In dieser Masterarbeit wurde versucht, Lesestrategien und deren Vermittlung in einer bestimmten Lernumgebung, hier Deutsch als Fremdsprache in China, für die Germanistikstudierenden einzusetzen. Lernstrategien beim Leseverstehen und deren Vermittlungsmethode und ein Entwurf eines Beispiels wurden in der Arbeit vorgestellt.
Das Ziel der Nutzung dieser Lernstrategien beim Leseverstehen chinesischer Lerner liegt darin, die Studenten zur Selbstreflexion anzuregen und das Leseverstehen der chinesischen Deutschlernenden zu fördern.
In dieser Arbeit wurden die Lesestrategien, deren Funktionen und Vermittlungsmethoden betrachtet. Um das Leseverstehen der chinesischen Deutschlernenden zu fördern, werden Integration von Lesestrategienvermittlung im chinesischen Unterricht vorgeschlagen.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 DaF in China
1.1 Die Didaktik und Methodik im chinesischen DaF-Unterricht
1.2 Der Germanistikstudiengang von heute
1.2.1 Curriculare Vorgaben für das Fach Deutsch in China
1.2.2 C2-Curriculum
1.2.3 C3-Curriculum
1.3 Zum Lernverhalten und den Lerntraditionen chinesischer Deutschlerner
1.4 Spuren der „Tradition“: das „Intensivlesen“
2 Zur Fertigkeit: verstehendes Lesen
2.1 Zur Bedeutung des Lesens
2.2 Lesen in der Muttersprache
2.2.1 Versuch einer Zusammenfassung der Forschungsergebnisse zum muttersprachlichen Lesen
2.2.2 Zum Lesen chinesischer Muttersprachler
2.3 Lesen in der Fremdsprache
2.4 Mentale Prozesse beim Leseverstehen
2.5 Lesestile
2.6 Lernziele im Fremdsprachenunterricht in Bezug auf das Leseverstehen
3 Strategien und Lernstrategien
3.1 Definition und Klassifizierung von Lernstrategien
3.1.1 Zur Definition von Strategien und Lernstrategien
3.1.2 Zur Klassifizierung von Lernstrategien
3.2 Funktionen von Lernstrategien
4 Lesestrategien
4.1 Lesestrategien: Terminologisches
4.1.1 Primärstrategien
4.1.2 Stützstrategien
4.1.3 SQ3R– Strategien
4.1.4 MURDER I – Strategien
4.2 Beispiele kognitiver und metakognitiver strategischer Lesehandlungen
4.2.1 Beispiele kognitiver strategischer Lesehandlungen
4.2.2 Beispiele metakognitiver strategischer Lesehandlungen
4.3 Beispiele sozial-affektiver strategischer Lesehandlungen
5 Strategienvermittlung
5.1 Vermittlungsmethoden
5.2 Konsequenzen für die Lesedidaktik
5.2.1 Vermittlungsrelevante strategische Lesehandlungen
5.2.2 Orientierung
5.2.3 Bewusstmachung
5.2.4 Lehrer-Feedback
6 Vorschläge zur Integration der Lesestrategienvermittlung im chinesischen Leseunterricht
6.1 Didaktische Prinzipien im Unterricht
6.1.1 Handlungsorientierter, ganzheitlicher und prozessorientierter Fremdsprachenunterricht
6.1.2 Lernerautonomie
6.1.3 Interkulturelle Orientierung
6.2 Entwurf eines Beispiels für eine Unterrichtssequenz zum Leseverstehen
6.2.1 Fragebögen und Techniken zur Auswertung beim Lesen
6.2.2 Gemeinsame Lernstrategien suchen
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Nutzung von Lernstrategien beim Leseverstehen von chinesischen Deutschlernern, um auf Basis der Analyse bestehender Unterrichtstraditionen und Lerngewohnheiten Ansätze für eine effektivere Vermittlung von Lesestrategien zu entwickeln, die die Lernerautonomie und die fremdsprachliche Kompetenz fördern.
- Didaktik und Methodik des Deutschunterrichts in China
- Mentale Prozesse und Lesestile beim verstehenden Lesen
- Klassifizierung und Funktionen von Lernstrategien
- Integration von Strategievermittlung in den Unterricht
- Selbstevaluationsmethoden für den Fremdsprachenunterricht
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Didaktik und Methodik im chinesischen DaF-Unterricht
Die Didaktik und Methodik des Unterrichts Deutsch als Fremdsprache hat in China drei Entwicklungsphasen erlebt. In der ersten Phase, bis Ende der 50er Jahre, dominierte die Grammatik-Übersetzungsmethode. Das Lernziel lag darin, die Grammatik und den Wortschatz zu beherrschen. Es gibt keine integrierten Lektionen, sondern „Blöcke“ zur Grammatik. Die Inhalte werden gemäß der Wortartenlogik der Grammatik angeordnet. Die natürliche Alltagssprache und die Sprechfähigkeit wurden vernachlässigt. Der Deutschunterricht wurde als lehrerzentrierter Unterricht vermittelt. (vgl. http://www.bjde.net/chinese/yjzx/2003511204443.htm 12.12.2004 Übersetzung: Hu)
Die zweite Entwicklungsphase, Anfang der 60er Jahre, wurde von audiolingualer und audiovisueller Methode beeinflusst. Das Hören und das Sprechen hatten den Vorrang vor dem Lesen und dem Schreiben. Durch Imitation und häufiges Wiederholen wurden Sprachmuster geübt. Grammatik wurde induktiv vermittelt und grammatische Regeln wurden in Tabellen zusammengestellt. In Lehrwerken aus dieser Entwicklungsphase sind eine Menge Umformungs- und Ergänzungsübungen zu finden. Die Bedingungen des Sprachgebrauchs und die geschriebene Sprache wurden vernachlässigt. Lehrer spielten im Unterricht die Rolle des „Medientechnikers“. Der Deutschunterricht war lehrerzentriert und frontal. (vgl. ebda.)
