Die sog. „Deuteworte“ sind Höhepunkt der Szene des letzten Mahles Jesu mit den Seinen. Es ist die wörtliche Rede Jesu im Zusammenhang der Austeilung von Brot („Brotwort“) und Kelch („Kelchwort“).
Ich untersuche in dieser Seminararbeit vier Veröffentlichungen von evangelischen und katholischen Theologen/innen aus den letzten ca. 10 Jahren in Hinblick auf die Deutung der "Deuteworte", nämlich v.a. von Hans-Peter Jörns "Abschied vom Sühneopfermahl" und Elisabeth Moltmann-Wendels feministische Exegese sowie von Peter Trummer und Klaus Haacker.
Meine These ist: Jede Deutung ist subjektiv. Wie sich im Ergebnis zeigen wird, sind die jeweiligen Deutungen der "Deuteworte" von den Vorverständnissen der Autoren/in geprägt. Beispiel Jörns:
"1. Autor: Klaus-Peter Jörns ist nach meinem Eindruck bei der Abfassung des Buches stark vom „hochkirchlichen Umfeld“ (Theologiestudenten, Vikarsausbildung, Theologendiskurse) geprägt. Biographische Elemente legt er kaum offen. An Vorverständnissen scheint er folgendes mitzubringen:
- Gott ist die Liebe. In diesem Gottesbild gibt es keinen Platz für Heil durch Gewalt (Sühneopfertod). Dies würde zudem den Menschen ein schlechtes ethisches Vorbild sein (Negative Imitatio Dei).
- ...
...
2.7 Bewertung:
Der entscheidende "Trick" von Jörns ist, dass er die Deuteworte konservativ als Sühnopfer-Theologie auslegt, um diese dann als redaktionell einzustufen. Das von Jörns favorisierte Dankgebet der Didaché (bzw. von Johannes) wird damit mindestens zu einer gleichwertigen (liberalen) Alternative, die besser zu seinen Vorverständnissen (v.a. der Ekklesiologie und dem Gottesbild) passt. ..."
Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG
1. DEFINITIONEN
2. METHODIK
I. K.-P. JÖRNS: ABSCHIED VOM SÜHNEOPFERMAHL
1. AUTOR
2. DARSTELLUNG UND KRITIK
2.1 These
2.2 Literarkritische bzw. redaktionsgeschichtliche Annahmen
2.3 Formgeschichtliche Annahmen
2.4 Religionsgeschichtliche Annahmen
2.5 Hermeneutische Annahmen
2.6 Auslegung der Deuteworte
2.7 Bewertung
II. K. HAACKER: IST - ZUM SINN DER DEUTEWORTE
1. AUTOR
2. DARSTELLUNG UND KRITIK
2.1 These
2.2 Textanalytische Annahme
2.3 Auslegung der Deuteworte
2.4 Bewertung
III. E. MOLTMANN-WENDEL: ABENDMAHL AUS FEMINISTISCHER SICHT
1. AUTORIN
2. DARSTELLUNG UND KRITIK
2.1 These
2.2 Literarkritische Annahme
2.3 Textanalytische bzw. redaktionsgeschichtliche Annahme
2.4 Auslegung der Deuteworte
2.5 Bewertung
IV. P. TRUMMER: DASS ALLE EINS SIND
1. AUTOR
2. DARSTELLUNG UND KRITIK
2.1 These
2.2 Textanalytische Annahme
2.3 Auslegung der Deuteworte
2.4 Bewertung
V. SCHLUSS
1. ERGEBNIS
2. EIGENER DEUTUNGSVERSUCH
Zielsetzung & Themen der Seminararbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die kritische Auseinandersetzung mit der neueren exegetischen Diskussion rund um die sogenannten „Deuteworte“ beim letzten Abendmahl Jesu. Dabei wird untersucht, wie verschiedene Theologen und Theologinnen die biblische Überlieferung interpretieren und welche Rolle ihre jeweiligen Vorverständnisse bei der Herleitung ihrer Thesen spielen, um zu einer fundierten Einordnung der Mahlszene zu gelangen.
- Analyse von vier aktuellen theologischen Veröffentlichungen zur Deutung der Abendmahlsworte.
- Untersuchung des Einflusses subjektiver Vorverständnisse auf exegetische Ergebnisse.
- Kritische Würdigung der Hermeneutik im Umgang mit den Deuteworten.
