Netzwerkanalyse mit Pajek


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Netzwerkerhebung
2.1 Netzwerkabgrenzung
2.2 Untersuchungsziel
2.3 Durchführung

3. Empirische Untersuchung
3.1 Methode
3.1.1 Soziogramm und cutpoints
3.1.2 Dichte
3.1.3 Verbundenheitsgrad
3.2 Auswertung
3.2.1 Soziodemographische Angaben
3.2.2 Erstes Netzwerk
3.2.3 Zweites Netzwerk
3.2.4 Drittes Netzwerk
3.2.5 Viertes Netzwerk
3.2.6 Zusammenfassung

4. Fazit

Literatur

Anhang

Fragebogen

1. Einleitung

Die Sozialwissenschaften befassen sich im Wesentlichen mit der Erklärung sozialer Phäno­mene. Hierfür stehen sowohl qualitative als auch quantitative Methoden zur Verfügung. Zu Letzteren zählt die (soziale) Netzwerkanalyse.[1] Mit ihrer Hilfe kann die soziale Organisati­on von Gruppen zum einen als Ganzes und zum anderen in Bezug auf die Einbettung der einzelnen Akteure dargestellt werden.

In der Netzwerkanalyse können zwei Netzwerkarten unterschieden werden: das persönli­che Netzwerk und das soziale[2] Netzwerk. Bei beiden werden die Beziehungen zwischen Akteuren untersucht. Bei der Erhebung von sozialen Netzwerken wird ermittelt, ob zwi­schen den Netzwerkbeteiligten Beziehungen bestehen oder nicht. Bei der Untersuchung von persönlichen Netzwerken stehen zwar die Befragten vorher fest, allerdings nicht die zu untersuchende Ausgangsmenge (was bedeutet, dass Befragte Beziehungen zu Personen nennen können, die nicht zum Befragtenkreis gehören). Die Untersuchung sozialer Netz­werke berücksichtigt dagegen keine Beziehungen außerhalb der Untersuchungseinheit (Schnegg/Lang 2002: 6).

Die Vorgabe für diese Arbeit war, ein soziales Netzwerk zu erheben und zu beschreiben. Um dieser Aufgabe nachzukommen, wird zunächst auf die Vorgaben zur Netzwerkerhe­bung eingegangen. Zuerst wird das zu untersuchende Netzwerk abgegrenzt, anschließend wird das Untersuchungsziel festgelegt. Dem schließt sich die Beschreibung der Durchfüh­rung der Netzwerkerhebung an. Der nächste Punkt beschäftigt sich mit der empirischen Untersuchung des erhobenen Netzwerks. Zunächst werden die einzelnen Analyseschritte kurz dargestellt. Anschließend wird das Netzwerk anhand der soziodemographischen An­gaben der Befragten vorgestellt. Dem schließt sich die Auswertung der gestellten Fragen an. In einem Fazit werden die Ergebnisse zusammengefasst.

2. Netzwerkerhebung

Neben der Sekundärdatenerhebung (über z.B. Mitgliederverzeichnisse) stellt die Befragung der einzelnen Netzwerkakteure3 das wichtigste (primäre) Erhebungsverfahren in den Sozi­alwissenschaften dar.

2.1 Netzwerkabgrenzung

Der erste Schritt zur Abgrenzung eines Netzwerks, ist die Frage, welche Akteure dazuge­hören und welche nicht. Die Abgrenzung vom Forscher vorgenommen. Jansen benennt an dieser Stelle fünf mögliche Abgrenzungskriterien:

— Organisations- und Gruppengrenzen,
— geographische Grenzen,
— Teilnahme an einem oder mehr Ereignissen,
— Eigenschaften der Akteure und
— Beziehungen der Akteure zueinander (Jansen 2006: 71f).

Da keines der Kriterien mit absoluter Sicherheit alle relevanten Akteure erfasst, empfiehlt Jansen mehrere Kriterien zu kombinieren.

Im vorliegenden Fall soll das Netzwerk der Fachschaft Sozialwissenschaften (Organisati­onsgrenze) der Universität Oldenburg (geographische Grenze) erhoben werden. Da jeder Student, der das Fach Sozialwissenschaften studiert auch automatisch Mitglied der Fach­schaft ist, sich allerdings längst nicht alle aktiv in der Fachschaft beteiligen, wurde sich für die Untersuchung der aktiven Fachschaft entschieden. Ein aktives Fachschaftsmitglied zeichnet sich dadurch aus, dass es regelmäßig an den Sitzungen der Fachschaft teilnimmt und/oder für die Fachschaft in einem Gremium vertreten ist (Teilnahme an Ereignissen).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Universität Oldenburg 2010)

3 Unter Akteuren können entweder Individuen oder korporative Akteure (Unternehmen usw.) verstanden werden. Allerdings wird auch bei Letzteren immer das Individuum befragt.

