Leasing gewann in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. So ist der Anteil des Leasings an den gesamtwirtschaftlichen Investitionen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. In Deutschland werden ca. 25% aller mobilen Investitionsgüter mithilfe von Leasing finanziert; in den USA liegt diese Quote sogar noch höher. Bereits im Jahr 2006 wurden dabei mehr Investitionen über Leasing finanziert als über traditionelle Bankkredite.
Der Begriff „Leasing“ geht weiter als die traditionelle Miete. Er umfasst neben reinen Miet- und Pachtverträgen auch Rechtsgeschäfte, die nach ihrem wirtschaftlichen Gesamtbild einen Kaufvertrag mit Ratenzahlung darstellen, sowie alle denkbaren Zwischenformen. Durch den Leasingvertrag wird einem Vertragspartner das Nutzungsrecht an einem Leasinggegenstand eingeräumt, wofür anstelle des vollen Kaufpreises die vereinbarten Leasingraten zu entrichten sind.
Aus Sicht der Rechnungslegung stellt sich nun die Frage, wie eine solche Nutzungsüberlassung in den Bilanzen des Leasinggebers und des Leasingnehmers zu erfassen ist. Eine pauschale Antwort hierauf ist nicht möglich, hängt die bilanzielle Erfassung doch entscheidend von der vertraglichen Ausgestaltung der Leasingvereinbarung sowie vom anzuwendenden Rechnungslegungssystem ab.
Der Leasingnehmer wird i.d.R. versuchen, den Vertrag so auszugestalten, dass er das Leasingverhältnis und die damit einhergehende Verbindlichkeit zur Zahlung der Lea-singraten nicht in seiner Bilanz abbilden muss, es also off-balance – außerhalb der Bilanz – zu behandeln. Dies verhindert negative Auswirkungen auf die Bonitätsbeur-teilung, z.B. durch Ratingagenturen, da der Verschuldungsgrad unberührt bleibt.
Im Rahmen dieser Arbeit soll dargestellt werden, unter welchen Voraussetzungen Leasinggegenstände nach HGB und IFRS beim Leasingnehmer off-balance behandelt werden können. Anschließend sollen beide Rechnungslegungssysteme im Hinblick auf ihre Voraussetzungen für eine Off-Balance Behandlung verglichen und ein Ausblick über die zukünftige Entwicklung der IFRS zu diesem Thema gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Darstellung der Bilanzierung nach HGB
2.1 Bilanzansatz nach HGB
2.1.1 Zurechnung zum wirtschaftlichen Eigentümer
2.1.2 Operate- und Finanzierungsleasing
2.1.3 Voll- und Teilamortisationsverträge
2.2 Bilanzielle Behandlung nach HGB
3 Darstellung der Bilanzierung nach IFRS
3.1 Bilanzansatz nach IFRS
3.1.1 Operate Leasing
3.1.2 Finanzierungsleasing
3.2 Bilanzielle Behandlung nach IFRS
3.2.1 Operate Leasing
3.2.2 Finanzierungsleasing
4 Sale and Lease Back
5 Vergleich der Ansatzvoraussetzungen nach HGB und IFRS
6 Ausblick und Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen einer Off-Balance-Behandlung von Leasingverträgen aus Sicht des Leasingnehmers unter Anwendung der deutschen HGB-Vorschriften sowie der internationalen IFRS-Rechnungslegungsstandards.
- Wirtschaftliche Zurechnung von Leasinggegenständen
- Differenzierung zwischen Operate- und Finanzierungsleasing
- Kriterien für die Bilanzierung bzw. Off-Balance-Behandlung
- Vergleich der qualitativen und quantitativen Kriterien im HGB und IFRS
- Ausblick auf zukünftige Entwicklungen in der Leasingbilanzierung
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Finanzierungsleasing
Werden Chancen und Risiken im Wesentlichen auf den Leasingnehmer übertragen, so wird das Leasingverhältnis als Finanzierungsleasing klassifiziert (IAS 17.8), womit der Leasingnehmer den Leasinggegenstand und die korrespondierende Verbindlichkeit in seiner Bilanz auszuweisen hat (IAS 17.20). Finanzierungsleasing kann wirtschaftlich als Ratenkauf angesehen werden.
