[...] Mit der Vollmitgliedschaft erhalten die
Beitrittskandidaten nach Übergangsfristen die vier Grundfreiheiten des gemeinsamen
Marktes: freier Verkehr von Waren, Kapital, Dienstleistungen und Personen. Der freie
Personenverkehr wird im Osten und Westen Europas als besonders wichtiger
Verhandlungsgegenstand gesehen.
In den bisherigen EU-Ländern herrscht trotz der Übergangsfristen Angst darüber, dass
nach dem Wegfall rechtlicher Migrationsschranken1 die Lage auf den westeuropäischen
Arbeitsmärkten weiter verschärft und die mögliche Magnetwirkung des umfangreichen
Angebots an staatlich bereitgestellten Gütern und Sozialleistungen der Marktwirtschaften
der EU zu einer Massenwanderung von Ost- nach Westeuropa führe.
Auf Seiten der Beitrittskandidaten hingegen besteht die Hoffnung, den westeuropäischen
Arbeitsmarkt zu erschließen und dadurch die heimischen Arbeitsmarktprobleme zu
mildern. Die Beitrittskandidaten befürchten aber, dass die Abwanderung vor allem
hochqualifizierte Arbeitskräfte betreffen könnte.(Nö. Grenzland News S.18.)
Diese Arbeit beschäftigt sich mit Schätzungen des Migrationspotentials2 im Zuge der EUOsterweiterung.
Im Fokus steht das Migrationspotential Ungarns.
Es werden zunächst der Stand der Beitrittsverhandlungen und dann die wichtigsten
Migrationstheorien dargestellt. Des Weiteren wird ein Überblick über die Ergebnisse
ausgewählter Befragungen und strukturelle Schätzungen im Thema Migration nach der
EU-Erweiterung präsentiert.
Das vierte Kapitel der Arbeit, das sich mit dem Migrationspotential Ungarns beschäftigt
basiert hauptsächlich auf zwei Quellen. Dies sind zum einen die Ergebnisse der
Mehrthemenbefragungen des TARKI Forschungsinstitutes aus den Jahren 2000, 2001 und
20023. Zum anderen ist dies die Abschlussstudie des Ungarischen Haushaltspanels (HHP) aus dem Jahre 1998. (Sik E. 1998; 133-152) Die Ergebnisse dieser Erhebungen werden
ausführlich dargestellt, miteinander verglichen und abschließend in einem Fazit
zusammengefasst.
1 Migration bedeutet alle Wanderungsbewegungen von Menschen – Individuen oder Gruppen, die ihren
bisherigen Wohnsitz längerfristig oder dauerhaft wechseln, unabhängig von den Motiven oder Ursachen,
welche die Verlagerung des Wohnsitzes zugrunde liegen (Koch 2001)
2 Migrationspotential ist ein Proportionszeiger, mit dem gezeigt wird, wie viel Prozent der Bevölkerung
eine Migration plant ( Sik 1998; 133)
3 1. Tarki 2000; 10-11 2. Tarki 2001 3. Bernat A. Tarki 2002; 3-21
Inhaltsverzeichnis
I.EINLEITUNG
1. DER STAND DER BEITRITTSVERHANDLUNGEN
2. ÜBERGANGSFRIST BEI DER ARBEITSNEHMERFREIZÜGIGKEIT
II.THEORETISCHE ANSÄTZE ZUR ERKLÄRUNG VON MIGRATION
1. KLASSISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE IN DER MIGRATIONSFORSCHUNG
1.1.Makroökonomische Ansätze
1.2.Neoklassische Mikroökonomische Theorien
2. DIE NEUE MIGRATIONSÖKONOMIE
2.1. Neuere Ansätze in der Migrationsforschung
2.1.1.Transnationale Migration
2.1.2. Migrationssysteme
2.1.3. Soziale Netzwerke
2.1.4. Soziales Kapital
3. ZUSAMMENFASSUNG DER THEORIEN, ALLGEMEIN BEEINFLUSSENDE FAKTOREN DER MIGRATION
III. ERGEBNISSE INTERNATIONALER ERHEBUNGEN IM THEMA MÖGLICHE MIGRATION NACH DER EU- ERWEITERUNG
1. QUANTITATIVE ÖKONOMETRISCHE BERECHNUNGEN
2. BEFRAGUNGEN
IV. MIGRATIONSPOTENTIAL IN UNGARN 1993 - 2002
1. DIE QUELLEN
1.1 Das Ungarische Haushaltspanel
1.2. Mehrthemenbefragungen des TARKI Institutes
