Bei der Erarbeitung meiner Hausarbeit stellt sich für mich als Erstes die Frage:
Was ist Sozialisation?
Sozialisation (lat. sociare verbinden, vereinigen; engl. socialization). Prozess, in dessen lebenslangen Verlauf ein Individuum über die kulturspezifischen Regulationen seiner Bedürfnisbefriedigung, den alltäglichen Umgang mit Familienangehörigen und anderen Bezugspersonen, über Lernprozesse im System der gesellschaftlichen Instanzen sowie als Teil bzw. Nutzer von gesellschaftlichen Institutionen die mehrheitlich anerkannten Kriterien für erfolgreiches bzw. erwünschtes und weniger erfolgreiches bzw. unerwünschtes Verhalten, die wesentlichen Verständigungsmittel und ein daran orientiertes Repertoire von Einstellungen und Verhaltensmustern erwirbt. Aufgrund dieser vielfältigen Erfahrungen und Lernprozesse wird das Individuum zum Mitträger einer Kultur, so dass das alltägliche Verhalten für die meisten Lebenssituationen im Einzelnen überwiegend sozial programmiert ist. Dies stabilisiert Individuum und Gesellschaft und sichert außerdem Kommunikation und Kontinuität. Das Individuum wird zur soziokulturellen Persönlichkeit. Die Sozialpsychologen sprechen von der Internalisierung einer Kultur. Mit zunehmendem Alter wächst durch subjektive Spontaneität und äußere Anregungen die Ausbildung der individuellen Urteilskraft, also das Vermögen des Individuums, den Prozess der kulturellen Regelung und Stabilisierung seines Verhaltens zu reflektieren, Alternativen, Widersprüche und Wandlungen zu erkennen, Konflikte zwischen sozialen Erwartungen und subjektiven Standards zu fällen. Im Sozialisationsprozess ist das Individuum folglich nicht Objekt der soziokulturellen Beeinflussungen, vielmehr ist es von Anbeginn an der Gestaltung seiner soziokulturellen Persönlichkeit beteiligt. Diese wachsende aktive Teilnahme der Individuen an der Sozialisation ist unabdingbare Voraussetzung für jeden kulturellen Wandel. Die Sozialwissenschaften betrachten den Prozess der Sozialisation differenziert (Soziabilisierung, Enkulturation, Personalisation, Akkulturation). Erziehung wird als absichtlicher, formalisierter und kontrollierter Teilprozess der Sozialisation verstanden.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
Was ist Sozialisation?
Einführung ins Thema nach M. Dahrendorf
B. Hauptteil
1. Thesen des Aufsatzes „Lesesozialisation und KJL“
2. Sprachbildung im Vorschulalter
3. Bedingungen der Lesesozialisation
C. Schluss
Mein persönliches Statement
D. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der Lesesozialisation unter besonderer Berücksichtigung der Kinder- und Jugendliteratur. Ziel ist es, die gesellschaftlichen und familiären Bedingungen aufzuzeigen, die Kinder zu lesenden Individuen machen, und die Rolle der Schule sowie des Elternhauses kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen und Definition des Sozialisationsbegriffs
- Die Rolle der Kinder- und Jugendliteratur im Zivilisationsprozess
- Einflussfaktoren der Familie auf die Lesemotivation und Sprachbildung
- Schulische Konzepte zur Leseförderung und deren Wirksamkeit
- Typologie der Lesesozialisation und deren Auswirkungen auf die Lese-Kompetenz
Auszug aus dem Buch
Lesen in der Mediengesellschaft
Schriftlichkeit heißt sich etwas vorstellen, mit Gedanken und Vorstellungen Bildern entgehen. Wenn man also auf unmittelbare „Befriedigung“ angewiesen ist, so wird man wohl durch die elektronischen Medien einfacher und schneller „befriedigt“, als durch das Lesen eines Textes oder Buches.