Im Wintersemester 2009/10 waren insgesamt 1010 Studenten in der Lehreinheit Sozialwis­senschaften eingeschrieben. Davon waren 13 Mitglied der aktiven Fachschaft (Tab. 1).[3]

Nachdem die Abgrenzung des Netzwerkes erfolgt ist, muss sich entschieden werden, ob eine Totalerhebung des Netzwerkes erfolgen soll oder ob nur eine Teilgruppe befragt wird. Da es sich bei der zu untersuchenden Fachschaft um eine sehr kleine Gruppe handelt, wur­de sich fur eine Totalerhebung des Netzwerkes entschieden. Die Voraussetzung fur die Da­tenerhebung bei einer Totalerhebung ist eine vollständige Liste mit allen Netzwerkakteu­ren.[4]

2.2 Untersuchungsziel

Nachdem das Netzwerk abgegrenzt wurde, muss eine Entscheidung darüber getroffen wer­den, welche Relationen untersucht werden sollen. Jansen benennt sieben mögliche Relatio­nen in der Netzwerkanalyse:

— Informationsaustausch,
— Ressourcenaustausch,
— Reputation für Exzellenz oder Einfluss,
— Mitgliederschaftsbeziehungen,
— Verwandtschafts-, Abstammungsbeziehungen,
— Affektive Beziehungen und
— Konkrete Interaktionen (Jansen 2006: 75).

Eine Fachschaft weist i.d.R. neben ihrer Zuständigkeit für inneruniversitäre Abläufe und damit professionalisierten Beziehungen auch private Beziehungen der Mitglieder unterein­ander auf. Weshalb sich in der Untersuchung auf die drei Relationen: Informationsaus­tausch, affektive Beziehungen und konkrete Interaktionen konzentriert wird. Es gilt zu prü­fen, welche der genannten Relationen das Netzwerk am ehesten darstellt.

Nach der Festlegung der zu untersuchenden Relationen muss die Skalierung der Relations­intensität festgelegt werden. Der Beziehungstyp kann entweder binär, ordinal oder metrisch erhoben werden. Bei einer binären Skalierung wird erfragt, ob eine Beziehung vorhanden ist oder nicht. Bei einer ordinalen Skalierung werden die Akteure z.B. gebeten, eine Rang­ordnung, der ihrer Ansicht nach wichtigsten Akteure anzugeben. Bei metrischen Skalierun­gen wird z.B. der Zeit- oder Ressourcenaufwand für eine Beziehung erfasst. Da die Erhe­bung von Rangfolgen bei kleinen Netzwerken problematisch sein kann und die Erhebung metrischer Daten, Jansen zufolge, oft zu einer Überforderung der Befragten führt, wurde sich bei der Analyse des Fachschaftsnetzwerks für die Erhebung von binären Daten ent­schieden.

Neben der Skalierungsfestlegung muss die Form der Relation beachtet werden. Es kann zwischen gerichteten und ungerichteten Beziehungen unterschieden werden. Eine gerichte­te Beziehung ist z.B. die Abstammungsbeziehung. Wenn A der Vorfahre von B ist, dann kann B nicht der Vorfahre von A sein. Wird statt der Abstammungsbeziehung die Ver­wandtschaftsbeziehung untersucht, handelt es sich um eine ungerichtete Beziehung - denn beide sind miteinander verwandt. Während alle Relationen, die auf der gemeinsamen Mit­gliedschaft beruhen (z.B. die Familie) ungerichteter Natur sind, können Ressourcen- und Informationsflüsse, affektive Beziehungen usw. sowohl gerichtet als auch ungerichtet sein. Damit z.B. Hierarchien in Netzwerken untersucht werden können, müssen gerichtete Be­ziehungen erhoben werden.

Die Vorgabe für diese Arbeit war es zwei gerichtete und zwei ungerichtete Beziehungen abzufragen.

Bei der Befragung sind nach Jansen noch zwei weitere Festlegungen zu treffen. Zunächst muss festgelegt werden, ob der Befragte eine vollständige Akteursliste erhält oder ob eine freie Abfrage erfolgen soll. Damit auch dem Befragten die zuvor getroffene Netzwerkab­grenzung (hier: aktive Fachschaftsmitglieder) bewusst ist, wurde sich dafür entschieden eine vollständige Akteursliste vorzulegen. Des Weiteren sollte festgelegt werden, ob der Befragte so viele Personen ankreuzen kann wie er möchte oder ob eine maximale Angabezahl vorgegeben wird. Da durch die vorgegebene Maximalanzahl besser Hierarchien untersucht werden können, wurde sich für diese Vorgabe entschieden.

Es wurden vier Fragen erhoben.[5] Für die Untersuchung des Informationsaustausches wur­de folgende Frage gestellt:

I. An welches andere Fachschaftsmitglied hast Du Dich bei fachlichen bzw. studienbezoge­nen Problemen/Fragen in den letzten sechs Monaten gewendet?

