Philipps Politik gegenüber Mittelgriechenland am Beispiel Thessaliens


Seminararbeit, 1998

20 Seiten, Note: 1,75


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Thessalien
2.1. Geographische Lage
2.2. Politische Lage

3. Beziehungen Makedonien - Thessalien vor Philipp (ab 400)

4. Philipps Politik gegenüber Thessalien
4.1. Vor dem 3. Heiligen Krieg (359-356)
4.2. Im 3. Heiligen Krieg (356-352)
4.3. Philipp als Archon des thessalischen Bundes (352-346)
4.4. Die Tetrarchie in Thessalien

5. Schluß

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem Herrschaftsantritt Philipps II. von Makedonien 359 v. Chr.[1] begann eine neue Epoche in Griechenland: der Hellenismus. Philipp war der Wegbereiter für die Ausdehnung des Reiches unter seinem Sohn Alexander dem Großen bis zum Indus und damit für den Untergang des persischen Großreiches.

Wie hatte Philipp die Voraussetzungen dafür geschaffen, mit welchen Mitteln hatte er seine Außenpolitik betrieben, um in Griechenland die führende Rolle spielen zu können?

Am Beispiel seines direkten südlichen Nachbarn Thessaliens werde ich diesen Fragen nachgehen. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der Entwicklung bis zum Philokrates-Frieden von 346. Anhand Thessaliens lassen sich einige Aspekte seines Vorgehens und seiner Strategie verstehen und verallgemeinern.

Die wichtigsten Quellen zu diesem Thema sind bei Diodor, Demosthenes und Iustinus (Justin) zu finden,[2] wobei nur Demosthenes Zeitzeuge ist. Die anderen beiden haben hunderte von Jahren später historische, heute teilweise nur in Fragmenten erhaltene Quellen ausgewertet. Makedonien und Thessalien wurden wenig beachtet in einer auf Athen zentrierten griechischen Geschichtsschrei-bung. Das ändert sich erst durch Philipp ein wenig, wobei man weiterhin darauf achten muß, von welcher Perspektive aus welcher Schreiber berichtet und aus welcher Zeit er stammt; denn chronologische Unsicherheiten und Vorurteile gegen Philipp bestimmen viele Berichte und Kommentare.

2. Thessalien

2.1. Geographische Lage

Thessalien ist die nördlichste Landschaft Griechenlands. Im Süden ist es benachbart mit Lokris, Doris, Phokis und Boiotien. Im Westen mit Epirus und im Norden mit Makedonien. Der Zugang zum Meer ist südöstlich beim Pagasaeischen Golf möglich.[3]

Für Philipp war dieses Gebiet wichtig, weil es den Eintritt in das Herz Griechenlands bedeutete: Delphi, Theben, Athen, Korinth. Dabei bot die Abge-grenztheit Thessaliens nach Süden durch Gebirge Schutz und die Möglichkeit des Rückzugs. Nur ein Küstenpaß, die Thermopylen, konnten für größere Truppenbewegungen genutzt werden.[4] Philipp wußte um die strategische Bedeutung, suchte deshalb aber auch Umgehungen, die Gegner auf der anderen Seite oft genug in ein Hintertreffen brachten. Zusätzlich konnten die Häfen von Vorteil sein. In erster Linie der von Pagasai bot sich als Flotten- und Handelsstützpunkt an.[5]

2.2. Politische Lage

Das Stammesgebiet der Thessaler war lange Zeit in vier Tetrachien (tetrarchV) eingeteilt: Thessaliotis, Pelasgiotis, Hestiaiotis und Phthiotis. Die Oberhäupter hießen Tetrarchen. Die abhängigen Randvölker waren davon ausgeschlossen (Magnesia, Achaia und Perrhaibia). Mitte des fünften Jahrhunderts folgten vier jährlich gewählte Polemarchen, die hauptsächlich das Heereskommando übernahmen. In vielen anderen Gebieten diente diese Herrschaftsform schon als Sprungbrett zur Tyrannis (Korinth, Theben, Athen). Auch im thessalischen Bundesstaat sollte sich dies am Anfang des nächsten Jahrhunderts bestätigen. An der Spitze des Gesamtstammes stand ein lebenslänglich gewählter Tagos, der aber nicht immer bestellt wurde, dazu ein nicht sehr einflußreicher Landtag.[6] In der Amphiktyonie zu Delphi verfügten die Thessaler mit ihren abhängigen Stämmen über 12 der 24 Stimmen.