IAS 17.10 und 17.11 liefern einen Katalog von Kriterien, die einzeln oder in Kombination miteinander zur Klassifizierung als Finanzierungsleasing führen. Der Katalog liefert jedoch lediglich Anhaltspunkte und die Aufzählung der Kriterien ist nicht als abschließend anzusehen. Teilweise enthält sie erhebliche Ermessensspielräume und auslegungsbedürftige Begriffe anstelle von klar quantifizierten Angaben, wie sie in den Leasingerlassen zu finden sind, wodurch eine Grenzziehung erschwert wird. Ob es sich bei einem Leasingverhältnis um ein Finanzierungs- oder Operate-Leasingverhältnis handelt, hängt dabei nicht von der formalen Ausgestaltung, sondern vom wirtschaftlichen Gehalt der Vereinbarung ab (substance over form).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung von Leasing sowie der Zielsetzung der Untersuchung hinsichtlich der Off-Balance-Behandlung.
2 Darstellung der Bilanzierung nach HGB: Analyse der Zurechnungskriterien für Leasingobjekte unter Einbeziehung der steuerlichen Leasingerlasse und der Differenzierung nach Voll- und Teilamortisationsverträgen.
3 Darstellung der Bilanzierung nach IFRS: Erläuterung der Klassifizierung von Leasingverhältnissen nach IAS 17 anhand des Chancen-Risiko-Ansatzes und der konkreten Indikatoren.
4 Sale and Lease Back: Betrachtung der speziellen Gestaltung von Sale-and-Lease-Back-Transaktionen und deren Auswirkungen auf die Bilanz des Leasingnehmers.
5 Vergleich der Ansatzvoraussetzungen nach HGB und IFRS: Gegenüberstellung der formalen HGB-Kriterien mit dem wirtschaftlich orientierten IFRS-Ansatz und Diskussion der Abgrenzungsschwierigkeiten.
6 Ausblick und Fazit: Zusammenfassende Bewertung der aktuellen Praxis und Ausblick auf die geplante Neuregelung durch den „right-of-use approach“.
Schlüsselwörter
Leasing, Off-Balance, HGB, IFRS, Finanzierungsleasing, Operate Leasing, Bilanzierung, wirtschaftliches Eigentum, IAS 17, Leasingerlasse, Sale and Lease Back, Nutzungsdauer, Mindestleasingzahlungen, Anschaffungskosten, Bilanzkennzahlen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten, Leasingverträge in der Bilanz des Leasingnehmers nicht auszuweisen (Off-Balance), und vergleicht dazu die Regelungen nach HGB und IFRS.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Zurechnung von wirtschaftlichem Eigentum, der Klassifizierung von Leasingverträgen (Operate vs. Finanzierungsleasing) und den Bewertungsunterschieden zwischen nationalem und internationalem Recht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Voraussetzungen für eine bilanzneutrale (Off-Balance) Behandlung von Leasinggegenständen in beiden Rechnungslegungssystemen darzustellen und zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtsvergleichende und bilanzanalytische Methode, um die Anforderungen an den Bilanzansatz und die damit verbundenen Ermessensspielräume kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der HGB-Regelungen (Leasingerlasse), die IFRS-Standards (IAS 17) sowie einen systematischen Vergleich dieser beiden Ansätze.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Leasing, Off-Balance-Accounting, wirtschaftliche Zurechnung, Finanzierungsleasing und IAS 17.
Welche Rolle spielt das BilMoG in dieser Arbeit?
Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) wird in Bezug auf § 246 HGB als gesetzlicher Anker für die wirtschaftliche Zurechnung bei Leasinggegenständen nach deutschem Recht thematisiert.
Warum wird der "all or nothing approach" kritisiert?
Er wird kritisiert, weil er dazu führt, dass Leasingverhältnisse entweder vollständig aktiviert oder gar nicht erfasst werden, was durch geschickte Vertragsgestaltung zu Verzerrungen der Bilanzkennzahlen führen kann.
Was beinhaltet der „right-of-use approach“?
Dies ist ein neuer Ansatz des IASB, bei dem das Nutzungsrecht des Leasingnehmers sowie die entsprechende Zahlungsverpflichtung in der Bilanz erfasst werden sollen, um den Off-Balance-Effekt zu verhindern.
- Arbeit zitieren
- Daniel Wischemann (Autor:in), 2009, Möglichkeiten und Grenzen der Off-Balance-Behandlung von Leasingverträgen gemäß IFRS im Vergleich zu HGB, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160388