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Intertextualität im Literaturunterricht am Beispiel des Romans L'Adultera von Theodor Fontane

Title: Intertextualität im Literaturunterricht am Beispiel des Romans L'Adultera von Theodor Fontane

Term Paper , 2003 , 24 Pages , Grade: 2

Autor:in: Yvonne Vitt (Author)

Didactics - German Studies
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Das Zitat ist ein Phänomen, das uns, alltäglich begleitend, in Literatur, Wissenschaft, Politik und in den Medien - insbesondere in der Werbungbegegnet. Als Rezipienten nehmen wir „fremde Worte“, wozu Zitate, aber auch Anspielungen zählen, zunächst in unseren passiven Wortschatz auf und können diese schließlich durch Aktivierung und einen Transfer vom passiven in den aktiven Sprachschatz, in einem Wechsel von Empfänger- zu Senderrolle, weiterverwenden. Allein in mündlichen Diskursen bedienen wir uns geflügelter Worte, Sprichwörter und anderer Zitate, oftmals ohne uns derer Verwendung bewusst zu sein. Anders erscheint dies im schriftlichen Gebrauch: In einem Text, der für andere zugänglich gemacht und rezipiert werden soll, werden „fremde Worte“, wie Zitate und Anspielungen, von Seiten des Verfassers üblicherweise kenntlich gemacht. Dies geschieht gewöhnlich durch eine direkte Markierung, also durch Anführungszeichen oder, wie oftmals in wissenschaftlichen Arbeiten, durch Fußnoten. Abgesehen von den wissenschaftlichen Arbeiten finden sich in der Literatur ein Vielzahl an Zitaten und Anspielungen, die - teils kenntlich gemacht, teils unmarkiert - für den Rezipienten nicht immer gleich ersichtlich ist, und deren Aufdeckung „ganz und gar von der Sensibilität, der Gestimmtheit, der Aufnahmebereitschaft und Aufnahmewilligkeit des Empfängers“, also vom kritischen Textumgang des Rezipienten, abhängt. Kritischer Textumgang ermöglicht dem Rezipienten umfassende und vielschichtige Texte zu erschließen, und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass dies im Rahmen des Deutsch- bzw. Literaturunterrichts ein Ziel darstellt, das bereits ab der sechsten Klasse stetig verfolgt wird und spätestens nach Beendigung der Schullaufbahn der jeweiligen Schülerinnen und Schüler erreicht werden sollte. Kritischem Textumgang geht eine Einübung in Textverständnis voraus, die ab der gymnasialen Mittelstufe durch Wiedergeben, Beschreiben, und Deuten, schließlich durch Erörtern und Beurteilen erfolgt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Intertextualität und Literaturunterricht

3. Zitat und Allusion

4. Intertextualität in Theodor Fontanes Roman „L’ Adultera“

4.1 L’ Adultera – Die Ehebrecherin vor Christus

4.2 Das Bildungsbürgertum des 19. Jahrhunderts

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Möglichkeiten und Herausforderungen der Thematisierung von Intertextualität im Deutschunterricht der gymnasialen Oberstufe anhand von Theodor Fontanes Roman „L’Adultera“ aufzuzeigen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie durch die Analyse von intertextuellen Bezügen ein vertieftes Textverständnis und ein kritischer Textumgang bei Schülerinnen und Schülern gefördert werden kann.

  • Konzeptualisierung von Intertextualität, Zitat und Allusion.
  • Analyse der intertextuellen Verweise in Fontanes „L’Adultera“.
  • Didaktische Vermittlung literarischer Kompetenzen durch induktive Textanalyse.
  • Reflexion über gesellschaftliche Normen und Rollenbilder des 19. Jahrhunderts.
  • Bedeutung der bürgerlichen Zitierkultur für das literarische Verständnis.

Auszug aus dem Buch

4.1 L’ Adultera – Die Ehebrecherin vor Christus

Wenngleich Fontane mehr oder minder mit Blick auf die Publikumserwartungen und die möglichen Absatzzahlen von dem ursprünglichen Titel „Melanie van der Straaten“ zugunsten „des reißerischen Titels ‚Die Ehebrecherin’“ abgesehen hat, lässt der Titel des Romans doch Rückschlüsse hinsichtlich des Verlaufs und des Ausgangs des Romans zu. Da der Titel sich gleich einem roten Faden durch den gesamten Roman zieht, sollte diese Anspielung als erstes untersucht werden.

Auf die Textpassage (S. 48) hinweisend, werden die Schülerinnen und Schüler vermutlich die unmarkierte, aber offene Allusion auf Shakespeares „Romeo und Julia“ herausarbeiten können.