Neil Postman (1985) fragt in diesem Zusammenhang, ob wir uns nicht „zu Tode“ amüsieren und Elisabeth Noelle-Neumann (1978) stellt aufgrund des von ihr beobachteten Wertewandels der westdeutschen Gesellschaft fest: Wir werden alle Proletarier – es gibt keine Bereitschaft zu warten, wodurch auch die Bereitschaft zu Lesen nachlässt.
Forscher der Studie zur Lesesozialisation stellen fest, dass sich das Verhalten dahingehend verändert, dass wir uns wieder der vor-aufklärerischen oralkulturellen Unmittelbarkeit nähern.
Bonfadelli/Fritz und Köcher haben allerdings das Lesen als Basiskompetenz bezeichnet, da ohne das Lesen auch das Nutzen der neuen Medien nicht möglich ist. Die neuen Medien bieten zwar größere „Ausweichmöglichkeiten“ an, doch das Lesen wird in unterschiedlichem Maße doch zu einer wichtigen Basis.
Neil Postman beklagt ein „Verschwinden der Kindheit“, was er auf die immense Reichweite der neuen Medien zurückführt. Zwar haben diese auch Kinder aus ihrem Ghetto geholt, doch bewirken sie auch eine Angleichung der Generationen auf Kosten der kognitiv moralischen Reife.
Um vor dieser Entwicklung zu einer geistig zurückgebliebenen Gesellschaft zu schützen, muss das Lesen also schnellstens gefördert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Definiert den Begriff der Sozialisation und führt in die Thematik der Leseförderung sowie die Bedeutung der Kinder- und Jugendliteratur ein.
B. Hauptteil: Analysiert die Thesen zur Lesekultur, beleuchtet Möglichkeiten der frühkindlichen Sprachbildung und untersucht die Bedingungen der Lesesozialisation anhand einer Typologie.
C. Schluss: Reflektiert den Erkenntnisgewinn durch die Bearbeitung des Themas und betont die gesellschaftliche Relevanz der Leseförderung.
D. Literaturverzeichnis: Listet die für die Arbeit herangezogene Fachliteratur auf.
Schlüsselwörter
Lesesozialisation, Kinderliteratur, Jugendliteratur, Leseförderung, Mediengesellschaft, Schriftsprache, Familiensoziologie, Lesemotivation, Lesekultur, Kindheitsbild, Sprachbildung, Lese-Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Lesefähigkeit und Lesemotivation von Kindern und Jugendlichen im Kontext von Familie, Schule und Mediengesellschaft.
Welche zentralen Themenbereiche werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Bedeutung der Kinder- und Jugendliteratur, die Einflüsse des familiären Umfelds auf den Leseerwerb sowie die Rolle der Schule bei der Leseförderung.
Was ist das Hauptziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Mechanismen und Bedingungen der Lesesozialisation zu verstehen und Wege aufzuzeigen, wie Kinder motiviert werden können, aktiv zur Kulturtechnik des Lesens zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf einer Literaturanalyse aktueller Studien (u.a. PISA-Kontext, Bettina Hurrelmann) basiert.
Was ist der Inhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Dahrendorfs Thesen, die Darstellung praktischer Ansätze zur Sprachbildung im Vorschulalter und die Erörterung einer Typologie der Lesesozialisation.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Lesesozialisation, Kinder- und Jugendliteratur, Medieneinfluss, Lese-Kompetenz und Erziehungsauftrag der Familie.
Welche Bedeutung kommt der Familie bei der Lesesozialisation zu?
Die Familie wird als entscheidende Instanz identifiziert; vor allem das Vorbild lesender Eltern und der gemeinsame Dialog über Lektüre sind für die Entwicklung einer Lesemotivation essenziell.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Schule?
Die Schule wird als wichtige Institution gesehen, deren Möglichkeiten zur Leseförderung jedoch oft nicht voll ausgeschöpft sind und deren Konzepte angesichts des sinkenden Leseinteresses einer Überarbeitung bedürfen.
- Quote paper
- Madeleine Wagner (Author), 2003, Zu: Malte Dahrendorf - Lesesozialisation und Kinder- und Jugendliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16008