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Kritische Reflexion über den 'neuen' Feminismus am Beispiel von Thea Dorns' "Die neue F-Klasse"

Title: Kritische Reflexion über den 'neuen' Feminismus am Beispiel von Thea Dorns' "Die neue F-Klasse"

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Melanie Bossen (Author)

Gender Studies
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Sieht man sich in der deutschen Medienlandschaft um, kann man den Diskussionen über einen neuen Feminismus nicht entgehen. Viele Frauen möchten sich Gehör verschaffen und rufen diesen neuen Feminismus aus, der in seiner Erscheinungsform sehr variabel ist. Man liest zum Beispiel über eine deutschtürkische Doktorandin und Rapperin, die sich selbst Lady Bitch Ray nennt und „als Gesamtkunstwerk wahrgenommen werden [will], das um jeden Preis in den Kampf für die weibliche Emanzipation eintritt.“ Sie möchte „die noch immer ‚als Opfer erzogenen‘ Frauen aus der Tyrannei des Patriarchats ins gelobte Land der vaginalen Selbstbestimmung [...] führen“ . Dafür hat sie 10 Gebote ihres eigens ernannten "Vagina Styles" aufgestellt, unter deren Anleitung sich Frauen emanzipieren können.
Eine andere Frau, die in diesem Jahr die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen hat, ist Charlotte Roche mit ihrem Roman "Feuchtgebiete". In ihrem Roman, der gleichzeitig ob seiner vulgären Sprache verrissen und dennoch auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller liste kletterte, spricht die Hauptprotagonistin locker und selbstbewusst über ihr Sexualverhalten und ihre Körperausscheidungen. Auf die Frage, warum Mädchen ein verkrampftes Verhältnis zu ihren Exkrementen hätten, antwortet Roche: „Ich bezweifle immer mehr, dass diese ganzen Sachen, mit denen Frauen Probleme haben, von den Männern kommen, wie das der Feminismus gerne behauptet. Entweder sie machen sich die Probleme selber oder sie werden dazu von ihren Müttern erzogen.“
Man spricht über Pop-Feminismus, Lipstick-Feminismus, Wellness-Feminismus, Feminismus 2.0 und Bücher, die für einen neuen Feminismus eintreten überschwemmen den Markt. Allen gemeinsam ist die kritische Haltung dem alten Feminismus gegenüber.
In den Fokus meiner Arbeit stelle ich das von Thea Dorn geschriebene Buch "Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird.", welches sich in den Kanon des selbst ernannten "neuen" Feminismus einreiht.

Im Fokus dieser kritischen Würdigung stehen folgende Fragen: Thea Dorn distanziert sich in ihrem Buch vom "alten" Feminismus. Dabei fällt jedoch auf, dass ihre Forderungen eindeutig feministisch sind. Doch kann man Dorns Anleitung zur Emanzipation als feministisch betrachten? Inwieweit ist es problematisch, dass Dorn ihr Buch ausschließlich an Frauen mit dem Wunsch nach Führungspositionen adressiert? Liegt in der fehlenden Solidarität für andere Frauen bereits das Scheitern dieses neuen Feminismus?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Überblick

1.1 Die Zweite (west-)deutsche Frauenbewegung in Deutschland

1.2 Thea Dorns neue F-Klasse. Eine Zusammenfassung

2 Kritische Würdigung

2.1 Feminismus – Nein, danke?

2.2 Emanzipation nur durch Karriere?

2.3 Keine für alle und alle für sich?

3 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Buch „Die neue F-Klasse“ von Thea Dorn kritisch zu reflektieren und in den Kontext des sogenannten neuen Feminismus einzuordnen. Dabei wird insbesondere untersucht, ob Dorns individuelle Karriereanleitung als feministisch bezeichnet werden kann und welche Rolle das Fehlen von Solidarität in ihrem Konzept spielt.

  • Historischer Kontext der Zweiten (west-)deutschen Frauenbewegung
  • Analyse der Thesen von Thea Dorns „neuer F-Klasse“
  • Kritik an der Distanzierung vom klassischen Feminismus
  • Diskussion über Individualisierung und Karriereorientierung
  • Reflexion über Solidarität innerhalb feministischer Bewegungen

Auszug aus dem Buch

1.1 Die Zweite (west-)deutsche Frauenbewegung in Deutschland

Die Zweite Frauenbewegung ging in den späten 60er Jahren aus der Studentenbewegung hervor, die sich vor allen Dingen für Demokratie, mehr Selbstbestimmtheit und gegen die bürgerliche Spießigkeit einsetzte. Im Sozialistischen Deutschen Studentenbund waren sowohl Männer und Frauen vertreten. Im Laufe des Jahres 1968 kam es zu Auseinandersetzung zwischen den beiden Geschlechtern, „denn die Studentinnen begannen plötzlich zu merken, dass ihre männlichen Kommilitonen zwar nach außen antiautoritäre Verhaltensmuster forderten, sich aber im Innenbereich – und somit den Studentinnen und Ehefrauen bzw. Partnerinnen gegenüber – recht autoritär verhielten“. Die Studentinnen erkannten, dass sich gesellschaftliche Hierarchiemuster in ihrer Vereinigung widerspiegelten: die Männer waren die Wortführer, sie beteiligten sich an Demonstrationen - sprich: sich übernahmen den aktiven Part innerhalb des SDS und wiesen den Frauen Arbeiten wie Kaffee kochen, Kinderbetreuung oder das Abtippen von Flugblättern zu.

