In dieser Hausarbeit wird ein Gedicht von Pablo Neruda (Ercilla) analysiert. Dabei geht es vor allem um die Mapuche, die indigene Bevölkerung Chiles und die Kolonialisierung der Spanier. Der Fokus der Gedichtsanalyse liegt auf der politischen Ausrichtung Nerudas, welche man zwischen den Zeilen des Gedichts lesen und interpretieren kann. Für Spanischstudenten, Lehramtsstudenten oder Studenten der Literaturwissenschaft sollte dies interessant sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Begegnung Ercillas mit der Natur Araukaniens
3 Das lyrische Ich spricht zu Ercilla
4 Die Niederlage der Konquistadoren
5 Die indigene Präsenz in den Werken Nerudas
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert und interpretiert das Gedicht „Ercilla“ von Pablo Neruda, um aufzuzeigen, wie der Dichter darin seine politische Haltung gegenüber dem Kolonialismus und den indigenen Völkern Chiles formuliert.
- Intertextuelle Verknüpfung zwischen Nerudas „Ercilla“ und dem Epos „La Araucana“
- Analyse der Darstellung von Natur und indigener Identität
- Kritik an der spanischen Konquista und dem Verhalten der Konquistadoren
- Rolle des Alonso de Ercilla als singuläre Figur im Werk Nerudas
- Historische Kontextualisierung des Arauco-Krieges
Auszug aus dem Buch
3 Das lyrische Ich spricht zu Ercilla
Ab der achten Zeile beginnt das lyrische Ich zu Ercilla zu sprechen. Es versetzt sich in Ercillas Lage, indem es das fühlt, was Ercilla einst fühlte. Diese Verbindung zwischen dem lyrischen Ich und Ercilla wird durch die erste Person Singular von oir signalisiert: „Hombre, Ercilla sonoro, oigo el pulso del agua“ (V8). Besonders auffällig ist hier das Klangvolle Ercillas. Laut Turner war Alonso de Ercilla in erster Linie ein singender Dichter, weshalb er auch das Klangvolle Ercillas mit dem Gesang in Verbindung bringt, der den Kolonialismus chilenischer Gebiete in einem anderen Stil erzählt. Turner beschreibt Alonso de Ercilla als Material, welches den Canto General Nerudas geformt hat:
“En definitiva, Ercilla, es también arcilla del Canto general. Es otro material del canto, un ejemplo mayor de la interrelación historia, texto y naturaleza. Otra concreción temático-discursiva de la “generalidad” del canto nerudiano“ (Turner 2004, 10).
Ercilla wird jedoch nicht nur als klangvoll bezeichnet, weil er Dichter war, sondern weil er von der indigenen Bevölkerung berichtete, über sie sprach und das Wissen über sie an die Öffentlichkeit gebracht hat. Das Mapudungun war eine rein mündliche Sprache, zu der man zu jener Zeit keine schriftlichen literarischen Überlieferungen fand. Das bedeutet, dass zu der Zeit weltweit nichts über die Mapuche berichtet oder veröffentlicht wurde, bis Ercilla damit begann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in den historischen Kontext des Arauco-Krieges ein und erläutert die intertextuellen Bezüge zwischen Nerudas Gedicht und Alonso de Ercillas Werk.
2 Die Begegnung Ercillas mit der Natur Araukaniens: Dieses Kapitel analysiert die erste Strophe des Gedichts und zeigt auf, wie die Natur Araukaniens Ercilla als Eroberer fesselt und zur Inspiration für sein eigenes Werk wird.
3 Das lyrische Ich spricht zu Ercilla: Hier wird die direkte Ansprache des lyrischen Ichs an Ercilla untersucht, wobei dessen Einzigartigkeit als „singender Dichter“ und seine Sonderstellung unter den spanischen Eroberern hervorgehoben wird.
4 Die Niederlage der Konquistadoren: Das Kapitel behandelt die kritische Auseinandersetzung mit der spanischen Kriegsführung und interpretiert das Ende des Gedichts als Symbol für den Sieg der araukanischen Natur über die Konquistadoren.
5 Die indigene Präsenz in den Werken Nerudas: Dieses Kapitel kontextualisiert Nerudas politisches Engagement für die Sichtbarkeit der indigenen Bevölkerung Chiles und dessen Enttäuschung über die fortschreitende Vergessenheit ihrer Geschichte.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und betont Nerudas Bewunderung für Ercilla sowie seine scharfe Kritik an der kolonialen Eroberungspolitik.
Schlüsselwörter
Pablo Neruda, Ercilla, La Araucana, Mapuche, Chile, Kolonialismus, Konquista, Arauco-Krieg, Naturdarstellung, indigene Bevölkerung, Canto General, Alonso de Ercilla y Zúñiga, politische Lyrik, Geschichtsschreibung, Widerstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die politische Ausrichtung Pablo Nerudas in seinem Gedicht „Ercilla“ und wie er durch die literarische Auseinandersetzung mit dem spanischen Dichter Alonso de Ercilla eine kritische Haltung gegenüber dem Kolonialismus einnimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Naturverbundenheit Araukaniens, die Rolle der indigenen Mapuche, die Kritik am spanischen Eroberungsprozess und die literarische Würdigung Ercillas als Ausnahme unter den Konquistadoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine detaillierte Interpretation des Gedichts „Ercilla“ zu beantworten, wie Neruda seine politische Positionierung und Identifikation mit der chilenischen Heimat und den indigenen Völkern in seinem Werk formuliert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse und Interpretation des Gedichttextes unter Einbeziehung des historischen Kontextes sowie theoretischer Sekundärliteratur.
Welche Inhalte prägen den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Naturmetaphorik, die Untersuchung der Kommunikation zwischen dem lyrischen Ich und Ercilla sowie eine kritische Betrachtung der Darstellung spanischer Kriegsverbrechen.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Mapuche, Canto General, Kolonialismuskritik, Ercilla, Araukanien und die poetische Identität Nerudas.
Warum hebt Neruda Alonso de Ercilla so deutlich von den anderen Konquistadoren ab?
Neruda sieht in Ercilla einen „singenden Dichter“, der als Einziger das Leid der Mapuche erkannte und dokumentierte, anstatt sie bloß gewaltsam zu unterwerfen, wodurch er sich von den anderen Eroberern distanziert.
Wie interpretiert der Autor das Ende des Gedichts?
Das Ende wird als Symbol für die Niederlage der spanischen Eroberungspolitik verstanden, bei der die Natur Araukaniens schließlich wieder in einen friedvollen Zustand zurückkehrt, während die Eroberer scheitern.
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- Deniz Inkaya (Author), 2021, Die politische Ausrichtung von Pablo Neruda am Beispiel seines Gedichts "Ercilla", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1604089