- Diskussion alternativer Interpretationsansätze jenseits klassischer Sühneopfer-Theologien.
Auszug aus dem Buch
2. Darstellung und Kritik
"Sehen wir die Kelchworte in den vier Überlieferungen an, so erweisen sie sich alle als gesteuert von der Wahrnehmung und reflektierenden Erinnerung des Todes Jesu als eines blutigen Opfers. Sie setzen den Tod Jesu und auch schon diese theologische Deutung voraus. ... Es hat ursprünglich wohl gar kein Kelchwort gegeben. ... Ich nehme an, dass der sprachliche Gestus des griechischen Brotwortes ... von dem Kelchwort ... inspiriert worden ist ... . Und deshalb ist es für mich wahrscheinlich, dass keines dieser beiden Deuteworte von Jesus gesagt worden ist ... ."
Zusammenfassung der Kapitel
0. EINLEITUNG: Definiert das Thema der Deuteworte und legt das methodische Vorgehen der Untersuchung fest.
I. K.-P. JÖRNS: ABSCHIED VOM SÜHNEOPFERMAHL: Untersucht Jörns’ These, dass die Deuteworte redaktionell geprägt sind und nicht auf den historischen Jesus zurückgehen.
II. K. HAACKER: IST - ZUM SINN DER DEUTEWORTE: Analysiert Haackers sprachlich-syntaktischen Ansatz, der die Deuteworte in den Kontext des historischen Lebens Jesu einordnet.
III. E. MOLTMANN-WENDEL: ABENDMAHL AUS FEMINISTISCHER SICHT: Beleuchtet die feministische Perspektive, die das Abendmahl als heilendes Handeln Jesu interpretiert.
IV. P. TRUMMER: DASS ALLE EINS SIND: Diskutiert Trummers Vision einer eucharistischen Gemeinschaft, in der die Einheit der Gläubigen im Vordergrund steht.
V. SCHLUSS: Fasst die Ergebnisse zusammen und wagt einen eigenen Deutungsversuch abseits der analysierten Thesen.
Schlüsselwörter
Deuteworte, Abendmahl, Exegese, Jesus von Nazaret, Sühneopfer, Hermeneutik, Brot, Kelch, Liturgie, Redaktionsgeschichte, Passa, Theologie, Kirchenverständnis, Mahlgemeinschaft, historischer Jesus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die aktuelle exegetische Debatte zur Bedeutung der Deuteworte beim letzten Abendmahl Jesu und kritisiert, wie Theologen dabei ihre eigenen subjektiven Vorannahmen einfließen lassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Interpretation der Brot- und Kelchworte, das Verständnis des Todes Jesu als Opfer oder ethisches Vorbild sowie die Rolle der Kirche und der kirchlichen Ämter.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Herleitung exegetischer Thesen bei namhaften Autoren nachzuvollziehen und aufzuzeigen, inwieweit diese durch persönliche Vorverständnisse und aktuelle kulturelle Trends beeinflusst werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die methodische Analyse der Autorenprofile, ihrer Vorverständnisse sowie eine kritische Prüfung der jeweiligen Argumentationsführung, Textanalysen und der verwendeten Analogien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier Abschnitte, in denen die Thesen von K.-P. Jörns, K. Haacker, E. Moltmann-Wendel und P. Trummer dargestellt und anschließend kritisch hinterfragt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Deuteworte, Abendmahl, Exegese, Sühneopfer, Hermeneutik und der historische Jesus.
Warum wird die „Geschichte der blutenden Frau“ in der feministischen Exegese so stark betont?
Moltmann-Wendel versucht damit, eine intratextuelle Verknüpfung zu konstruieren, um das Abendmahl als Ort heilender Energie und nicht als bloßes Opfergedenken neu zu deuten.
Welche Schwachstellen identifiziert der Autor in der Argumentation der untersuchten Theologen?
Der Autor kritisiert unter anderem manipulierte Analogien, eine unzureichende Analyse der hebräischen bzw. aramäischen Sprachbasis und das teils inkonsistente Festhalten an Sühneopfertheologien trotz moderner liberaler Ansätze.
- Quote paper
- Diplom-Verwaltungswirt (FH) Peter Schmidt (Author), 2009, Zur neueren exegetischen Diskussion um die Bedeutung der "Deuteworte", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160227