In Anbetracht der Tatsache, dass der Mensch einen beträchtlichen Teil seines Lebens bei der Arbeit verbringt und sogar noch über die eigentliche Arbeitszeit hinaus ein Teil des Lebens durch diese bestimmt wird, wurde der Themenschwerpunkt auf besonders belastende Situationen gelegt, denen der Mensch in seinem Arbeitsumfeld ausgesetzt sein kann, bzw. er sich diesen ausgesetzt sieht. Die vorliegende Arbeit „Stress am Arbeitsplatz“ befaßt sich zunächst mit der Klärung des Begriffes als solchem sowie als Phänomen und den damit verbundenen unterschiedlichen Konzepten, wie das Belastungs-Beanspruchung-Modell und den grundlegenden Stressmodellen. Anschließend werden die Stressfaktoren im Arbeitsumfeld diskutiert und es wird kurz auf empirische Untersuchungsmöglichkeiten eingegangen. Da diese sehr vielfältig und zahlreich sind, und eine bloße Auflistung dieser Kurzbezeichnungen in diesem Rahmen der Arbeit nicht sinnvoll erscheint, wurde hier nur auf ein bestimmtes Untersuchungsbeispiel eingegangen, um einen groben Eindruck zu diesem Punkt zu vermitteln. Die Darstellung ausführlicherer Untersuchungsmethoden und -ergebnisse des vorliegenden Themas würde über den Rahmen der Arbeit hinausgehen. Die resultierenden Auswirkungen von Stress am Arbeitsplatz, die häufig eine gesundheitliche Beeinträchtigung zur Folge haben, fordern neue Formen der Bewältigung, auf die im vorletzten Kapitel intensiver eingegangen wird. Die Schlußbetrachtung wirft die Frage auf, ob das Phänomen Stress auch als Chance sowohl auf individueller als auch auf organisationeller Ebene wahrgenommen werden kann, und inwieweit ein gesundes individuelles als auch organisationelles Stressmanagement zu positiven Auswirkungen auf die individuelle Gesundheit und Zufriedenheit als auch zu dem häufig damit verbundenen Erfolg eines Unternehmens führen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Der Begriff „Stress“
1.2 Das Phänomen „Stress“
2. Was ist Stress?
2.1 Belastungs-Beanspruchungs-Modell
2.2 Stressmodelle
2.2.1 Das biologische / reaktionsorientierte Stressmodell nach Selye
2.2.2 Das reizorientierte Stressmodell
2.2.3 Das kognitive Stressmodell nach Lazarus
2.3 Definition „Arbeitsbedingter Stress“
3. Stressfaktoren und Stressoren
3.1 Konzeptionelles zur Stressforschung am Arbeitsplatz
3.2 Stressverursachende Faktoren am Arbeitsplatz
3.2.1 Stressoren in der Arbeitsaufgabe
3.2.2 Physikalische Stressoren
3.2.3 Stressoren in der zeitlichen Dimension
3.2.4 Stressoren in der sozialen und organisationalen Situation
3.3 Empirische Untersuchungsmethoden am Beispiel der Belastungsanalyse (BEA)
4. Auswirkungen von Stress
4.1 Kurzfristige Stressfolgen
4.2 Langfristige Stressfolgen
5. Bewältigung von Stress im Arbeitsumfeld
5.1 Individuelle Stressprävention
5.1.1 Internal regulative Stressbewältigung
5.1.2 External regulative Stressbewältigung
5.2 Organisationelle Stressprävention
6. Schlußbetrachtung: Stress als Chance
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das Phänomen Stress im beruflichen Kontext zu analysieren, verschiedene wissenschaftliche Stressmodelle zu beleuchten und Möglichkeiten der individuellen sowie organisationellen Stressbewältigung aufzuzeigen.
