Der Sohn eines Schmieds wird Schmied, genauso wie der Sohn eines Kaufmannes Kaufmann wird. So wurde es in der Frühen Neuzeit gehandhabt. Es gab nur wenige Ausnahmen, in denen ein Sohn einen anderen beruflichen Weg einschlug als sein Vater. Blicken wir in die heutige Zeit, sehen wir deutliche Unterschiede. Es gibt durchaus Fälle, in denen der Sohn auch heute noch den Familienbetrieb übernimmt oder anderweitig dem beruflichen Weg des Vaters folgt, doch diese sind deutlich seltener geworden. Wann ging dieser Wandel vonstatten und welche Gründe gab es? Im Rahmen dieser Hausarbeit wird vor allem auf das 19. Jahrhundert geblickt und untersucht, inwieweit dort eine intergenerationale Mobilität festzustellen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Väter und Söhne
3. Intergenerationale Mobilität in der Forschung
3.1 Forschungsgegenstand und grundlegende Methoden
3.2 Spezifische Untersuchungen
4. Untersuchung der intergenerationalen Mobilität an einem Beispiel
4.1 HISCO
4.2 Betrachtung der Daten
4.3 Bewertung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Ausmaß der intergenerationalen sozialen Mobilität im 19. Jahrhundert. Ziel ist es, anhand eines Datensatzes zu analysieren, inwieweit der berufliche Status der Väter den Werdegang ihrer Söhne beeinflusste und ob ein Aufstieg in andere Berufs- oder Sozialgruppen möglich war.
- Analyse der historischen intergenerationalen Mobilität
- Klassifizierung beruflicher Laufbahnen mittels HISCO/Hisclass
- Vergleich von Vätern und Söhnen in verschiedenen Gesellschaftsschichten
- Methodische Anwendung von Kreuztabellen und Mosaic-Plots
Auszug aus dem Buch
4.2 Betrachtung der Daten
Für meine Hausarbeit ziehe ich Daten heran, welche sich über große Teile Europas erstrecken. Anhand dieser habe ich zunächst eine Kreuztabelle erstellt, in welcher die Väter und Söhne unter Berücksichtigung ihrer Berufe in Hisclass-Gruppen eingeteilt sind. In der Tabelle wird zum Beispiel ersichtlich, wieviele Söhne von Higher managers and professionals ebenfalls Higher managers and professionals wurden. Außerdem ist dort aufgeführt, wie hoch die Erwartung ist, sodass verglichen werden kann, ob mehr oder weniger Personen einen Beruf der entsprechenden Hisclass-Gruppe ergriffen haben. So wurden aus dem untersuchten Datensatz beispielsweise 85 Söhne von Higher managers and professionals ebenfalls Higher managers and professionals. Die Erwartung lag allerdings nur bei 13, sodass die tatsächliche Zahl deutlich über der erwarteten liegt.
Aus dem Mosaic-Plot, welchen ich erstellt habe, geht dies noch übersichtlicher hervor. Dort ist farblich gekennzeichnet, wie sich die beiden Zahlen jeweils zueinander verhalten. Umso höher die tatsächliche Zahl im Vergleich zu der erwarteten ist, desto blauer erscheint der Block. Andersherum verhält es sich genauso: Umso niedriger die Zahl verglichen mit der erwarteten ist, desto roter ist der Block. Im Falle eines weißen Blocks bedeutet das, dass die tatsächliche und die zu erwartende Zahl sehr ähnlich sind. Ein solcher Fall ist zum Beispiel bei den Vätern aus Hisclass-Gruppe 2 und den Söhnen aus Gruppe 6 vorzufinden. Es wurde erwartet, dass 8 Söhne von Lower managers and professionals, clerical and sales personnel in ihrer beruflichen Laufbahn Unskilled workers wurden. Die tatsächliche Zahl beläuft sich allerdings auf 9, weshalb die Differenz lediglich bei 1 liegt und der Block aus diesem Grund weiß erscheint.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der intergenerationalen Mobilität und Darlegung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Väter und Söhne: Erläuterung der klassenstrukturierten Gesellschaft des 19. Jahrhunderts und der Bedeutung der Berufsposition für den sozialen Status.
3. Intergenerationale Mobilität in der Forschung: Diskussion des Forschungsstandes, verschiedener theoretischer Ansätze und methodischer Entwicklungen der Mobilitätsforschung.
4. Untersuchung der intergenerationalen Mobilität an einem Beispiel: Empirische Analyse der Daten unter Anwendung von HISCO-Klassifizierungen, Kreuztabellen und Mosaic-Plots.
5. Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse und Beantwortung der zentralen Forschungsfrage zur sozialen Durchlässigkeit im 19. Jahrhundert.
Schlüsselwörter
Intergenerationale Mobilität, 19. Jahrhundert, soziale Schichtung, HISCO, Hisclass, Berufsstruktur, industrielle Revolution, soziale Ungleichheit, Aufstiegsmobilität, Abstiegsmobilität, Klassenbildung, historische Sozialforschung, Datensatzanalyse, Berufsvererbung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie stark die soziale Herkunft bzw. der Beruf des Vaters den beruflichen Werdegang des Sohnes im 19. Jahrhundert prägte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die soziale Mobilität, die Einteilung in Berufs- und Klassengruppen (HISCO/Hisclass) und der historische Vergleich von Vater-Sohn-Berufspositionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Ausmaß der Durchlässigkeit zwischen sozialen Schichten im 19. Jahrhundert empirisch zu prüfen und die Frage zu beantworten, ob ein beruflicher Aufstieg gegenüber der traditionellen Berufsvererbung möglich war.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden Kreuztabellen sowie grafische Mosaic-Plots verwendet, um die Diskrepanz zwischen erwarteten und tatsächlichen beruflichen Übergängen in einem historischen Datensatz zu visualisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Einordnung der Mobilitätsforschung, der Einführung des HISCO-Codierungsschemas und der detaillierten statistischen Auswertung der vorliegenden Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie intergenerationale Mobilität, historische Sozialforschung, HISCO und soziale Schichtung beschreiben.
Wie interpretieren die Daten die Rolle der Industrialisierung?
Die Arbeit diskutiert, dass die Industrialisierung zwar eine modernere Struktur schuf, die Mobilitätsdaten jedoch zeigen, dass der Verbleib im direkten beruflichen Umfeld des Vaters dennoch die Norm blieb.
Welche Rolle spielt die Einteilung in Hisclass-Gruppen für die Analyse?
Die Hisclass-Gruppen dienen als standardisiertes Werkzeug, um die vielfältigen historischen Berufsbezeichnungen vergleichbar zu machen und statistisch in ein System von sieben oder zwölf Kategorien einzuordnen.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der Mobilität?
Der Autor schlussfolgert, dass zwar Aufstiegsmöglichkeiten in höhere Gruppen existierten, diese jedoch eher seltene Ausnahmen darstellten, da die Mehrheit der Söhne in derselben oder einer sehr ähnlichen Berufsgruppe wie der Vater verblieb.
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- Anonym (Author), 2022, Von Vätern und Söhnen. Eine Untersuchung der intergenerationalen Mobilität im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1602133