„Sie müssen nämlich wissen, Herr Rubehn, daß wir hier in zwei Lagern stehen und daß sich das van der Straatensche Haus, das nun auch das Ihrige sein wird, in bilderschwärmende Montecchi und musikschwärmende Capuletti teilt. Ich, tout à fait Capulet und Julia. Doch mit untragischem Ausgang.“

Diese Anspielung auf die in Romeo und Julia verfeindeten Familien Montague und Capulet verdeutlicht innerhalb dieses kurzen Abschnitts gleich verschiedene Aspekte. Zum einen wird, indem der Sinn der vorangegangenen Anspielungen auf Musik und Kunst deutlich gemacht wird, klar herausgestellt, dass es innerhalb des van der Straatenschen Hauses und dessen Freundeskreis zwei Parteien gibt, die, zwar nicht bis aufs Blut verfeindet sind – die Allusion entpuppt sich hier als Hyperbel -, jedoch als jeweilige Verfechter von bildender Kunst oder Musik vehement ihren eigenen Standpunkte vertreten ohne sich auch nur eines einzigen Arguments der Gegenseite anzunehmen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Zitats und der Intertextualität als Gegenstand für den Literaturunterricht ein und formuliert das Ziel der Arbeit.

2. Intertextualität und Literaturunterricht: Das Kapitel definiert den Begriff der Intertextualität sowie deren Abgrenzung in interne und externe Formen und begründet den didaktischen Mehrwert für die Textanalyse.

3. Zitat und Allusion: Hier werden die theoretischen Unterschiede zwischen Zitaten und Allusionen sowie deren jeweilige Erkennbarkeit und Dekodierung durch den Rezipienten erörtert.

4. Intertextualität in Theodor Fontanes Roman „L’ Adultera“: Dieses Kapitel wendet die erarbeiteten theoretischen Grundlagen konkret auf Fontanes Roman an, um dessen komplexe Textstrukturen zu erschließen.

4.1 L’ Adultera – Die Ehebrecherin vor Christus: Es wird die intertextuelle Verknüpfung von Fontanes Roman mit biblischen Motiven untersucht, um die Handlungsentwicklung und Figurenpsychologie zu beleuchten.

4.2 Das Bildungsbürgertum des 19. Jahrhunderts: Dieses Unterkapitel analysiert die Rolle von Zitaten als Ausdruck einer bürgerlichen Zitierkultur und deren Bedeutung für die Charakterisierung der Romanfiguren.

5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Thematisierung von Intertextualität im Unterricht trotz des zeitlichen Aufwands eine wertvolle Methode zur Schärfung der Textwahrnehmung und Wissensvermittlung darstellt.

Schlüsselwörter

Intertextualität, Literaturunterricht, Theodor Fontane, L’Adultera, Zitat, Allusion, Textanalyse, Rezeption, Didaktik, Bildungsbürgertum, Collagetechnik, Romananalyse, Literatursoziologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das literaturwissenschaftliche und didaktische Potenzial des Intertextualitätskonzepts für den Literaturunterricht der gymnasialen Oberstufe am Beispiel von Theodor Fontanes Roman „L’Adultera“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die theoretische Bestimmung von Intertextualität, Zitat und Allusion, die Anwendung dieser Begriffe auf den Romantext sowie die Reflexion über die Rolle der Literaturdidaktik.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lehrer durch die Arbeit mit intertextuellen Bezügen die Schülerinnen und Schüler zu einem vertieften Textverständnis und einem kritischen Umgang mit literarischen Texten führen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein induktives Vorgehen gewählt, das die struktural-linguistische Methode mit der Literatursoziologie verbindet, um ausgehend von einzelnen Zitaten umfassendere Schlüsse auf den Romanverlauf und zeithistorische Kontexte zu ziehen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe Zitat und Allusion theoretisch geklärt. Anschließend wird dies konkret an Fontanes „L’Adultera“ demonstriert, insbesondere durch die Analyse biblischer Verweise („Die Ehebrecherin vor Christus“) und die Rolle der bürgerlichen Zitierkultur im 19. Jahrhundert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind die Begriffe Intertextualität, Literaturunterricht, Zitattechnik, Fontane und Rezeptionskompetenz.

Warum ist die Analyse der „Romeo und Julia“-Allusion für Schüler wichtig?

Die Allusion dient als Hyperbel, um den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen den beiden Parteien im Haus van der Straaten (Musik vs. bildende Kunst) zu verdeutlichen und Vorausdeutungen auf den weiteren Handlungsverlauf zu ermöglichen.

Wie wird das biblische Zitat der „Ehebrecherin“ im Roman interpretiert?

Das Zitat fungiert als Transformationsmedium, das Parallelen zwischen der biblischen Figur und Melanie van der Straaten aufbaut, um deren gesellschaftliche Ächtung, ihre Schuldgefühle und die spätere Versöhnung interpretierbar zu machen.

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Details

Title
Intertextualität im Literaturunterricht am Beispiel des Romans L'Adultera von Theodor Fontane
College
University of Siegen  (FB Germanistik)
Course
Wilhelm Raabe und Theodor Fontane: Literarische Anspielungs- und Zitattechnik in der Erzählprosa
Grade
2
Author
Yvonne Vitt (Author)
Publication Year
2003
Pages
24
Catalog Number
V16035
ISBN (eBook)
9783638209908
Language
German
Tags
Intertextualität Literaturunterricht Beispiel Romans Adultera Theodor Fontane Wilhelm Raabe Theodor Fontane Literarische Anspielungs- Zitattechnik Erzählprosa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Yvonne Vitt (Author), 2003, Intertextualität im Literaturunterricht am Beispiel des Romans L'Adultera von Theodor Fontane, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16035
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