1.2.1. Die CEORG Erhebungen in den Jahren 2000 und 2001
1.2.2. Erhebung des TARKI Institutes im Jahre 2002
2. ERGEBNISSE DER ERHEBUNGEN
2.1. Ergebnisse des HHPs
2.1.1. Migrationspotential in Ungarn in den Jahren 1993, 1994 und 1997
2.1.2. Die relevante Bevölkerung
2.1.3. Charakteristika möglicher Migranten
2.1.3.1. Alter
2.1.3.2. Geschlecht
2.1.3.3. Qualifikation
2.1.3.4. Berufstätigkeit, wirtschaftliche Aktivität
2.1.3.5. Gesellschaftliche Züge
2.1.3.6. Das Migrationsnetzwerk
2.1.3.7. Andere migrationsbeeinflussende Faktoren
2.1.4. Mögliche Zielländer
2.1.5. Zusammenhang zwischen der Richtung des Migrationnetzwerkes und der Auswahl des möglichen Ziellandes
2.2. Ergebnisse des TARKI Institutes bezüglich Ungarn
2.2.1. Migrationspotential in Ungarn in den Jahren 2000, 2001 und 2002
2.2.2. Perspektiven des Dableibens
2.2.3. Strukturmerkmale möglicher Migranten
2.2.4. Mögliche Zielländer
3. GEMEINSAMKEITEN UND UNTERSCHIEDE IN DEN ERHEBUNGEN
3.1. Die Fragestellung und die Antwortmöglichkeiten
3.1.1. Bei dem Haushaltspanel
3.1.2. Bei den TARKI – Erhebungen
3.2. Kategorien der Migrationsdauer
3.3. Die Altersuntergrenze
3.4. Vergleich der Ergebnisse
3.4.1. Das Migrationspotential
3.4.2. Charakteristika potentieller Migranten
3.4.3. Mögliche Zielländer
4. VERGLEICH DES MIGRATIONSPOTENTIALS IN UNGARN MIT DEM MIGRATIONSPOTENTIAL IN TSCHECHIEN UND POLEN
4.1. Interesse an Arbeitsmigration
4.2. Dauer des möglichen Aufenthaltes
4.3. Mögliche Zielländer
V. WEITERE FAKTOREN, DIE DAS MIGRATIONSPOTENTIAL BEI BEFRAGUNGEN BEEINFLUSSEN – AM BEISPIEL VON DER ERHEBUNG VON FASSMANN
5.1. Die Fragestellung
5.2. Aktivitäten hinsichtlich der Migration
5.3. Mögliche Zielländer
5.4. Transformierung des Bestandes in einer „Flow-Aussage“
5.5. Fassmanns Erhebung
VI. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Migrationspotential der ungarischen Bevölkerung im Kontext der EU-Osterweiterung. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Quantifizierung der Abwanderungsbereitschaft unter Berücksichtigung sozio-ökonomischer Merkmale und theoretischer Erklärungsansätze für Migrationsprozesse.
- Analyse klassischer und neuerer Migrationstheorien
- Empirische Untersuchung des ungarischen Migrationspotentials (1993–2002)
- Vergleich von Datenquellen (Ungarisches Haushaltspanel vs. TARKI-Erhebungen)
- Einflussfaktoren wie soziale Netzwerke, Armut und Qualifikation auf die Mobilität
- Internationaler Vergleich der Migrationsbereitschaft (Ungarn, Tschechien, Polen)
Auszug aus dem Buch
2.1.3.6. Das Migrationsnetzwerk
Das Migrationsnetzwerk besteht aus Elementen des Kontaktsystems. Die Elemente sind die Personen und die Kontakte der möglichen Migranten, welche einen Einfluss auf ihr Migrationsverhalten haben. Das Netz bedeutet die „Dichte“ der Bekannten, Freunde und Verwandten, die schon im Ausland arbeiten oder eine Arbeitaufnahme im Ausland planen.
Kontakte im Ausland und intensive Migrationserfahrungen unter einheimischen Bekannten der möglichen Migranten erhöhen das Migrationspotential. Mögliche Migranten haben mehr Kontakte im Ausland als der durchschnittliche ungarische Einwohner. Ihre Verwandten, Bekannten und Freunde neigen auch zur Migration. Diejenigen, die sich als abwanderungsbereit deklarierten, waren auch öfter im Ausland als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.