Zur Untersuchung der affektiven Beziehungen wurden folgende zwei Fragen erhoben:

II. Mit welchem anderen Fachschaftsmitglied würdest Du auch über private Probleme spre­chen?

III. Mit welchem anderen Fachschaftsmitglied hast Du Dich in den letzten sechs Monaten privat (außerhalb des Uni-Kontextes) getroffen?[6]

Die Untersuchung konkreter Interaktionen wurde mit folgender Frage erhoben:

IV. Erinnere Dich bitte an das letzte halbe Jahr in der Fachschaft: Mit wem hast Du im WS09/10 an mindestens einer VL/S/UE/AG teilgenommen?

Neben diesen Fragen wurden noch die soziodemographischen Daten (Alter, Geschlecht, Familienstand, Studiengang, Semesterzahl und Art der Studienfinanzierung) der Befragten erhoben.[7]

2.3 Durchführung

Nachdem die aktuelle Mitgliedsliste der aktiven Fachschaft von dieser mitgeteilt wurde, fand die Befragung per E-Mail statt. Alle Befragten erhielten den, in der Anlage beigefüg­ten, Fragebogen per E-Mail zugesandt. Damit sich die Befragten nicht selbst ankreuzen konnten, war ihrjeweiliger Name nicht auf dem Fragebogen aufgelistet.

Die ausgefüllten Fragebögen wurden anschließend in die Software Pajek übertragen und ausgewertet.

3. Empirische Untersuchung

3.1 Methode

Bei der Durchführung der Netzwerkanalyse wird sich an der Vorgehensweise von Jansen (2006) orientiert. Das Netzwerk wird demnach anhand des Soziogramms, der cutpoints, der Dichte und des Verbundenheitsgrads analysiert. Im Folgenden werden die einzelnen Verfahren dargestellt.

3.1.1 Soziogramm und cutpoints

Im ersten Schritt der Netzwerkanalyse wird das Netzwerk anhand der Fragen als Sozio­gramm visualisiert. Die Akteure werden als Punkte und die zwischen den Akteuren vorhan­denen Beziehungen als Linien dargestellt. Eine Beziehung kann, wie unter 2.2 angeführt, sowohl privater als auch professioneller Natur sein.

Das Soziogramm wird als Graph bezeichnet, wenn die abgebildeten Beziehungen unge­richtet sind. Wenn die Beziehungen eine Richtung (die auch wechselseitig sein kann) auf­weisen, werden sie als Pfeil dargestellt. Handelt es sich um gerichtete Beziehungen wird von einem sog. Digraph (directed graph) gesprochen Bei einem Digraph können drei Be­ziehungsarten unterschieden werden: 1. erwiderte, 2. asymmetrische und 3. keine Bezie­hung (Jansen 2006: 91ff).

Zu beachten ist, dass die Anordnung der Akteure im Soziogramm nicht festgelegt ist und verschieden dargestellt werden kann. Das Entscheidende ist das Muster der Beziehungen. Anhand eines Soziogramms kann abgelesen werden, welche Akteure sehr viele Beziehun­gen zu anderen haben und ob diese einseitig oder wechselseitig sind. Des Weiteren können Akteure ohne Beziehungen zu anderen ausgemacht werden.[8]

Die Bedeutung eines (zentralen) Akteurs im Netzwerk kann auch anhand der Identifizie­rung von Cutpoints untersucht werden. Ein Akteur wird als cutpoint bezeichnet, wenn ohne ihn das Netzwerk in verschiedene Komponenten zerfallen würde.

[...]


[1] Die Netzwerkanalyse hat ihren Ursprung in der Sozialethnologie.

[2] Schnegg/Lang sprechen nicht von einem sozialen Netzwerk, sondern von einem Gesamtnetzwerk.

[3] Die Mitgliederanzahl der aktiven Fachschaft wurde direkt bei der Fachschaft erfragt (da es keine offiziel­len Statistiken über die aktiven Fachschaften gibt).

[4] Diese Liste wurde von der Fachschaft mitgeteilt.

[5] Bei dieser Frage gab es keine Maximalankreuzvorgabe.

[6] Die Frage III kann sowohl dem affektiven Bereich als auch der konkreten Interaktion zugeordnet werden. Damit keine Mischung beider Relationen erfolgt, wurde diese Frage nur der Relation affektive Beziehun­gen zugeordnet.

[7] Da es sich um eine studentische Befragung handelt, wurden die Fragen in der persönlichen Anredeform abgefragt.

[8] Dies kann auf Außenseiter hindeuten, allerdings nicht injedem Kontext. In z.B. einen Organisationsnetz­werk ist es nicht zweckdienlich (und auch nicht vorgesehen), dass Vorgesetzte z.B. Freundschaftsbezie­hungen zu ihren Untergebenen unterhalten.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Netzwerkanalyse mit Pajek
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Quantitative Methoden II
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V160264
ISBN (eBook)
9783640733583
ISBN (Buch)
9783640734238
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Netzwerkanalyse, Pajek
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Nina Eger (Autor), 2010, Netzwerkanalyse mit Pajek, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160264

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