Die Bewusstwerdung der Frauen über diesen Zustand führte zur Bildung von eigenen Gruppen. Als erstes gründeten 7 SDS-Frauen 1968 in Westberlin den Aktionsrat zur Befreiung der Frau. Viele Studentinnen folgten in anderen Städten ihrem Beispiel und riefen zum Frauenwiderstand auf. In dessen Zuge entstanden Weiberräte und Frauen-Diskussions-Zirkel. Aber erst durch eine „spontane Tomatenwurfaktion“ auf einen der führenden männlichen Köpfe der SDS auf der 23. SDS-Delegierten-Konferenz im September 1968, die im Fernsehen übertragen wurde, wurde der entstehenden Bewegung die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit zuteil. Diese Aktion gilt heute als Beginn der Neuen deutschen Frauenbewegung.

Zusammenfassung der Kapitel

0 Einleitung: Die Einleitung führt in die aktuelle Debatte um den neuen Feminismus ein, stellt das Buch von Thea Dorn vor und umreißt die kritischen Fragestellungen der Arbeit.

1 Überblick: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die Zweite (west-)deutsche Frauenbewegung und fasst die Kernbotschaften von Thea Dorns Buch zusammen.

2 Kritische Würdigung: Hier findet die theoretische Auseinandersetzung mit Dorns Thesen statt, wobei insbesondere ihre Distanzierung vom klassischen Feminismus, die Fixierung auf Karriere und der Mangel an Solidarität kritisch hinterfragt werden.

3 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Dorns Ansatz aufgrund der mangelnden Solidarität und der Ausblendung struktureller Barrieren als feministisches Projekt scheitert.

Schlüsselwörter

neuer Feminismus, Thea Dorn, Zweite Frauenbewegung, Emanzipation, Karriere, Arbeitsmarkt, Individualisierung, Solidarität, Spartenfeminismus, Geschlechterverhältnisse, Patriarchat, Führungspositionen, Frauenforschung, Selbstbestimmung, Neoliberalismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert kritisch das Buch „Die neue F-Klasse“ von Thea Dorn und hinterfragt, ob deren Konzepte einer neuen Emanzipation den Kriterien eines Feminismus gerecht werden.

Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?

Die Arbeit konzentriert sich auf die Zweite westdeutsche Frauenbewegung, die Thesen von Thea Dorn zur Karriere von Frauen, die neoliberale Individualisierung und die Bedeutung feministischer Solidarität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die feministische Relevanz von Dorns Thesen zu prüfen und aufzuzeigen, dass ihr individueller Ansatz strukturelle Probleme des Geschlechterverhältnisses vernachlässigt.

Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die historische Fakten der Frauenbewegung mit einer kritischen inhaltlichen Analyse des Werkes von Thea Dorn verknüpft.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Frauenbewegung, eine Zusammenfassung des Buches sowie eine kritische Würdigung hinsichtlich Feminismusverständnis, Karrierebegriff und Solidarität.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem neuer Feminismus, Karriere, Individualisierung, Solidarität und Spartenfeminismus.

Warum distanziert sich Thea Dorn laut der Arbeit vom klassischen Feminismus?

Die Autorin argumentiert, dass Dorn den Feminismus der 70er Jahre für überholt hält und ihn mit einer strikten Trennung zwischen Gut und Böse sowie der Betonung einer Opferrolle verbindet, was nicht zu ihrem modernen Karrierekonzept passt.

Welche Rolle spielt die Solidarität in der Kritik der Arbeit?

Die Arbeit kritisiert, dass Dorn durch ihre Fokussierung auf individuelle Leistung und Karriere die notwendige Solidarität unter Frauen opfert, was sie von den klassischen feministischen Ansätzen entfremdet.

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Details

Title
Kritische Reflexion über den 'neuen' Feminismus am Beispiel von Thea Dorns' "Die neue F-Klasse"
College
Humboldt-University of Berlin
Grade
1,3
Author
Melanie Bossen (Author)
Publication Year
2008
Pages
18
Catalog Number
V160259
ISBN (eBook)
9783640733477
ISBN (Book)
9783640734115
Language
German
Tags
Gender Studies Feminismus Dritte Welle Thea Dorn
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Melanie Bossen (Author), 2008, Kritische Reflexion über den 'neuen' Feminismus am Beispiel von Thea Dorns' "Die neue F-Klasse", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160259
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