Inwiefern findet eine adäquate Berücksichtigung von Frauen, die familienbedingten Einschränkungen ihrer Erwerbstätigkeit unterliegen, im deutschen Alterssicherungssystem statt?
Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf dem Konzept des Alterssicherungssystem. Es dient als Grundlage der Ursachenklärung von Armut im Alter und soll aufzeigen, weshalb überwiegend Frauen im Rentenalter armutsgefährdet und auf Sozialleistungen angewiesen sind. Darüber hinaus werden die Rentenreformen, die Frauen vor Altersarmut schützen sollen, thematisiert.
Die Gliederung der vorliegenden Arbeit besteht aus vier übergeordneten Punkten, nämlich der Altersarmut als Begrifflichkeit, dem Konzept der deutschen Alterssicherung, statistischen Erhebung durch den Gender Pension Gap sowie der Entwicklung und Bewältigung der Altersarmut von Frauen. Die Altersarmut als Begrifflichkeit betrachtet, welche Bedeutung der Altersarmut zugeschrieben wird und wie die Ermittlung dessen erfolgt. Im darauffolgenden Kapitel werden die Grundzüge und die Finanzierung des Konzepts der deutschen Altersvorsorge erörtert. Das dritte Kapitel befasst sich mit der Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern. Hier wird Bezug zu den Ursachen der Altersarmut von Frauen genommen und die Benachteiligung der Frauen im deutschen Rentensystem konkretisiert. Zuletzt wird überprüft, welche sozialpolitischen Handlungsstrategien zur Bewältigung der Altersarmut von Frauen bestehen und Anwendung finden. Das Fazit bildet den Schlussteil der vorliegenden Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Altersarmut
1.1 Definition
1.2 Absolute und relative Armut: Begriffserläuterungen
2. Deutsches Alterssicherungssystem
2.1 Definition
2.2 Konzept der deutschen Alterssicherung: Drei-Säulen-Modell
2.3 Finanzierung
3. Gender Pension Gap
3.1 Definition
3.2 Ursachen der Altersarmut von Frauen in Deutschland
3.3 Entwicklung von 1992 bis 2021: Benachteiligung von Frauen im Rentensystem
4. Bewältigung der Altersarmut von Frauen
4.1 Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung: Definition
4.2 Sozialpolitische Handlungsstrategien
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Altersarmut von Frauen in Deutschland und analysiert, inwiefern das bestehende Alterssicherungssystem den familienbedingten Einschränkungen der Erwerbsbiografien von Frauen adäquat Rechnung trägt.
- Konzept und Struktur des deutschen Alterssicherungssystems
- Ursachen und Auswirkungen des Gender Pension Gap
- Statistische Entwicklung der Rentenbenachteiligung von Frauen seit 1992
- Sozialpolitische Ansätze und Strategien zur Bewältigung der Altersarmut
- Herausforderungen durch familienorientierte Erwerbsbiografien
Auszug aus dem Buch
3.2 Ursachen der Altersarmut von Frauen in Deutschland
Laut Statistiken beeinflussen diverse Faktoren den Gender Pension Gap, sodass Frauen im Alter niedrigere Renteneinkommen als Männer aufweisen (vgl. Klenner et al. 2016: 3). Dabei handelt es sich um die gleichen Ursachen, die die Altersarmut bei Frauen bedingen.
Der Erwerbsverlauf ist für die Höhe von Rentenbezügen ausschlaggebend, denn „je länger eine Person erwerbstätig war und je höher ihr sozialversicherungspflichtiges Erwerbseinkommen ausfiel, desto höher ist der Zahlbetrag der gesetzlichen Rente“ (vgl. ebd.: 3). Determinanten, die den Gender Pension Gap prägen, sind die geschlechterspezifischen Differenzen in der Erwerbstätigkeit sowie Bildung. Hiernach weisen Frauen mit niedrigem Bildungsgrad, einer höheren Kinderanzahl, die verwitwet oder verheiratet sind und in Westdeutschland leben, ein zu geringes Renteneinkommen auf – im Vergleich zu Männern. Der berufliche Werdegang von Frauen dokumentiert oftmals mehrmalige Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit aufgrund der Übernahme von Familien- und Betreuungsaufgaben. Daraus resultierend erschließt sich die Problematik des beruflichen Wiedereinstiegs, geringere Löhne und die Beschäftigung im nicht sozialversicherungspflichtigen Sektor. Vor allem die Verpflichtung in Bezug auf die Familie beziehungsweise Kinder verleitet Frauen dazu, Beschäftigungen als Teilzeitkräfte einhergehend mit schlechteren Aufstiegschancen, auszuüben. Die Praktizierung der unentgeltlichen Tätigkeiten des Sich-Kümmerns sowie der Fürsorge wird nach wie vor überwiegend von Frauen durchgeführt, besonders in Westdeutschland. Aufgrund dessen ist dort ein größerer Teil der Frauen von Altersarmut betroffen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Altersarmut von Frauen ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Berücksichtigung familienbedingter Erwerbsunterbrechungen im Rentensystem.
