Am 25. Juli 1968 veröffentlichte Papst Paul VI. seine Humanae vitae, deren Thema die Geburtenregelung war. Darin verwies er auf die Verwerflichkeit der Verhütung und bezeichnete jeglichen vorsätzlich unfruchtbar gemachten ehelichen Akt als unsittlich. Lediglich die natürlichen Mittel seien gerechtfertigt. Zu dieser Zeit war die Pille in der BRD seit sieben und in der DDR seit drei Jahren auf dem Markt. Die beiden Staaten, deren Bevölkerung, die Medien und selbst die einzelnen Pharmaunternehmen gingen unterschiedlich mit ihr um. Auch die Meinungen der ÄrztInnen unterschieden sich zum Teil erheblich. Bis die Pille zu einem der meist verwendeten Verhütungsmittel wurde, durchlief sie eine Vielzahl an Höhen und Tiefen. Doch wie sah das speziell in der BRD und der DDR aus? Die Geschichte des Präparates unterschied sich in den beiden Staaten in vielen Aspekten. Doch betrafen diese auch die Annahme durch die Gesellschaft? Dieser Frage wird im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit nachgegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschlechterbeziehungen und Frauenbild vor der Einführung der Pille
2.1 BRD
2.2 DDR
3. Die Pille kommt auf den Markt
3.1 Die Antibaby-Pille
3.2 Die Wunschkindpille
4. Reaktionen der Gesellschaft in BRD und DDR
4.1 Quantitative Annahme der Pille
4.2 Gründe der Ablehnung
4.3 Faktoren der Entscheidung für die Pille
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die gesellschaftliche Annahme der Antibabypille in den 1960er und 1970er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), um Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Einführung und Akzeptanz des Präparates aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung des Frauenbildes und der Geschlechterbeziehungen
- Einführung und Vermarktung der Pille im Vergleich (Antibaby-Pille vs. Wunschkindpille)
- Quantitative Verbreitung und Annahme in beiden deutschen Staaten
- Gesellschaftliche und individuelle Ablehnungsgründe sowie Entscheidungsmotive
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Antibaby-Pille
Im Jahr 1960 erschien die erste Verhütungspille auf dem amerikanischen Markt. Auf Grundlage der daraus gewonnenen Erkenntnisse sowie deutscher Forschung seit den 1920er Jahren entwickelte das Westberliner Pharmaunternehmen Schering ein Jahr später ein ähnliches Produkt in der BRD. Es hieß ANOVLAR und wurde zunächst hauptsächlich bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Die empfängnisverhütende Wirkung fand lediglich am Rande als harmlose Nebenerscheinung Erwähnung. Außerdem sollten die ÄrztInnen die Pille nur an verheiratete Frauen verschreiben, welche schon mindestens zwei Kinder hatten. Selbst der Papst gestattete eine Einnahme aus medizinischen Gründen, was ein Schlupfloch darstellte, da die Pille ansonsten strengstens abgelehnt wurde.
Bis in die 1960er Jahre wurde weder in der Öffentlichkeit, noch in der medizinischen Fachwelt über Empfängnisverhütung diskutiert. Das änderte sich mit dem Erscheinen der Pille schnell. Während bei vorigen Verhütungsmethoden kein Arzt / keine Ärztin notwendig war, war diese/r von da an unentbehrlich. Frauen mussten eine/n solche/n aufsuchen, um die Pille verschrieben zu bekommen, womit sie diesem / dieser in gewisser Weise die Kontrolle über ihren Körper gaben. Es war vom jeweiligen Arzt / von der jeweiligen Ärztin abhängig, ob man die Pille erhielt, denn einige lehnten sie ab und verweigerten den Frauen ein Rezept. Doch es sprach sich schnell herum, wer ohne Schwierigkeiten die Pille verschrieb.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Einführung der Pille in BRD und DDR ein, formuliert die Forschungsfrage bezüglich der unterschiedlichen gesellschaftlichen Annahme und stellt die methodische Vorgehensweise sowie die relevante Forschungsliteratur vor.
2. Geschlechterbeziehungen und Frauenbild vor der Einführung der Pille: Dieses Kapitel analysiert das konservative Frauenbild und die Geschlechterrollen in den 1950er Jahren in beiden deutschen Staaten, die durch eine Rückkehr zur Tradition und mangelnde Aufklärung geprägt waren.
3. Die Pille kommt auf den Markt: Hier wird die Einführung von ANOVLAR in der BRD und OVOSISTON in der DDR beschrieben, wobei insbesondere die staatlichen Motive, die Rolle der Ärzte und die restriktiven Verschreibungspraktiken beleuchtet werden.
4. Reaktionen der Gesellschaft in BRD und DDR: Das Kapitel vergleicht die quantitative Annahme, die moralischen und gesundheitlichen Ablehnungsgründe sowie die individuellen Entscheidungsmotive von Frauen in Ost- und Westdeutschland.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass trotz staatlicher Unterschiede in der Handhabung, die gesellschaftliche Annahme der Pille in beiden Staaten ähnliche Züge aufwies und stark von individuellen Lebenswirklichkeiten abhing.
Schlüsselwörter
Pille, Antibaby-Pille, Wunschkindpille, BRD, DDR, Frauenbild, Geschlechterbeziehungen, Familienplanung, Verhütung, 1960er Jahre, 1970er Jahre, gesellschaftliche Annahme, Emanzipation, Pharmazie, Geburtenkontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Einführung und gesellschaftlichen Akzeptanz der Antibabypille in den 1960er und 1970er Jahren im Vergleich zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit thematisiert Frauenbilder, staatliche Geburtenpolitik, medizinische Verschreibungspraktiken und individuelle Reaktionen der Bevölkerung auf das neue Verhütungsmittel.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, ob die Pille in der BRD, wo sie durch Frauen erkämpft wurde, grundsätzlich anders angenommen wurde als in der DDR, wo sie staatlich initiiert eingeführt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die auf historischen Quellen und Forschungsergebnissen zu den Themen Geschlechtergeschichte und Geburtenplanung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ausgangslage (Frauenbild), die Markteinführung der Produkte (ANOVLAR/OVOSISTON), die quantitative Nutzung sowie die Gründe für Ablehnung und Zustimmung in beiden Gesellschaftssystemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Pille, BRD, DDR, Geburtenkontrolle, Familienplanung, Geschlechterrollen und gesellschaftlicher Wandel.
Welche Rolle spielte die DDR-Familienpolitik bei der Einführung der Pille?
Die DDR-Familienpolitik wollte Frauen stärker in den Arbeitsprozess integrieren, wobei die Pille als Mittel diente, Beruf und Familie besser planbar zu machen.
Wie unterschied sich die öffentliche Diskussion in Ost und West?
Während in der BRD eine öffentliche Debatte über moralische und gesundheitliche Bedenken stattfand, gab es in der DDR keine vergleichbare öffentliche Diskussion, da der Staat die Vermarktung des Präparates priorisierte.
Welchen Einfluss hatte der Contergan-Skandal?
Der Skandal führte zu einer generellen Verunsicherung gegenüber neuen Medikamenten in der Bevölkerung, was die Skepsis gegenüber der Pille in beiden Staaten maßgeblich beeinflusste.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Die Anfänge der Pille in den 1960er und 1970er Jahren in DDR und BRD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1602131