Die vorliegende Praxisreflexion gibt umfassende Einblicke in die Organisations- und Tätigkeitsstruktur einer kommunalen sozialen Tochtergesellschaft mit dem Ziel, der (Jugend-)Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken und die gesellschaftliche Teilhabe durch nachhaltige Integration in Ausbildung und Arbeit zu fördern. Sie konzentriert sich insbesondere auf die arbeitsweltbezogene Schulsozialarbeit an beruflichen Schulen sowie die begleitende Unterstützung benachteiligter Jugendlicher am Übergang von der Schule in den Beruf.
Der Text beschreibt die vielfältigen Handlungsfelder, von kurzfristiger geförderter Beschäftigung über individuelle Beratung und Qualifizierung bis hin zur Begleitung in Ausbildungsverhältnissen mit dem Ziel, Ausbildungsabbrüche zu verhindern und die Ausbildungsqualität zu sichern. Besonderer Wert wird auf Empowerment gelegt, um Ressourcen und Selbsthilfefähigkeiten der Klient*innen zu stärken. Die Arbeit orientiert sich an gesetzlichen Rahmenbedingungen der Sozialgesetzbücher (SGB II, III, VIII) sowie kommunalen Vorgaben und ist geprägt von einer wertegeleiteten Organisationskultur, die Empathie, Gerechtigkeit, Solidarität und Partizipation in den Mittelpunkt stellt.
Organisatorisch zeichnet sich die Organisation durch eine funktionale und divisionale Struktur aus, in der Mitarbeiter*innen in Teams projektorientiert arbeiten. Die Qualitätssicherung erfolgt nach DIN ISO 9001 und AZAV zertifizierten Standards. Ein weiterer Fokus liegt auf der Kooperation mit einem breiten regionalen Netzwerk von Partnern, darunter Arbeitsagentur, Jobcenter, schulische und sozialpädagogische Institutionen sowie Kammern und städtische Ämter.
Die Praxisphase der Ausbildungsbegleitung zeigt die konkrete Umsetzung der sozialpädagogischen Interventionen, darunter Früherkennung von Krisen, Prävention, individuelle Einzelfallhilfe und zielgerichtete Vernetzung mit weiteren Unterstützungsangeboten. Die Kombination aus fachlicher Beratung, Coaching und Netzwerkarbeit bildet die Basis für eine erfolgreiche soziale Integration und Ausbildungsförderung.
Der Text richtet sich an Fachkräfte der Sozialen Arbeit, Sozialpädagogik, Berufsbildung sowie an Entscheidungsträger in kommunalen und sozialen Einrichtungen und bietet sowohl theoretische Grundlagen als auch praxisnahe Anregungen zur Förderung benachteiligter Jugendlicher am Übergangsmarkt Schule-Beruf.
Inhaltsverzeichnis
1. Kurzbeschreibung der Organisation
1.1 Trägerstruktur, Rechtsform und Finanzierung
1.2 Ziele der Organisation
1.3 Handlungsprogramme
1.4 Organisationsstrukturen
2. Beschreibung der Tätigkeit während der Praxisphase
2.1 Organisationskultur
2.2 Einbindung
2.3 Tätigkeiten
3. Praxisanleitung
3.1 Kompetenzerwerb
3.2 Kollegiale Fallbesprechungen
4. Reflexion der Erfahrungen
5. Resümee und Fazit
6. Schwerpunktthema – Fallanalyse der Klientin S.
6.1 Sozialadministrative Tätigkeiten
6.2 Die Klientin S.
6.3 Soziologische Dimension im Fall S.
6.4 Psychologische Dimension im Fall S.
6.5 Erziehungswissenschaftliche Dimension im Fall S.
6.6 Fazit
Zielsetzung und Themen
Der Bericht reflektiert die Tätigkeit der Autorin im Rahmen ihres Studiums an der Hochschule Fulda bei der Arbeitsförderung Karlsruhe gGmbH (afka). Das zentrale Ziel ist die systematische Darstellung und kritische Auseinandersetzung mit der Ausbildungsbegleitung benachteiligter Jugendlicher am Übergang von der Schule in den Beruf, illustriert durch eine fundierte Fallanalyse.
- Organisationsanalyse der afka gGmbH und ihrer Handlungsfelder.
- Reflexion der pädagogischen Kompetenzentwicklung und Praxisanleitung.
- Theoretische Fundierung sozialer Arbeit in der Jugendberufshilfe.
- Anwendung systemischer, psychologischer und erziehungswissenschaftlicher Analysetools auf einen konkreten Fall.
- Bedeutung von Vernetzung und sozialadministrativen Prozessen.
Auszug aus dem Buch
6.3 Soziologische Dimension im Fall S.
Die Beschäftigung mit Familien und deren Wechselwirkungen zu anderen sozialen Systemen sowie der daraus bedingten Veränderungen bezeichnet man als Familiensoziologie (vgl. Jungbauer, 2009, S.7). Es gibt historisch betrachtet eine Reihe an Theorien, die sich dem Thema Familie aus soziologischer Sicht annehmen und im Kontext der gesellschaftlichen Realitäten - Familienstrukturen haben sich im Laufe der Jahrhunderte unter dem Eindruck der Kulturzusammenhänge verändert - zu betrachten sind (vgl. Nave-Herz, 2013, S. 13 ff.). Mit der Familiensystemtheorie, der Familienentwicklungstheorie, der Familienstresstheorie sowie integrativem Systemmodell der Familienentwicklung nach Schneewind bestehen mehrere wissenschaftstheoretische Positionen.
