung sieht verbindliche Anforderungen insbesondere für Hochrisiko-KI-Systeme, umfassende Marktüberwachungsmechanismen sowie empfindliche Sanktionen bei Verstößen vor. Die Mehrzahl der Vorschriften tritt nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren in Kraft; Regelungen zu verbotenen KI-Systemen und einige Transparenzpflichten gelten jedoch bereits sechs Monate nach Inkrafttreten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die rechtliche Relevanz von KI und IT sowie Abgrenzung der zentralen Problemfelder Produktverantwortung, Cyberkriminalität und digitale Forensik.
2 Problemstellung: Analyse der bestehenden Rechtsunsicherheiten bei der Haftung autonomer Systeme und der Schwierigkeiten bei der Beweisführung durch die Black-Box-Problematik.
3 Forschungsfragen: Definition der wissenschaftlichen Kernfragen bezüglich zivilrechtlicher Haftung, strafrechtlicher Zurechnung und der Verwertbarkeit digitaler Beweise.
4 Methodik: Beschreibung des interdisziplinären Forschungsansatzes unter Einbeziehung rechtsdogmatischer, rechtsvergleichender und empirischer Methoden.
5 Ergebnisse und Analysen: Detaillierte Darstellung der Ergebnisse aus der Rechtsanalyse, dem internationalen Vergleich und den durchgeführten Fallstudien sowie Expertenbefragungen.
6 Bewertung der Rechtslage und Handlungsempfehlungen: Zusammenfassende Bewertung regulatorischer Herausforderungen und Präsentation konkreter, wissenschaftlich fundierter Handlungsempfehlungen für den Gesetzgeber.
7 Weiterführende Forschungsansätze: Diskussion notwendiger vertiefender Untersuchungen, insbesondere zur Standardisierung forensischer Prozesse und zur weiteren Compliance-Entwicklung.
8 Schlussbetrachtung und Gesamtbewertung: Reflexion über die methodische Vorgehensweise und Einordnung der Ergebnisse in den aktuellen Forschungsstand.
9 Zusammenfassung der Dissertation: Kompakte Darstellung der zentralen Problemstellungen, Methoden und Hauptergebnisse der Arbeit.
Schlüsselwörter
Künstliche Intelligenz, KI-Recht, IT-Recht, Produkthaftung, Strafrechtliche Verantwortlichkeit, Cyberkriminalität, Digitale Forensik, EU AI Act, Black-Box-Problematik, Beweislastverteilung, Compliance, Digitale Beihilfe, Rechtssicherheit, Haftungszurechnung, Beweissicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Dissertation primär?
Die Arbeit untersucht die zivil- und strafrechtlichen Herausforderungen, die durch den Einsatz autonomer KI-Technologien in IT-Systemen entstehen, mit einem besonderen Fokus auf Produkthaftung, Cyberkriminalität und die digitale Forensik.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Haftung für KI-Systeme, die strafrechtliche Zurechnung von KI-generierten Handlungen sowie die Anforderungen an eine gerichtsfeste digitale Beweisführung.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es, rechtliche Regelungslücken im Umgang mit autonomen KI-Systemen zu identifizieren und praxistaugliche, wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Rechtssicherheit zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Dissertation nutzt einen kombinierten interdisziplinären Ansatz: eine rechtsdogmatische Analyse, eine rechtsvergleichende Betrachtung internationaler Rechtsordnungen sowie empirische Methoden wie Fallstudien, Experteninterviews und eine quantitative Inhaltsanalyse.
Welche Aspekte werden im Hauptteil vertieft analysiert?
Der Hauptteil analysiert die EU-Produkthaftungsrichtlinie, strafrechtliche Konzepte wie die „digitale Beihilfe“, die Black-Box-Problematik bei Deep-Learning-Algorithmen sowie internationale forensische Standards für digitale Beweise.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter der Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie KI-Recht, Produkthaftung, Black-Box-Problematik, Compliance, strafrechtliche Verantwortlichkeit und digitale Forensik charakterisieren.
Warum ist die „Black-Box-Problematik“ für die Arbeit so wichtig?
Die Black-Box-Problematik ist zentral, da sie die Nachvollziehbarkeit autonomer KI-Entscheidungen erschwert und somit die Zurechnung von zivil- und strafrechtlicher Verantwortung sowie die gerichtliche Beweisführung vor erhebliche Hindernisse stellt.
Wie bewertet der Autor die Situation in Österreich im Vergleich zur EU?
Der Autor weist auf Diskrepanzen hin: Während auf EU-Ebene neue Haftungsrichtlinien für KI entwickelt werden, verbleibt das österreichische Produkthaftungsrecht teilweise noch in klassischen, auf physische Produkte ausgerichteten Strukturen, was gesetzlichen Anpassungsbedarf unterstreicht.
Welchen Mehrwert bietet die Einrichtung einer „Single Point of Contact“-Stelle?
Diese Stelle soll regulatorische Fragmentierung reduzieren, die Harmonisierung zwischen verschiedenen Behördenanforderungen (wie DSGVO, AI Act, NIS-2) fördern und insbesondere für KMU eine zentrale Beratungs- und Koordinationsinstanz schaffen.
- Quote paper
- Hans Schön (Author), 2025, Zivil- und strafrechtliche Tatbestände im KI- und IT-Recht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1600738