- Grundlagen des Stressbegriffs und der Stressforschung
- Kritische Auseinandersetzung mit theoretischen Stressmodellen
- Klassifizierung stressverursachender Faktoren (Stressoren) am Arbeitsplatz
- Analyse kurz- und langfristiger Auswirkungen von Stress auf die Gesundheit
- Darstellung von Präventions- und Bewältigungsstrategien auf verschiedenen Organisationsebenen
Auszug aus dem Buch
1.1 Das Phänomen „Stress“
Das Stressgeschehen stellt im Hinblick auf die verschiedenen Seiten der Wirkung zwischen Mensch und Umwelt eines der bedeutendsten und interessantesten Phänomene dar. Stress kann helfen, retten und beflügeln, aber auch gleichzeitig krank und unglücklich machen und sogar zum Tode führen. Somit kann Stress eine regelnde, positive als auch störende Wirkung haben. Der Sinn dieses Phänomens ist im evolutionsbiologischen Ursprung zu finden. Die Stressreaktion hat zum Ziel, durch einen auslösenden intensiven Reiz durch sekundenschnelle Mobilisierung von Energiereserven das Individuum auf Flucht oder Angriff vorzubereiten, was das Überleben des Individuums im Laufe der Evolution bei Erfolg hinsichtlich der Verteidigungssituation gesichert hat. Diese ursprünglich lebenswichtige Reaktion, bzw. der ursprüngliche Sinn dieses Geschehens ist in unserer heutigen Gesellschaft in diesem Umfang unbrauchbar und sogar kontraproduktiv. Da zudem der Stressabbau heutzutage nur selten auf natürlichem Weg durch körperliches Ausagieren erfolgt, wird auch von „entartetem“ Stressgeschehen gesprochen (Vester, 1978). Laut Luczak und Volper (1987) bewirkt Stress, der sich sowohl im Leistungsbereich, im Arbeitsausfall, als auch im sozialen Bereich widerspiegeln kann, in der Folge u.a. „hohe Befindensbeeinträchtigungen“ und psychosomatische Folgeerkrankungen, welche mittlerweile den vierten Platz unter den Volkskrankheiten einnehmen. In letzter Konsequenz können die aus langfristigen Stresswirkungen resultierenden psychosomatischen Beschwerden zu einer allgemein erhöhten Mortalität führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema "Stress am Arbeitsplatz" ein, klärt den Begriff, erläutert das Phänomen und gibt einen Überblick über die behandelten Konzepte und Zielsetzungen der Arbeit.
2. Was ist Stress?: In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen von Stress, das Belastungs-Beanspruchungs-Modell sowie verschiedene klassische Stressmodelle, wie die von Selye und Lazarus, vorgestellt.
3. Stressfaktoren und Stressoren: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Ursachen von Stress am Arbeitsplatz, unterteilt in aufgabenbezogene, physikalische, zeitliche sowie soziale und organisationale Stressoren.
4. Auswirkungen von Stress: Hier werden die kurzfristigen Reaktionen auf Stress sowie die langfristigen, chronischen Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit diskutiert.
5. Bewältigung von Stress im Arbeitsumfeld: Das Kapitel befasst sich mit Strategien zur Stressprävention und -bewältigung, differenziert in individuelle (internale/externale) und organisationelle Maßnahmen.
6. Schlußbetrachtung: Stress als Chance: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und wirft die Frage auf, inwiefern Stress als persönliche Herausforderung oder unternehmerische Chance begriffen werden kann.
Schlüsselwörter
Stress, Arbeitsplatz, Belastung, Beanspruchung, Stressoren, Stressforschung, Stressbewältigung, Stressprävention, Arbeitspsychologie, psychosomatische Folgen, Personalentwicklung, Leistungsfähigkeit, Organisationsentwicklung, Stressmodell, Gesundheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen Stress am Arbeitsplatz, seine Entstehung durch verschiedene Stressoren sowie die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Menschen und die Möglichkeiten zur Bewältigung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Stressbegriffs, verschiedene wissenschaftliche Stressmodelle, die Identifikation von Stressoren in der Arbeitswelt sowie Strategien zur individuellen und organisationellen Prävention.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein Verständnis für das komplexe Stressgeschehen im Arbeitsumfeld zu schaffen und aufzuzeigen, wie Stress sowohl präventiv als auch bewältigend auf verschiedenen Ebenen adressiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung bestehender Literatur und wissenschaftlicher Modelle der Arbeits- und Organisationspsychologie, ergänzt durch Beispiele für empirische Belastungsanalysen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Definitionen und Modelle), die Ursachenanalyse (Stressfaktoren), die Folgen von Stress sowie die Darstellung praktischer Bewältigungs- und Präventionsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Stress, Arbeitsbelastung, Beanspruchung, Stressoren, Prävention, Stressmanagement und organisationelle Gesundheitsförderung.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen internaler und externaler Bewältigung?
Internale Bewältigung bezieht sich auf Veränderungen des Individuums (z.B. durch Training oder Stressabbau), während externale Bewältigung die Gestaltung der Arbeitsumgebung und die Interaktion mit der Organisation (z.B. Arbeitsplatzwechsel oder Arbeitsbesprechungen) umfasst.
Warum wird im Schlußwort die Geschichte mit dem Tiger und den Erdbeeren angeführt?
Die Geschichte dient als metaphorisches Beispiel dafür, wie es einem Menschen in einer hochgradig belastenden oder sogar bedrohlichen Situation dennoch gelingen kann, einen Moment des Innehaltens und der positiven Wahrnehmung (die süßen Erdbeeren) zu finden.
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- Christina Müller (Author), 2001, Stress am Arbeitsplatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16017