Verwandte im Ausland zu haben, bedeutet für mögliche Migranten eine größere Anziehungskraft, als Freunde im Ausland zu haben. Verwandtschaftliche Kontakte stellen eine bessere soziale Sicherheit als Freundschaften dar. Von den zwei Faktoren „Bekannte zu haben, die im Ausland arbeiten wollen“ und „Bekannten zu haben, die bereits im Ausland arbeiten“ hatte der zweite Faktor eine größere Wirkung auf das Migrationspotential. Bekannte zu haben, die schon ins Ausland gegangen sind bedeuten für die Mobilitätsbereiten nicht nur Pläne, sondern ein Beispiel von verwirklichten „Träume“, und konkrete Informationen.
Ausländische Erfahrungen, - auch als Tourist - erhöhen das Migrationspotential. Solche Erfahrungen haben einen positiven Einfluss auf das Selbstbewusstsein und das Sprachwissen des Individuums. Ein Auslandsaufenthalt für kurze oder lange Zeit ist eine gute Möglichkeit für die Informationssammlung und die Vorbereitung der Migration. Je besser mögliche Migranten das Zielland kennen und desto mehr positive Erfahrungen sie über das Zielland haben, umso leichter werden sie den Herkunftsstaat verlassen.
Zusammenfassung der Kapitel
I.EINLEITUNG: Einleitung in das Thema der EU-Erweiterung, der Migrationsproblematik und die Vorstellung der Datenquellen.
II.THEORETISCHE ANSÄTZE ZUR ERKLÄRUNG VON MIGRATION: Darlegung klassischer und neuerer Migrationstheorien sowie Faktoren, die Migrationsentscheidungen beeinflussen.
III. ERGEBNISSE INTERNATIONALER ERHEBUNGEN IM THEMA MÖGLICHE MIGRATION NACH DER EU- ERWEITERUNG: Überblick über internationale Studien, quantitative Schätzungen und die Bedeutung von Befragungen.
IV. MIGRATIONSPOTENTIAL IN UNGARN 1993 - 2002: Detaillierte Analyse des ungarischen Migrationspotentials basierend auf dem Ungarischen Haushaltspanel und TARKI-Erhebungen.
V. WEITERE FAKTOREN, DIE DAS MIGRATIONSPOTENTIAL BEI BEFRAGUNGEN BEEINFLUSSEN – AM BEISPIEL VON DER ERHEBUNG VON FASSMANN: Diskussion methodischer Faktoren, die bei Befragungen berücksichtigt werden müssen, um das tatsächliche Migrationspotential zu schätzen.
VI. ZUSAMMENFASSUNG: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen zur Schätzbarkeit von Migrationspotentialen.
Schlüsselwörter
EU-Osterweiterung, Arbeitsmigration, Migrationspotential, Ungarn, Haushaltspanel, TARKI, Migrationsnetzwerk, Push-Pull-Faktoren, Transnationale Migration, Mobilität, Fachkräfteabwanderung, Soziales Kapital, Beitrittsverhandlungen, Europa, Arbeitsmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Migrationspotential ungarischer Arbeitskräfte im Kontext der EU-Erweiterung zwischen 1993 und 2002.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind theoretische Erklärungen für Migration, der Vergleich von Umfragedaten zur Migrationsbereitschaft und die Untersuchung soziodemographischer Faktoren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das tatsächliche Ausmaß der geplanten Arbeitsmigration aus Ungarn zu schätzen und die Einflussfaktoren wie Alter, Bildung und soziale Netzwerke zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Sekundäranalyse empirischer Daten aus dem Ungarischen Haushaltspanel (HHP) und den Mehrthemenbefragungen des TARKI-Instituts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen die Ergebnisse der Umfragen detailliert gegenübergestellt, Unterschiede in den Migrationsdauern diskutiert und ein Vergleich mit Polen und Tschechien gezogen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere EU-Osterweiterung, Migrationspotential, Arbeitsmarkt, Migrationsnetzwerke und die sozioökonomische Struktur potentieller Migranten.
Warum ist das Migrationsnetzwerk für die untersuchten Migranten so wichtig?
Das Netzwerk liefert nicht nur Informationen über Jobs und Wohnraum, sondern reduziert durch vorhandene Kontakte die wahrgenommenen Risiken und Kosten einer Migration.
Wie unterscheidet sich die "kleine" von der "großen" Armut bei der Migrationsentscheidung?
Die "kleine Armut" (relativer Mangel) hindert oft an der Migration, da die Mittel für die Vorbereitung fehlen; "große Armut" kann hingegen den Migrationsdruck erhöhen, da die Betroffenen in der Heimat kaum Perspektiven sehen.
- Quote paper
- Zsuzsa Font (Author), 2003, EU-Erweiterung und Arbeitsmigration - Migrationspotential in Ungarn 1993 - 2002, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16034