Die dritte Entwicklungsphase begann Anfang der 80er Jahre. In dieser Phase wurde die kommunikative Didaktik in den Deutschunterricht eingeführt. Der beeinflussende Faktor ist die Sprechakttheorie, wonach Sprechen als Handeln gesehen wird. Die Grammatik ist Mittel zum Zweck und nicht Selbstzweck. Der Lektionsaufbau ist flexibel und offen. Der Inhalt orientiert sich an den Interessen der Lerner. Die zur Mitteilung kommunikativer Absichten wichtigen Formen und Strukturen werden gelehrt und gelernt. Jedoch werden die interkulturellen Aspekte und die kulturspezifischen Rahmenbedingungen sowie die literarische Sprache vernachlässigt. (vgl. ebda.)
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Kooperation zwischen China und Deutschland und leitet daraus die Notwendigkeit sowie den Rahmen für das Deutschlernen in China ab.
1 DaF in China: Dieses Kapitel skizziert die methodische Entwicklung des Deutschunterrichts in China, die Curricula für Germanistikstudiengänge sowie das spezifische Lernverhalten und die Lerntraditionen chinesischer Studierender.
2 Zur Fertigkeit: verstehendes Lesen: Hier werden theoretische Grundlagen zum Lesen in Mutter- und Fremdsprache, mentale Prozesse beim Leseverstehen sowie relevante Lesestile und Lernziele erläutert.
3 Strategien und Lernstrategien: Das Kapitel definiert Lernstrategien, klassifiziert diese und legt ihre wesentlichen Funktionen für den Lernerfolg dar.
4 Lesestrategien: Hier werden spezifische Lesestrategien wie SQ3R oder MURDER vorgestellt sowie kognitive und metakognitive Lesehandlungen detailliert analysiert.
5 Strategienvermittlung: Dieses Kapitel befasst sich mit Methoden zur Vermittlung von Lesestrategien und leitet daraus konkrete Empfehlungen für die Lesedidaktik ab.
6 Vorschläge zur Integration der Lesestrategienvermittlung im chinesischen Leseunterricht: Es werden didaktische Prinzipien wie Lernerautonomie und interkulturelle Orientierung präsentiert und ein konkreter Entwurf für eine Unterrichtssequenz entwickelt.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Umsetzbarkeit der vorgeschlagenen didaktischen Prinzipien im Kontext der chinesischen Lerntraditionen.
Schlüsselwörter
DaF, Deutsch als Fremdsprache, Leseverstehen, Lernstrategien, Lesestrategien, Chinesische Deutschlerner, Didaktik, Methodik, Lernerautonomie, Metakognition, Selbstevaluation, SQ3R, MURDER, Fremdsprachenunterricht, Unterrichtsplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Integration von Lern- und Lesestrategien im Deutschunterricht für chinesische Studierende, um deren Lesekompetenz und Selbstständigkeit zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Fokus stehen die Rahmenbedingungen des Deutschlernens in China, die Theorie des Leseprozesses, die Klassifizierung von Lernstrategien sowie praktische Ansätze zur Unterrichtsgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Lesestrategien zu beschreiben und ein Unterrichtsmodell zu entwerfen, das chinesische Studierende zur Selbstreflexion anregt und ihr Leseverstehen nachhaltig verbessert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse zu Didaktik, Leseforschung und Lernpsychologie sowie der Entwicklung eines didaktischen Konzepts (Unterrichtssequenz).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Ausgangslage in China, eine theoretische Fundierung des Lesens und der Strategien sowie in praktische Vorschläge für die Integration dieser Strategien in den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen DaF, Leseverstehen, Lernstrategien, Lernerautonomie, Selbstevaluation und didaktische Prinzipien.
Warum haben chinesische Studierende oft Schwierigkeiten mit langen deutschen Sätzen?
Die Arbeit erklärt dies u.a. mit der traditionellen Lernkultur, die oft auf Wort-für-Wort-Übersetzung und Auswendiglernen fokussiert ist, anstatt auf das Erfassen von Textzusammenhängen.
Welche Rolle spielt die Lernerautonomie?
Lernerautonomie wird als ein zentrales Ziel angesehen, da die Studierenden durch Selbstevaluation lernen sollen, ihren eigenen Lernprozess aktiv und verantwortungsbewusst zu gestalten.
Was ist das "Intensivlesen"?
Es handelt sich um eine gängige chinesische Unterrichtspraxis, bei der über mehrere Jahre hinweg mit intensiver Wort-für-Wort-Analyse gearbeitet wird, was das freie Leseverständnis eher einschränken kann.
- Quote paper
- Hu Feng (Author), 2005, Zur Nutzung der Lernstrategien bei chinesischen Deutschlernern , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160318