Zur Analyse des Fallbeispiels von S. ist die Familiensystemtheorie sehr dienlich, sie weist besonders in Beratung und Therapie einen großen Einfluss auf. Dies gründet in der allgemein gehaltenen Perspektive und der Betonung der wechselseitigen Abhängigkeit der Systeme und deren Einbettung in weitere Kontexte (vgl. Pinquart / Silbereisen, 2009, S.491). Ferner stellt die Familiensystemtheorie heraus, dass die Handlungen eines einzelnen Familienmitglieds nicht unabhängig vom Familiensystem nachvollzogen werden können.
Im Fallbeispiel S. gründen viele der Probleme im familialen Beziehungsgefüge und der mangelnden Stabilität aus Schwierigkeiten der Versorgung aufgrund der Bildungsbiografie der Eltern und der sich konsequent ergebenden Arbeitsmarktschicksale. Systemische Wechselwirkungen der milieuspezifischen Zugehörigkeit, der eigenen Beiträge und dem sozialen Umfeld wirken auf die Familie der S. ein.
S. lebte mit ihrem 3 Jahre jüngeren Bruder und ihren Eltern in der Konstellation einer „klassischen Familie“. Die Eltern haben beide weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung. Durch den Bezug von Bürgergeld (vormals Hartz IV), ergänzt durch sporadische Nebenjobs, lebte die Familie in finanziell prekären Umständen. Zehn Jahre nach der Geburt von S. trennten sich zudem die Eltern im Streit, der Vater zog aus. Die beiden Geschwister blieben bei der Mutter. Streit, Verwahrlosung, Ignoranz und Gleichgültigkeit der Mutter, Geldsorgen und Arbeitslosigkeit prägten nun das Leben von S. und ihrem Bruder.
Zusammenfassung der Kapitel
Kurzbeschreibung der Organisation: Vorstellung der Arbeitsförderung Karlsruhe gGmbH als Beschäftigungsgesellschaft und deren Zielsetzungen sowie Strukturen.
Beschreibung der Tätigkeit während der Praxisphase: Erläuterung der Rolle als Ausbildungsbegleiterin und die Einbindung in die Fachabteilung BAI.
Praxisanleitung: Reflexion des Kompetenzerwerbs durch Mentoring und die Bedeutung kollegialer Fallbesprechungen.
Reflexion der Erfahrungen: Analyse des persönlichen Lernzuwachses durch die Zusammenarbeit mit dem Mentor und anderen Fachkräften.
Resümee und Fazit: Zusammenfassende Bewertung der persönlichen Entwicklung und der erworbenen Kompetenzen während der Praxisphase.
Schwerpunktthema – Fallanalyse der Klientin S.: Detaillierte Fallanalyse unter Einbeziehung sozialadministrativer, soziologischer, psychologischer und erziehungswissenschaftlicher Aspekte.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Praxisreflexion, Arbeitsförderung, Jugendberufshilfe, Ausbildung, Schulsozialarbeit, Fallanalyse, Familiensystemtheorie, Empowerment, Benachteiligung, Integration, Sozialadministration, Erziehungsstile, Lebensweltorientierung, Kompetenzentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Abschlussbericht?
Der Bericht dokumentiert die Praxisreflexion der Autorin während ihrer Zeit bei der Arbeitsförderung Karlsruhe gGmbH (afka) im Rahmen des Studiums Soziale Arbeit.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Ausbildungsbegleitung junger Menschen, die methodische Arbeit in der Schulsozialarbeit und die wissenschaftliche Analyse eines Praxisbeispiels aus einer systemischen Perspektive.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die eigene berufliche Praxis kritisch zu reflektieren, den Kompetenzerwerb darzustellen und theoretische Konzepte der Sozialen Arbeit auf einen komplexen Einzelfall anzuwenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin nutzt die Fallanalyse, bei der sie soziologische, psychologische und erziehungswissenschaftliche Dimensionen integriert, um das Fallbeispiel der Klientin S. zu verstehen und Interventionsstrategien zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Organisation, die Beschreibung der täglichen Arbeit in der Ausbildungsbegleitung, die Reflexion des Mentoring-Prozesses und eine umfangreiche Fallanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Soziale Arbeit, Jugendberufshilfe, Ausbildung, Schulsozialarbeit, Fallanalyse, Familiensystemtheorie und Empowerment.
Welche Bedeutung hat das Mentoring für die Autorin?
Das Mentoring ermöglichte der Autorin eine kontinuierliche professionelle Begleitung, das Erlernen neuer Methoden sowie die Reflexion eigener Unsicherheiten im Umgang mit schwierigen Fällen.
Wie konnte die Klientin S. im beschriebenen Fall erfolgreich unterstützt werden?
Durch eine Kombination aus individueller Beratung, Kooperation mit Betrieben und Institutionen sowie durch gezieltes Coaching bei Alltagsherausforderungen konnte die Klientin stabilisiert und erfolgreich zum Ausbildungsabschluss geführt werden.
- Quote paper
- Klaudija Kos-Schwarzwaelder (Author), 2024, Sozialpädagogische Praxisreflexion in der Schulsozialarbeit. Förderung benachteiligter Jugendlicher am Übergang Schule-Beruf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1602703