Schon früh haben sich die großen Adelsfamilien in den Städten als wirkliche Machtträger über weite Teile des Landes herauskristallisiert.[7] Darunter die Aleuaden von Larisa, die aufgrund dynastischer Verbindung freundschaftliche Kontakte mit dem makedonischen Königshaus pflegten, die Herrscher von Pharsalos und in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts das Geschlecht von Pherai. Diese Entwicklung störte das Gleichgewicht zwischen den ländlichen Regionen und den Städten.

Die Folgezeit wurde beherrscht von den rivalisierenden Adelshäusern. 404 entstand unter Lykophron von Pherai nach dem Sieg gegen die Oligarchie in Larisa eine Tyrannis.[8] Seinem Nachfolger Jason gelang 380 die Vorherrschaft über das gesamte Gebiet. Er wurde auf gesetzlichem Wege zum Tagos ernannt.[9] Seine Ziele waren eine langfristige Einigung Thessaliens und darauf aufbauend eine Hegemonie über Griechenland sowie ein panhellenischer Feldzug gegen Persien.[10] Dazu kaufte er ein Söldnerherr und baute eine Flotte.[11] Der größte Hafen Pagasai gehörte schon längere Zeit zur Stadt.

Der Kriegszustand zwischen Larisa, dem Koinon und Pherai hielt noch weitere 20 Jahre an. Sparta, Athen, Theben wechselten die Bündnispartner, je nachdem welche strategischen Vorteile sie sich ausrechneten. Larisa bat in dieser Zeit häufig um das militärische Eingreifen der makedonischen Monarchie.

3. Beziehungen Makedonien - Thessalien vor Philipp

Ich werde nur stichpunktartig auf die Verhältnisse dieser beiden Landschaften zueinander eingehen. Auch gestaltet sich eine genauere Darstellung schwierig, da nur wenige Quellen zu diesem Aspekt für diese Zeit vorliegen.

Allgemein ist zu erwähnen, daß die Makedonen in der Stammesgeschichte als ein ehemals im Norden Thessaliens wohnhafter Volksstamm beschrieben werden.[12] Hauptsächlich die Führungsschicht scheint wegen ihrer Namen (Archelaos, Perdikkas, Alketas), von griechischer Abstammung zu sein. Aber sonst wurde das Gebiet der Barbarenwelt zugeordnet und eher verächtlich behandelt. Eine erste weitgehend gesicherte Quelle berichtet von der Besetzung Larisas (401/0) durch Archelaos von Makedonien. Er vertrieb die pheraische Besatzung, wurde Bürger der Stadt, konnte aber nur für eine kurze Zeit eine feste Stellung in Thessalien behaupten.[13]

Mit thessalischer Hilfe konnte Amyntas III. (393/92) die Illyrer aus dem Norden Makedoniens vertreiben.[14] Jason von Pherai vereinbarte mit dem Vater Philipps ein Bündnis (um 371).[15] Aber Jason wollte in naher Zukunft auch Makedonien unter seine Kontrolle bringen.[16]

Wenig später, unter den Nachfolgern beider Seiten, waren die Tyrannen und das makedonische Königshaus entschiedene Gegner. Die thessalische Einheit zerfiel unter dem Tagos Alexandros. Die Aleuaden hofften auf ihre Befreiung durch Alexander II. von Makedonien. Dieser griff 369 in das umkämpfte Land ein und schickte eine Besatzung nach Larisa und Krannon.[17] Doch vermochte er dem Eingreifen des Thebaners Pelopidas nicht standzuhalten, der im Auftrag des thessalischen Koinon handelte.[18] Theben hatte zu dieser Zeit die Hegemonie über weite Teile Griechenlands erreicht und wollte einem weiteren Machtzuwachs Makedoniens wie der Tyrannen nicht Vorschub leisten.[19] Alexandros von Pherai wurde auf seine Stadt beschränkt, außerdem der thessalische Bund nach boiotischem Vorbild neu organisiert und ein Bündnis mit dem thessalischen Koinon abgeschlossen.[20] Der Tyrann herrschte, auf ein Söldnerheer gestützt, bis 358 in Pherai. Seine Mörder und Nachfolger versuchten weiterhin die Alleinherrschaft zu erlangen. Erst Philipp II. konnte Thessalien wieder befrieden.

