Bei näherer Betrachtung ihres späteren Berufes ist durchaus sinnvoll, dass Lehramtsstudenten für Deutschunterricht sich nicht nur mit der Literaturdidaktik, sondern auch mit ihrem eigenen Leseverhalten auseinandersetzen. Eine große Rolle dabei spielt die Erforschung der Lesesozialisation, welche definiert wird als die in Abhängigkeit von der sozialen Umwelt erlernte Kompetenz, Geschriebenes kognitiv zu verarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lesesozialisation
2.1 Primäre literarische Initiation und Lesekrise
2.2 Sekundäre literarische Initiation
3. Adoleszenz und Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der persönlichen Leseautobiografie der Autorin, um unter Rückgriff auf theoretische Konzepte der Lesesozialisation die eigene Entwicklung als Leserin kritisch zu reflektieren. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche der sieben Lesemodi nach Graf das individuelle Leseverhalten maßgeblich prägen und wie sich schulische sowie außerschulische Einflüsse auf die Lesemotivation und das Leseverhalten ausgewirkt haben.
- Grundlagen der Lesesozialisation
- Phasen der literarischen Initiation und Lesekrise
- Reflexion der sieben Lesemodi nach Graf
- Einfluss von Sozialisierungsinstanzen wie Familie und Schule
- Wandel des Leseverhaltens im Übergang zur Adoleszenz
Auszug aus dem Buch
2.1 Primäre literarische Initiation und Lesekrise
Die Liebe zur Literatur habe ich wahrscheinlich von meiner Familie übernommen (vgl. Graf 1995, S. 101-103). Meine Eltern und Großeltern schätzen Bücher jeder Art. Soweit ich zurückdenken kann, gab es immer zahlreiche Kochbücher in der Küche, Romane im Wohnzimmer und Fachliteratur im Arbeitszimmer meines Vaters. Auch die Kinderzimmer von mir und meinem Bruder waren stets gut mit Kinderbüchern bestückt. Als ich noch nicht lesen konnte, haben meine Eltern mir jeden Abend vorgelesen. Zu meiner literarischen Sammlung gehörten auch Bilderbücher, die ich mir ganz ohne fremde Hilfe ansehen konnte. Allerdings hatte ich auch keine Berührungsängste vor Kinderbüchern mit Texten; zu den Bildern dachte ich mir dann einfach eigene Geschichten aus und tat so, als könnte ich das Geschriebene schon lesen.
So erlebte ich die erste Instanz der Lesesozialisation, nämlich die primäre literarische Initiation, durchweg positiv, da innerhalb meiner Familie ein gutes Leseklima herrschte und meine Eltern mir ein leseanregendes Umfeld geboten haben (vgl. Graf 2007 S. 19 & 38-41).
Mit dem Einstieg ins Grundschulalter und dem Erwerb der Lesefähigkeit startete meine Leseleidenschaft dann erst richtig. Von Familienmitgliedern und Freunden bekam ich oft Bücher geschenkt – zum Geburtstag und zu allen anderen Anlässen standen Bücher ganz oben auf meiner Wunschliste. Bald platzte mein Bücherregal aus allen Nähten, sodass meine Mutter mir, als ich neun Jahre alt wurde, einen Büchereiausweis schenkte. So konnte ich so oft und so viel lesen, wie ich nur wollte, ohne dass meine Bücher dauerhaft im Haus verteilt lagen.
Zu dieser Zeit las ich auch noch gern die Pflichtlektüre in der Schule. Die bestand zunächst aus einfacher lustvoller Kinderlektüre (vgl. Philipp 2011 S. 21) wie z.B. das Buch Kleiner Pelz von Irina Korschunow und Die Vorstadtkrokodile von Max von der Grün. Zuhause las ich ganz ähnliche Bücher, mich faszinierten vor allem Astrid Lindgren und Cornelia Funke.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Auseinandersetzung mit der eigenen Lesesozialisation für angehende Lehrkräfte und führt in die theoretischen Konzepte, insbesondere die sieben Lesemodi nach Graf, ein.
2. Lesesozialisation: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Entwicklungsphasen des Lesens, von der frühen Kindheit über die Phase der lustvollen Kinderlektüre bis hin zur sekundären literarischen Initiation und der Pubertät.
3. Adoleszenz und Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert das aktuelle Leseverhalten als Kombination aus verschiedenen Lesemodi und zieht ein Resümee über die individuelle Entwicklung sowie die Bedeutung der erworbenen Lesekompetenz.
Schlüsselwörter
Lesesozialisation, Leseautobiografie, Lesemodi, Lesemotivation, Lesekrise, literarische Initiation, Lesekompetenz, Sozialisierungsinstanzen, Adoleszenz, Intimes Lesen, Partizipatorisches Lesen, Ästhetisches Lesen, Instrumentelles Lesen, Konzeptlesen, Leseverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt eine Leseautobiografie dar, in der die Autorin ihre persönliche Entwicklung als Leserin von der Kindheit bis in die Adoleszenz reflektiert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die Lesesozialisation, der Einfluss von Familie und Schule auf die Leselust sowie die Anwendung wissenschaftlicher Lesemodi nach Werner Graf.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das eigene Leseverhalten zu analysieren und zu prüfen, inwieweit die sieben Lesemodi nach Graf eine sinnvolle Anwendung auf die individuelle Leseentwicklung finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine autobiografische Analyse, bei der persönliche Leseerfahrungen mit literaturdidaktischen Theorien und Modellen der Lesesozialisation verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Stadien der Lesesozialisation (primäre und sekundäre Initiation) detailliert beschrieben und die verschiedenen Lesemodi (intimer, partizipatorischer, ästhetischer, instrumenteller Modus) anhand konkreter Beispiele aus dem Leben der Autorin erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Lesesozialisation, Lesemodi nach Graf, Leseautobiografie und Lesemotivation.
Wie bewertet die Autorin ihre eigene „Lesekrise“?
Die Autorin stellt fest, dass ihre Phase der Pubertät keine klassische Krise darstellte, da Literatur für sie in schwierigen Zeiten stets eine „heilende Welt“ und Rückzugsmöglichkeit blieb.
Welche Bedeutung spielt die Schule für das Leseverhalten der Autorin?
Während die Schule in der Kindheit die Lesefreude förderte, empfand die Autorin die Pflichtlektüre in der gymnasialen Oberstufe als Qual, was zu einer ablehnenden Haltung gegenüber dem schulisch verordneten Lesen führte.
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- Tina Müller-Wetzel (Author), 2021, Leseautobiographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1600938