1. Altersarmut: Dieses Kapitel erläutert die Definition von Altersarmut und differenziert zwischen absoluter und relativer Armut in der wissenschaftlichen Betrachtung.
2. Deutsches Alterssicherungssystem: Hier werden das Drei-Säulen-Modell sowie die Finanzierungsgrundlagen und das Solidar- bzw. Äquivalenzprinzip der deutschen Rentenversicherung dargelegt.
3. Gender Pension Gap: Das Kapitel analysiert die geschlechtsspezifische Rentenlücke, deren Ursachen sowie die historische Entwicklung unter Berücksichtigung der Benachteiligung von Frauen.
4. Bewältigung der Altersarmut von Frauen: Dieses Kapitel untersucht bestehende sozialpolitische Strategien und Grundsicherungsmodelle zur Bekämpfung der Altersarmut bei Frauen.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert einen Paradigmenwechsel im Rentensystem, da die bisherigen Maßnahmen die strukturelle Benachteiligung von Frauen nicht auflösen konnten.
Schlüsselwörter
Altersarmut, Frauen, Rentensystem, Gender Pension Gap, Erwerbsbiografie, Alterssicherung, Drei-Säulen-Modell, Grundsicherung, soziale Sicherung, Rentenreform, Teilzeitarbeit, Sorgearbeit, Familienpolitik, Armutsgefährdung, Erwerbsminderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der zunehmenden Problematik der Altersarmut von Frauen in Deutschland und untersucht, warum diese trotz verschiedener rentenpolitischer Maßnahmen weiterhin eine benachteiligte Gruppe darstellen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind das deutsche Alterssicherungssystem, der sogenannte "Gender Pension Gap", die Auswirkungen von Familien- und Sorgearbeit auf den Erwerbsverlauf sowie sozialpolitische Handlungsansätze zur Armutsprävention.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, inwieweit das deutsche Alterssicherungssystem Frauen, die aufgrund von Familienpflichten ihre Erwerbstätigkeit einschränken mussten, bei der Rentenbemessung angemessen berücksichtigt.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Untersuchung zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf bestehender Fachliteratur, Statistiken und rentenrechtlichen Analysen basiert, um die strukturellen Ursachen der Altersarmut von Frauen aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge, die statistischen Daten zum Gender Pension Gap seit 1992 sowie die Wirksamkeit von Instrumenten wie der Grundsicherung oder der Grundrente.
Welche Schlüsselbegriffe sind für die Arbeit charakteristisch?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gender Pension Gap, Erwerbsbiografien, Sorgearbeit, Drei-Säulen-Modell und soziale Sicherung im Alter.
Warum sind Frauen in Westdeutschland besonders von Altersarmut betroffen?
Dies ist laut Arbeit auf die dort verbreitete Rollenverteilung zurückzuführen, bei der Frauen häufiger unbezahlte Fürsorgearbeit leisten und somit ihre eigenständige Rentenanwartschaft schmälern.
Wie bewertet der Autor die Wirksamkeit aktueller Maßnahmen wie der Grundrente?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass neue Maßnahmen wie die Grundrente keine nachhaltige Problemlösung darstellen, da die Benachteiligung tief im erwerbszentrierten System der Altersvorsorge verwurzelt bleibt.
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- Michelle Menzel (Author), 2023, Altersarmut von Frauen. Entwicklung, Ursachen, sozialpolitische Handlungsansätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1601505