[...]


[1] Anmerkung: Im folgenden bedeuten die Jahreszahlen immer vor Christi Geburt.

[2] Anmerkung: Im folgenden werden die lateinischen und griechischen Autoren und ihre Werke

nach den Angaben im Lexikon Der Kleine Pauly (München 1979) zitiert.

[3] Einen guten Überblick über die geopolitische Lage bietet Westlake (London 1969) S.1-20.

[4] vgl. Hdt. VII 176.

[5] Zur Wichtigkeit des Hafens: Xen. hell. V 4,56.

[6] vgl. Meyer (Halle 1909) S.219f. Der Autor bietet einen guten Überblick über die Verhältnisse in

Thessalien seit dem sechsten Jahrhundert: S.218-259.

[7] vgl. Thuk. IV 78,3.

[8] Zum Sieg gegen Larisa: Xen. hell. II 3,4.

[9] Über das Bundesfeldherrenamt (Tagos): Xen. hell. VI 1,8 und 1,18. Der Tagos verfügt über das

Gesamtaufgebot aller Städte Thessaliens, die Periöken müssen ihm zudem Tribut zahlen. vgl.

Meyer S.220f.

[10] Über den Perserfeldzug: Isokr. V 119 und Xen. hell. VI 1,12; Droysen (München 1980) S.24.

Zum Thema Hegemonie über Griechenland: Xen. hell. VI 1,4ff.

Der Vertrag mit Athen wegen des Beitrittes in den zweiten attischen Seebund steht bei Bengs- ton 2 (München 1962) Nr. 257.

[11] Zum Flottenbau: Xen. hell. VI 4,21.

Über das Söldnerheer: Xen. hell. VI 1,5.

[12] vgl. Hdt. I 56 und VIII 43.

[13] Die unter Herodes Atticus Namen überlieferte Rede Über die Verfassung (peri politeiaV) gibt

uns Auskunft über die Situation in Thessalien am Ende des fünften Jahrhunderts. Zu Arche- laos siehe §7/9/16-20 in Meyer S.202-208 oder im Kommentar S.257f./261f.

[14] Diod. XIV 82,4; vgl. Isokr. VI 46.

[15] Diod. XV 60,2.

[16] vgl. Xen. hell. VI 1,11.

[17] Diodor XV 61,3ff.: Alexander behielt aber die Städte für sich, und gab sie trotz Abmachung mit Larisa nicht zurück.

[18] Diod. XV 67,3f.

[19] Durch die restriktive Vorgehensweise Thebens, obwohl es seit Jason ein Bündnis mit den Tyrannen von Pherai hatte, machte sich Pelopidas dem Alexandros nun zum Feind. In der Folge kam es zu mehreren Auseinandersetzungen. So 364, als Pelopidas im Auftrag des thes- salischen Bundes Pherai besiegen konnte, selber aber in der Schlacht fiel.

[20] Diod. XV 80,6; Bengston Nr. 288. Schon hier wird der Begriff Tagos nicht mehr verwendet und durch Archon ersetzt, weil die Tyrannen von Pherai den Titel Tagos für sich beanspruchten. vgl. Bengston Nr. 393.

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Details

Titel
Philipps Politik gegenüber Mittelgriechenland am Beispiel Thessaliens
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Alte Geschichte)
Veranstaltung
Philipp II. von Makedonien
Note
1,75
Autor
Jahr
1998
Seiten
20
Katalognummer
V16024
ISBN (eBook)
9783638209823
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
3. Heiliger Krieg, Makedonien - Thessalien, Tetrarchie, Quellen: Demosthenes, Diodor, Justion, Xenophon, Herodot, Forscher: Droysen, Errington, Meyer, Westlake, Wirth
Schlagworte
Philipps, Politik, Mittelgriechenland, Beispiel, Thessaliens, Philipp, Makedonien
Arbeit zitieren
Wolfram Baier (Autor), 1998, Philipps Politik gegenüber Mittelgriechenland am Beispiel Thessaliens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16024

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