In der männerdominierten Zeit des Mittelalters bestand das Lebensideal einer Frau in dem Dasein als Ehefrau und Mutter. Sie kümmerte sich um den Haushalt sowie die Kindererziehung und war keinesfalls ihrem Mann gleichgestellt. Doch ist das wirklich alles, was das Leben einer Frau ausmachte? Fand dieses lediglich im Rahmen von Ehe und Familie statt oder hatten Frauen vielleicht doch mehr Möglichkeiten, als es auf den ersten Blick erscheint? Was geschah mit den ledigen oder verwitweten Frauen? Diese mussten sich schließlich auch ernähren und hatten keinen Mann, der diese Aufgabe übernahm. Welche Möglichkeiten hatten Frauen außerhalb wie auch innerhalb der Ehe, um zu arbeiten und Geld zu verdienen und durch welche Faktoren wurden diese beeinflusst?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Stellung der Frau im Mittelalter
3. Mögliche Tätigkeitsfelder für Frauen
4. Einflussfaktoren auf die weibliche Berufstätigkeit
4.1 Das Verhältnis zwischen Herkunft und Tätigkeit
4.2 Motivationen und Gründe für das Ergreifen des Berufes
4.3 Möglichkeiten innerhalb des Berufsfeldes
4.4 Hindernisse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomische Teilhabe und die Lebensbedingungen von Frauen in der spätmittelalterlichen Stadt. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, welche beruflichen Möglichkeiten Frauen außerhalb und innerhalb der Ehe offenstanden, welche Faktoren ihre Erwerbstätigkeit beeinflussten und vor welchen spezifischen gesellschaftlichen sowie rechtlichen Hindernissen sie bei der Ausübung ihrer Berufe standen.
- Regionale Unterschiede in der rechtlichen Stellung der Frau
- Weibliche Tätigkeitsfelder in Handel, Handwerk und Dienstleistung
- Soziale und ökonomische Gründe für den Eintritt in die Prostitution
- Einfluss von Herkunft und Familienstand auf die Berufswahl
- Strukturvorgaben durch Zünfte und städtische Ordnungen
Auszug aus dem Buch
4. Einflussfaktoren auf die weibliche Berufstätigkeit
Prostituierte waren in der Regel junge, ledige Frauen, die oft keinen familiären oder sozialen Rückhalt genossen. Bullough wies darauf hin, dass es sich bei den Frauen, die in diesem Gewerbe tätig waren, um Entwurzelte, Arme und Hilflose handele. Diejenigen ohne Familie, wie es zum Beispiel bei Waisen der Fall war, waren besonders anfällig für den Weg der Prostitution. In vielen Fällen stammten sie auch aus den städtischen Unterschichten. Wenn sie eine Arbeit hatten, dann handelte es sich meistens um eine Niedriglohntätigkeit wie Magd oder Spinnerin.
Viele Prostituierte kamen von außerhalb. Sie waren sehr mobil und hatten oft keine soziale Einbindung in die städtische Gesellschaft. Besonders gut ist diese Tatsache in den Lübecker Wettejahrbüchern zu erkennen. So ist in jenem von 1508 der Name abelke vd kassel zu finden, was darauf hindeutet, dass diese aus Kassel stammte oder zumindest, dass dies ihr letzter Aufenthaltsort war. Etwas allgemeiner ist der Name gheseke van norten, bei der die den Namen begleitende Herkunftsbezeichnung lediglich Aufschluss darüber gibt, dass die Betreffende aus dem Norden stammte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach den Arbeitsmöglichkeiten von Frauen im Mittelalter und definiert das methodische Vorgehen sowie die thematischen Schwerpunkte.
2. Die Stellung der Frau im Mittelalter: Dieses Kapitel analysiert die rechtliche Unterordnung der Frau im mittelalterlichen Ständesystem, hebt jedoch die Ausnahmerolle der Stadt Köln hervor.
3. Mögliche Tätigkeitsfelder für Frauen: Hier werden die wirtschaftlichen Betätigungsfelder von der unzünftigen Lohnarbeit bis hin zum Handel und der institutionalisierten Prostitution dargestellt.
4. Einflussfaktoren auf die weibliche Berufstätigkeit: Das Kapitel untersucht detailliert soziale Herkunft, individuelle Gründe für den Berufseinstieg sowie die restriktiven Rahmenbedingungen und Hindernisse der damaligen Zeit.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, in der die Bedeutung der Herkunft, der Ehe und der regionalen Gegebenheiten für die berufliche Lebensrealität von Frauen bewertet wird.
Schlüsselwörter
Mittelalter, berufstätige Frauen, Stadtgeschichte, Zunftwesen, Prostitution, Handel, Handwerk, Mägde, Geschlechtergeschichte, Rechtsstellung, Köln, soziale Mobilität, Lohnarbeit, Wirtschaftsgeschichte, Frauenarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Berufsfelder, in denen Frauen im spätmittelalterlichen urbanen Raum tätig waren, und beleuchtet die sozioökonomischen Rahmenbedingungen ihrer Erwerbstätigkeit.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Handel, Handwerk, Gesindedienst und Prostitution, wobei auch rechtliche und moralische Normen betrachtet werden.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Untersuchung fragt nach den Möglichkeiten von Frauen, eigenes Geld zu verdienen, und danach, welche Faktoren – wie Herkunft, Ehestatus oder regionale Gesetzgebung – diese Tätigkeiten förderten oder einschränkten.
Welche wissenschaftliche Methode wird genutzt?
Die Autorin stützt sich primär auf die Auswertung von Quellen wie Zunftbriefen, Kleiderordnungen und Wettejahrbüchern sowie auf die Analyse einschlägiger Forschungsliteratur.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert konkret die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche, die Motivationen der Frauen sowie die institutionellen Hindernisse, die ihnen begegneten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Frauenarbeit, mittelalterliche Stadt, Zunftordnungen, soziale Randgruppen und rechtliche Vormundschaft geprägt.
Welche Rolle spielt die Stadt Köln im Vergleich zu anderen Städten?
Köln nimmt eine Ausnahmestellung ein, da Frauen dort deutlich mehr Freiheiten genossen, etwa beim Führen von Betrieben oder bei der Wahrnehmung von Rechtsgeschäften.
Wie unterschied sich die Lebenssituation von Witwen von der anderer Frauen?
Witwen besaßen eine deutlich höhere rechtliche Handlungsfreiheit und Selbstständigkeit, was es ihnen beispielsweise ermöglichte, Familienbetriebe weiterzuführen.
Warum war die Prostitution ein bedeutendes Arbeitsfeld?
Prostitution war institutionalisiert und stellte für viele ökonomisch marginalisierte Frauen eine Erwerbsoption dar, wenngleich sie auch mit sozialen Stigmatisierungen und Kontrollmaßnahmen verbunden war.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2022, Von Händlerinnen, Handwerkerinnen und Mägden. Berufstätige Frauen in der mittelalterlichen Stadt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1602156